Thorwald Proll

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Thorwald Proll (* 22. Juli 1941 in Kassel) ist ein Schriftsteller und war in der Außerparlamentarischen Opposition der 1960er-Jahre aktiv.

Mit Andreas Baader, Horst Söhnlein und Gudrun Ensslin legte er am 2. April 1968 Brände in den beiden Kaufhäusern Schneider und Kaufhof in Frankfurt am Main, um gegen den „Völkermord in Vietnam“ zu protestieren. Alle Täter wurden schnell gefasst.

Die vier Angeklagten wurden im nachfolgenden Prozess der Brandstiftung für schuldig befunden und zu drei Jahren Haft verurteilt[1], nach 14 Monaten jedoch bis zur Entscheidung über eine mögliche Revision auf freien Fuß gesetzt. Der Revision wurde im November 1969 nicht stattgegeben. Proll, Baader und Ensslin setzten sich darauf nach Frankreich ab, Söhnlein trat seine Haft an.

Die Flüchtigen fanden in der Pariser Wohnung von Régis Debray Unterschlupf. Nachdem Thorwald Prolls Schwester, Astrid Proll, zu dem Trio gestoßen war, wandte er sich im Dezember 1969 von der Gruppe ab und verließ Paris in Richtung England. Am 21. November 1970 stellte er sich bei der Staatsanwaltschaft Berlin-Moabit. Im Oktober 1971 wurde er vorzeitig aus der Haft entlassen.

Nach der Haftentlassung arbeitete Proll unter anderem als Hilfsarbeiter, Kellner, Verkäufer und Lektor.

Thorwald Proll lebt seit 1978 als Lyriker, Autor und Buchhändler in Hamburg.

Werke[Bearbeiten]

  • Thorwald Proll: Thorwalds Aesthetische Reise zu den sozialistischen Gesellschaftsinseln in London Paris Rom Strassburg Neapel Nepal Mailand München West-Berlin Köln. Eigenverlag, Köln.
  • Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Thorwald Proll, Horst Söhnlein: Vor einer solchen Justiz verteidigen wir uns nicht. Schlußwort im Kaufhausbrandprozeß. Mit einem Nachwort von Bernward Vesper und einer Erklärung des SDS Berlin. Edition Voltaire, Frankfurt am Main und Berlin 1968. (Reihe: Voltaire Flugschrift 27).
  • Thorwald Proll: sicherheit und (m)ordnung. Luchterhand Verlag, Darmstadt und Neuwied 1972, (Reihe: Luchterhand Typoskript).
  • Thorwald Proll: keine nacht für niemand. gedichte. Karin Kramer Verlag, Berlin 1975 ISBN 3-87956-076-5.
  • Thorwald Proll: Den Taten auf der Spur. Gedichte und Prollagen; Edition Nautilus, Verlag Lutz Schulenburg, Hamburg 1977 (Reihe: Flugschrift 22) ISBN 3-921523-24-9.
  • Thorwald Proll: Einmaliges aus der Alten Welt. Gedichte und Prollagen. Zweiter Teil. Eigenverlag, Hamburg 1979.
  • Ursi Dietz, Thorwald Proll, Sigurd Wendland: Es geht mit rechten Dingen zu... Bilder und Gedichte. Handarbeit im Selbstverlag 1980.
  • Thorwald Proll: Bringt Opi um : Lyrische Konterbande. Verlag Auf Hoher See, Hamburg 1993, ISBN 3-930272-00-8.
  • Thorwald Proll, Martina Blick (Hrsg.): Die schönste Jugend ist gefangen. Freiheit für Irmgard Möller in Lyrik und Prosa. 1994, ISBN 3-930272-01-6.
  • Thorwald Proll: Mein 68. Aufzeichnungen, Briefe, Interviews. 1999, ISBN 3-930272-03-2.
  • Thorwald Proll, Daniel Dubbe: Wir kamen vom anderen Stern. 2003, ISBN 3-89401-420-2.

Literatur[Bearbeiten]

  • Astrid Proll: Hans und Grete. Bilder der RAF 1967–1977. Aufbau-Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-351-02597-1
  • Erklärung der im Kaufhausbrandprozeß angeklagten Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Horst Söhnlein und Thorwald Proll. In: Charlie Kaputt Nr. 3, Dezember 1968, Berlin

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Frankfurter Brandstifter. DIE ZEIT 1968 Nr.45