Romani Rose

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Romani Rose

Romani Oskar Rose (* 1946 in Heidelberg) ist ein deutscher Bürgerrechtsaktivist und seit 1982 Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma.

Familie[Bearbeiten]

Dreizehn Familienmitglieder der Familie Rose, darunter seine Großeltern, wurden in Konzentrationslagern wie dem sogenannten Zigeunerlager Auschwitz oder dem KZ Ravensbrück ermordet. Weitere Familienmitglieder überlebten KZs, Zwangsarbeit, medizinische Experimente im KZ Natzweiler oder konnten sich durch Flucht in die „Illegalität“ retten.[1]

Sein Großvater und sein Vater waren Wanderkinobetreiber[2]. Sein Vater Oskar Rose und sein Onkel Vinzenz Rose überlebten den Porajmos. Die beiden Brüder setzten sich schon 1946 für eine Strafverfolgung der Täter ein. Vinzenz Rose begründete Anfang der 1970er Jahre die Sinti/Roma-Bürgerrechtsbewegung und setzte erste politische Akzente.

Romani Rose arbeitete ursprünglich als Teppichhändler im väterlichen Betrieb.[3]. Er ist verheiratet und hat sechs Kinder.

Engagement für Sinti und Roma[Bearbeiten]

Romani Rose setzt sich für die Minderheitenrechte der Sinti und Roma ein, ihren Schutz vor Rassismus und Diskriminierung sowie für die Bekanntmachung des Ausmaßes und historischen Stellenwertes des Porajmos, dem Völkermord an den Sinti und Roma.

Im Jahr 1980 trat eine Gruppe Sinti auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau in den Hungerstreik, weil ihr vom bayerischen Innenministerium die Akteneinsicht in die Unterlagen der 1970 aufgelösten „Landfahrerzentrale“ verweigert wurde.[4]

Der Hungerstreik, an dem Romani Rose als Sprecher teilnahm, wurde zu einem weltweit beachteten Ereignis, das für das Gedenken an den nationalsozialistischen Völkermord, die Wahrung der Bürgerrechte und die Verbesserung der gesellschaftlichen Teilhabe der Sinti in Deutschland ein wichtiger Anstoß war.

Nachdem Romani Rose 1979 Vorsitzender des Verbands Deutscher Sinti geworden war, widmete er sich intensiv der Bürgerrechtsarbeit. 1981 avancierte er zum Vorsitzenden und Geschäftsführer des von ihm mitbegründeten Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, für den der Zentralrat der Juden nicht nur dem Namen nach ein Vorbild war. Im Februar 1982 erfolgte die Gründung des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma mit Sitz in Heidelberg. Diese Dachorganisation, der 16 Mitgliedsvereine (Landesverbände und regionale Vereine) angehören, vertritt seither auf nationaler wie internationaler Ebene die Interessen der in Deutschland lebenden Sinti und Roma.

Eine entscheidende Zäsur in der Bürgerrechtsarbeit war der 17. März 1982, als der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt eine Delegation des Zentralrats empfing und in völkerrechtlich bedeutsamer Weise die NS-Verbrechen an den Sinti und Roma als Völkermord aus "rassischen" Gründen anerkannte. Dies wurde durch seinen Amtsnachfolger, Bundeskanzler Helmut Kohl, in einer Bundestagsdebatte im November 1985 noch einmal bestätigt. Bundespräsident Roman Herzog unterstützte das Anliegen, indem er 1997 erklärte, dass dem Völkermord an den Sinti und Roma der gleiche Rassenwahn und Vernichtungswille zu Grunde gelegen habe wie der Judenverfolgung.

1991 übernahm Rose die Geschäftsführung des vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma getragenen Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma, eine weltweit einzigartige Einrichtung in Heidelberg. Es wurde 1997 mit einer ständigen Ausstellung zum Schicksal der Roma zur Zeit des Nationalsozialismus eingeweiht und fungiert seither als Gedenkstätte und kulturelle wie wissenschaftliche Einrichtung, mit einem lebendigen Veranstaltungsprogramm und zahlreichen Veröffentlichungen. Das Zentrum genießt internationale Beachtung.

