Sichel (Werkzeug)

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Sichel
Sichelwerk im Weiztal, Steiermark, 1898

Die moderne Sichel ist ein Werkzeug zum Schneiden kleiner Mengen von Getreide und Gras. Sie besteht aus einer nach vorn sich verjüngenden, konkav gekrümmten Klinge (in der Regel aus Stahl) mit einem hölzernen Handgriff. Sie unterscheidet sich von der Sense durch die kleinere Klinge und den kürzeren Stiel. Grassicheln sind kurz, aber sehr stark gebogen.

Geschichte des Begriffs[Bearbeiten]

Das Wort Sichel ist mit althochdeutsch sihhila, mittelniederländisch sekele, altenglisch sicol entlehnt aus lateinisch sicilis "Sichel", dies wohl ein Substantiv zu lateinisch secare "schneiden". Die Bezeichnung Hippe für Sichelmesser als symbolisches Werkzeug des Todes, vordeutsch rekonstruiert *hæbjon, deutet auf außerromanische Bezeichnungen wie griechisch kópto "ich schlage", litauisch kapóti "Haue, Beil", russisch kopáti "hacken, hauen, graben".[1]

Geschichte des Gegenstandes[Bearbeiten]

neolithische Sichel, Rekonstruktion, Kreismuseum Plön
Bronzezeitliche Sichel aus Hort, ohne Griff

Die Sichel ist neben dem Erntemesser eines der ältesten Ackerbaugeräte. Die ältesten Sicheln fand man in der Levante, wo sie bereits im Protoneolithikum zum Abschneiden von Wildgetreide oder Gräsern dienten. Der die Benutzung kennzeichnende „Sichelglanz“ entsteht aber nicht nur beim Schneiden von Getreide (auch Gras, Schilf oder Laub). Sie bestanden aus gebogenen Holz- oder Geweihstücken, in die man einige Feuersteinklingen mit Harz oder ähnlichem Material eingeklebt hat. Seit dem Aufkommen der Bronze wurden Sicheln aus diesem Material hergestellt. Sichel und Griff wurden mit Hilfe einer Schäftung (Vor- und Frühgeschichte) verbunden.

Seit Steensberg 1943 unterscheidet man zwei Sichelformen:

A) die Hakensichel (angular sickle), bei der das Blatt gerade aus dem Heft hervorgeht, so dass das Schwergewicht auf einer Seite liegt

B) die Bogensichel (balanced sickle), bei der das Blatt am Heft im rechten oder stumpfen Winkel abknickt, so dass das Gewicht auf beide Seiten gleichmäßig verteilt ist

Typ B entstand in der La-Tène-Zeit, verbreitete sich unter den Römern und setzte sich im Mittelalter allgemein durch.

Aus der Theiß-Kultur (Szegvár-Tüzköves, Komitat Szentes) ist eine Tonstatuette eines Mannes bekannt, der eine Sichel hält. Er wurde von dem Ausgräber als „Sichelgott“ gedeutet. Im antiken Griechenland war die Sichel das Symbol der Landwirtschaft und damit ein Attribut der Göttin Demeter war.

In verschiedenen archäologisch untersuchten Kulturen ist die Sichel eine Grabbeigabe, besonders in Gräbern, in denen neben dem menschlichen Leichnam auch ein Pferd bestattet wurde.

Verwendung[Bearbeiten]

Heraldik[Bearbeiten]

Die Sichel ist als gemeine Figur in der Heraldik in vielen Kommunalwappen anzutreffen. Bei der Beschreibung ist die Lage und Richtung der Klinge zu melden. Bei der Tingierung sind ansonsten alle heraldischen Farben möglich. Der Stiel wird gern in Gold gefärbt. Die Sichel soll im Wappen die Landwirtschaft verkörpern und eine Getreidegarbe begleitet oft die Wappenfigur. Die Sichel im Wappen darf nicht mit dem Rebmesser verwechselt werden.

Politische Symbolik[Bearbeiten]

Sichel als Flaggensymbol der Sowjetunion

Als politisches Symbol wird sie mit dem Hammer gemeinsam im Wappen und auch in Fahnen dargestellt. Miteinander gekreuzt sind Hammer und Sichel ein Symbol für den Arbeiter-und-Bauern-Staat im real existierenden Sozialismus, z. B. auf der Flagge der ehemaligen Sowjetunion.

In der Nationalhymne Kataloniens des Els Segadors (dtsch: Die Schnitter) – sie geht auf ein altes katalanisches Volkslied zurück – wir von dem Aufstand der Schnitter, Guerra dels Segadors von 1640–1652 gegen den habsburgischen König Philipp IV. von Spanien (1605–1665) und dessen Premierminister, den Graf von Olivares (1587–1645) erzählt. In deren Refrain: Bon cop de falç, bon cop de falç defensors de la terra, bon cop de falç (dtsch. Ein guter Schlag mit der Sichel, ein guter Schlag mit der Sichel, Verteidiger des Landes, ein guter Schlag mit der Sichel!) wird mehrfach von einer Sichel als mögliche Waffe gesprochen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jens Lüning: Steinzeitliche Bauern in Deutschland - die Landwirtschaft im Neolithikum. Bonn 2000, ISBN 3-7749-2953-X. Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie, Band 58
  • Hildegard Quitta: Mittelalterliche Sicheln aus Leipzig. In: Forschungen zur Vor- und Frühgeschichte Band 1 (1955), S. 148-153
  • Axel Steensberg: Ancient Harvesting Implements. A study in archaeology and human geography, Kopenhagen 1943. Nationalmuseets Skrifter, Arkaeologisk-historisk Raekke, Band 1, phil. Diss. Kopenhagen 1942

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sichel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 25. Auflage, Berlin/Boston 2011, s.v. Sichel, Hippe