Novi Sad

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Нови Сад
Novi Sad
Újvidék
Nový Sad
Нови Сад
Wappen von Novi Sad
Novi Sad (Serbien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Serbien
Provinz: Vojvodina
Okrug: Južna Bačka
(südliche Batschka)
Opština: Novi Sad
Koordinaten: 45° 15′ N, 19° 51′ O45.25519.84472222222272Koordinaten: 45° 15′ 18″ N, 19° 50′ 41″ O
Höhe: 72 m. i. J.
Fläche: 702,7 km²
Einwohner: 231.798 (2011[1])
Agglomeration: 380.643 (2011[1])
Bevölkerungsdichte: 330 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: (+381) 21
Postleitzahl: 21 000
Kfz-Kennzeichen: NS
Struktur und Verwaltung (Stand: 2012)
Gemeindeart: Stadt
Gliederung: 15 Stadtteile
Bürgermeister: Miloš Vučević (Srpska Napredna Stranka)
Webpräsenz:
Karte von Ratzenstadt von 1745
Rathaus der Stadt
Festung Petrovaradin
Freiheitsbrücke über die Donau
Marienkirche im Stadtzentrum

Novi Sad (serbisch-kyrillisch Нови Сад [ˈnɔ̂viː ˈsâːd] anhören?/i; deutsch veraltet Neusatz; ungarisch Újvidék; slowakisch Nový Sad) ist die zweitgrößte Stadt in Serbien, administrativer Sitz der Vojvodina und administratives Zentrum des Okrugs Južna Bačka.

Die Universitätsstadt besteht aus den Stadtteilen Novi Sad nördlich der Donau, und Petrovaradin am Fuße der gleichnamigen Festung südlich der Donau. Laut Volkszählung von 2011 hat die Stadt 231.798 Einwohner.[2] Im Großraum der Opština Novi Sad leben 380.643 Einwohner.[3] Die Stadt liegt auf einer Höhe von 72 bis 80 Metern über dem Meeresspiegel. In Novi Sad mündet der Kleine Batschka-Kanal (als Teil des Donau-Theiß-Donau-Kanalsystems) in die Donau. Die Stadt wird auch als Serbisches Athen bezeichnet.[4][5]

Geschichte[Bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten]

Der Ort ist im Spätmittelalter im dicht besiedelten Komitat des Königreichs Ungarn durch den Bau des Zisterzienserklosters Belefons als so genannter kirchlicher Ort entstanden. 1526 wurde der Ort von den Osmanen erobert. Die 150-jährige Herrschaft der Osmanen führte zur Verwüstung und Entvölkerung der Pannonischen Tiefebene. Von den Türken geduldete nomadisierende Südslawen übernahmen bereits bestehende Ortschaften oder gründeten neue Siedlungen. Die damaligen Turbulenzen ließen in der Regel jedoch keine nachhaltigen Siedlungen zu. Nach osmanischen Aufzeichnungen (Defter) von 1590 lebten 105 slawische Familien (wohl vorübergehend) im heutigen Novi Sad.

Habsburger Monarchie[Bearbeiten]

Nach dem Sieg der Österreicher gegen die Osmanen (1697) unter Prinz Eugen bei Zenta und dem anschließenden Friedensvertrag von Karlowitz (1699) musste das Osmanische Reich u. a. die Batschka an Österreich abtreten. Nach Erscheinen des Kaiserlichen Impopulationspatentes („.. zur besseren Auffhelfung, wieder Erhebung und Bevölkerung derselben“) war seitens der Wiener Hofkammer eine sofortige Neubesiedlung der Batschka geplant, die jedoch bald wegen der Vorrangstellung der Militärgrenze (Pantschowa, Temeswar, etc.) zurückgestellt wurde.

Bereits 1694 hatte die österreichische Militärverwaltung einen Brückenkopf am gegenüber liegenden Donauufer der Peterwardein-Festung errichtet, um den herum eine Siedlung mit Soldaten, Handwerkern und Händlern heranwuchs, die anfangs Racka Varoš (deutsch: Ratzenstadt, alter Name für Serben) und später Peterwardeiner Schanz genannt wurde. Um diesen Brückenkopf herum entwickelte sich eine Siedlung mit rund 1000 slawischen Einwohnern, die heutige Altstadt. In den Anfangsjahren waren es überwiegend Serben, da in der gegenüberliegenden Festung Peterwardein nur Katholiken sich ansiedeln durften.

1716 standen die Osmanen abermals vor Neusatz, wurden allerdings in der Schlacht von Peterwardein von Prinz Eugen vernichtend geschlagen.

Königliche Freistadt Neoplanta[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1748 verlieh Kaiserin Maria Theresia der Stadt die Rechte einer „königlichen Freistadt“ (libera regia civitas) und nannte sie (latein.) „Neoplanta“. („Nominentur Neoplanta“, nennen wir es fortan Neoplanta), ungarisch: Új-Vidégh, deutsch: Ney-Satz, serbisch: Novi Sad, bulgarisch: Mlada Loza.

Gerüchten zufolge sollen sich die Handwerker und Händler den Status der Freien Kaiserstadt für 80.000 Forint von der Kaiserin abgekauft haben, da sie nicht länger Bewohner einer Militärsiedlung, sondern Bürger einer freien Handelsstadt sein wollten.

Novi Sad entwickelte sich rasch zu einem wirtschaftlichen und vor allem kulturellen Zentrum der Serben. 1765 wurde das erste orthodoxe Priesterseminar eingerichtet. Im gegenüberliegenden Nationalpark Fruška Gora gibt es 17 serbisch-orthodoxe Klöster. 1810 wurde das serbische Gymnasium eröffnet. Vuk Stefanović Karadžić schrieb 1817, dass Novi Sad die größte serbische Stadt weltweit sei. 1820 hatte Novi Sad 20.000 Einwohner, darunter zwei Drittel Serben.

Novi Sad war ein Standort der k.u.k. Armee, hier waren das III. Bataillon des Infanterie Regiments Nr. 20, das IV. Bataillon des Infanterie Regiments Nr. 6 sowie Teile des k.k. Landwehr Infanterie Regiments Nr. 32 stationiert. Am Anfang des 20. Jahrhunderts stellten Deutsche nach Ungarn und Serben die drittstärkste Bevölkerungsgruppe in der Stadt.[6]

Königreich Jugoslawien[Bearbeiten]

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges fiel das Gebiet um Novi Sad an das neu errichtete Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, das sich ab 1929 Königreich Jugoslawien nannte.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

In der Zeit von 1941 bis 1945 war die Stadt vom zu den Achsenmächten gehörenden Königreich Ungarn besetzt. In Novi Sad ließ der ungarische Befehlshaber General Ferenc Feketehalmy-Czeydner vom 21. bis 23. Januar 1942 1246 Zivilisten erschießen, darunter waren 809 Juden, 375 Serben, 8 Deutsche und 18 Ungarn. Mehrere hundert Zivilisten wurden unter das Eis der zugefrorenen Donau geworfen und ertränkt.[7]

Nach dem Einrücken der Partisanen Ende 1944 wurde nahezu der gesamte Teil der verbliebenen deutschsprachigen Bevölkerungsgruppe, welche bis dahin noch nicht geflohen war, vertrieben oder ermordet.

Bombardements der Nato[Bearbeiten]

Novi Sad war während des Kosovo-Krieges 1999 Ziel von Luftangriffen durch die NATO, wobei unter anderem alle Donaubrücken, die regionale Wasserversorgung (welche 600.000 Menschen versorgte)[8], das Rundfunkgebäude und die Raffinerie zerstört wurden. Weiter wurden das städtische Krankenhaus, mehrere Grundschulen, eine Kindertagesstätte und mehrere Kinderkrippen durch die Bombardements beschädigt.[9]

Der Verkehr über die Donau wurde mehr als sechs Jahre lang über eine Pontonbrücke abgewickelt, die nur dreimal wöchentlich für Schiffe geöffnet wurde. Erst seit der Wiedereröffnung der so genannten Freiheitsbrücke am 11. Oktober 2005 ist die Schifffahrt wieder ungehindert möglich.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Laut Volkszählung 2011 waren die Einwohner der Stadt folgenden Ethnien zugehörig:[10]

Ethnie Stadtgebiet Anteil
Serben 269.117 78,79 %
Ungarn 13.272 3,88 %
Slowaken 6.596 1,93 %
Kroaten 5.335 1,56 %
Roma 3.636 1,06 %
Andere 43.669 12,78 %
Gesamtbevölkerung 341.625 100 %

Kultur und Bildung[Bearbeiten]

Novi Sad ist die Heimat der ältesten serbischen Institution für Kunst und Wissenschaft, der Matica srpska, die 1826 in Budapest gegründet und 1864 nach Novi Sad transferiert wurde.

Die Universität Novi Sad (mit Außenstellen in Subotica, Zrenjanin und Sombor) wurde 1960 ins Leben gerufen. Sie umfasst heute 13 Fakultäten, in denen etwa 38.000 Studierende eingeschrieben sind.

Das Serbische Nationaltheater in Novi Sad wurde 1861 gegründet.

In Novi Sad hat auch das Zentrum für Kriegstraumatisierte seinen Sitz. Es versucht Kriegstraumatisierten bei der Verarbeitung ihrer Erlebnisse zu helfen.

Auf der Festung Petrovaradin findet mit dem EXIT seit dem Jahr 2000 alljährlich das größte Festival Serbiens statt. Das Kloster Kovilj liegt in der nahe gelegenen Ortschaft Kovilj.

Die ehemalige Synagoge wird als Konzerthalle genutzt. Südöstlich des Stadtzentrums befindet sich das Sport- und Geschäftszentrum SPENS, wo neben Sportveranstaltungen und Kongressen auch Konzerte stattfinden.

Das Portal der Bibliothek Matica srpska
Die Art-Klinika, links die Schock-Galerie

Die Gegenwartskunst hat in Novi Sad mit der Art Klinka eine maßgebliche Formation. Dieses Kunstkollektiv rund um den Maler Nikola Dzafo[11] hat in der Ära Milosevic als Gruppe Led Art kritische Akzente gesetzt. Im Jahr 2002 entstand die Kunstklinik als letztes Projekt von Led Art.[12] Nikola Dzafo gewann 2013 den Politika Kunstpreis. [13]

Sport[Bearbeiten]

Größter Sportverein in Novi Sad ist der Fußballverein Vojvodina Novi Sad. Er spielt in der SuperLiga, der höchsten Spielklasse im serbischen Fußball. Seine größten Erfolge feierte Vojvodina im jugoslawischen Fußball. Er wurde 1966 und 1989 jugoslawischer Meister.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

  • Pavel Jozef Šafárik (1795–1861), Slawist und Dichter, Lehrer und später Direktor des serbischen Gymnasiums in Novi Sad
  • Josif Runjanin (1821–1878), Militärmusiker, Komponist der kroatischen Nationalhymne, starb in Novi Sad
  • Lipót Baumhorn (1860–1932), Architekt der Synagoge Novi Sad
  • Mileva Marić (1875–1948), Physikerin, erste Ehefrau Albert Einsteins, besuchte hier die Höhere Mädchenschule
  • Milan Begović (1876–1948), Schriftsteller und Dramaturg, war Regisseur am Serbischen Nationaltheater
  • Stephan Horota (* 1932), Bildhauer, besuchte die Volksschule in Novi Sad
  • Matthias Bronisch (* 1937), Dichter, arbeitete drei Jahre in Novi Sad als Lektor
  • Danilo Kiš (1935–1989), Schriftsteller, arbeitete mehrere Jahre in Novi Sad
  • Lepa Brena (* 1950), Sängerin, lebte und arbeitete mehrere Jahre in der Stadt
  • Djuradj Vasić (* 1956), langjähriger Fußballspieler beim FK Vojvodina
  • Goran Hadžić (* 1958), Politiker und mutmaßlicher Kriegsverbrecher, lebte nach dem Bosnienkrieg mehrere Jahre in der Stadt
  • Nedeljko Bajić (* 1968), Sänger, lebte mehrere Jahre in der Stadt
  • Refik Memišević (1956–2004), Ringer, begann seine Karriere in Novi Sad
  • Ružica Đinđić (* 1960), Politikerin, studierte und arbeitete in der Stadt
  • Jovo Stanojević (* 1977), Basketballspieler, begann seine Karriere in Novi Sad

Partnerstädte[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Boško Petrović, Živan Milisavac: Novi Sad - monografija. Novi Sad 1987.
  • Milorad Grujić: Vodič kroz Novi Sad i okolinu. Novi Sad 2004.
  • Jovan Mirosavljević: Brevijar ulica Novog Sada 1745-2001. Novi Sad 2002.
  • Jovan Mirosavljević: Novi Sad - atlas ulica. Novi Sad 1998.
  • Mirjana Džepina: Društveni i zabavni život starih Novosađana. Novi Sad 1982.
  • Zoran Rapajić: Novi Sad bez tajni. Beograd 2002.
  • Đorđe Randelj: Novi Sad - slobodan grad. Novi Sad 1997.
  • Enciklopedija Novog Sada. sveske 1-26. Novi Sad 1993-2005.
  • Branko Ćurčin: Slana Bara - nekad i sad. Novi Sad 2002.
  • Branko Ćurčin: Novosadsko naselje Šangaj - nekad i sad. Novi Sad 2004.
  • Sveske za istoriju Novog Sada. sveske 4-5. Novi Sad 1993-1994.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Novi Sad – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1]
  2. [2]
  3. http://herkules.nsinfo.co.rs/Izvestaji/jsp/statistike1.jsp
  4. Diana Mishkova: We, the people: politics of national peculiarity in Southeastern Europe, S. 277–278.
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatSerbian Athens. Official Website of Novi Sad, 21. September 2011, abgerufen am 5. Dezember 2013.
  6. Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 14. Leipzig 1908, S. 573
  7. Hungarian Is Faced With Evidence of Role in ’42 Atrocity By Nicholas Wood and Ivana Šekularac, Published October 1, 2006 The New York Times
  8.  YEARBOOK OF THE UNITED NATIONS 1999. 53 Auflage. United Nations Publications, 2001.,S.347
  9.  United States of America Congressional Record: Proceedings and Debates of the 106th congress - first session - Volume 145 - Part 7. United States Gouvernment Printing Office, Washington 1999., S.9181
  10. http://media.popis2011.stat.rs/2012/Nacionalna%20pripadnost-Ethnicity.pdf
  11. „Serbian Contemporary Art Info“; Abgefragt am 12. April 2013
  12. „Oktobersalon“; Abgefragt am 12. April 2013
  13. „BalkanInsight“, Abgefragt am 12. April 2013