Sam Spiegel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Sam Spiegel (* 11. November 1901 in Jarosław, Österreich-Ungarn, heute Polen als Samuel P. Spiegel; † 31. Dezember 1985 in St. Martin, Französisch-Westindien),[1] war ein unabhängiger US-amerikanischer Filmproduzent österreichischer Herkunft. Er gilt als eine der letzten großen Persönlichkeiten der klassischen Hollywood-Ära und einer der bedeutendsten Filmproduzenten der amerikanischen Filmgeschichte.

Als unabhängiger und erfolgreicher Produzent in der Zeit des Studiosystems verschaffte er sich nahezu uneingeschränkten künstlerischen Spielraum. Ohne den sonst üblichen finanziellen Erfolgsdruck verwirklichte er auch riskantere Produktionen und beschritt neue Wege. Der Erfolg gab ihm recht: 50 international renommierte Auszeichnungen und 23 Oscars konnten seine Filme verzeichnen. Persönlich wurde er viermal mit dem Oscar ausgezeichnet, einer davon für sein Lebenswerk aufgrund der „konsistent hohen Qualität seiner Produktionen.“[2]

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Sam Spiegel wurde in der österreichisch-ungarischen Provinz Galizien geboren. Er studierte an der Universität Wien und ging anschließend für einen längeren Aufenthalt nach Palästina. Er war Mitglied beim HaSchomer HaTzair.

Nach seiner Zeit in Palästina übersiedelte Spiegel in die Vereinigten Staaten, wo er Vorlesungen an der Universität von Berkeley in Kalifornien hielt. Von dort engagierte ihn 1927 Paul Bern, ein Verantwortlicher der MGM, als Lektor für ausländische Filmstoffe. Auf diese Weise mit der Welt des Films in Kontakt gekommen, blieb er ihr zeitlebens treu. Er wechselte zu Universal Pictures, die ihn in die europäische Zentrale in Berlin schickten, um deutsche und französische Adaptionen von Universal-Filmen zu produzieren. 1929 übernahm er die Leitung der Berliner Europazentrale.

Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers ging er zunächst nach Österreich, wo er mit Paul Fejos als Regisseur einen der besten „Emigrantenfilme“ in Österreich, Sonnenstrahl (1933), produzierte.[3] Bald emigrierte er aufgrund der in Österreich ebenfalls bald schlechter gewordenen Bedingungen zuerst nach Frankreich, wo er weiterhin als Filmproduzent tätig war. Nach der Besetzung Frankreichs durch die Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg ging er weiter nach Großbritannien, wo er ebenfalls Filme produzierte. Letztendlich kehrte er 1942 über Mexiko wieder in die Vereinigten Staaten zurück, wo er eine Anstellung bei 20th Century Fox fand. Unter dem Pseudonym S. P. Eagle (eine Abstrahierung seines Nachnamens Spiegel), das er rund ein Jahrzehnt beibehielt, produzierte er dort bis 1947. 1947 gründete er mit John Huston die Horizon Pictures und begann somit seine einzigartige Karriere als unbeirrbarer Filmproduzent mit Kunstanspruch und Risikobereitschaft. Nach einigen, teils als eigenwillig empfundenen Filmschöpfungen gelang ihm 1954 mit dem achtfach oscarprämierten Die Faust im Nacken unter der Regie von Elia Kazan der internationale Durchbruch. Nach diesem und den weiteren Erfolgen genoss er als unabhängiger Produzent nahezu unbeschränkte schöpferische Freiheit, die er zu nutzen wusste.

In der Hollywood-Krise der 50er-Jahre wich Hollywood eine Zeit lang auf Großbritannien aus, wo ebenfalls oscarprämierte Werke wie Die Brücke am Kwai (1957) und Lawrence von Arabien (1962) entstanden.

Er gewann dreimal den Oscar in der Kategorie „Bester Film“.

Spiegel verfolgte seit seiner Zeit bei HaSchomer HaTzair in Palästina aufmerksam die Entwicklung rund um die Gründung des Staates Israels und hielt Kontakte aus seiner Zeit in Europa sowie in Palästina aufrecht, darunter die später hochrangigen Politiker Ariel Sharon und Golda Meir. Freundschaftlich verbunden war er auch mit Teddy Kollek, der von 1965 bis 1993 Bürgermeister von Jerusalem war und den er noch aus Wien kannte. Einen großen Teil seines Vermögens vermachte er der Stadt Jerusalem, wo ihm zu Ehren die Filmhochschule benannt wurde. In späteren Jahren besann sich Spiegel wieder stärker auf seinen Glauben sowie den Zionismus und besuchte wöchentlich einen Rabbiner.

Die Filmhochschule in Jerusalem wurde 1996 nach ihm benannt („Sam Spiegel School Film and Television“).

Zitate[Bearbeiten]

„Ich behaupte seit Jahren, dass das Niveau des Publikums viel höher ist, als die Filmproduzenten und Filmregisseure und Filmchefs der Welt vermuten. Und ich behaupte immer, dass man zum Niveau des Publikums hinaufschreiben muss und nicht patronisierend herunterschreibt.[4]

Filme (Auswahl)[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Natasha Fraser-Cavassoni: Sam Spiegel: The incredible life and times of Hollywood's most iconoclastic producer, the miracle worker who went from penniless refugee to show biz legend, and made possible The African Queen, On the waterfront, the bridge over the River Kwai, and Lawrence of Arabia. New York etc.: Simon & Schuster 2003.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rudolf Ulrich: Sam Spiegel - Produzent. In Österreich Journal, Ausgabe 75 (31. August 2009, online (http://www.oesterreichjournal.at/Ausgaben/index_075.htm)), S. 78-81.
  2. Rudolf Ulrich: Österreicher in Hollywood. Verlag Filmarchiv Austria, Wien 2004, ISBN 3-901932-29-1, S. 482
  3. Armin Loacker: Die vergessenen Namen des Kinos. In: Joachim Riedl: Wien, Stadt der Juden. Zsolnay Verlag, Wien 2004, ISBN 3-552-05315-8, S. 226
  4. Christian Berndt: Aufwendiges Kino mit Anspruch. In: Kalenderblatt. 31. Dezember 2010, abgerufen am 31. Dezember 2010.

Weblinks[Bearbeiten]