Schipkapass

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Gebirgspass in Bulgarien. Zum Brettspiel siehe Schipka-Pass, zum 1908 erschienenen Studentenroman von Karl Hans Strobl siehe Der Schipkapaß.
Schipkapass
Schipkapass

Schipkapass

Himmelsrichtung Norden Süden
Passhöhe 1185 m
Oblast Gabrowo Stara Sagora
Talorte Gabrowo Schipka
Ausbau Passstraße
Gebirge Balkangebirge
Karte (Gabrowo)
Schipkapass (Bulgarien)
Schipkapass
Koordinaten 42° 45′ 15″ N, 25° 19′ 7″ O42.754102692525.3187227251185Koordinaten: 42° 45′ 15″ N, 25° 19′ 7″ O

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Der Schipkapass ist ein historisch bedeutender Gebirgspass im bulgarischen Balkangebirge. Mit seiner Höhe von 1185 Metern über dem Meeresspiegel ist er der höchstgelegene Pass in Bulgarien überhaupt. Zur Höhe des Passes gibt es um bis zu 150 Meter abweichende Angaben: 1273 (auf einem Bildkalender des Jahres 1927), 1326 m (in einem Reiseführer über Bulgarien), 1333 m (in einem Lexikon[1]).

Lage und Namensgebung[Bearbeiten]

Schipkapass (rotes Viereck)

Der Schipkapass ist ein Knotenpunkt zwischen Nord- und Südbulgarien an der Grenze der Regionen Lowetsch und Kaschkowo beziehungsweise den Städten Gabrowo in Nordbulgarien mit Kasanlak in Südbulgarien. Kasanlak wurde im 14. Jahrhundert sogar eigens zum Schutz des Passes gegründet. Die über den Pass verlaufende Straße wurde bereits in früheren Jahrtausenden angelegt und verbindet Thrakien mit der Donauebene.

Der Pass ist nach der kleinen Stadt Schipka (Lage42.71166666666725.333333333333548, 548 m) an seinem Südhang benannt. Die relativ gut ausgebaute Passstraße ist leicht passierbar und verkehrsmäßig, vor allem jedoch militärisch, von hoher strategischer Bedeutung. In unmittelbarer Nähe zum Schipkapass verläuft die Europastraße 85 und zweigen die nach Plewen (Плевен), Lowetsch (Ловеч), Sewliewo, Russe über Weliko Tarnowo und Schumen nach Edirne (heute Türkei; bulg. Одрин / Odrin) führenden Verkehrswege ab.

Nachbarorte: Gabrowo, Kasanlak, Plewen (im Norden), Stara Sagora (im Süden)

Über den Schipkapass verläuft der Bergwanderweg Kom–Emine als Teil des Europäischen Fernwanderwegs E3.

Geschichte[Bearbeiten]

Gotisch-römische Auseinandersetzungen[Bearbeiten]

Bereits in der Antike war der Pass Schauplatz von Kämpfen zwischen Goten und Römern gewesen. Im 3. Jahrhundert nutzte der Gotenkönig Kniva den strategisch wichtigen Raum für seine Raubzüge in die römischen Provinzen Moesia und Dakien. Im Herbst 377 sperrten die römischen Truppen alle wichtigen Balkanpässe, um ein erneutes Vordringen der Goten von Norden nach Süden über die Donau hinweg auf das römische Reichsgebiet zu vereiteln.[2] Kernpunkt dieser befestigten Verteidigungslinie war der Schipkapass, von dem eine wichtige Straße in das südlich gelegene Tal der Maritza führte. Nachdem der Angreifer noch vor Beginn des gefürchteten Wintereinbruchs damit begann, die Römer einzukesseln, ließ der damalige Oberkommandierende, Frigeridus, die Stellungen räumen und setzte sich zum Pass von Succi ab, um eine neue Verteidigungslinie aufzubauen.[3]

Schlacht am Schipkapass[Bearbeiten]

W. W. Wereschtschagin: Schlachtfeld nahe Schipka
Hauptartikel: Schlacht am Schipkapass

1877 und 1878 fanden dort während des Russisch-Osmanischen Krieges wichtige Schlachten zur Befreiung Bulgariens statt. Als die russischen Truppen Anfang August aus Thrakien vertrieben wurden und sich auf die Nordseite des Balkangebirges zurückzogen, wurde der Schipkapass von ihnen behauptet und rasch befestigt. Vom 21. bis zum 26. August 1877 versuchte Süleiman Pascha durch immer neue Angriffe die russische Stellung zu erstürmen, wurde aber unter ungeheuren Verlusten von den Russen unter Führung ihres Generals Fjodor Fjodorowitsch Radezki zurückgeschlagen. Ein zweiter Versuch (9.–17. September 1877) misslang ebenfalls. Die Türken mussten sich auf die Beobachtung und gelegentliche Kanonade der russischen Stellung beschränken, bis die Russen Anfang Januar 1878 wieder zum Angriff übergingen. Am 9. Januar konnte nach heftigem Kampf die ganze türkische Armee (32.000 Mann) gefangen genommen werden und die Russen drangen von neuem in Rumelien ein. – Die verlustreichen Kämpfe am Schipkapass hatten großen Einfluss auf das Werk des russischen Schlachtenmalers Wassili Wassiljewitsch Wereschtschagin, der die Kämpfe beobachtete.

