Offizieranwärter

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Offizieranwärter der Marineschule Mürwik (2014)

Offizieranwärter (OA) ist ein Anwärter auf den Offiziersrang beim Militär. Je nach Staat haben Offizieranwärter einen unterschiedlichen Status.

Deutschland: Bundeswehr[Bearbeiten]

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Soldaten der Bundeswehr in der Laufbahn der Offiziere gemäß § 23 der Soldatenlaufbahnverordnung werden bis zum Erreichen des ersten Offizierdienstgrades (Leutnant) als Offizieranwärter bezeichnet.

Kennzeichnung[Bearbeiten]

Der Status als Offizieranwärter wird bei Heer und Luftwaffe (bis einschließlich Oberfähnrich) durch eine silberfarbene Kordel an der Schulterschlaufe, bei der Marine durch den goldfarbenen Seestern der Offiziere auf der Schulterschlaufe (Feldanzug/Bordgefechtsanzug), der Schulterklappe (kleiner Dienstanzug) oder auf dem Ärmel kenntlich gemacht. Im Schriftverkehr führen sie bis zur Beförderung zu einem Offizieranwärterdienstgrad (z. B. Fahnenjunker) den Dienstgradzusatz Offizieranwärter (OA).

Offizieranwärter von Heer und Luftwaffe tragen als Dienstanzug ab dem Dienstgrad Oberfähnrich die Uniform der Offiziere mit entsprechend gearbeiteten Schulterstücken (anders als beim Feldanzug). Bei den Offizieranwärtern der Marine entspricht die Uniform dem vergleichbaren Mannschafts-/Unteroffiziersdienstgrad; Ausnahme ist die Mütze: Oberfähnriche zur See tragen wie Oberfähnriche bei Heer und Luftwaffe eine Offiziermütze.

Bei Laufbahnwechslern werden Dienstgradbezeichnungen wie folgt ersetzt

Beförderungen im Truppendienst (TrDst)[Bearbeiten]

Die Beförderung zum Fahnenjunker im Truppendienst setzt beim Heer den bestandenen sechsmonatigen Offizieranwärterlehrgang (OAL) in einem der 2 Offizieranwärter-Bataillone (Munster oder Hammelburg) und eine Dienstzeit von mindestens 12 Monaten voraus. Nach bestandenem „Offizierlehrgang 1“ (OL1) an der Offizierschule des Heeres erfolgt die Beförderung zum Fähnrich (ggf. während des Studiums) nach einer Dienstzeit von mindestens 21 Monaten. Die Beförderung zum Oberfähnrich erfolgt nach einer Mindestdienstzeit von 30 Monaten, die zum Leutnant nach mindestens 36 Monaten.

Bei Laufbahnwechslern aus zum Beispiel der Laufbahn der Reserveoffizieranwärter (ROA) oder des militärischen Fachdienstes (MilFD) entscheidet im Einzelfall das Bundesamt für Personalmanagement der Bundeswehr über den Zeitpunkt der Beförderung in den nächsthöheren Offizieranwärterdienstgrad. Im Regelfall wird hierbei aber auf die in der Zentralen Dienstvorschrift (ZDv) 20/7 festgelegten Beförderungszeiten von Offizieranwärtern Rücksicht genommen. Die häufigste Ausnahme ist die Zuordnung zu einem anderen Offizieranwärterjahrgang (OAJ), in der Regel als Folge des nicht Bestehens des OL1 oder eines anderen Laufbahnlehrgangs.

Nach dem erfolgreichen Studium an einer Universität der Bundeswehr (oder für bestimmte Fälle an einer zivilen Universität) setzen die Offiziere ihre militärische Ausbildung fort. Es folgen der „Offizierlehrgang 2“ erneut an der Offizierschule des Heeres, der „Offizierlehrgang 3“ an den Truppenschulen und erforderliche Führerscheinlehrgänge und Einzelkämpferlehrgänge oder der Lehrgang „Überleben im Einsatz“.

Bei Marine und Luftwaffe erfolgt die Beförderung der Truppendienstoffizieranwärter zum Seekadetten (Marine) und Fahnenjunker (Luftwaffe) mit erfolgreichem Abschluss des Offizierlehrgangs Teil I/II (für die Marine an der Marineschule Mürwik in Flensburg und für die Luftwaffe an der Offizierschule der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck) nach 12 Monaten. Während des Studiums an einer der Universitäten der Bundeswehr wird nach Regeldienstzeit befördert. Auch bei Luftwaffe und Marine wird die vollständige Ausbildung zum Offizier erst durch eine an das Studium anschließende Offizierweiterbildung (Führungstraining/Offizierlehrgang Teil III) abgeschlossen.

Ein kleiner Teil der Offizieranwärter (etwa 1 bis 2 % je Jahrgang) wird direkt als Berufsoffizieranwärter (BOA) eingestellt. Die Auswahl erfolgt nach den Ergebnissen am Assessmentcenter für Führungskräfte der Bundeswehr (ACFüKrBw). Nach Beförderung zum Leutnant und Ablauf der Probezeit (4 Jahre) erfolgt die direkt Übernahme in das Dienstverhältnis des Berufssoldaten. Die übliche und nötige erneute Bewerbung als "BS" entfällt hierbei.

Ausbildung im militärischen Fachdienst (MilFD)[Bearbeiten]

Offizieranwärter des militärischen Fachdienstes aller Truppen werden nicht zentral an einem Ort ausgebildet, wie dies bei den Truppendienst-OAs der Fall ist. Gerade weil viele Bewerber aus der Laufbahn der Unteroffiziere mit und ohne Portepee kommen, entfällt diese Art der Ausbildung.

Unabhängig vom Dienstgrad, müssen jedoch alle Offizieranwärter des militärischen Fachdienstes den Offizieranwärterlehrgang Teil 1 und Teil 2 an den jeweiligen Fachschulen der Gattung bestehen. Ohne bestandenen OAL 1+2 werden noch nicht zum Fähnrich/Fähnrich zur See ernannte Anwärter als Feldwebel-/Bootsmannanwärter geführt und gekennzeichnet (Begründung siehe "Beförderungszeiten"). Dies führt in den jeweiligen OALs zu einer äußerst heterogenen Lerngruppe.

Nach dem OAL I+II muss an den jeweiligen Offizierschulen der Offizierlehrgang Militärischer Fachdienst (OLMilFD) besucht und bestanden werden, als Voraussetzung für die Beförderung zum Leutnant. Dauer des Lehrgangs ist 4 Monate.

Danach folgt im Regelfall die abschließende Fachausbildung an den jeweiligen Truppenschulen, wie zum Beispiel die Hubschrauberführergrundausbildung für angehende Hubschrauberpiloten. Die Heeresfliegertruppe stellt im Heer die meisten Offiziere des militärischen Fachdienstes.

Beförderung im militärischen Fachdienst (MilFD)[Bearbeiten]

Die Dienstgrade von Angehörigen des militärischen Fachdienstes unterscheiden sich nicht von denen des Truppendienstes. Sie sind somit nicht gesondert als solche gekennzeichnet. Dennoch unterscheidet sich der "Fachdiener" vom "Truppendiener" deutlich, besonders in den Beförderungszeiten während und nach der Zeit als Offizieranwärter. Ferner ist der höchste erreichbare Dienstgrad für Offiziere des militärischen Fachdienstes (MilFD) der Stabshauptmann bzw. Stabskapitänleutnant, Major bzw. Korvettenkapitän und alle folgenden höheren Dienstgrade sind ihnen verwehrt.

Die Beförderungszeiten richten sich für den Offizieranwärter im militärischen Fachdienst nach der geleisteten Dienstzeit nach der Beförderung zum Fähnrich, da diese vorher als FAs bzw. BAs geführt werden und an die Beförderungszeiten der Feldwebelanwärter gebunden sind. Nach der Ernennung zum Fähnrich/Fähnrich zur See, muss 1 Jahr in diesem Dienstgrad geleistet werden bis zur Ernennung zum Oberfähnrich/Oberfähnrich zur See. Weitere 2 Jahre in diesem Dienstgrad sind nötig für die Ernennung zum Leutnant/Leutnant zur See.

NATO (OF-D) [1][Bearbeiten]

Gemäß NATO-Rangcode wird der Offiziersanwärter unter dem Kürzel OF(D) oder OF-D geführt, was frei übersetzt vom Englischen Officer (Designate) bzw. Officer candidate abgeleitet werden kann.

Österreich[Bearbeiten]

Rangabzeichen Fähnrich für den Feldanzug

Beim Bundesheer ist der Offiziersanwärter mit einem Kadetten oder Offiziersschüler vergleichbar.

Bei Berufsoffizieren sind jene Soldaten Offiziersanwärter, die die Theresianische Militärakademie in Wiener Neustadt besuchen oder gerade das Jahr nach der Ausbildung in der Truppenausbildung verbringen. Die Dienstgrade auf der Milak sind Kadetten, Kornetten und Fähnriche.

