Tábor

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Dieser Artikel behandelt die Stadt Tábor in Tschechien. Zu anderen Bedeutungen von Tábor siehe Tabor.
Tábor
Wappen von Tábor
Tábor (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihočeský kraj
Bezirk: Tábor
Fläche: 6221 ha
Geographische Lage: 49° 25′ N, 14° 40′ O49.41444444444414.659722222222437Koordinaten: 49° 24′ 52″ N, 14° 39′ 35″ O
Höhe: 437 m n.m.
Einwohner: 34.858 (1. Jan. 2014) [1]
Postleitzahl: 390 01
Verkehr
Bahnanschluss: Tábor–Písek
Horní Cerekev–Tábor
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 15
Verwaltung
Bürgermeister: Jiří Fišer (Stand: 2011)
Adresse: Žizkovo náměstí 3
390 01 Tábor
Gemeindenummer: 552046
Website: www.tabor.cz
Südwest-Ecke des Marktplatzes vom Kirchturm aus gesehen

Die südböhmische Stadt Tábor (deutsch: Tabor) liegt in der Südböhmischen Region der Tschechischen Republik und hat ca. 35.000 Einwohner.

Geschichte[Bearbeiten]

Tábor wurde als eine Hochburg der Hussitenbewegung bekannt. Im Frühjahr 1420 zogen Anhänger des tschechischen Reformators Jan Hus nach seinem am 6. Juli 1415 in Konstanz erlittenen Feuertod aus der Stadt Sezimovo Ústí auf einen nahegelegenen Berg mit der Burg Kotnov. Sie benannten diesen Ansiedlungsort nach dem biblischen Berg Tabor im Vorderen Orient und errichteten eine Art Gottesstaat mit Verbot von Privateigentum und rigorosen, frauenverachtenden Moralvorschriften. Im Jahr 1421 zogen Vertreter dieser extrem orthodoxen Glaubensrichtung aus der Stadt aus und sollen in den nächsten Jahren weitgehend den Tod gefunden oder verschwunden sein. In der Stadt Tabor blieb eine relativ radikale Gruppe der Hussiten aktiv, die Taboriten genannt wurden. Als diese in der Schlacht von Lipan zusammen mit den Orebiten geschlagen wurden, erhielten die Sieger von Kaiser Sigismund von Luxemburg als König von Böhmen Privilegien und im Jahre 1437 wurde Tabor zu einer freien Königsstadt ohne Erbuntertänigkeit und Frondienste für die Bevölkerung erhoben. Im Jahr 1452, als die Stadt von Georg von Podiebrad in Besitz genommen wurde und ihm gehuldigt wurde, setzten sich in der Verwaltung und religiösen Ausrichtung der Stadt Tabor die gemäßigten Kalixtiner der Glaubensbewegung der Hussiten durch.

Im 16. Jahrhundert entwickelte sich Tábor zu einer wohlhabenden Handels- und Handwerkerstadt auf dem Handels- und Heeresweg von Linz über Budweis nach Prag. Im Dreißigjährigen Krieg, während der Rekatholisierung und Restauration der Habsburger in Böhmen wurde die Stadt 1621 und 1648 belagert und zum Teil niedergebrannt. In den 1620er Jahren wurden die Bewohner durch Einschüchterung in Massentaufen dem römisch-katholischen Glauben zurückgeführt oder mussten unter Zurücklassung ihres Eigentums die Stadt verlassen. In der Nähe von Tabor entstand in Klokot, heute ein Stadtteil von Tabor, die Wallfahrtskirche Klokot (Monte Klokotino) mit einer Darstellung der Gottesmutter Maria in einem Ährenkleid. Die viertürmige Kirchen- und Klosteranlage über dem Tal der Luschnitz, wo zur Hussitenzeit eine Wagenburg der verächtlich Adamiten genannten Sekte stand, war ehemals im Besitz der Landstein (Adelsgeschlecht) aus dem Haus der Witigonen.

Seit Beginn des 19. Jahrhunderts war Tabor ein bedeutsames Zentrum der Nationalen Wiedergeburt der Tschechen; u. a. fand 1862 die Gründung eines tschechischsprachigen Gymnasiums statt. Diese höhere Schulbildung für den Zugang zu einem Universitätsstudium, die bisher in lateinischer Sprache erfolgte, war bis 1918 nur Jungen zugänglich. Bisher wurde der Unterricht an Gymnasien in lateinischer Sprache erteilt. Der Komponist Bedřich Smetana widmete Tábor eine sinfonische Dichtung aus dem Zyklus Mein Vaterland.

Nach dem Ersten Weltkrieg 1918 mit dem Ende der Monarchie Österreich-Ungarn gehörte Tabor bis 1939 zu der neu entstandenen Tschechoslowakei und 1939 bis 1945 zum Protektorat Böhmen und Mähren des damaligen Deutschen Reiches. In dieser Zeit wurden die Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Tabor durch die Nationalsozialisten in Vernichtungslager deportiert oder konnten flüchten. Ende des Zweiten Weltkriegs im Mai 1945 von sowjetisch-russischen und tschechischen Truppen besetzt, wurden die deutschsprachigen Bewohner der Stadt durch die Beneš-Dekrete enteignet, in Sammeltransporten auf der Eisenbahnlinie der Summerauer Bahn über Budweis vertrieben und kamen als Heimatvertriebene meist nach Oberösterreich. Während der Zeit der Tschechoslowakischen Sozialistischen Regierung 1948-1989 verarmte die Stadt und die Bausubstanz begann zu verfallen. Nach der Gründung von Tschechien 1993 und der visumfreien Grenzöffnung setzte eine wirtschaftliche Erholung der Stadt Tábor durch Ausbau des Tourismus in einer landschaftlich reizvollen Umgebung ein.[2]

Bildung[Bearbeiten]

In Tábor befindet sich eine Zweigstelle des Lehrstuhls für Handel und Tourismus der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Südböhmischen Universität České Budějovice.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das historische Stadtzentrum wurde 1961 zum städtischen Denkmalreservat erklärt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

In der Stadt lebten und wirkten[Bearbeiten]

  • Jan Žižka von Trocnov (um 1360–1424), Heerführer der Hussiten.
  • Andreas Prokop (um 1380-1434), Heerführer der Taboriten.
  • Edvard Beneš (1884–1948), Mitbegründer, Außenminister und Präsident der Tschechoslowakei, an welchen eine Gedenkstätte erinnert.

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Fotogalerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Pavel Augusta, Hana Klínková: Kniha o městě Tábor, Praha 2001, ISBN 80-86098-18-4 (tschechisch).
  • Christiane Berwid-Buquoy: Tabor-Meschitz, BI-HI, Berlin 2005, ISBN 3-924933-07-3 (deutsch - tschechisch).
  • Lillian Schacherl: Um Tabor - die Taboriten, in: Böhmen - Kulturbild einer Landschaft, Prestel, München 1996, 1971, 1999, S. 195-201, ISBN 3-7913-0240-X.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)
  2. ( Johanna von Herzogenberg: Zwischen Donau und Moldau, Im Mühlviertel und Südböhmen, Seite 160 bis 216, Prestel Verlag München, 1968 )
  3. KULTUR/staedtepartnerschaften.pdf „Städtepartnerschaften Deutschland-Tschechien“

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tábor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien