Top Fuel

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Top Fuel Bike

Als Top Fuel werden Klassen im Dragstersport (Beschleunigungsrennen) bezeichnet, bei denen Nitromethan (Summenformel CH3NO2) als Treibstoff verwendet wird. Bei Autos mit Kompressoraufladung wird gemäß der Fahrgestellbauweise unterschieden zwischen Top Fuel Dragster und Funny Car, wobei Dragster, die Nitromethan-Einspritzung ohne Kompressoraufladung verwenden, in einer Klasse mit den kompressoraufgeladenen Top Methanol Dragstern eingruppiert werden. Bei den als Drag Bikes bezeichneten Motorrädern gibt es die Klassen Top Fuel Bike (Vierzylinder) und Top Fuel Supertwin (Zweizylinder). Nitromethan oder Nitro ist nicht zu verwechseln mit Nitrous bzw. Nitrous oxide (Summenformel N2O), der Lachgaseinspritzung.

Dragster[Bearbeiten]

Beim Dragster handelt es sich um einen Rennwagen mit sehr langem Radstand (8 m) und Motor hinter dem Fahrer. Diese Bauart zeichnet sich durch einen guten Geradeauslauf aus und einer relativen Sicherheit für den Fahrer, da der Motor hinter ihm platziert ist und er durch eine dicke Metallplatte geschützt ist.

Funny Car[Bearbeiten]

Funny Cars hingegen haben einen deutlich kürzeren Radstand und eine Kunststoff-Klappkarosse die mit viel Phantasie an ein Serienfahrzeug erinnern könnte. Der Motor ist hier vor dem Fahrer platziert was ein erschwertes Handling verursacht. Daher resultiert auch der Name dieser Klasse durch den oft spektakulären Ritt über die Quartermile.

Technik[Bearbeiten]

Normale Motoren benötigen zur Verbrennung den Sauerstoff der Luft, und müssen deswegen große Mengen an Luft durch den Motor pumpen. Der Vorteil von Nitromethan ist, dass er ohne Sauerstoff verbrennen kann, gemäß der Reaktion 2 CH3NO2 → 2 CO + 2 H2O + H2 + N2. Der dabei entstehende Wasserstoff verbrennt in der Außenluft, weswegen meterlange Auspuffflammen (header flames) auftreten.

Motorseitig sind die Dragster auf einen Hubraum von 500 cui - das sind etwa 8194 cm³ - begrenzt. Die Konstruktion der Motoren basiert auf dem Chrysler-Hemi-Aggregat aus den 1960er Jahren und ist ausgesprochen einfach konstruiert - so gibt es nur eine zentrale Nockenwelle, die über Stoßstangen je zwei Ventile pro Zylinder betätigt. Weil die Verdunstungskälte des eingespritzten Kraftstoffs zur Kühlung über die kurze Renndistanz ausreicht, gibt es in Motorblock und Zylinderköpfen keine Wasserkanäle, was die Steifigkeit erhöht. Die maximale Leistung beträgt ca. 6000 kW (ca. 8160 PS), der Antrieb des gewaltigen Kompressors allein verbraucht ca. 700 PS.[1] Diese Kraft wird nur in Verbindung mit Rennalkohol, einer Mischung aus 90 % Nitromethan und 10 % Methanol und einer Motoraufladung erreicht. Daraus resultiert auch ein entsprechender Verbrauch von etwa 1,5 Gallonen (5,7 l) pro Sekunde unter Volllast und ca. 10–12 Gallonen in einem kompletten Lauf (inkl. Burn-out). Die Motoren verbrauchen die Elektroden ihrer zwei, z. T. auch drei Zündkerzen pro Brennraum komplett in einem Lauf, was jedoch kein Problem darstellt, da die Motoren aufgrund der hohen Verdichtung und der enorm heißen Auslassventile spätestens nach der Hälfte des Laufes zu "dieseln" beginnen, d. h. sich das Gemisch aufgrund der Hitze selbstständig entzündet. Der Kompressor drückt das Kraftstoff-Luft-Gemisch mit einem Überdruck von bis zu 5 bar in die Brennräume. Bei aufgeladenen Straßenautos sind Ladedrücke bis ein bar oder knapp darüber üblich. Bei Höchstdrehzahl des Motors generieren die Abgase aus den offenen Auslasskrümmern bis zu 3,6 kN Anpressdruck. Die speziell entwickelten V8-Motoren werden nach jedem Lauf zerlegt, kontrolliert und einige Teile, z. B. Lager, auch ausgetauscht.

Nur wer körperlich absolut fit ist, darf sich hinter das Lenkrad eines solchen Renners setzen. Die Belastungen des Fahrers sind mit denen eines Astronauten beim Raketenstart vergleichbar.

  • Über 5 g in der Startphase
  • Durchschnittlich 4 g während des gesamten Laufes
  • −6 g in der Bremsphase mit beiden Bremsschirmen

Der Sprint von 0–100 mph (160 km/h) wird in knapp 0,8 s vollzogen, nach ca. 200 m werden je nach Start und Übersetzung bereits ca. 450 km/h (280 mph) erreicht. Die stärksten Fahrzeuge der nordamerikanischen Profiserie NHRA erreichen aus dem Stand Geschwindigkeiten von bis zu 530 km/h in etwa 3,8 Sekunden.

Rekorde[Bearbeiten]

Siehe: Abschnitt Rekorde in Dragster

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Explosives Asphalt-Inferno in Hockenheim, sport auto 10/2013, abgerufen am 7. Juli 2014.