Sense (Werkzeug)

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Sense (Werkzeug).jpg
Scythes 1.jpg
Der Werdegang einer Sense, wie er im Sensenwerk durchgeführt wird. Diese Wandtafel ist im Museum der Stadt Steyr, neben Weiteren ausgestellt

Die Sense (althochdeutsch. segensa = ‚die Schneidende‘; Schwaben bezeichnen die Sense regional mitunter immer noch als „Säages“, wobei das ä lang und das a kurz gesprochen wird; auf Berndeutsch ‚Sägese‘) ist ein einfaches bäuerliches Gerät zum Abschneiden (Mähen) von Gras und Getreide.

Inhaltsverzeichnis

Bestandteile[Bearbeiten]

Sensenblatt[Bearbeiten]

Die in Mitteleuropa übliche Sense hat eine für die normale Grünland-Mahd ca. 60–80 cm lange, hinten breite und sich nach vorne zu einer Spitze verjüngende, einwärts (zum Mäher hin) gebogene und leicht nach unten gewölbte Klinge aus geschmiedetem Stahl, das so genannte Sensenblatt. Sensenblätter für Busch- oder Freistellungssensen sind in der Regel kürzer (ca. 50 cm) und massiver; geübte Mäher verwenden längere Blätter (über 80 cm Länge), für Sensenmäh-Wettbewerbe werden fallweise bis zu 1,30 m lange Blätter verwendet. Das Sensenblatt lässt sich unterteilen in die Schneide mit dem Dengel (ein ca. 5 mm breiter Teil des Schneidblattes mit der eigentlichen Schneidkante), davon abgewandt der zur Versteifung des Blattes aufgestellte Rücken und die Hamme, der Ansatz, mit dem es mit dem Stiel verbunden wird. Oben auf der Hamme befindet sich die Warze, eine angeschmiedete Erhebung, die in ein Loch am Stiel eingreift und eine gewisse Grundposition des Blattes bei der Montage fixiert. Das der Spitze gegenüber liegende Teil der Schneide wird als Bart bezeichnet. Meist ist im Blatt noch eine leichte Aufwärtsbiegung der Spitze eingearbeitet, um ein sauberes Gleiten im Schwung zu ermöglichen und das Steckenbleiben im Erdreich zu verhindern. Die überwiegende Mehrheit der erhältlichen Blätter ist für Rechtshänder ausgelegt, d. h. in der Praxis, dass das Blatt während der Bewegung von rechts nach links schneidet. Einige Modelle sind aber auch als Linkshänder-Ausführungen erhältlich, die dann von links nach rechts schneiden.

Sensenwurf[Bearbeiten]

Zum Führen der Sense wird ein etwa mannshoher Holz- oder Metallstiel verwendet, der regional unterschiedlich als „Worb“, „Wurf“, „Sensenbaum“, „Sensenstiel“ oder „Sensengriff“ bezeichnet wird. Der Sensenbaum kann gerade oder s-förmig geschweift ausgeführt sein. Im ungefähr hüftbreiten Abstand sind am Stiel zwei rechtwinklig abstehende Griffe angebracht, der vordere Griff ist dabei meist an einer L-förmigen Verlängerung angebracht, um durch den dadurch entstehenden Neigungswinkel ein entspanntes und ergonomisches Arbeiten zu ermöglichen. Der hintere Griff ist meist direkt am Sensenwurf angebracht. Je nach Region kommen sehr verschiedenen Techniken und Werkstoffe bei der Ausführung der Griffe zur Anwendung. Am unteren Ende wird der Sensenbaum mit dem Sensenblatt verbunden. Bei der in Mitteleuropa üblichen Befestigungsweise wird die Hamme des Sensenblattes mit den Madenschrauben des Sensenringes von unten gegen den Wurf bzw. dessen Beschlagblech geklemmt; eine gewisse Grundposition wird durch die von der Hamme aufragende Warze erreicht, die in einem entsprechenden Loch im Wurf oder Beschlagblech einrastet. Diese Befestigungsart erlaubt in gewissen Grenzen die Einstellung der Winkel zwischen Blatt und Wurf. Eine ältere Befestigungsart nutzt einen Metallring und einen Holzkeil.

Reff[Bearbeiten]

Das Reff war ein aus Holz hergestellter rechenartiger Anbau an der Sense für die Getreideernte. Es bestand aus einem Holzbügel und Sprossen. Durch die Vorrichtung wurden bei jeder Schnittbewegung die Getreidehalme gesammelt und schwadförmig beiseite gerafft. Eine mit einem Reff ausgerüstete Sense nannte man auch Korbsense. Die Schneide der bei Korbsensen genutzten Sensenblätter war in Abhängigkeit von der beabsichtigten Stoppelhöhe schräg nach oben gerichtet; hierdurch erfolgte zugleich ein schräger, ziehender Schnitt durch die Halme.[1][2][3][4][5]

Fertigung[Bearbeiten]

