Rubén Darío

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Rubén Darío
Denkmal für Rubén Darío in Palma

Rubén Darío (eigentlich Félix Rubén García y Sarmiento; * 18. Januar 1867 in Metapa; † 6. Februar 1916 in León) war ein nicaraguanischer Schriftsteller und Diplomat.

Rubén Darío war ein Sohn einer kreolischen Mittelstandsfamilie. Zu Ehren von Vorfahren, die Los Daríos genannt wurden, nahm er seinen Künstlernamen an. Seine Geburtsstadt Metapa wurde ihm zu Ehren in Ciudad Darío umbenannt. Darío war mit Rafaela Contreras verheiratet, mit der er einen Sohn zeugte, und nach ihrem frühen Tod 1883 mit Rosario Murillo. Weitere drei Kinder hatte er mit seiner späteren Geliebten Francisca Sánchez.

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten]

Rubén war das erste Kind von Manuel García und Rosa Sarmiento, die am 26. April 1866 in León geheiratet hatten. Dafür hatten sie eine päpstliche Dispens gebraucht, da sie Cousin und Kusine waren. Die Ehe seiner Eltern war noch vor seiner Geburt zerrüttet, da der Vater allzu sehr dem Alkohol und den Prostituierten zusprach. Die Schwangere ging nach Metapa, wo sie ihren Sohn gebar. Zunächst nahm sie ihn mit nach León (Nicaragua). Als sie jedoch mit ihrem Geliebten nach Honduras zog, ließ sie ihn bei ihrer Tante Bernarda Sarmiento und deren Mann, dem Coronel Félix Ramírez Madregil, zurück, so dass Rubén bei Großtante und Großonkel aufwuchs. Er besuchte verschiedene Schulen in León, darunter auch ein Jesuitengymnasium (1879 und 1880). Er lernte nach eigenen Angaben schon mit drei Jahren lesen und galt früh als dichterisches Wunderkind (poeta niño). Es gibt Anekdoten, wonach er mit 6 Jahren bereits erste Gedichte verfasste; ein 1879 geschriebenes Sonett ist erhalten, und als er 13 Jahre alt war, wurde seine Elegie Una lágrima in der Zeitung El Termómetro veröffentlicht. In dieser Zeit wurde er hauptsächlich von den spanischen Dichtern José Zorrilla y Moral, Ramón de Campoamor, Gaspar Núñez de Arce und Ventura de la Vega beeinflusst. Später sollte er sich für das Werk von Victor Hugo und Juan Montalvo interessieren.

In den 1880er Jahren verließ er sein Heimatland. Zunächst ging er 1882 nach El Salvador, wo er erste Bekanntschaften mit lokalen Dichtergrößen machte. Der damalige Präsident, Rafael Zaldívar, protegierte ihn; dennoch litt er unter wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Nachdem er an Pocken erkrankt war, kehrte er 1883, noch rekonvaleszent, nach Nicaragua zurück. 1885 wurde sein erstes Buch, Epístolas y poemas, gedruckt, jedoch erst drei Jahre später ausgeliefert.

1886 ging er nach Chile und arbeitete als freier Mitarbeiter bei verschiedenen Zeitungen, darunter La Época, El Heraldo und La Nación. Er gewann den Sohn des Präsidenten, den Dichter Pedro Balmaceda Toro, zum Freund und bekam Kontakt zur großbürgerlichen Welt. 1887 erschien sein Gedichtband Abrojos und ein Jahr später Azul, mit dem er die neue literarische Strömung des Modernismo eröffnen sollte.

