Sinusthrombose

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Klassifikation nach ICD-10
I67.6 Nichteitrige Thrombose des intrakraniellen Venensystems
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Als Sinusthrombose wird das Auftreten von Blutgerinnseln (Thrombose) in den großen venösen Zusammenflüssen des Gehirns in der harten Hirnhaut, den venösen Sinus durae matris, bezeichnet. Sinusthrombosen sind eine seltene, aber gefürchtete Ursache von Infarkten (Schlaganfällen) des Gehirns.

Häufigkeit[Bearbeiten]

Die genaue Häufigkeit von Sinusthrombosen ist unbekannt. Es wird geschätzt, dass jährlich 3-5 Neuerkrankungen pro 1 Million Einwohner auftreten. Frauen sind im Verhältnis 3:1 häufiger als Männer betroffen. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 30-40 Jahren.[1]

Ursachen[Bearbeiten]

Sinusthrombosen werden gelegentlich durch eitrige Infektionen im Gesichtsbereich, Nasennebenhöhlenvereiterung, Mastoiditis oder Meningitis verursacht. In diesem Fall spricht man von einer septischen Sinusthrombose. Erkrankungen mit gesteigerter Blutgerinnung (Polyzythämie, Antithrombinmangel und andere) können eine Rolle spielen. Schwangere tragen ein erhöhtes Risiko. Einige Medikamente wie Kontrazeptiva und Kortikoide sind ebenfalls nachteilig.

Pathophysiologie[Bearbeiten]

Die venösen Blutleiter des Gehirns sind dünnwandig und besitzen wenig glatte Muskulatur, keine Venenklappen und keine vasomotorische Innervation. Neben den Sinus gibt es ein tiefes venöses System. In den meisten Fällen sind bei einer Sinusthrombose mehrere Sinus oder Sinus und tiefe Hirnvenen gleichzeitig betroffen. Anders als bei arteriellen Verschlüssen, die plötzlich auftreten, bilden sich venöse Thromben allmählich durch ein gestörtes Gleichgewicht von gleichzeitig ablaufenden prothrombotischen und thrombolytischen Prozessen. Der blockierte Abfluss des Blutes führt zu einer Drucksteigerung und kann Blutungen in das Parenchym oder die Ventrikel nach sich ziehen. Am häufigsten sind der Sinus sagittalis superior und die seitlichen (lateralen) Sinus betroffen.

Symptome[Bearbeiten]

Sinusthrombose im MR-Bild
Sinusthrombose im nativ-CCT (sag. MIP)
Sinusthrombose in der Computertomographie ohne Kontrastmittel (links) und in der Kernspintomographie T1 mit Kontrastmittel (rechts) gleicher Fall.

Die Symptome einer Sinusthrombose sind mehrdeutig: Kopfschmerzen, epileptische Anfälle und Wesensveränderungen sowie in fortgeschrittenen Stadien Lähmungen, Sehstörungen und Bewusstseinseintrübung bis hin zur Bewusstlosigkeit können auch bei anderen Erkrankungen beobachtet werden. Bei einer entzündlichen Beteiligung des Sinus cavernosus (etwa bei Sinusitis, Meningitis oder zunächst banal erscheinenden Entzündungen im Augen- oder Gesichtsbereich) besteht meist zusätzlich hohes Fieber.

  • Frühzeichen:
    • Druckschmerz im Nasenaugenwinkel
    • Sehstörungen
  • später:
    • starke Kopf- und Nackenschmerzen, bis in die Arme ausstrahlend / Kopfschmerzen ausstrahlend von Schläfe über den Stirn bis zur anderen Schläfe
    • Ödem der Nasolabialfalte und der Lider
    • epileptische Anfälle
    • psychotische Symptome und Wesensveränderungen
  • Im Vollbild:
  • Spätfolgen:

Diagnostik[Bearbeiten]

Die klinische Diagnose der Sinusthrombose ist schwierig, weil es keine eindeutigen beweisenden klinischen Krankheitszeichen gibt und die auftretenden Symptome auch auf andere Erkrankungen wie etwa einen Abszess, eine Encephalitis oder ein Malignom hinweisen können. Der klinische Verdacht auf eine Thrombose kann durch eine Bestimmung des D-Dimer-Spiegels im Blutserum erhärtet, jedoch nicht bewiesen werden. Bei Thrombose des Sinus transversus kann das Griesinger-Zeichen auftreten.

Wegen der diagnostischen Schwierigkeiten allein anhand der Klinik wird bei entsprechendem Verdacht frühzeitig eine Schnittbilddiagnostik empfohlen. In der Computertomographie oder Kernspintomographie sind Infarktzonen und Blutungen erkennbar, die nicht den bekannten arteriellen Versorgungsgebieten entsprechen. In der nativen Computertomographie kann sich das Gerinnsel im Sinus auch ohne Kontrastmittel hell darstellen. Mit Kontrastmittel lassen sich sowohl in der Computertomographie wie auch in der Kernspintomographie die Gerinnsel direkt als Aussparung in den ansonsten kontrastierten Sinus meist gut erkennen. Sie müssen von Aussparungen in den Sinus unterschieden werden, die durch Pacchionische Granulationen gebildet werden. Auch die häufigen anatomischen Varianten z. B. mit asymmetrisch oder nur einseitig angelegtem Sinus transversus müssen berücksichtigt werden. Als weiteres diagnostisches Verfahren kommt in Ausnahmefällen die Angiographie nur noch in Betracht, wenn bei begründetem Verdacht auf eine Sinusthrombose die anderen oben genannten Methoden nicht zur Verfügung stehen.

Therapie[Bearbeiten]

Heparin in hoher Dosierung, später dann oral anwendbare Gerinnungshemmer wie Phenprocoumon oder Warfarin; Hirndruckvorbeugung, Beruhigungsmittel (Sedativa) und Antikonvulsiva bei Krampfanfällen. Die Auflösung (Thrombolyse) oder chirurgische Entfernung der Thromben ist nur in seltenen Fällen möglich.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. W. Hacke: Neurologie. Springer-Verlag 2010, 13. Auflage, S. 240 ff. ISBN 978-3-642-12381-8
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