Berlin-Niederschönhausen

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Niederschönhausen
Ortsteil von Berlin
Berlin Brandenburg Buch Karow Wilhelmsruh Rosenthal Blankenfelde Niederschönhausen Heinersdorf Blankenburg Französisch Buchholz Pankow Prenzlauer Berg Weißensee Stadtrandsiedlung MalchowNiederschönhausen auf der Karte von Pankow
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 35′ 0″ N, 13° 24′ 0″ O52.58333333333313.4Koordinaten: 52° 35′ 0″ N, 13° 24′ 0″ O
Fläche 6,49 km²
Einwohner 29.236 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 4505 Einwohner/km²
Postleitzahl 13156
Ortsteilnummer 0311
Gliederung
Verwaltungsbezirk Pankow
Ortslagen

Niederschönhausen ist ein Ortsteil im Bezirk Pankow von Berlin. Das Stadtgebiet ist geprägt von alten Villen und Mietshäusern. Hier befindet sich auch das Schloss Schönhausen. Bis zur Gründung von Groß-Berlin im Jahr 1920 war Niederschönhausen ein eigenständiges Dorf im Landkreis Niederbarnim in Brandenburg.

Feuerwache
Fallada-Gedenktafel
Ballhaus Pankow in der Grabbeallee

Im heutigen Sprachgebrauch Berlins verweisen Ortsangaben mit Schönhausen immer nach Niederschönhausen, nicht in das entfernt davon liegende Gebiet von Alt- oder Neu-Hohenschönhausen im Bezirk Lichtenberg. Der Nebenname Pankow-Schönhausen ist ein Hinweis auf den angrenzenden Ortsteil Pankow. Als politisches Zentrum der DDR von 1949 bis 1960 wurde Niederschönhausen von westlicher Seite metonymisch als Pankow bezeichnet.

Geschichte[Bearbeiten]

Da bisher archäologisch keine spätslawischen Siedlungsreste gefunden wurden, ist das Straßendorf Niederschönhausen (wie auch das benachbarte Pankow) um 1230 „aus wilder Wurzel“ gegründet worden; später wurde es in seiner südlichen Hälfte durch Gutsbildung deformiert. Um 1250 wurde die Dorfkirche Niederschönhausen erbaut. Urkundlich wurde das Dorf erstmals 1375 im Landbuch Karls IV. erwähnt, und zwar als Schonenhusen inferior und Nydderen Schonhusen. Es hatte 48 Hufen, davon vier Pfarrhufen und zehn Ritterhufen, sowie einen Krug. Im Jahr 1450 waren es 52 Hufen, weil noch zwei Kirchenhufen dazugekommen waren. Die Ritterhufen und die Abgaberechte gegenüber den Hüfnern wechselten mehrfach zwischen mehreren bekannten märkischen Adelsfamilien. 1691 erwarb Kurfürst Friedrich III. das Dorf. Ein am Ende des 17. Jahrhunderts erbautes einfaches Schloss wurde 1704 repräsentativ umgebaut. Friedrich II. schenkte das Schloss Niederschönhausen im Jahr 1740 seiner Frau, die es abgesondert vom König bis 1797 bewohnte. Im Jahr 1949 wurde das Schloss und der naheliegende Majakowskiring zum Regierungszentrum der DDR. In der Wendezeit tagte 1989/1990 in den Nebengebäuden des Schlosses der sogenannte „Runde Tisch“. Zudem fanden hier wesentliche Teile der Zwei-plus-Vier-Verhandlungen statt.

Geografie[Bearbeiten]

Niederschönhausen liegt nördlich und nordwestlich des Ortskerns von Pankow – die westliche Grenze markiert die Berliner Nordbahn. Ausgehend von der nördlichen städtischen Bebauung der Berliner Innenstadt (Prenzlauer Berg) und Pankow geht es über in die Flurwege der Schönholzer Heide zum nördlichen Stadtrand hin.