Rubén Darío

1889 kehrte er nach Mittelamerika zurück und heiratete am 21. Juni 1890 in San Salvador Rafaela Contreras. Tags darauf fand ein Staatsstreich gegen den amtierenden Präsidenten statt, so dass Rubén Darío es vorzog, nach Guatemala zu fliehen, während seine frisch Angetraute in El Salvador verblieb. 1890 erschien die zweite, erweiterte Auflage von Azul mit zwei Briefen des berühmten spanischen Schriftstellers Juan Valera als Vorwort. Im Januar konnte auch Rafaela nachkommen; zusammen zogen sie nach Costa Rica, wo ihr erster Sohn, Rubén Darío Contreras, am 12. November 1891 zur Welt kam. Zum 400. Jahrestag der "Entdeckung Amerikas" ernannte die nicaraguanische Regierung Rubén Darío zum Mitglied einer offiziellen Delegation, die das Land bei den Feierlichkeiten in Spanien vertreten sollte. Während der Überfahrt machte er Zwischenstation in Havanna, wo er den Dichter Julián del Casal kennenlernte. In Spanien selbst verkehrte er mit zahlreichen Intellektuellen und Schriftstellern, wie Emilia Pardo Bazán, Juan Valera, José Zorrilla, Gaspar Núñez de Arce, Marcelino Menéndez Pelayo und Salvador Rueda.

Bald nach der Rückkehr nach Nicaragua erhielt er Nachricht von der schweren Erkrankung seiner Frau Rafaela, die am 23. Januar 1893 starb. Rubén Darío verehelichte sich bald darauf mit Rosario Murillo. Im April desselben Jahres wurde er vom kolumbianischen Präsidenten Miguel Antonio Caro zum Honorarkonsul in Buenos Aires ernannt. Bevor er sein Amt antrat, reiste er noch nach New York, wo er den kubanischen Dichter José Martí kennenlernte, und nach Paris, wo er ein eher enttäuschendes Zusammentreffen mit dem von ihm so verehrten Paul Verlaine hatte. Am 13. August 1893 gelangte er nach Buenos Aires; seine Gattin, die in Nicaragua zurückgeblieben war, gebar am 26. Dezember desselben Jahres einen Sohn, Darío Darío, der jedoch im Alter von wenigen Wochen an Tetanus sterben sollte. In Buenos Aires verkehrte Rubén Darío in Intellektuellenkreisen und war Korrespondent für verschiedene Zeitungen, wie La Prensa, La Tribuna und El Tiempo. Am 3. Mai 1895 verstarb seine Mutter Rosa Sarmiento, die er kaum gekannt hatte, deren Tod jedoch ein schwerer Schlag für ihn war. Im Oktober desselben Jahres ließ die kolumbianische Regierung das Honorarkonsulat in Buenos Aires auf, da es kaum Kolumbianer in Argentinien gab; der Dichter verdingte sich sodann als Sekretär des Generaldirektors der argentinischen Post.

1896 wurden in Buenos Aires zwei seiner wichtigsten Bücher veröffentlicht: Los raros, eine Sammlung von Artikeln über diverse Schriftsteller, und Prosas profanas y otros poemas, wahrscheinlich bis heute sein populärstes Buch in der spanischsprachigen Welt.

Nach dem spanischen Debakel von 1898 wurde Rubén Darío von der Zeitung La Nación als Korrespondent nach Spanien geschickt; am 22. Dezember kam er in Barcelona an. Von dort schickte er an seinen Dienstgeber vier Chroniken pro Monat, die 1901 unter dem Titel España Contemporánea. Crónicas y retratos literarios auch in Buchform veröffentlicht wurden. In Spanien knüpfte er Kontakte mit einer Reihe von jungen Dichtern wie Juan Ramón Jiménez, Ramón María del Valle-Inclán und Jacinto Benavente, für die er ein großes Vorbild war. 1899 lernte er Francisca Sánchez del Pozo kennen, eine analphabetische Bäuerin, die seine Lebensgefährtin der letzten Jahre werden sollte. 1900 bis 1908 ließen sie sich in Paris, der Stadt seiner Kindheitsträume, nieder. Seine Chroniken über die Weltausstellung wurden später im Buch Peregrinaciones zusammengefasst. 1901 gebar ihm Francisca eine Tochter, Carmen Darío Sánchez, die jedoch wenig später an Pocken sterben sollte, bevor der Vater sie noch kennenlernen konnte. 1902 lernte Rubén Darío den jungen spanischen Dichter Antonio Machado kennen. 1903 wurde er zum Konsul von Nicaragua ernannt; im April desselben Jahres wurde sein zweiter Sohn, Rubén Darío Sánchez, geboren. In diesen Jahren unternahm der Dichter zahlreiche Reisen durch Europa, darunter England, Belgien, Deutschland und Italien. 1905 reiste er in offizieller Mission nach Spanien, wo auch sein drittes dichterisches Hauptwerk erschien, Cantos de vida y esperanza. Im selben Jahr starb sein Sohn an einer Bronchopneumonie. 1906 nahm er an der Panamerikanischen Konferenz in Rio de Janeiro teil, danach kehrte er nach Paris zurück, und den Winter 1907 verbrachte er mit Francisca Sánchez in Mallorca; eine dort geborene Tochter verstarb schon bei der Geburt. Zu dieser Zeit unternahm der Dichter einen Versuch, sich von seiner Ehefrau Rosario Murillo scheiden zu lassen; doch angesichts ihrer hohen Entschädigungsforderungen kam keine Einigung zustande.