Hauptartikel: Sensenwerk

Hochwertige Sensenblätter werden in einem sogenannten Hammerwerk von Hand geschmiedet. Auf die Fertigung von Sensen spezialisierte Hammerwerke werden auch Sensenhammer genannt. Bei der Herstellung werden vom Rohmaterial („Sensenbröckl“) bis zum fertigen Blatt oft über 20 Arbeitsschritte und mehrere „Hitzen“ (erneutes Aufheizen des Werkstückes auf Schmiedetemperatur) benötigt.[6] Es sind auch billige Sensenblätter, vorwiegend in Baumärkten, erhältlich, die lediglich maschinell gewalzt oder in stark vereinfachten Schmiedeverfahren ohne besonderen handwerklichen Anspruch geformt sind und dadurch nicht die Mähleistung, Schnitthaltigkeit und Lebensdauer eines handgeschmiedeten Sensenblattes erbringen. Oftmals sind die Schneiden solcher Billigsensen so dick ausgeschmiedet, dass ein Dengeln nicht möglich ist.

Nutzung und Pflege[Bearbeiten]

Sensenstreicher, Dengelamboss und Dengelhammer

Der Mähende steht mit körperbreit aufgesetzten Füßen in Richtung seiner Mähbahn. Die Drehbewegung wird aus dem Rumpf und den Armen erzeugt. Das Blatt wird in schwingenden Bewegungen (Schnittrichtung üblicherweise von rechts nach links) bogenförmig dicht über dem Boden gleitend, zügig, jedoch ohne übertriebenen Krafteinsatz durch das zu erntende Schnittgut geführt, je nach Platz und Gelände wird dabei annähernd ein Halbkreis mit 180 Grad beschrieben. Hackende oder rupfende Bewegungen sind zu vermeiden, oft sind dies Anzeichen für eine mangelnde Schärfe der Sense. In zahlreichen Filmen wird der Bewegungsablauf heute falsch gezeigt: Oft holt hier der Arbeiter ähnlich wie mit einem Golfschläger aus und führt die Sense beim Rückschwung in einer weit ausholenden Bewegung vom Boden weg. Diese Darstellung entspringt einer laienhaften Vorstellung der Arbeit mit einer Sense.

Das Sensenblatt muss bei Gebrauch regelmäßig gepflegt werden. Das bedeutet einmal in kürzeren Abständen das Nachschärfen mit einem Sensenstreicher oder einem Wetzstein, den man in einem wassergefülltem Wetzsteinhalter („Kumpf“) mit sich zu führen pflegt, zum anderen das „Dengeln“, wobei der Dengel mittels der Finne eines Metallhammers (bzw. eines Dengelhammers) vom Bart zur Spitze und zurück ausgehämmert wird. Das Dengeln dient zum Austreiben (Verdünnen) und Härtung der Schneide, wodurch eine Schärfung und wesentlich höhere Standzeit eintritt. Diese Art der kalten Verformung ebnet aber auch größere Scharten in der Schneide aus.

Neben einem scharfen Sensenblatt ist für ein gutes Resultat auch der korrekte Winkel zwischen Stiel und Blatt wichtig. Trifft die Sense auf ein Hindernis, weicht das Blatt gern nach oben aus, und der Winkel wird dadurch zu groß. Der Winkel muss deshalb regelmäßig kontrolliert werden, z. B. dadurch, dass man die Sense, Blatt nach oben mit der linken Hand am Stiel gehalten, senkrecht vor sich auf einen Schuh stellt und den Zeigefinger der flachen rechten Hand bis an den Grund der Schneide heranführt. Bewegt man jetzt das Sensenblatt nach links bis die Blattspitze die Fingerspitzen erreicht, muss diese auf den Mittelfinger zeigen. Andernfalls muss das Blatt neu eingestellt werden.

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits in frühmittelalterlichen Monatsbildern sind neben Sicheln und anderen Erntewerkzeugen auch Darstellungen von Sensen zu finden. Während der Bauernkriege wurde die Sense von den rebellierenden Bauern als einfache Waffe verwendet.

Die Sense ist auch bekannt als das Werkzeug der Schnitter und des Gevatter Tod (der „Sensenmann“).

Heutzutage ist die Sense im Agrarbereich für die großflächige Ernte durch den Mähdrescher und den Mähbalken ersetzt worden. In Haushalten mit Garten dominieren jetzt Rasenmäher und Motorsense. Allerdings ist sie für die Mahd in unzugänglichen Gebieten nach wie vor das Mittel der Wahl, auch in ärmeren Ländern besticht sie noch heute, da sie weder Treibstoff noch aufwändige Wartung benötigt. Auch in den Alpenländern hat die Sense unter den Bergbauern noch nicht ausgedient.

In der Forstwirtschaft werden zunehmend Sonderformen der Sense, die sogenannten Freistellungssensen zur Jungbestandspflege verwendet. Es handelt sich hierbei um eine schwere Sense mit einem kurzen und starken Blatt. Durch den robusten Aufbau kann diese Sense auch Himbeer- und Brombeersträucher abmähen, um zu verhindern, dass diese die jungen Bäume in einer Aufforstung ersticken. Die Freistellungssense hat hierbei gegenüber dem Freischneider den Vorteil, dass ein schonendes und gezieltes Auskesseln um die jungen Bäume möglich ist, ohne diese zu verletzen.

