Shah Jahan

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Shah Jahan, ca. 1650

Shihabuddin Mohammed Shah Jahan (persisch ‏ شهاب الدین محمّد شاه جهان‎, DMG Šihāb ud-Dīn Muḥammad Šāh Ğahān) (* 5. Januarjul./ 15. Januar 1592greg.; † 12. Januarjul./ 22. Januar 1666greg.) war als dritter Sohn Jahangirs der Großmogul von Indien zwischen 1627 und seiner Entmachtung durch seinen Sohn Aurangzeb im Juni 1658. Er war der fünfte Mogulherrscher nach Babur, der ursprünglich ein Kleinfürst im Ferganatal im heutigen Usbekistan war und das Mogulreich begründete, und dessen Nachfolgern Humayun, Akbar und Jahangir.

Biografie[Bearbeiten]

Shah Jahan (persisch ‚König der Welt‘) wurde geboren als Prinz Khurram (persisch خرّم ‚blühend‘, ‚froh‘). Er war bereits in seiner Jugend der Favorit seines Großvaters Akbar. Unter der Herrschaft seines opium- und alkoholsüchtigen Vaters Jahangir erwies er sich als fähiger Heerführer bei der Eroberung von Mewar, des letzten großen hinduistischen Fürstentums (1613) sowie der als uneinnehmbar geltenden Festung Kangra im Vorhimalaya (1618/20). Auch zeigte er schon früh Interesse an Architektur. Die Offensive der Dekkan-Sultanate im Jahr 1621 konnte er trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit seiner Armee zurückdrängen. 1622 unternahm Shah Jahan eine Rebellion gegen seinen Vater und wurde vernichtend geschlagen. Er floh durch den Dekkan und Orissa, verlor 1624 erneut gegen seinen Vater und 1626 nochmals. Der Sultan von Ahmadnagar gab ihm schließlich ein kleines Lehen (Iqta) als Versteck. Jahangir ernannte seinen Halbbruder Shahriyar zum Thronfolger.

Nach dem Tod Jahangirs (1627) schaltete der Wesir Asaf Khan im Auftrag Shah Jahans dessen Rivalen aus. Shah Jahans Halbbruder Shariyar musste in einem ersten Thronfolgekrieg besiegt werden, die anderen Prinzen wurden ebenfalls ermordet bzw. waren – wie Khusrau – schon früher aus dem Weg geräumt worden. Nur Jahan, die Lieblingsfrau seines Vaters, wurde in Lahore unter Hausarrest gestellt.

Als Shah Jahans Lieblingsfrau Mumtaz Mahal (Arjumand Banu Begum) am 17. Juni 1631 bei der Geburt ihres 14. Kindes Gauhara Begum starb, begann der tief getroffene Kaiser mit dem Bau ihres Grabmals, des Taj Mahal in Agra (1631–1648/53); parallel dazu befahl er ein zweijährige Staatstrauer. In dieser Zeit zog sich Shah Jahan zunehmend von den Regierungsgeschäften zugunsten seiner Söhne zurück.

In das Jahr 1632 fielen Maßnahmen gegen Hindus und Christen. Zahlreiche neu gebaute bzw. im Bau befindliche Hindutempel wurden zerstört, da die islamischen Theologen fremden Religionen einen Tempelneubau und -renovierung nicht zugestehen wollten. Analog dazu zerstörten Mogultruppen die Siedlung der Portugiesen am Hugli. Beide Maßnahmen blieben allerdings eine Ausnahme, denn Shah Jahan änderte seine Politik wieder. Seine frühen Regierungsjahre wurden durch den Einfluss der orthodoxen Moslems geleitet; der alte Kaiser dagegen nahm unter dem Einfluss seines Sohnes Dara Shikoh (ein Freigeist wie seinerzeit Akbar, allerdings luxusverwöhnt) mehr Rücksicht, förderte sogar indische Musik und Literatur.