Bedingt durch seinen hohen Alkoholkonsum erkrankte Rubén Darío schwer. Gegen Ende des Jahres wurde das vierte gemeinsame Kind mit Francisca geboren, Rubén Darío Sánchez, der einzige überlebende Sohn des Paares.

Daríos Grab

Nach kurzen Zwischenstationen in New York und Panama kehrte der Dichter nach Nicaragua zurück, wo ihm ein triumphaler Empfang bereitet wurde. Von 1908 bis 1910 war er in Madrid als nicaraguanischer Botschafter tätig, beendete diese Tätigkeit aber aufgrund seiner Alkoholkrankheit. In der Folge verschlechterte sich sein Gesundheitszustand zusehends. 1910 reiste er als Mitglied einer nicaraguanischen Delegation nach Mexiko, um den 100. Jahrestag der mexikanischen Unabhängigkeit zu feiern, doch der damalige Präsident Porfirio Díaz weigerte sich, den Schriftsteller zu empfangen, während ihn das einfache Volk begeistert umjubelte. Unter dem Einfluss seiner Alkoholprobleme unternahm Rubén Darío auf der Weiterreise in Havanna einen Selbstmordversuch. 1912 begab sich der Dichter auf eine Rundreise durch Lateinamerika, mit Stationen in Rio de Janeiro, São Paulo, Montevideo und Buenos Aires. In dieser Zeit verfasste er auch seine Autobiographie, die unter dem Titel La vida de Rubén Darío escrita por él mismo (Leben von Rubén Darío, von ihm selbst geschrieben) in der Zeitschrift Caras y Caretas veröffentlicht wurde. Daneben schrieb er eine Historia de mis libros (Geschichte meiner Bücher). Im darauf folgenden Jahr begann er in Mallorca an einem autobiographischen Roman, El oro de Mallorca, zu schreiben. 1914 ließ er in Barcelona das Buch Canto a la Argentina y otros poemas drucken.

Beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges reiste Rubén Darío nach Amerika, um sich dort für die pazifistische Idee einzusetzen, mit Stationen in New York und Guatemala. 1914 kehrte er – im Vorgefühl seines Todes – nach Nicaragua zurück. Er starb am 7. Februar 1916 an einer schweren Lungenentzündung in León.

Werk[Bearbeiten]

Darío gilt als Begründer des Modernismo in Lateinamerika. Beeinflusst wurde sein Werk vor allem durch die symbolistischen Dichter Paul Verlaine und Jean Moréas, aber auch durch Victor Hugo. Er war einer der ersten mittelamerikanischen Schriftsteller, der in spanischer Sprache schrieb und damit dem mittelamerikanischen Volk eine Stimme gab.

Bereits sein Erstlingswerk Azul… (1888, modifizierte Editionen 1890 und 1905; dt.: Azur) sicherte ihm die Anerkennung der zeitgenössischen Kritik, Weltruhm erlangte er posthum durch seinen Gedichtband Prosas Profanas (1896; dt.: Profane Gedichte) und Cantos de vida y esperanza (1905; dt.: Lieder des Lebens und der Hoffnung). Zu Lebzeiten fand er jedoch vor allem in Paris und Europa nicht die von ihm gewünschte Beachtung.

Literatur[Bearbeiten]

  • Julio Chiappini: Rubén Darío. Biografía. Editorial Fas, Rosario, 2012.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rubén Darío – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien