Lawrence von Arabien (Film)

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Filmdaten
Deutscher Titel Lawrence von Arabien
Originaltitel Lawrence of Arabia
Produktionsland Vereinigtes Königreich
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1962
Länge Kinofassung: 216 Minuten,
Neufassung: 227 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie David Lean
Drehbuch Robert Bolt
Michael Wilson
nach dem Buch Die sieben Säulen der Weisheit von T. E. Lawrence
Produktion Sam Spiegel
Musik Maurice Jarre
Kamera Freddie Young
Schnitt Anne V. Coates
Besetzung
T. E. Lawrence bei Rabegh, nördlich von Jidda, 1917

Lawrence von Arabien ist ein Film des Regisseurs David Lean und des Produzenten Sam Spiegel aus dem Jahr 1962, der sich an den autobiografischen Kriegsbericht Die sieben Säulen der Weisheit von Thomas Edward Lawrence anlehnt. Das bildmächtige Wüstenepos machte die Hauptdarsteller Peter O’Toole und Omar Sharif international bekannt und erhielt 1963 sieben Oscars.

Handlung[Bearbeiten]

Im Ersten Weltkrieg wird der bislang in Kairo tätige britische Offizier Thomas Edward Lawrence für drei Monate auf die arabische Halbinsel entsandt, um die Entwicklungen um den arabischen Führer Prinz Faisal zu beobachten. Der wenig soldatisch auftretende Lawrence macht sich mit einem Führer auf den Weg, wobei er versucht, sich der Lebensweise des Beduinen anzupassen. An einem Brunnen kommt es zu einem Zusammenstoß mit einem arabischen Reiter, der Lawrences Führer erschießt: Der Führer gehört einem anderen Beduinenstamm an und durfte daher aus diesem Brunnen nicht trinken.

Lawrence lehnt die Führung des Fremden ab und erreicht das Lager der Beduinen zu deren Erstaunen auch ohne Führer. Er findet die Armee Faisals als unorganisierten Haufen vor, der den Möglichkeiten der modernen Kriegsführung überfordert gegenübersteht. Hier begegnet er dem fremden Reiter wieder und lernt ihn als den mächtigen Sherif Ali kennen. Er nennt den Arabern Damaskus als das ehrgeizige Ziel des Kriegszuges.

Lawrence überredet Sherif Ali, mit ihm und einem kleinen Trupp von 50 Mann unter hohem Risiko die kaum passierbare Wüste Nefud zu durchqueren und so in den Rücken der zur See hin gut geschützten Hafenstadt Akaba zu gelangen. Einen Kameraden, der beim nächtlichen Ritt durch die Wüste vom Kamel stürzt und zurückbleibt, rettet er durch seine tollkühn erscheinende Umkehr in die glühende Hitze des Tages. Später muss er diesen Kameraden als Dieb hinrichten, um eine Blutfehde zwischen den Arabern zu verhindern. Zu seinem Schrecken muss er sich im Nachhinein eingestehen, dass er diese Tat genießt. Vor Akaba gewinnt er mit psychologischem Geschick die Unterstützung lokaler Stämme unter Auda abu Tayi und nimmt die Stadt im Überraschungsangriff ein.

Nach dem Sieg verfällt die Disziplin der arabischen Kämpfer, die nur an Kriegsbeute interessiert sind und nicht an langfristige Erfolge denken. Es gelingt Lawrence jedoch, durch eine Guerillataktik weitere Erfolge gegen die Türken und deren Versorgungslinien zu erzielen. Er wird zum bewunderten Anführer „El 'awrence“, der nur noch Beduinenkleidung trägt, aber dem Fatalismus der Araber den Gedanken der Willensfreiheit entgegenhält. Zwei Waisenjungen schließen sich ihm als Diener an, während Sherif Ali zu seinem Freund und Kampfgefährten wird. Einer der Waisenjungen stirbt später im Treibsand vor den Augen von Lawrence, der andere wird bei einem Unfall mit Sprengpatronen schwer verletzt und von Lawrence erschossen, um ihn vor der türkischen Gefangenschaft zu bewahren.

Lawrence beginnt, sich in seiner Selbstüberschätzung für nahezu unverwundbar zu halten. Inkognito sucht er die Stadt Dera im südlichen Syrien auf, wird dort aber von türkischen Milizen, die ihn nicht erkennen, festgenommen und misshandelt. Durch diese Demütigung fast gebrochen kehrt er nach Kairo zurück, um seine Entlassung aus dem britischen Militär zu erbitten. Dort erfährt er, dass die britische und die französische Regierung keineswegs beabsichtigen, den Arabern nach dem Krieg ihre Unabhängigkeit zuzubilligen. Deshalb fasst er den Entschluss, gemeinsam mit den Arabern noch vor den Briten Damaskus einzunehmen, um so einen späteren Einfluss der Briten zu verhindern. Mit einer Gruppe angeheuerter Parias macht er sich auf den Weg. Unterwegs stößt Ali mit seinen Männern zu ihm. Gegen den Willen Alis kommt es zu einem Massaker an flüchtenden Soldaten der geschlagenen türkischen Armee. Die Araber erreichen Damaskus kurz vor den Briten.

Die Araber sind zu zerstritten, um eine funktionierende Regierung zu bilden und sich so dem Einfluss der Kolonialmächte zu entziehen. Lawrence kehrt desillusioniert nach Europa zurück, wo er später bei einem Unfall mit seinem Motorrad ums Leben kommt.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1963: 7 Oscars in den Kategorien Bester Film, Beste Regie, Bestes Szenenbild, Beste Kamera, Bester Schnitt, Beste Musik und Bester Ton sowie 3 weitere Oscar-Nominierungen in den Kategorien Bester Hauptdarsteller (Peter O’Toole), Bester männlicher Nebendarsteller (Omar Sharif) und Bestes Adaptiertes Drehbuch.
  • 1963: 4 Golden Globe Awards in den Kategorien Bestes Filmdrama, Beste Regie, Bester Nebendarsteller (Omar Sharif) und Beste Kamera (in Farbe) sowie 3 Nominierungen in den Kategorien Bester männlicher Darsteller (Anthony Quinn und Peter O’Toole) und Bester Soundtrack.
  • 1963: 4 British Film Academy Awards in den Kategorien Bester Film, britischer Film, bester britischer Darsteller (O’Toole) und bestes britisches Drehbuch
  • 1991: Aufnahme in National Film Registry
  • 1998: Aufgeführt auf der Liste der 100 besten amerikanischen Filme (Platz 5), die vom American Film Institute (AFI) zusammengestellt wurde. In der gleichnamigen Liste von 2007 erreichte der Film Rang 7.
  • 2008: Platz 1 in der vom AFI herausgegebenen Liste der 10 größten Leinwandepen.
  • Die Filmmusik von Maurice Jarre wählte das AFI auf Platz 3 der 25 besten Filmmusiken aller Zeiten.

Kritiken[Bearbeiten]

  • Lexikon des internationalen Films: Der aufwendige Dreieinhalb-Stunden-Film entwirft ein Porträt des britischen Offiziers T. E. Lawrence, der im Ersten Weltkrieg die Araber gegen die Türkei führte. Von David Lean perfekt inszenierte Superproduktion mit hervorragenden Bildern aus der Wüste.[1]
  • Neben den schauspielerischen Leistungen, dem interessanten Charakter der Hauptfigur und den auf prägnante Aussagen angelegten Dialogen beeindrucken vor allem großartige Landschaftsaufnahmen.
  • Lawrence von Arabien nimmt sich viele Freiheiten in Chronologie und Geographie. Lawrence' Bruder A. W. Lawrence kritisierte den Drehbuchautor: „From opening […] to the end, almost every event in this script is either fictitious or fictionalized.“
  • Der Filmhistoriker Ulrich Gregor sah in dem Film eine „romantische Glorifizierung eines 'Übermenschen'[2]

Trivia[Bearbeiten]

  • Ursprünglich sollte Montgomery Clift die Rolle des Lawrence spielen. Clift lehnte jedoch ab und schlug stattdessen Peter O'Toole vor.
  • Frauen sind lediglich in Statistenrollen zu sehen. In einer Szene sind Frauen mit unverschleiertem Gesicht im Arabischen Lager zu sehen, dann auf einem Berg völlig vermummte Frauengestalten, einmal bis auf das Gesicht verschleierte Frauen in einem Zelt, und am Ende, als die Briten sich des Krankenhauses annehmen, werden zwei Nonnen gezeigt, die sich wohl um die Kranken kümmern sollen.
  • Die Nase von Anthony Quinn ist in Wirklichkeit weniger markant. Sie wurde von der Maske für den Film vergrößert.
  • Als Peter O’Toole am 24. März 2008 bei dem amerikanischen Talkmaster Jay Leno zu Gast war, gab er folgende Anekdote zum Besten: „Am Tag, als der Sturm auf die Stadt anstand und die Massenszene mit Omar Sharif und mir auf Pferden und den unzähligen Statisten auf Kamelen gedreht werden sollte, beschlossen Omar und ich – da wir eine Heidenangst vor diesem Teufelsritt hatten – uns gründlich zu betrinken. Omar band sich zur Sicherheit noch an seinem Pferd fest. Nachdem wir in der Stadt angekommen waren, musste jemand von der Requisite Omar vom Pferd losschneiden, da dieser mittlerweile vom Pferd herunter hing. In einem Zeitungsartikel bewunderte man später die unglaubliche Entschlossenheit, die während des Ritts in meinem Blick gelegen hatte. In Wahrheit war ich zu dem Zeitpunkt einfach nur sternhagelvoll.“
  • Die Flugzeuge, die den Angriff auf das Lager der Araber fliegen, sind vom Typ Tiger Moth. Dieser Flugzeugtyp war zu der Zeit, als der Film spielt, noch gar nicht entwickelt, und hatte erst 1931 seinen Jungfernflug. Dennoch nutzen viele Filme diesen Typ, um Flugzeuge des Ersten Weltkrieges darzustellen, vor allem, weil er als fragiler Doppeldecker zu gängigen Vorstellungen passt, leicht verfügbar war/ist und zudem noch eine sehr ausgereifte Konstruktion ist.
  • Drehbuchautor Robert Bolt hat einen Statistenauftritt als britischer Offizier in Kairo.[3]
  • Das von Peter O’Toole als Lawrence von Arabien gesungene bzw. gepfiffene Lied ist The Man Who Broke the Bank at Monte Carlo aus dem Jahr 1892, geschrieben von Fred Gilbert und inspiriert durch Charles Deville Wells. Bekannter Interpret dieses Liedes war Charles Coborn.
  • Der Antikriegsfilm Full Metal Jacket enthält eine Referenz auf den Film: Sgt. Hartman fragt den eingeschüchterten Pvt. Paula (eigentlich Lawrence) in beleidigender Weise nach seinem Namen, als dieser "Lawrence" antwortet, lautet die Gegenfrage von Hartman "Lawrence, Lawrence, was, von Arabien?"

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Edward Lawrence: Sieben Säulen der Weisheit (engl. OT: Seven Pillars Of Wisdom). Neuausgabe, 4. Auflage. List, München und Leipzig 1994, ISBN 3-471-78053-X
  • Adrian Turner: The Making of David Lean's "Lawrence of Arabia". Dragon's World, 1994, ISBN 1-85028-211-0
  • James Ursini, Alain Silver: David Lean and His Films. Silman-James Press, 1992, ISBN 1-879505-00-2
  • Michael Coyne: Epic Encounters. The Films of David Lean. Cinema & Society. I.B. Tauris, 2004,ISBN 1-86064-513-5
  • Hans-Jürgen Kubiak: Die Oscar-Filme. Die besten Filme der Jahre 1927/28 bis 2004. Die besten nicht-englischsprachigen Filme der Jahre 1947 bis 2004. Die besten Animationsfilme der Jahre 2001 bis 2004. Schüren, Marburg 2005, ISBN 3-89472-386-6

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lawrence von Arabien (Film) im Lexikon des Internationalen Films
  2. Ulrich Gregor, Geschichte des Films ab 1960. Bertelsmann, München 1978, ISBN 3-570-00816-9, S. 200
  3. „Peter O’Toole erinnert sich an Lawrence von Arabien“ als Special Feature der Blu-Ray-Ausgabe 2012