Schießen Sie auf den Pianisten

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel Schießen Sie auf den Pianisten
Originaltitel Tirez sur le pianiste
Produktionsland Frankreich
Originalsprache Französisch
Erscheinungsjahr 1960
Länge 79 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie François Truffaut
Drehbuch François Truffaut
Marcel Moussy
Produktion Pierre Braunberger
Musik Georges Delerue
Kamera Raoul Coutard
Schnitt Claudine Bouché
Besetzung

Schießen Sie auf den Pianisten ist ein französischer Filmklassiker der Nouvelle Vague aus dem Jahre 1960, basierend auf dem Roman Down There von David Goodis. Die Regie führte François Truffaut.

Handlung[Bearbeiten]

Charlie Kohler arbeitet als namenloser Pianist in einer Pariser Vorstadtbar. In seiner Obhut hat er seinen jüngeren Bruder Fido, der noch ein Kind ist. Als überraschend Chico auftaucht, einer seiner beiden älteren Brüder, werden Charlie und seine Arbeitskollegin, die Kellnerin Lena, in eine Auseinandersetzung mit zwei skrupellosen Gangstern hineingezogen, die offenbar hinter Chico und dem gemeinsamen Bruder Richard her sind. Lena, die in den schüchternen Charlie verliebt ist, eröffnet ihm, dass sie von seiner Vergangenheit als berühmter Konzertpianist unter seinem richtigen Namen Edouard Saroyan weiß.

Daraufhin vertraut er ihr seine Geschichte an: Vor Jahren war er glücklich mit seiner Frau Thérésa verheiratet, er stand am Anfang einer großen Laufbahn als Musiker. Aber ihre Beziehung begann unter Thérésas zunehmenden Depressionen zu leiden, schließlich offenbarte sie ihm, dass er den Beginn seiner Karriere nur dem Umstand verdankte, dass sie sich seinem Impresario zuvor hingegeben hatte. Als er sich daraufhin im Affekt von ihr abwandte, nahm sie sich mit dem Sprung aus dem Fenster das Leben, und aus Edouard Saroyan wurde Charlie Kohler, der seine Vergangenheit hinter sich zu lassen suchte.

Lena will Charlie helfen, seine Lebenskrise zu überwinden und gemeinsam mit ihr an seine Karriere als Konzertpianist anzuknüpfen. Als sie zusammen dem Wirt der Bar kündigen wollen, kommt es zu einem Handgemenge, bei dem Charlie den Wirt in Notwehr ersticht. Mit Hilfe der Wirtin fliehen sie. Als sie erfahren, dass Fido von den Gangstern entführt wurde, und diese Chico und Richard in der heimatlichen Provinz aufsuchen wollen, brechen Charlie und Lena auf, um die Brüder zu warnen und Fido zu retten. Im Elternhaus kommt es schließlich zur Schießerei mit den Gangstern, die Brüder Chico und Richard können fliehen, Lena wird angeschossen und stirbt in den Armen von Charlie und Fido.

Die letzte Szene des Films spielt wieder in der Pariser Vorstadtbar. Die Wirtin stellt Charlie die neue Kellnerin vor, bevor dieser sich ans Klavier setzt und zu spielen beginnt.

Kritik[Bearbeiten]

„Tragikomische Filmdichtung, die durch raffinierte Stilmittel und die Darstellungskunst von Charles Aznavour in Bann zu schlagen vermag. Zweiter Spielfilm von François Truffaut, durchdrungen von schwarzem Humor und liebenswerter Poesie.“

film-dienst: [1]

Tirez sur le pianiste ist ein Film, der absichtlich außerhalb jeder Realität steht, der aber im freien Spiel der Bilder eine außerordentliche Schönheit und Konsequenz erreicht.“

Reclams Filmführer: [2]

Hintergrund[Bearbeiten]

Der Film ist auch als eine Hommage an die amerikanischen Gangsterfilme und den amerikanischen Film Noir zu verstehen. Er enthält allerdings zahllose ironische Brechungen. So war beispielsweise in den 1960er Jahren die filmische Darstellung einer unbekleideten Frau nicht opportun. Truffaut setzte sich über dieses Tabu hinweg, in dem er in einer Bettszene seinen Protagonisten Charlie zu der barbusigen Freundin Clarisse ironisch sagen lässt: „Was tust du da? In einem Film ist das doch gar nicht erlaubt!“.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schießen Sie auf den Pianisten im Lexikon des Internationalen Films
  2. Reclams Filmführer. 2. Auflage. 1973, ISBN 3-15-010205-7.