Sichel (Werkzeug)

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Sichel
Sichelwerk im Weiztal, Steiermark, 1898

Die moderne Sichel ist ein Werkzeug zum Schneiden kleiner Mengen von Getreide und Gras. Sie besteht aus einer nach vorn sich verjüngenden, konkav gekrümmten Klinge (in der Regel aus Stahl) mit einem hölzernen Handgriff. Sie unterscheidet sich von der Sense durch die kleinere Klinge und den kürzeren Stiel. Grassicheln sind kurz, aber sehr stark gebogen.

Geschichte[Bearbeiten]

Zur Schäftung siehe: Schäftung (Vor- und Frühgeschichte)

neolithische Sichel, Rekonstruktion, Kreismuseum Plön
Bronzezeitliche Sichel aus Hort, ohne Griff

Die Sichel ist neben dem Erntemesser eines der ältesten Ackerbaugeräte. Die ältesten Sicheln fand man in der Levante, wo sie bereits im Protoneolithikum zum Abschneiden von Wildgetreide oder Gräsern dienten. Der die Benutzung kennzeichnende „Sichelglanz“ entsteht aber nicht nur beim Schneiden von Getreide (auch Gras, Schilf oder Laub). Sie bestanden aus gebogenen Holz- oder Geweihstücken, in die man einige Feuersteinklingen mit Harz oder ähnlichem Material eingeklebt hat.

Mit Aufkommen der Bronze wurden Sicheln aus diesem Material hergestellt.

Seit Steensberg 1943 unterscheidet man zwei Sichelformen:

A) die Hakensichel (angular sickle), bei der das Blatt gerade aus dem Heft hervorgeht, so dass das Schwergewicht auf einer Seite liegt

B) die Bogensichel (balanced sickle), bei der das Blatt am Heft im rechten oder stumpfen Winkel abknickt, so dass das Gewicht auf beide Seiten gleichmäßig verteilt ist

Typ B entstand in der La-Tène-Zeit, verbreitete sich unter den Römern und setzte sich im Mittelalter allgemein durch.

Aus der Theiß-Kultur (Szegvár-Tüzköves, Ko. Szentes) ist eine Tonstatuette eines Mannes bekannt, der eine Sichel hält. Er wurde von dem Ausgräber als „Sichelgott“ gedeutet. Noch bei den alten Griechen war die Sichel das entscheidende Symbol der Landwirtschaft, weshalb sie ein Attribut der Göttin Demeter war.

In verschiedenen archäologischen Kulturen ist die Sichel eine Grabbeigabe, besonders in den Gräbern, in denen neben dem menschlichen Leichnam auch ein Pferd bestattet wurde.

Heraldik[Bearbeiten]

Die Sichel ist als gemeine Figur in der Heraldik in vielen Kommunalwappen anzutreffen. Bei der Beschreibung ist die Lage und Richtung der Klinge zu melden. Bei der Tingierung sind ansonsten alle heraldischen Farben möglich. Der Stiel wird gern in Gold gefärbt. Die Sichel soll im Wappen die Landwirtschaft verkörpern und eine Getreidegarbe begleitet oft die Wappenfigur. Die Sichel im Wappen darf nicht mit dem Rebmesser verwechselt werden.

Sichel als Symbol[Bearbeiten]

Sichel als Flaggensymbol der Sowjetunion

Als politisches Symbol wird sie mit dem Hammer gemeinsam im Wappen und auch in Fahnen dargestellt. Miteinander gekreuzt sind Hammer und Sichel ein Symbol für den Arbeiter-und-Bauern-Staat im real existierenden Sozialismus, z. B. auf der Flagge der ehemaligen Sowjetunion.

Literatur[Bearbeiten]

Jens Lüning: Steinzeitliche Bauern in Deutschland. Die Landwirtschaft im Neolithikum. UPAS 58 (Bonn, Habelt 2000)

Hildegard Quitta: Mittelalterliche Sicheln, in: Leipziger Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte 1. 1955

Axel Steensberg: Ancient Harvesting Implements, Kopenhagen 1943

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sichel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Sichel in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien