Plewen

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Plewen (Плевен)
Wappen von Plewen Karte von Bulgarien, Position von Plewen hervorgehoben
Basisdaten
Staat: Bulgarien
Einwohner: 113.636 (2013)
Koordinaten: 43° 25′ N, 24° 37′ O43.4224.62116Koordinaten: 43° 25′ 12″ N, 24° 37′ 12″ O
Höhe: 116 m
Postleitzahl: 5800
Telefonvorwahl: (+359) 064
Verwaltung
Bürgermeister: Najden Selenogorski
Lage von Plewen auf einem Kartenausschnitt von 1994

Plewen [ˈplɛvɛn] (bulgarisch Плевен) ist eine Stadt in Bulgarien im Tal des Flüsschens Tutscheniza, mit 113.636 Einwohnern (Stand 2013[1]) siebtgrößte des Landes, Verkehrszentrum Nordbulgariens inmitten eines landwirtschaftlich genutzten Gebietes und Industriestadt. Darüber hinaus ist Plewen kultureller Mittelpunkt mit Hochschule, wissenschaftlichen Instituten, Theater, Philharmonie und Oper.

Plewen beherbergt die Medizinische Universität Plewen.

Geografie[Bearbeiten]

Die Stadt befindet sich 160 km von der Hauptstadt Sofia und 320 km vom Schwarzen Meer entfernt und liegt 30 km südlich der Donau. Nachbarorte sind Dolni Dabnik, Lowetsch, Mesdra, Slatiza, Trojan, Gabrowo, Gorna Orjachowiza, Lewski, Swischtow, Zimnicea, Nikopol, Turnu Măgurele, Corabia.

Geschichte[Bearbeiten]

Überblick[Bearbeiten]

Hauptartikel: Storgosia

Plewen wird in einem historischen Dokument im Jahr 1266 als Festung erstmals genannt. Grabungen im zwei Kilometer südlich gelegenen Kajlâka belegen, dass hier schon in der Urgesellschaft Menschen gelebt hatten. Im 1. Jahrhundert n. Chr. befestigten die Römer den Ort und nannten ihn Storgosia; von den Slawen erhielt er den Namen Kamenec (der Steinerne). Der Name Plewen stammt aus dem 13. Jahrhundert. Unter den Osmanen war Plewen eine starke Festung und Garnisonsstadt, die sich zu einem wichtigen Verwaltungs-, Handels- und Handwerkszentrum entwickelte.[2]

Die Schlacht von Plewen[Bearbeiten]

Kärtchen der Schlacht vom 11. & 12. September 1877

Historische Bedeutung erlangte die Stadt während des Kampfes um die Befreiung Bulgariens von der Herrschaft des Osmanischen Reiches, als hier die erbittertsten Kämpfe des ganzen Krieges tobten, beschrieben in einem Heldengedicht (Epopöe von Plewen).

In der Schlacht von Plewen im Laufe des russisch-türkischen Krieges versuchten die russischen und rumänischen Truppen drei Mal ( 7. Juli 1877, 28. Juli 1877, 25. August 1877) vergeblich, die Stadt einzunehmen. Es standen 232 russische Geschütze gegen 58 türkische Geschütze und eine 100.000 Mann starke russische Armee gegen eine 43.000 Mann starke türkische Armee. In diesen drei Anläufen erlitten die Russen schwere Verluste (50.000 Tote und Verletzte). Zar Alexander II selbst führte seine Truppen an. Noch nach dem dritten Sturm der Russen hätte Osman Pascha mit seinen Truppen die Möglichkeit zum Rückzug gehabt. Aber die Befehle des Sultans untersagten ihm, Plewen aufzugeben.

Nach anderen Quellen erfolgte der erste Angriff am 20. Juli 1877. Zu dieser Zeit hatten die Türken noch keine Redouten und Befestigungen errichtet und die Russen wären fast erfolgreich gewesen. Beim dritten Angriff (am 11. September) hatten die Russen bereits die Verteidigung der Türken durchbrochen und mit den beiden russischen Regimentern aus Wladimir und Susdal die türkischen Truppen in zwei Hälften gespalten. Die dritte Attacke begann um 15 Uhr und wurde bewusst auf den Namenstag von Alexander II. gelegt, um ihm den Sieg zu widmen. Die Attacke wurde vom Zentrum und von beiden Flügeln her vorgetragen. Der Zar beobachtete sie von einer Anhöhe beim Dorf Griwiza (Гривица). Die schwersten und längsten Kämpfe wurden auf der linken Flanke, unter General Skobelew geführt. Die größte Truppenkonzentration hatten die Russen im Zentrum. Hier begannen sie die Angriffe allerdings fälschlicherweise bereits um 10 Uhr statt wie vereinbart um 15 Uhr, da sie im Nebel die Truppenverschiebungen der Türken für Angriffe hielten. Wegen des verfrühten Angriffs war den russischen Truppen im Zentrum kein Erfolg beschieden und sie mussten sich wieder zurückziehen. Gegen 15 Uhr wagten sie einen neuen Angriff, der jedoch mit hohen Verlusten (5.000 Tote und Verwundete) endete. Der Angriff auf dem rechten Flügel wurde von rumänischen Truppen unterstützt und erfolgte gegen die am stärksten befestigten türkischen Stellungen. Trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit gelang es den russischen und rumänischen Truppen nicht, die Stadt einzunehmen, die sie an ihrer weiteren strategischen Truppenentfaltung hinderte.