Bei Reserveoffizieren sind jene Wachtmeister der Miliz Offiziersanwärter, die im Zuge der nächsten Waffenübung die Leutnantsprüfung ablegen.

USA[Bearbeiten]

Die Offizierausbildung in den Vereinigten Staaten läuft, ähnlich wie die deutsche, getrennt nach Teilstreitkräften ab. Verantwortlich für Dauer und Inhalt der Ausbildung sind die jeweiligen kommandierenden Stellen.

Offizieranwärter für den Truppendienst (Commissioned Officer) werden größtenteils aus Angehörigen der Mannschaften und Unteroffiziere rekrutiert, haben also dementsprechend militärische Vorerfahrung. Für zivile Bewerber besteht ebenfalls die Möglichkeit, direkt als Offizieranwärter einzusteigen. Voraussetzung ist in beiden Fällen ein abgeschlossenes Studium (College Degree).

Jeweils rund 1000 junge Offiziere der US Army, US Navy (einschließlich US Marine Corps) und US Air Force verlassen jedes Jahr die drei bedeutenden Militärakademien in West Point, Annapolis und Colorado Springs, wo besonders qualifizierte High-School-Absolventen nach vierjähriger Ausbildung den akademischen Hochschulabschluss eines Bachelors und gleichzeitig ihr Offizierspatent erwerben.

US Army[Bearbeiten]

Die Officer candidates (OC) oder auch Cadets (CDT) besuchen die Federal Officer Candidate School (OCS) in Fort Benning, Georgia, für einen 12-monatigen Offizierlehrgang.

Parallel dazu bewerben sich jedes Jahr etwa 11.000 als Offizieranwärter an der United States Military Academy in West Point (New York). Von 1.300 angenommenen werden 1.000 den militärischen und akademischen Hochschulabschluss erreichen und damit zum Offizier ernannt.

Obwohl der Dienstgrad OC oder CDT über dem eines Unteroffiziers steht, werden diese wie Sergeanten besoldet, es sei denn, sie steigen mit einem höheren Dienstgrad in die Offiziersausbildung ein, bis sie zum "Second Lieutenant" (Leutnant) befördert werden.

US National Guard[Bearbeiten]

Da in den USA jeder Staat eine eigene National Guard besitzt, wird die Ausbildung in den jeweils von den Staaten geförderten Regional Training Institutes (RTI) durchgeführt, die aber der OCS untergeordnet sind. Der Offizierlehrgang dort dauert 16 Monate.

US Navy[Bearbeiten]

Offizieranwärter der US Navy werden an der Officer Candidate School in Newport, Rhode Island ausgebildet. Parallel dazu werden an der Aviation Officer Candidate School (AOCS) der Naval Air Station Pensacola angehende Marinepiloten, Marineflugpersonal, Flugüberwachungsoffiziere and Luftfahrzeugtechnische Offiziere traditionell von Drill Sergeants des US Marine Corps ausgebildet.

Die United States Naval Academy in Annapolis (Maryland) ist das Pendant der US Navy zur US Military Academy der US Army. Hier werden jährlich rund 1200 Bewerber für eine Offizierslaufbahn in der Navy oder im United States Marine Corps angenommen, von denen etwa 1000 nach vier Jahren den militärischen und akademischen Hochschulabschluss erreichen und zum Offizier ernannt werden.

US Marine Corps[Bearbeiten]

Offizieranwärter des USMC werden in der Officer Candidate School in Quantico, Virginia, und an der US Naval Academy in Annapolis ausgebildet.

US Air Force[Bearbeiten]

Officer Trainees (OT) der USAF werden an der Air Force Officer Training School (OTS) an der Maxwell-Gunter Air Force Base in Montgomery (Alabama) ausgebildet. Während ihrer Ausbildung tragen die Lehrgangsteilnehmer den Dienstgrad 3rd Lieutenant.

Die United States Air Force Academy in Colorado Springs ist das Pendant der US Air Force zur US Military Academy der US Army und der US Naval Academy der US Navy. Pro Jahr werden rund 1300 Bewerber für eine Offizierslaufbahn in der Air Force angenommen, von denen etwa 1000 nach vier Jahren den militärischen und akademischen Hochschulabschluss erreichen und zum Offizier ernannt werden.

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Offiziersanwärter – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. NATO official document (PDF; 167 kB) Abgerufen am 7. September 2010.