Nach über 20 Jahren beharrlicher Bürgerrechtsarbeit durch den Zentralrat und die Landesverbände hat in vielen gesellschaftlichen Bereichen ein spürbarer Wandel im Umgang mit der Minderheit eingesetzt. Dies gilt auch für die Frage der Wiedergutmachung: Seit Mitte der 1980er Jahre konnte der Zentralrat für überlebende KZ-Opfer eine grundlegende Änderung der früheren diskriminierenden Entschädigungspraxis bewirken und in mehreren tausend Einzelfällen Neuentscheidungen der zuständigen Behörden zugunsten der Betroffenen durchsetzen.

Romani Rose versucht, die Kultur und die gesellschaftliche Lage der Sinti als integrierter, sesshaft lebender Volksgruppe mit eigener Sprache (Romani) und eigenem Wertekanon durch Informationskampagnen und politische Initiativen darzustellen und so der noch immer verbreiteten Romantisierung bzw. Kriminalisierung entgegenzuwirken. Auf seine Initiative entstand das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas in Berlin, das im Oktober 2012 im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck eingeweiht wurde. Sein Verdienst ist, fortdauernden Rassismus und unfaire Behandlung vieler Roma und Sinti durch Behörden und Politiker nach 1945 ins öffentliche Bewusstsein gebracht zu haben.

Rose sieht eine große Gefahr in der zunehmenden Verbreitung von Hasspropaganda über das Internet. Beispielhaft führt er dabei Videos der Gruppe Landser an, die trotz Entfernung von Youtube dort immer wieder eingestellt werden, teilweise mit dem Vermerk „Netzwerk gegen Zensur“. Er sieht Politik und Internetwirtschaft in der Verantwortung, gegen die Verbreitung solcher Inhalte vorzugehen, befürwortet aber auch gesellschaftliches Engagement, um gegen Hassseiten vorzugehen. Eine Möglichkeit sei etwa die Einrichtung einer europäischen Aufsichtsstelle nach dem Vorbild von jugendschutz.net und INACH.

Werke[Bearbeiten]

  • Sinti und Roma Göttingen, Gesellschaft für bedrohte Völker, 1980
  • Sinti und Roma im „Dritten Reich“: das Programm der Vernichtung durch Arbeit. (Romani Rose; Walter Weiss. Hrsg. vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma) Göttingen, Lamuv, 1991 und 2. A. 1995. 203 Seiten. ISBN 3-88977-248-X.
  • „Den Rauch hatten wir täglich vor Augen...“: Der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma. Heidelberg, Verlag Wunderhorn, 1999. 379 Seiten. ISBN 3-88423-142-1.
  • Der national-sozialistische Völkermord an den Sinti und Roma [Elektronische Ressource] Heidelberg : Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma, 2000
  • Die katholischen Bischöfe und die Deportation der Sinti und Roma nach Auschwitz-Birkenau [Elektronische Ressource] Heidelberg : Dokumentations- und Kulturzentrum Dt. Sinti und Roma, 2008

Ehrungen[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

Seit 2010 engagiert sich Rose, zusammen mit Maria Böhmer und Barbara John, als Schirmherr bei Show Racism the Red Card- Deutschland e. V.[6]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Romani Rose – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Biographie Roses von 2006 auf Seiten des Zentralrates (PDF; 15 kB) aufgerufen am 13. Januar 2012.
  2. Romani Rose im Munzinger-Archiv
  3. Ulrich Völklein: Lästig ist das Zigeunerleben, in: Die Zeit, 7. März 1980
  4. Geschichte des Zentralrates, Selbstdarstellung, aufgerufen am 13. Januar 2012, Was damals Rechtens war... In: Die Zeit vom 18. April 1980, aufgerufen am 13. Januar 2012
  5. Patriarch und Präsident erhalten den Friedenspreis. Soester Anzeiger, abgerufen am 24. Mai 2012.
  6. LifePR-Romani Rose übernimmt Schirmherrschaft bei „Show Racism the Red Card-Deutschland“