Tracey Emin

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Tracey Emin (2007)

Tracey Emin CBE RA (* 3. Juli 1963 in Croydon, London) ist eine britische Künstlerin.

Leben und Karriere[Bearbeiten]

Die in Margate aufgewachsene Emin gehört zu den Young British Artists (YBAs). Die Tochter einer englischen Mutter und eines türkisch-zypriotischen Vaters verließ im Alter von 13 Jahren vorzeitig die Schule. 1981 bis 1982 besucht sie das Medway College of Design in Rochester, Kent und eribrt ein Modediplom. 1983 bis 1986 studiert sie am Maidstone College of Art und schließt mit dem Bachelor of Fine Arts ab. 1987 zieht sie nach London und studiert von 1987 bis 1989 Kunst am Royal College of Art in London sowie Philosophie an der Birbeck University of London. 1993 eröffnet sie in Bethnal GreenThe Shop zusammen mit Sarah Lucas. In der Galerie White Cube in London wird ihre erste Einzelausstellung My Major Retrospective gezeigt.

Emin ist bekannt für ihre autobiografische Kunst und provoziert oftmals das Interesse der Medien. Sie zählt mit zu den Künstlern der Young British Artists (YBA). Einem größéren Publikum bekannt wurde sie mit Charles Saatchis Ausstellung 'Sensation' in der Royal Academy, die anschließend in Berlin für Aufsehen sorgte. 1994 zeigte sie Exploration of the Soul – Journey Across America mit Lesungen in San Francisco, Los Angeles, San Diego, Detroit, Pittsburgh und New York. 1995 eröffnet Tracey Emin das Museum, das zwei Jahr später wegen zu großer Popularität schließen muß. Im gleichen Jahr erhält sie den Internationalen Videokunstpreis (ZKM Karlsruhe) und nimmt an der 5th Istanbul Biennial teil.

Eines ihrer Werke, My Bed (Mein Bett, entstanden 1998), wurde 1999 in die renommierte Turner Prize-Ausstellung der Tate Gallery aufgenommen. Es bestand aus ihrem ungemachten Bett, benutzten Kondomen und blutverschmierter Unterwäsche. Emin selbst bezeichnet ihre Arbeit als living autobiography. Zeichnungen, Objekte, Wandbehänge, Installationen, Film und Bücher, die Kapitel ihrer teils tragischen Lebensgeschichte erzählen, Geschichten sexuellen Missbrauchs, ihrer Suche nach weiblicher Identität, der Wunsch, aus seinem Leben auszubrechen. Emin konfrontiert den Besucher direkt und provokant mit persönlichen Selbstbekenntnissen.

Mit der Serie International Woman war Tracey Emin 2004 und 2005 am Design von Reisegepäck für das Modehaus Longchamp beteiligt.[1][2]

Im März 2007 wählte die Royal Academy of Arts (London) Emin zum Mitglied.[3] Sie erhält den Doktor der Philosophie der London Metropolitan University sowie die Doktorwürde der University of Kent. Im gleichen Jahr zeichnete sie sich verantwortlich für die Ausgestaltung des britischen Pavillons auf der Biennale in Venedig.[4]

David Bowie verglich Emin mit „William Blake als Frau, geschrieben von Mike Leigh“.[5] Kritiker beschreiben ihre Kunst als Sammlung von Leidenschaft, Verlangen und Leben, gepaart mit roher Offenheit.

Das Kunstmuseum Bern widmete im März 2009 Emin eine Retrospektive über ihr Werk der letzten zwei Jahrzehnte. Die Ausstellung zeigt fahnengroße, mit Parolen verzierte Teppich-Stickereien, Malerei, Videos und Installationen sowie das bekannte Bett. Ob es der Konzeptkunst zuzuordnen sei oder doch eher der „Persönliche Mythologien“-Richtung, bleibt umstritten. In Bern debattierte man darüber, ob Emin „irgendwo zwischen Andy Warhol und Joseph Beuys anzusiedeln sei.“[6]

2011 wurde Emin zur Professorin für das Fach Zeichnen an der Royal Academy of Arts berufen. Damit ist sie nach Fiona Rae die zweite weibliche Professorin an der Royal Academy seit deren Gründung 1768.[7]