General Skobelew befehligte beim Angriff auf Plewen den linken Flügel. Er eroberte am 11. September 1877 unter sehr großen Verlusten mehrere Schanzen, verlor sie am 12. wieder, erhielt das Kommando eines Korps und drang mit diesem am 10. Dezember beim Ausfall Osman Paschas in Plewen ein, das er besetzte.

General Gurko erhielt den Auftrag, die rückwärtigen Verbindungen des bei Plewen stehenden türkischen Heeres unter Osman Pascha zu unterbrechen und dessen Einschließung zu vollenden. Osman Pascha genoss wegen seines erfolgreichen Widerstandes großes Ansehen bei seinen Landsleuten. Er hielt vier Monate lang die halbe russische Armee bei ihrem Vormarsch auf. Osman Pascha setzte als einer der ersten auf Redouten und Schützengräben. Er setzte bei der Verteidigung von Plewen nicht auf aktive Handlungen, da seine Truppen nicht die dazu erforderliche Qualität hatten.

Plewen-Denkmal in Moskau

Aus dem Stahl einer bei Plewen von den Osmanen erbeuteten Kanone wurde die rumänische Stählerne Krone geschaffen, die auch Plewna-Krone genannt wird.

Nachdem klar war, dass die Stadt militärisch nicht zu erobern war, beschlossen die Russen, Plewen zu belagern. General Totleben wurde mit der Oberleitung der Belagerungsarbeiten vor Plewen betraut. Er hatte den größten Anteil an der endgültigen Einnahme Plewens durch die Russen. In der Nacht des 28. November 1877 versuchten die Osmanen den Belagerungsring zu durchbrechen, was jedoch misslang. Der Ausbruchsversuch kostete 6.000 Türken das Leben. Kurz darauf kapitulierten die belagerten Osmanen. Totleben sagte dazu bescheiden: „Nicht ich habe den Osmanen besiegt, sondern der Hunger.“

Nach fünfmonatiger Belagerung musste sich am 10. Dezember 1877 die 43.000 Mann starke türkische Armee des Nuri Pascha Osman der russischen Armee bei Plewen ergeben. Von den türkischen Gefangenen kehrten später nur 10.000 heim. Die Russen verloren 30.000 Kämpfer bei Plewen. Nachdem Alexander II. mit dem Fall von Plewen wieder einen Erfolg erzielt hatte, kehrte er am 15. Dezember 1877 nach Sankt Petersburg zurück, wo er am 22. mit großem Jubel empfangen wurde.

Die anfangs erfolgreiche und wirkungsvolle Kriegstaktik des Osman Pascha sorgte für Aufsehen und wurde fortan an europäischen Militärschulen studiert und gelehrt. Außerdem verfügte er über die damals modernste Bewaffnung.

Fast ein halbes Jahr lang hatten russische und rumänische Truppen die Festung belagert; diese Belagerung gilt als das zentrale Ereignis des russisch-türkischen Krieges von 1877/78. Die Einnahme der Festung und die Vernichtung der Elitetruppen der Plewener Garnison waren für den Ausgang des Krieges entscheidend. Letztendlich gewannen die Russen aber den Krieg, der den Bulgaren die nationale Unabhängigkeit brachte. Im bulgarischen Nationalbewusstsein ist die Schlacht am Schipkapass zwar noch tiefer verankert, sie ist aber militärisch um Größenordnungen unbedeutender als die Schlacht um Plewen.[3]

Der Schlacht von Plewen ist auch ein großes Panoramabild gewidmet, das in seiner Größe dem Bauernkriegspanorama von Bad Frankenhausen entspricht.

Medien[Bearbeiten]

In der Nähe von Plewen befindet sich eine bedeutende Rundfunksendeanlage für Kurz- und Mittelwelle. Der Mittelwellensender Pleven benutzt als Sendeantenne zwei je 250 Meter hohe, gegen Erde isolierte Stahlrohrmasten, die zu den höchsten Bauwerken in Bulgarien zählen.[4]


Partnerstädte[Bearbeiten]

Töchter und Söhne der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rupert Furneaux: The Siege of Plevna.
  • F. V. Greene: Russian Campaigns In Turkey 1877-78.
  • William Herbert, V. von Harlessem: The Defense of Plevna 1877.
  • Capt. H.M. Hozier: The Russo-Turkish War.
  • Thilo Von Trotha: Tactical Studies On The Battles Around Plevna.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Plewen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Plewen - Frendy.de
  2. Geschichte Plewens
  3. Die Schlacht um Plewen von Radio Bulgarien
  4. Eintrag auf predavatel.com (bulgarisch)