Rudolf von Bennigsen (Politiker)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Rudolf v. Bennigsen (1900)

Rudolf von Bennigsen (* 10. Juli 1824 in Lüneburg; † 7. August 1902 auf Gut Bennigsen bei Springe) war ein liberaler deutscher Politiker im 19. Jahrhundert. Als Abgeordneter begleitete er den Prozess der Reichseinigung und arbeitete mit Otto von Bismarck zusammen. Dies wurde von den einen als pragmatischer Umgang mit den Realitäten, von anderen als Verrat an der liberalen Sache gesehen. Bennigsen gehörte zu den Liberalen, die sich 1867 für die Indemnitätsvorlage aussprachen. In der Folge gehörte er zu den Gründern der Nationalliberalen Partei.

Leben[Bearbeiten]

Bennigsens Vater Karl von Bennigsen war Capitän und später Generalmajor bei der Infanterie der Preußischen Armee. In den Befreiungskriegen hatte er als Leutnant an der Schlacht an der Göhrde teilgenommen.

Rudolf von Bennigsen studierte an der Georg-August-Universität Göttingen und der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. 1843 wurde er im Corps Hannovera Göttingen aktiv. 1844 schloss er sich auch dem Corps Vandalia Heidelberg an.[1] Bennigsen ist der Vater von Adelheid von Bennigsen.[2]

Politik[Bearbeiten]

Abgeordneter[Bearbeiten]

Nach seiner Ausbildung wurde Bennigsen erstmals als liberaler Oppositionsführer in der zweiten Kammer der Ständeversammlung des Königreichs Hannover politisch aktiv. 1859 war er Mitgründer und Vorsitzender des Deutschen Nationalvereins. Nachdem Preußen Hannover sich 1866 einverleibt hatte, wurde von Bennigsen Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses (1867–1883) sowie des Reichstages des Norddeutschen Bundes und des Deutschen Reichs (1867–1883) und unterstützte Bismarcks Reichsgründungspolitik, obwohl er andere Vorstellungen vom Aufbau des neuen Staatswesens hatte. So war er 1870 Bismarcks Vertrauensmann bei den Verhandlungen zwischen dem Norddeutschen Bund und den süddeutschen Staaten.

Bei den Verhandlungen über die Verfassung des Norddeutschen Bundes 1867 brachte Bennigsen erfolgreich einen Zusatz ein, der als Lex Bennigsen bekannt wurde. Demzufolge mussten Anordnungen und Verfügungen des Bundes (und dann im Kaiserreich des Reiches) vom Kanzler unterzeichnet werden, der damit die Verantwortung übernahm.

Von 1873 bis 1879 war Bennigsen Präsident des Preußischen Abgeordnetenhauses. Ab 1871 führte er als Mitglied des Reichstags des neu gegründeten Deutschen Reichs die Fraktion der neuen Nationalliberalen Partei an, die in den ersten Jahren des Deutschen Reichs die stärkste politische Kraft war. Dabei unterstützte er meist den außenpolitischen Kurs der Regierung, während er im Inneren meist stärker in der Oppositionsrolle stand. Auch den Vorsitz der Nationalliberalen Partei hatte Bennigsen inne.

Andere Ämter[Bearbeiten]

Im Jahr 1877 bot Reichskanzler Bismarck ihm einen Ministerposten an. Dazu kam es jedoch nicht, weil der Nationalliberale weitere zwei Ministerposten, einen davon für Rudolf Virchow und den anderen für Franz von Stauffenberg forderte. Bismarck wollte jedoch lediglich den Chef Bennigsen aus der Nationalliberalen Partei heraussprengen, um die Opposition zu schwächen. Verärgert über Bennigsens Zumutung, behauptete Bismarck, der Kaiser Wilhelm I. habe alle drei Personen mit dem Kommentar abgelehnt: „Virchow rot, Bennigsen rosa, Stauffenberg rosa. Alle drei rot.“ Bismarck griff Stauffenberg an, er strebe nur aus persönlichen Motiven nach einem Ministeramt. Stauffenberg wurde von Bennigsen in Schutz genommen.