Vom 26. Mai bis zum 23. September 2012 wurde im Turner Contemporary in Margate unter dem Titel She Lay Down Deep Beneath the Sea: Tracey Emin at Turner Contemporary eine der bislang umfangreichsten Werkschauen der Künstlerin gezeigt.[8] Emin lebt und arbeitet in London.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Exploration of the Soul
  • 1996: Everyone I have ever slept with 1963-95 *
  • Fighting For Love
  • The Last Thing I Said Is Don't Leave Me Here *
  • 1998: My Bed
  • The Interview
  • No Chance
  • The Hut *
  • Singing Bird
  • Just Love Me, Lichtinstallation, 1998. Sammlung Ingvild Goetz.
  • Buch: Strangeland: Hodder & Stoughton 2006; Deutsche Ausgabe Blumenbar Verlag 2009

Emins Arbeiten waren in Einzelausstellungen in den USA, in Japan und Deutschland zu sehen, so zum Beispiel:

* Ein Brand in einem Londoner Lagerhaus zerstörte in der Nacht zum 24. Mai 2004 ihre Werke Everyone I have ever slept with 1963–95, The Last Thing I Said Is Don't Leave Me Here und The Hut.[9]

Literatur[Bearbeiten]

  • Tracey Emin – Egon Schiele (Hrsg.): Where I Want to Go Fuel London 2015
  • Tracey Emin: The Last Great Adventure is You Fuel London 2014
  • Tracey Emin: I Followed you to the Sun Lehmann Maupin New York 2013
  • Tracey Emin: My Photo Album Fuel London 2013
  • Larratt-Smith und Philip (Hrsg.): Tracey Emin How it Feels Malba Buenos Aires 2012
  • Tracey Emin: My Life in a Column Rizzoli New York 2011
  • Christiane Weidemann, Petra Larass, Melanie Klier (Hrsg.): 50 Künstlerinnen, die man kennen sollte Prestel München 2008, ISBN 978-3-7913-3957-3, S. 160-163
  • Jorinde Gustavs: Original: Bilder aus Leben und Kunst weiw-Verlag Stralsund 2007, ISBN 978-3-9379-3809-7
  • Max Hollein und Matthias Ulrich (Hrsg.)Die Jugend von heute; The Youth of Today Walther König Köln 2007, ISBN 978-3-8656-0071-4
  • Bildstörung Gesellschaft der Freunde junger Kunst Ausstellungskatalog Baden-Baden 2003
  • Uta Grosenick (Hrsg.): Art Now Taschen Köln 2002, ISBN 978-3822814444
  • Rainald Schumacher und Matthias Winzen (Hrsg.): Die Wohltat der Kunst: Post/Feministische Positionen der neunziger Jahre aus der Sammlung Goetz Staatliche Kunsthalle Baden-Baden 2002, ISBN 3-88375-621-0
  • Ulrike Knöfel: Public Affairs: Von Beuys bis Zittel: Das Offentliche in der Kunst Kunsthaus Zürich 2002, ISBN 978-3-9065-7416-5
  • Olafur Eliasson: Freestyle: Werke Aus der Sammlung Boros Verlag Der Buchhandlung Walther König Köln 2001
  • Full House: Young British Art Kunstmuseum Wolfsburg 1996

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. "International Woman" Suitcases from Longchamp, travelandleisure.com, Dezember 2004, abgerufen am 23. November 2014.
  2. Tracey Emin – International Woman Suitcase, Apropos Pig, 6. März 2007, abgerufen am 23. November 2014.
  3. Tracey Emin RA in der Datenbank der Royal Academy of Arts, englisch, abgerufen am 22. Mai 2013.
  4. http://www.theguardian.com/arts/gallery/2007/jun/07/emin The Guardian Emin Biennale, abgerufen am 9. Juli 2015
  5. Tracey Emin achieves eminence at last as enfant terrible grows up. The Telegraph.co.uk, 2. August 2008, abgerufen am 26. Mai 2012.
  6. Deutschlandfunk vom 19. März 2009: Ungemachte Betten Die britische Künstlerin Tracey Emin im Kunstmuseum Bern
  7. Tracey Emin wird Professorin an der Royal Academy, monopol-magazin.de, Kunstticker, 15. Dezember 2011
  8. She Lay Down Deep Beneath the Sea: Tracey Emin at Turner Contemporary. Turner Contemporary, abgerufen am 26. Mai 2012 (englisch). Siehe auch Interview mit Tracey Emin zur aktuellen Ausstellung. Guardian.co.uk, 26. Mai 2012, abgerufen am 26. Mai 2012.
  9. Vorhersehbare Katastrophe?