Tisch und Bett

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Filmdaten
Deutscher Titel Tisch und Bett
Originaltitel Domicile conjugal
Produktionsland Frankreich
Originalsprache Französisch
Erscheinungsjahr 1970
Länge 93 Minuten
Altersfreigabe FSK 6
Stab
Regie François Truffaut
Drehbuch François Truffaut
Claude de Givray
Bernard Revon
Produktion Marcel Berbert
Musik Antoine Duhamel
Kamera Néstor Almendros
Schnitt Agnès Guillemot
Besetzung

Tisch und Bett (Originaltitel: Domicile conjugal; alternativer deutscher Titel: Das Ehedomizil) ist ein Kinofilm des Regisseurs François Truffaut.

Handlung[Bearbeiten]

Antoine Doinel und Christine Darbon – das Paar aus Geraubte Küsse – haben geheiratet und mit dem Eheleben zu kämpfen. Die Alltäglichkeit des Lebens seiner Protagonisten macht den Film zu einem Meisterwerk einer bitteren Komödie. Das Paar lebt in einem großen Mietshaus mit Hinterhof. Christine erteilt unbegabten Kindern im Wohnzimmer Geigenunterricht, während Antoine im Hof Blumen färbt. Das Sexleben erscheint, als spielten zwei Kinder oder Geschwister Ehepaar: Im Bett lesen oder scherzen sie. Erst als Christine der Bitte ihres Mannes folgt, die Brille aufzusetzen, erscheint diese wie ein Fetisch. Der Film begleitet das Paar zu Christines Eltern und in zahlreichen Alltagsszenen. Antoines Affaire mit einer Japanerin führt zum Bruch, doch nach kurzer Trennung versöhnen sie sich mit dem bitteren Ende, nun ein normales Ehepaar zu sein.

Höhepunkt ist jene Szene, in der Christine – durch sich öffnende Tulpen – vom Ehebruch ihres Mannes erfährt und ihn zuhause erwartet: als Geisha geschminkt und gekleidet, scheint diese Imago des Schuldbewusstseins wie ein Triumph. Dann rollt ihr eine Träne über die Wange.

Hintergründe[Bearbeiten]

Der Kinofilm Tisch und Bett ist Teil des Antoine-Doinel-Zyklus. Erstmals wurde die Geschichte des Antoine Doinel (Jean-Pierre Léaud) in Sie küßten und sie schlugen ihn erzählt. Danach tauchte die Figur in einem Segment des Films Liebe mit zwanzig (Antoine und Colette) und dem Kinofilm Geraubte Küsse auf, in dem das Liebesleben von Antoine und Christine (erstmals: Claude Jade) beginnt, bevor die Handlung in Tisch und Bett weitergeführt wird. Der Zyklus findet seinen Abschluss mit der Trennung von Antoine und Christine in dem Kinofilm Liebe auf der Flucht.

Truffaut wollte die Komödie ursprünglich mit einem Schock beginnen: Serge Rousseau, der unbekannte Verfolger Christines aus Geraubte Küsse, der ihr am Ende einen Heiratsantrag macht, entledigt sich seiner Kleider und springt von einem Dach in den Tod. Truffaut entschied sich dann, die Geschichte mit den Beinen von Claude Jade zu beginnen, die während ihrer Einkäufe die Ladenbesitzer stolz korrigiert: "Nein, nicht Mademoiselle. Madame."

Zitat[Bearbeiten]

Christine: „…Ich weiß, ich bin nicht sehr gescheit, aber in einem bin ich mir sicher: Ein Kunstwerk kann niemals eine Abrechnung sein“.

Kritiken[Bearbeiten]

Lexikon des Internationalen Films: „Die chronologische, thematische und stilistische Fortsetzung von Geraubte Küsse und Truffauts Fortführung seiner Antoine-Doinel-Filme. Ein ebenso liebenswürdiger wie unterhaltsamer Liebesfilm, bravourös gespielt, gespickt mit charakterisierenden Bild- und Dialogpointen, geprägt von menschlich warmem Humor, souveräner Leichtigkeit und feinem Charme.“

Filmzentrale: „Truffaut gelang mit "Domicile conjugal" ein wunderbares, ja geradezu erstaunliches "Nebeneinander". Er zeigt eine normale, bürgerliche Ehe im Entstehen, im Werden, im Vergehen. Die Leichtigkeit der Inszenierung, das Lockere, das sich in den Verhältnissen der Akteure auftut, das Komische, das sie begleitet, und das Dramatische, das sich angesichts solcher doch eher tragischer, gescheiterter Beziehungen mit all dem verbindet, werden beispielsweise auch plastisch in einer Szene, in der Antoine und Christine über den Roman sprechen, den er schreibt, in dem er angeblich seine Vergangenheit aufarbeiten will, was Christine wie folgt kommentiert: "Ich mag diese Art über deine Kindheit zu schreiben nicht, bei der du deine Eltern durch den Dreck ziehst. Ich weiß nicht viel, aber eines weiß ich: Wenn du die Kunst benutzt, um Rechnungen zu begleichen, dann ist das keine Kunst mehr." (Christine zu Antoine). Man könnte diese Äußerung als Leitspruch über den ganzen Film spannen. Antoine, der angehende, weitergehende, bis zu Ende gehende Individualist liebt das Leben: SEIN Leben. Der Film ist analog und parallel dazu eine Kritik an der bürgerlichen Ehe, nicht im herkömmlichen Sinn, sondern eher unter dem Aspekt, dass Truffaut deren selbst gestellten Ansprüche ernst nimmt und die Beziehung zwischen Antoine und Christine daran misst. Die "einfältig", "naiv", "kindlich" liebende Christine trifft auf den "einfältig", "kindlich", "naiv" nur sich selbst liebenden Antoine, der nicht einmal weiß, was Liebe ist. Und nur so - durch diese beiderseitige "Naivität", dieses unterschiedlich Unausgegorene auf beiden Seiten - sind beide ein Jahr nach der vorübergehenden Trennung wieder zusammen. Und die Frau des Tenors kommentiert dieses "Zusammensein", als es jetzt Antoine ist, der den Mantel und die Handtasche Christines das Treppenhaus hinunter wirft wie früher der Tenor, mit den Worten: "Jetzt lieben sich die beiden wirklich." An diesem Punkt glaubt man sich fast rückversetzt in eine klassische Komödie. Das Scheitern wird in sein Gegenteil verkehrt, einen Erfolg. Und beide leben diesen "Erfolg" - bis zum Ende. Aber das ist das Thema eines Films, den Truffaut ursprünglich gar nicht drehen wollte: die letzte Episode, "Liebe auf der Flucht", einen Film, den der französische Regisseur neun Jahre später wieder mit Jean-Pierre Léaud und Claude Jade drehen sollte.“

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]