Die Abspaltung einer linken Gruppe der Nationalliberalen, zu der auch Virchow und von Stauffenberg gehörten, konnte Bennigsen 1880 nicht mehr abwenden. Er legte 1883 alle Ämter und Mandate im Reichstag nieder und wurde bis 1897 Mitglied des Preußischen Staatsrates. Bennigsen war von 1888 bis 1897 Oberpräsident der Provinz Hannover. Von 1888 bis 1893 war er zugleich Landrat des Landkreises Peine.

Bennigsen arbeitete insbesondere im ersten Jahrzehnt nach der Deutschen Reichsgründung eng mit Bismarck zusammen, der den Hannoveraner wegen seines Pragmatismus schätzte. Bennigsen fehlte die unmittelbare Erfahrung des preußischen Verfassungskonfliktes. Deshalb war er Bismarck gegenüber weitaus positiver eingestellt als seine altpreußischen Parteifreunde. Diese unterschiedlichen historischen Vorprägungen der führenden Köpfe der Nationalliberalen Partei trugen schließlich auch maßgeblich mit zur Spaltung der Nationalliberalen Partei bei.

Ehrungen[Bearbeiten]

Rudolf von Bennigsen (1843)
  • Ehrenmitglied des Corps Hannovera Göttingen
  • Ernennung zum Ehrenbürger Hannovers am 10. Juli 1894.
  • Nach ihm ist das Rudolf-von-Bennigsen-Ufer des Maschsees benannt.
  • 1903 wurde in Berlin-Friedenau die Bennigsenstraße und später in Hamburg-Harburg eine Straße gleichen Namens nach dem Politiker benannt.
  • Sein 1907 errichtetes Denkmal vor dem Provinzialmuseum (heute: Niedersächsisches Landesmuseum) in Hannover wurde im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen.
  • 1932 benannte der Rosenzüchter Peter Lambert eine cremefarbene Kletterrose nach Bennigsen.
  • Die FDP-nahe Rudolf von Bennigsen-Stiftung in Niedersachsen trägt seinen Namen.
  • 2002 gründete sich der Förderverein Rudolf von Bennigsen (kurz: RvB-Verein) mit Sitz in Bennigsen. Das Vereinsziel, im Dorf Bennigsen ein Denkmal des Politikers zu schaffen, wurde im Jahr darauf erreicht. Die Porträtbüste schuf der Springer Künstler Heiko Prodlik-Olbrich.
  • 2005 übernahm der RvB-Verein die Betreuung der Bennigser Zweigstelle der Springer Stadtbibliothek mit ehrenamtlichen Kräften. Seitdem heißt sie Rudolf-von-Bennigsen-Bibliothek.

Literatur[Bearbeiten]

  • Adolf Kiepert: Rudolf von Bennigsens. Rückblick auf das Leben eines Parlamentariers. 2., bedeutend vermehrte Ausgabe. Meyer, Hannover/ Berlin 1903.
  • Hermann Oncken: Rudolf von Bennigsen. Ein deutscher liberaler Politiker. Nach seinen Briefen und hinterlassenen Papieren. 2 Bände (Bd. 1: Bis zum Jahre 1866. Bd. 2: Von 1867 bis 1902.). Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart/ Leipzig 1910.
  • Hans Herzfeld: Karl Wilhelm Rudolf von Bennigsen. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 2, Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. 50–52 (Digitalisat).
  • Bernhard Mann: Biographisches Handbuch für das preussische Abgeordnetenhaus. 1867–1918 (= Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien 3). Droste, Düsseldorf 1988, ISBN 3-7700-5146-7.
  • Heinrich F. Curschmann: Blaubuch des Corps Hannovera zu Göttingen. Band 1: 1809–1899. Verein Göttinger Hannoveraner, Göttingen 2002, S. 150, Nr. 440.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rudolf von Bennigsen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Die beiden Bennigsen – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kösener Korps-Listen 1910, 70, 162; 122, 95.
  2. Dirk Böttcher im Stadtlexikon Hannover, S. 58.