Stefan Jerzy Zweig
Stefan Jerzy Zweig (* 28. Januar 1941 in Krakau) ist ein polnischer Autor und Kameramann und wurde als „das Buchenwald-Kind“ aus Bruno Apitz' Roman „Nackt unter Wölfen“ bekannt.
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Leben [Bearbeiten]
Stefan Jerzy Zweig wuchs zusammen mit seinen Eltern, Dr. Zacharias Zweig und Helena Zweig, und seiner Schwester Sylwja Zweig in einem Krakauer Ghetto auf. Die Familie wurde im August 1944 getrennt. Seine Mutter und seine Schwester starben im Konzentrationslager Auschwitz.
Zusammen mit seinem Vater wurde Stefan Jerzy Zweig 1944, im Alter von drei Jahren, in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht. Er wurde mit dem Vermerk Polit Pole Jude inhaftiert und bekam die Häftlingsnummer 67509.[1]
Die Häftlinge Willi Bleicher und Robert Siewert nahmen ihn in ihre Fürsorge. Als er wenige Wochen nach seiner Ankunft in das Konzentrationslager Auschwitz gebracht werden sollte, wurde er zunächst unter an Typhus erkrankten Häftlingen versteckt. Später wurde sein Name auf einer Transportliste mit 200 Kindern und Jugendlichen neben weiteren elf Kindern gestrichen. Die zwölf Namen wurden durch zwölf andere Kinder ersetzt, einer davon (der letzte Name auf der Liste der 12 ausgetauschten Kinder) war Willy Blum, ein 16-jähriger Roma-Junge. Stefan Jerzy Zweig wurde danach ins "Kleine Lager" geschmuggelt und dort von seinem Vater bis zur Befreiung Buchenwalds im April 1945 versteckt. Die Rolle und der Einsatz des Vaters findet sich nicht im Roman und im Film „Nackt unter Wölfen“ von Bruno Apitz.
Wegen einer Tuberkulose wurde Zweig bis 1949 in Polen, der Schweiz und Frankreich behandelt und ging anschließend mit seinem Vater nach Israel. Dieser bekam dort eine Stelle als Sachbearbeiter im Finanzministerium, die er bis zu seiner Pensionierung innehatte. Stefan Jerzy Zweig schloss das Abitur ab und absolvierte seinen Wehrdienst in der israelischen Armee. Anschließend begann er ein Studium der Mathematik in Tel Aviv, brach dieses aber ab.
Die Veröffentlichung des Romans „Nackt unter Wölfen“ von Bruno Apitz 1958 wurde von beiden nicht wahrgenommen. Erst Frank Beyers Verfilmung 1963 mit Armin Mueller-Stahl in der Hauptrolle veranlasste Journalisten aus der DDR, nach Zweig zu suchen. Er hatte gerade das Mathematikstudium erneut aufgenommen und studierte in Lyon, als die Medien Interesse an ihm fanden.
Während des Aufenthaltes in der DDR traf Zweig auch mit Bruno Apitz zusammen. Nachdem er sein Studium erneut abgebrochen hatte, bekam Zweig 1964 – auch auf Grund seiner Popularität – einen Ausbildungsplatz zum Kameramann im Filmstudio Babelsberg. Er heiratete eine DDR-Bürgerin und zog 1972 mit ihr und dem gemeinsamen Sohn nach Wien. Dort bekam er eine Stelle als Kameramann beim ORF. Sein Vater starb im selben Jahr.
Um das Jahr 2000 wurde die Anfang der 1950er Jahre angebrachte Gedenktafel mit der Aufschrift
„In diesem Gebäude befanden sich die Effektenkammer, die Häftlingsbekleidungskammer und die Gerätekammer. In der Effektenkammer versorgten Häftlinge den zwischen Säcken versteckten 3-jährigen Stefan Zweig. Unter Einsatz ihres Lebens retteten sie das Kind vor der Vernichtung“
an der Effektenkammer in der Gedenkstätte KZ Buchenwald durch die Leitung der Gedenkstätte entfernt. Eine Schautafel relativiert heute an dieser Stelle und informiert über die im KZ untergebrachten 900 Kinder. Zweig zeigte sich damit nicht einverstanden.
Zum 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald veröffentlichte Stefan Jerzy Zweig am 11. April 2005 sein im Eigenverlag erschienenes Buch Tränen allein genügen nicht, in dem er sich auch gegen die Diffamierung seiner Retter als „Stalinisten“ wehrt.[1]
Der Bezug zu „Nackt unter Wölfen“ [Bearbeiten]
Bruno Apitz kannte den Jungen Stefan Jerzy Zweig nicht. Der Roman basiert auf eigenen Erlebnissen Apitz' und auf Hörensagen über den Jungen. Einige Aussagen und Teile des Romans stimmen deshalb nicht mit der Original-Geschichte Zweigs überein. Beispielsweise schreibt Apitz, dass ein kriegsgefangener polnischer Offizier, der nicht der Vater ist, das Kind zunächst in einem Koffer in das Lager schmuggelt und kurz darauf mit einem Transport in ein Vernichtungslager abgeht, wo er vermutlich getötet wird.
In seinem Roman Anders (Rowohlt Verlag, Reinbek 2003) thematisiert Hans Joachim Schädlich auch Bruno Apitz' Roman und deutet diesen sowie die Verfilmung desselben als Beispiele dafür, dass "die ostdeutschen Kommunisten Buchenwald dazu benutzt" hätten, "sich eine fleckenfreie antifaschistische Heldenlegende zu stricken" (S. 81). Dem "Buchenwald-Kind" Zweig wird attestiert, dass er seinerseits immer noch an der Legende festhalte, das Lager sei von den Insassen selbst befreit worden. Tatsächlich wurde das Lager von US-amerikanischen Truppen befreit. Zugleich deutet Schädlich eine gewisse Tragik in der Lebensgeschichte Zweigs an, wenn er eine seiner – fiktiven – Figuren sagen lässt: "Wahrscheinlich kann Jerzy Zweig seine wahre Geschichte nicht gelten lassen: daß er lebt, weil statt seiner der Zigeunerjunge Willy Blum ins Gas geschickt wurde." (S. 92)
Die erlebte Geschichte Stefan Jerzy Zweigs schrieb sein Vater für die Shoah-Gedenkstätte Yad Vashem in einem Bericht. Dieser wurde 1987 unter dem Titel Mein Vater, was machst du hier ...? Zwischen Buchenwald und Auschwitz veröffentlicht.
Einzelnachweis [Bearbeiten]
- ↑ a b Ulrich Weinzierl: Das Kind von Buchenwald, Artikel in der Welt vom 9. April 2005, abgerufen am 4. August 2009
Weblinks [Bearbeiten]
- Süddeutsche Zeitung, 60 Jahre KZ-Befreiung – Schwerelos in den Abgrund (zuletzt Aufgerufen am 5. April 2010)
- offizielle Seite von Stefan Jerzy Zweig
- Literatur von und über Stefan Jerzy Zweig im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Zweig, Stefan Jerzy |
| KURZBESCHREIBUNG | polnisch-jüdischer Autor und Kameramann |
| GEBURTSDATUM | 28. Januar 1941 |
| GEBURTSORT | Krakau |