Museen[Bearbeiten]

In Achern (Baden-Württemberg) findet man das einzige Sensenmuseum Deutschlands, das Sensen-Handwerk-Stadtmuseum Achern. Der Museumsbesucher vollzieht beim Rundgang nach, wie in 30 Arbeitsschritten aus einem kleinen Stahlstück eine elastisch schwingende Sense entsteht. Gleichzeitig bekommt er Einblicke in die Geschichte der Technik. Der dabei dargestellte Fertigungsprozess kann als Musterbeispiel für frühindustrielle Fertigung und Arbeitsverhältnisse angesehen werden.

Im Freilichtmuseum Hagen wird die Herstellung von Sensen und Sicheln durch eine mit Wasserkraft betriebene Hammerschmiede gezeigt. Die Fertigung ist der in Achern ähnlich. Die Sensen werden in einem verkürzten Verfahren in einer Hitze hergestellt, um die Bearbeitungszeit abzukürzen. Die Sensen können später erworben werden.

In Micheldorf in Oberösterreich befindet sich das OÖ. Sensenschmiedemuseum. In vier Gebäuden wird die Unternehmenskultur sowie die Arbeits- und Lebenswelt der Sensenschmiede gezeigt. Alltagsszenen und geschichtlich bedeutende Momente aus dem Leben der „Schwarzen Grafen“ und ihrer Schmiede, ihrer Frauen und Kinder werden mit über 40 lebensgroßen Figurengruppen nacherzählt.

In Walsheim, einem Dorf in der Biosphärenregion Bliesgau, befindet sich eine Sensenwerkstatt. Die Sensenwerkstatt ist eine Museumswerkstatt, die sich der Pflege und Weitergabe alter Handwerkskunst sowie der ökologischen Natur- und Landschaftspflege widmet. In der Werkstatt selbst sind allerlei Gerätschaften, Werkzeuge und Bilddokumente rund um das Mähen mit der Sense ausgestellt. Hier kann man seine Sense auch begutachten, dengeln und einstellen lassen. Sensenmäh- und Dengelkurse können gebucht sowie Sensen, Wetzsteine und anderes Zubehör erworben werden.

Sense in der Heraldik (Niederschönhausen)

Heraldik[Bearbeiten]

Die Sense ist als gemeine Figur in der Heraldik in vielen Kommunalwappen anzutreffen. Zwei Darstellungen sind gebräuchlich. Einmal wird die Sense mit Stiel in das Wappen genommen und oft mit anderen landwirtschaftlichen Geräten in gekreuzter Form dargestellt. Der Rechen oder die Heugabel sind dafür gut geeignet. Die zweite Form im Wappen ist die Darstellung nur des Sensenblattes. Oft sind bis zu drei dieser Schneidklingen pfahlweise gestellt, aber eine Farbe für alle. Bei der Beschreibung ist die Lage und Richtung der Klingen zu melden. Bei der Tingierung sind ansonsten alle heraldischen Farben möglich. Der Stiel wird gern in Gold gefärbt. Die Sense soll im Wappen die Landwirtschaft verkörpern.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernhard Lehnert: Naturerlebnis – Mähen mit der Sense. 2000, Edition Europa, ISBN 3-931773-47-7
  • Bernhard Lehnert: Dengeln – die Kunst Sense und Sichel zu schärfen. 2005, BOD; ISBN 3-8334-2586-5
  • Anna Offner: Land der Hämmer zukunftsreich – vom Sensenwerk zum Global Player. Eine Strukturanalyse der alpenländischen Sensenindustrie. ISBN 3-8364-7572-3

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sense – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Sense in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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 Commons: Sense in der Kunst – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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 Commons: Sense mit Sensenmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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  • Webseite des Sensenvereins Deutschland
  • Webseite des österreichischen Sensenvereins
  • Webseite des Sensenmuseums in Achern (Baden)
  • Webseite des Sensenmuseums Geyerhammer im österreichischen Scharnstein
  • Webseite des Sensenschmiede-Museums im österreichischen Micheldorf
  • Webseite der Museumswerkstatt „Sensenwerkstatt“ von Bernhard Lehnert in Gersheim
  • Webseite Mit der Sense mähen lernen - Sensen selber bauen - Thomas Hipp in Lichtenstein (Reutlingen)
  • Webseite Sensenmähen lernen "Sensenwerkstatt" - Georg Hahn in Holzkirchen (Landkreis Miesbach)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Reff
  2. Reff im Museum Nastätten
  3. Bild: Sense mit Reff
  4. Bild2: Sense mit Reff von unten
  5. Paul Schweigmann: Die Landmaschinen und ihre Instandhaltung. 1. Auflage, Pfanneberg, Gießen 1955, Nachdruck durch Bulldog-Press, Limburg a. d. Lahn 1993, ISBN 3-9803332-1-3, S. 464
  6. Werdegang einer Sense auf der Webpräsenz des Sensenmuseums Geyerhammer, Scharnstein im Almtal