Im bulgarischen Nationalbewusstsein ist die Schlacht um den Schipkapass tief verankert geblieben als der entscheidende Kampf für die Befreiung Bulgariens vom türkischen Joch. Sie war aber militärisch unbedeutender als die Schlacht von Plewen.

Schipkadenkmal[Bearbeiten]

Schipkadenkmal

Zum Gedenken an diese wichtige Schlacht in der bulgarischen Geschichte wurde ein Nationaldenkmal in Auftrag gegeben. Das Schipkadenkmal ist ein gewaltiges Feldsteinmonument in Sichtweite des Passes auf dem früheren Schlachtfeld. Es wurde aus Spenden errichtet und am 26. August 1934 eingeweiht. Der pyramidenförmige Turm ist 31,5 m hoch und besteht aus fünf Etagen. In der ersten Etage steht ein Marmor-Sarkophag mit einigen Gebeinen der Kämpfer vom Schipkapass. Auf den anderen Etagen sind Kopien von bulgarischen Truppenfahnen und andere Reliquien ausgestellt. Die oberste Plattform ist nur fußläufig über hunderte von Stufen erreichbar.

Über dem Eingang zum Denkmal steht ein aus Bronze gegossener Löwe von 8 m Länge und 4 m Höhe. Der Löwe ist das Wappentier Bulgariens und symbolisiert auch gleichzeitig Mut und Tapferkeit der Verteidiger. Mit dem Denkmal wird der Helden der (ersten) Schlacht am Schipkapass gedacht (nach gregorianischem Kalender vom 9. bis 11. August 1877). Hier verteidigten sich unter der Führung von General Stoletow 5500 Russen mit 27 Geschützen und bulgarische Freiwillige gegen 27.000 Türken unter Süleiman Pascha.

Das Denkmal ist Teil eines ganzen Museumsparks, in dem außerdem ein Monument für den russischen Zaren Alexander II. errichtet wurde, der persönlich an den Schlachten teilnahm. Historische Kanonen umgeben diesen ebenfalls aus Granitsteinen bestehenden Obelisken.

Ausblick über den Schipkapass

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Im Zuge des Angriffs auf Jugoslawien und Griechenland zu Beginn des Balkanfeldzugs 1941 marschierten deutsche Infanteristen aus ihren Bereitschaftsstellungen über den Schipkapass. Später wurde am Schipkapass eine Funkmessstellung der 3. Ordnung errichtet und mit einem Freya-Gerät ausgestattet.[4] Die Situation änderte sich, als in Rumänien im August 1944 das faschistische Regime gestürzt wurde und sich die führenden Kräfte im Land dem Diktat der Sowjetunion über eine Weiterführung des Krieges gegen Deutschland fügen mussten.

Namensverwendung[Bearbeiten]

Schipka[Bearbeiten]

Oberhalb des Ortes Schipka befindet sich eine russisch-orthodoxe-Kirche, die als Gedächtniskirche für die Toten dieser Schlachten gestaltet ist. Sie wurde dem bulgarischen Volk vom russischen Zaren zum Geschenk gemacht.[5]

Wegen der allseits bekannten Vergangenheit in der bulgarischen Geschichte ist Schipka ein wohlklingender Name in Bulgarien. Er wird seit Jahrzehnten als wichtigster Markenname für bulgarischen Schafskäse verwendet. Auch Hotels tragen den Namen Schipka – meist in der engl. Schreibweise Shipka.[6]

Ein kleiner Sofioter Fußballclub trägt den Namen "Schipka".

Schipkapass anderswo[Bearbeiten]

Diese Kämpfe nahmen andere Länder zum Anlass für Bezeichnungen von Bergen oder Gebirgspässen.

  • So wird in der Schweiz die Anhöhe Schwenkelberg zwischen Dielsdorf ZH und Regensdorf, wo die ehemalige Bülach-Baden-Bahn die Straße kreuzte, als Schipkapass bezeichnet. Zur Zeit der Bahneröffnung waren die Kämpfe um diesen Pass eine Tagesaktualität.
  • Die deutschstämmigen Prager Studenten bezeichneten ein Lokal, das sich im Nordwesten Prags befand, ebenfalls als Schipkapass. Das Lokal erhielt seinen Namen von drei Medizinstudenten, die im Jahre 1877 oder 1878 während des Türkisch-Russischen Krieges anlässlich eines Besuches in diesem Gasthaus die aktuelle politische Lage besprachen und nach einigen Bieren geographische Übereinstimmungen zwischen dem Standort des Lokales und dem Ort der damals heftig diskutierten kriegerischen Auseinandersetzungen feststellten. Auf dem Rückweg nach Prag entschlossen sich die drei, das Lokal in Studentenkreisen unter dem Namen Schipkapass bekannt zu machen. Das Lokal existiert heute nicht mehr, Ruinen finden sich am heutigen Stadtrand von Prag-Dejvice oberhalb des Šarka-Tales bei der ulice Zlatnice.[7][8] Der gleichnamige Studentenroman Der Schipkapaß (später: "Die Flamänder von Prag") des österreichischen Schriftstellers Karl Hans Strobl spiegelt das Leben in dem damals bekanntesten Bierdorf vor den Toren Prags wider.
  • Im pfälzischen Annweiler am Trifels existiert nahe der einstigen Lohmühle an der Queich ein schmaler, malerischer Durchschlupf durch den Rest der Stadtmauer, welcher Schipka Pass genannt wird. Obwohl die Benennung nicht restlos geklärt ist, wird hier auf einen Veteranen verwiesen, der von Kriegstaten zu erzählen vermochte
  • In Gießen existierte bis zum Jahr 2009 in einem trotz Krieg bis heute unversehrten Fachwerkgebäude das Brauereigasthaus Zum Schipkapass. Unklar ist, ob der Name etwas mit dem hier beschriebenen Pass zu tun hat.[9] Für die Traditionsgaststätte wird aktuell (Januar 2010) ein neuer Pächter gesucht.[10]
  • In der schottischen Großstadt Glasgow befindet sich eine Galerie Schipka-Pass, vermutlich ausgebaute Räumlichkeiten unter dem Straßenzug Gallowgate/London street, in denen Antiquitäten gehandelt werden.[11]
  • Auf der schwedischen Insel Gotland im Nationalpark Gotska Sandön bezeichnet der Schipkapass (Schipka-passet) einen Dünenwanderweg.
  • Sogar der immergrüne Strauch Lorbeerkirsche (Prunus laurocerasus) erhielt die wissenschaftliche Herkunftsbezeichnung von Schipka: Schipkaensis.[12]
  • Ein "Schipkipass" befindet sich an der indisch-chinesischen Grenze im Himalaja-Gebirge. Er ist 4695 m hoch und dient der Umgehung des Satledsch-Durchbruchs in diesem Gebirge.[1]

Medien[Bearbeiten]

Filmografie[Bearbeiten]

  • Es gibt einen im Auftrag der sowjetischen Filmgesellschaft im Jahr 1954 hergestellten vierteiligen Film, der die Kämpfe am Schipkapass in einer Filmhandlung glorifiziert, schließlich spielten die Russen hier eine bedeutende Rolle bei der Befreiung Osteuropas von der Türkenherrschaft: Die Helden vom Schipkapass (Геройте на шипка);
  • Unter dem Titel Entscheidung am Schipkapass findet sich ein weiterer Film, der als Koproduktion Bulgarien – Sowjetunion im Jahr 1978 gedreht wurde.

Literatur[Bearbeiten]

  • Walter Görlitz: Entscheidung am Schipka-Paß. Vor 100 Jahren brach der Russisch-Türkische Krieg aus. Serie 'Die Welt', 1977
  • Bei Wikisource gibt es einen historischen Zeitungsbericht vom 13. Januar 1878 direkt über die Kämpfe am Schipkapass:[1]
  • Karl Hans Strobl: Der Schipkapass (Roman), 1914, Wien
  • Christian Frederik Conrad von Sarauw: Der russisch-türkische Krieg, 1877 bis 1878. – Auf Grundlage der veröffentlichten officiellen russischen Rapporte, Adamant Media Corporation; Nachdruck 2005, ISBN 0543885445

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schipkapass – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b "Meyers Neues Lexikon", Bibliographisches Institut Leipzig, 1964, Band 7, S. 284
  2. Herwig Wolfram: Die Goten. 4. Aufl., C.H. Beck Verlag. München 2001. ISBN 3-406-33733-3. S. 130.
  3. Herwig Wolfram: Die Goten. 4. Aufl., C.H. Beck Verlag, München 2001, ISBN 3-406-33733-3, S. 131.
  4. Karl-Otto Hoffmann: Die Geschichte der Luftnachrichtentruppe. Band II: Der Weltkrieg. Teil 1: Der Flugmelde- und Jägerleitdienst 1939–1945. Vowinckel-Verlag, Neckargemünd 1968. S. 187.
  5. Homepage Bulgarien erleben; abgerufen am 16. Februar 2010
  6. Beispiel Homepage des Hotels Shipka am "Sonnenstrand" bei Warna
  7. Schipkapass in Prag (tschechisch); abgerufen am 15. Februar 2010
  8. Erläuterung der Prager Studentenkneipe (deutsch); abgerufen am 15. Februar 2010
  9. Hermann Klehn, Peter W. von Sattler: Gießen – Zeitsprünge, Verlag Sutton, Erfurt 2001, ISBN 3-89702-389-x
  10. Traditionsgaststätte 'Zum Schipka-Pass' steht leer; Im Giessener Anzeiger vom 10. Januar 2010; abgerufen am 16. Februar 2010
  11. Website mit dem Hinweis Schipkapass und Fotos; abgerufen am 16. Februar 2010
  12. Darstellung der Prunus-Arten auf der Homepage des Botanischen Gartens Tübingen; abgerufen am 16. Februar 2010