Die Regierung des Kaisers wurde zunehmend von dessen ältestem Sohn Dara Shikoh geleitet – nicht zuletzt, weil Shah Jahan dessen Rebellion befürchtete und auf diese Weise zu verhindern hoffte. Darunter zu leiden hatte vor allem der dritte Sohn Aurangzeb, ein energischer, orthodoxer Moslem und somit natürlicher Rivale Daras: Aurangzeb wurde u. a. als Statthalter (subahdar) des Dekkan zweimal abgesetzt. Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass sich Shah Jahans jüngere Söhne Anfang der fünfziger Jahre gegen Dara Shikoh verbündeten.

Im übrigen entrissen die Perser 1649 den Moguln wieder die Stadt Kandahar, ein Zeichen für eine zunehmende militärische Schwäche des Mogulheeres, die auch die Prinzen Aurangzeb und Dara Shikoh durch persönlichen Einsatz während dreier gescheiterter Belagerungen nicht wettmachen konnten. In Indien selbst dehnte sich das Mogulreich noch aus: Die Dekkan-Sultanate sahen schon 1632 das Mogulheer vor Bijapur (Sultanat Bijapur), 1633 die Unterwerfung des Sultanats Ahmadnagar und 1656 die Eroberung von Haiderabad (Sultanat Golkonda), sodass die endgültige Eingliederung des Dekkan nur noch eine Frage der Zeit war bzw. nur noch durch die anhaltende Rivalität zwischen Dara Shikoh und Aurangzeb hinausgezögert wurde.

Als Shah Jahan wegen einer Harnröhrenleidens im September 1657 in ernster Lebensgefahr schwebte, befürchteten seine jüngeren Söhne bereits Dara Shikohs Thronbesteigung in Delhi. Shah Jahan wurde zwar wieder halbwegs gesund, der Bruderkrieg war aber nicht mehr aufzuhalten; die Prinzen waren entschlossen, die Angelegenheit militärisch auszufechten. Dara Shikoh machte dabei Fehler, und so konnte sich Aurangzeb trotz der heimlichen Abneigung Shah Jahans in den Jahren 1657/58 gegen seine Brüder durchsetzen. Nach der schwerwiegenden Niederlage Daras bei Samugarh Ende Mai 1658 musste Shah Jahan in Agra vor seinem Sohn Aurangzeb kapitulieren. Er verbrachte seine letzten Lebensjahre als Gefangener in Agra, mit Blick auf das Taj Mahal. Seine älteste Tochter Jahanara, welche seit dem Tod ihrer Mutter Mumtaz Mahal die Aufgaben der ersten Dame bei Hofe erfüllt hatte, pflegte ihn aufopfernd. Nach seinem Tod (1666) wurde er an der Seite von Mumtaz Mahal beigesetzt.

Bauten[Bearbeiten]

Neben dem Taj Mahal betätigte sich Shah Jahan auch als Bauherr des Roten Forts in Delhi und der dortigen Freitagsmoschee (Jamaa Masjid). Auch die später nach ihm benannte Freitagsmoschee von Thatta (Pakistan) geht auf seine Initiative zurück. Auch an der Anlage der Shalimar-Gärten in Kaschmir wirkte er mit. Den Bau des Grabmals seines Vaters in Lahore (Pakistan) überließ er hingegen weitgehend seiner Stiefmutter Nur Jahan. Das Bauprojekt der Freitagsmoschee von Agra legte er weitgehend in die Hände seiner Tochter Jahanara Begum.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bamber Gascoigne: Die Großmoguln. Glanz und Größe mohammedanischer Fürsten in Indien. Prisma Verlag, Gütersloh 1987, ISBN 3-570-09930-X
  • Stephan Conermann: Das Mogulreich. Geschichte und Kultur des muslimischen Indien. C.H. Beck, München 2006, ISBN 978-3-406-53603-8
  • Fergus Nicoll: Shah Jahan, The Rise and Fall of the Mughal Emperor, Haus Publishing, London 2009, ISBN 978-1-906598-18-1
  • Banarsi Prasad Saksena: History of Shahjahan of Dihli, Central Book Depot, Allahabad 1932, rep.1962, 1975, 2012, ISBN 978-8-180902-37-6

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Shah Jahan I – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorgänger Amt Nachfolger
Jahangir Großmogul von Indien
1627–1657
Aurangzeb