Ortslagen

Zu Niederschönhausen gehören neben dem namensgebenden Ort die Ortslagen

Bebauung[Bearbeiten]

Niederschönhausen zeichnet sich durch eine Bebauung mit Villen und Mietshäusern aus, die vornehmlich um das Jahr 1910 bis in die 1920er Jahre entstanden. Hier befindet sich auch das Schloss Schönhausen, eines der wenigen Schlossbauten Berlins, die den Zweiten Weltkrieg unversehrt überstanden haben. Im 18. Jahrhundert befand sich das Schloss im Besitz der Königin Elisabeth Christine, der Gemahlin König Friedrichs II. Aus dieser Zeit haben sich bedeutende Teile der originalen Ausstattung erhalten. Zu DDR-Zeiten war es zunächst Sitz von Wilhelm Pieck, dem DDR-Präsidenten, und später Gästehaus der Regierung. Als Ort des Zentralen Runden Tisches und der Zwei-plus-Vier-Gespräche, die die deutsche Wiedervereinigung vorbereiteten, spielte Schloss Schönhausen nach 1989 eine besondere historische Rolle. Heute befindet sich in den Nebengebäuden der Schlossanlage die Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS). Das Schloss ist nach einer umfassenden Sanierung seit 2009 als Museum für den regulären Besucherverkehr geöffnet.

Bis 1960 wohnten die Mitglieder der DDR-Regierung in Niederschönhausen. Sie bewohnten damals das sogenannte „Städtchen“, ein Gebiet um den Majakowskiring. Dieser Teil Niederschönhausens war bis 1973 für die „normale Bevölkerung“ nicht zugänglich. Im Majakowskiring befindet sich das „Johannes-R.-Becher-Haus“, wie es bis 1990 offiziell hieß. Dort wohnte der Schriftsteller Johannes R. Becher, der auch den Text zur DDR-Nationalhymne schrieb. Heute ist in dem Haus ein privates Unternehmen untergebracht.

Rund 500 Meter westlich vom Majakowskiring entstand ab 1950 nach einem Beschluss der DDR-Regierung um die Straße 201 herum die Künstlersiedlung Erich Weinert.

Niederschönhausen ist ein grüner Ortsteil: Die Schönholzer Heide, der Brosepark, der Schlosspark, der Bürgerpark sowie der Friedhof Pankow III liegen hier.

Zudem ist Niederschönhausen einer der wenigen Ortsteile im Bezirk Pankow, in dem es noch ein Kino gibt: Der Blaue Stern an der Ecke Hermann-Hesse-/Waldstraße. Aus Niederschönhausen stammt Max Skladanowsky, der 1895 ein Patent auf seinen Projektionsapparat „Bioscop“ beantragte und seine selbstgedrehten Filme erstmals am 1. November 1895 im „Varieté Wintergarten“ öffentlich vorführte. Er gilt damit neben den Brüdern Auguste und Louis Lumière und Thomas Alva Edison als Kinopionier. In Niederschönhausen, wo er in der Waldowstraße gewohnt hat, liegt er auch begraben – auf dem Friedhof IV am Herthaplatz. Dort befindet sich auch das Ehrengrab der Stadt Berlin für Carl von Ossietzky. Dieser starb im Krankenhaus Nordend, das Anfang 2006 abgerissen wurde. Im zeitweilig als Lazarett genutzten Schulgebäude an der Blankenburger Ecke Buchholzer Straße wurde 1947 Hans Fallada behandelt. Hier starb er auch im selben Jahr.

In Niederschönhausen befindet sich neben der evangelischen Friedenskirche die katholische Kirche St. Maria Magdalena.

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Berlin-Niederschönhausen

Verkehr[Bearbeiten]

Durch den Ortsteil Niederschönhausen verlaufen folgende Bus- und Straßenbahn-Linien:

  • 107 S+U Pankow beziehungsweise Niederschönhausen, Hermann-Hesse-Straße – S Hermsdorf oder Arkenberge
  • 150 U Osloer Straße – S Buch
  • 155 Weißensee, Piesporter Straße – Wilhelmsruh, Fontanestraße
  • 250 (U Franz-Neumann-Platz –) U Vinetastraße, Niederschönhausen, Buchholzer Straße, U Vinetastraße (– U Franz-Neumann-Platz)
  • M1 Mitte, Am Kupfergraben – Niederschönhausen, Schillerstraße oder Rosenthal Nord (im Nachtverkehr nach Schillerstraße)

Besondere Bedeutung für den Straßenverkehr hat die Bundesstraße 96a, die durch den Ortsteil verläuft.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berlin-Niederschönhausen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien