Triumph Tiger 800

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Triumph
Tiger800a.jpg
Tiger 800
Hersteller: Triumph Motorcycles
Verkaufsbezeichnung Tiger 800
Produktionszeitraum ab 2010
Klasse Motorrad
Bauart Reiseenduro
Motordaten
Reihenmotor mit drei Zylindern
Hubraum (cm³) 799
Leistung (kW/PS) 70/95 bei 9300 min-1
Drehmoment (N m) 79 bei 7850 min-1
Höchstgeschwin-
digkeit
 (km/h)
210
Getriebe 6
Antrieb Kettenantrieb
Bremsen vorn Ø 308 mm Doppelscheibenbremsen
hinten Ø 255 mm Scheibenbremse
Radstand (mm) 1530
Maße (L × B × H, mm): 2215 × 795 × 1350
Sitzhöhe (cm) 810–830
Leergewicht (kg) 210

Die Triumph Tiger 800 ist ein Motorradmodell der englischen Motorradmarke Triumph Motorcycles. Die Reiseenduro wird seit 2010 in zwei Varianten in England sowie in Thailand gefertigt.[1] Das Modell mit der Zusatzbezeichnung „XC“ (cross country) ist mit größeren Speichenrädern, Stollen-Bereifung und längeren Federwegen das für den Offroad-Einsatz geeignetere Motorrad. Beide Varianten teilen sich die gleiche Plattform, richten sich aber an unterschiedliche Käufergruppen. Die Tiger 800 ist als Motorrad für den Alltag und Touren gedacht, sie baut mit kürzerem Federweg tiefer und soll daher auch Interessenten ansprechen, die Wert auf eine niedrigere Sitzbankhöhe legen. Die Tiger 800 XC ist im Gegensatz dazu mit Gelände-Eigenschaften versehen.

Beide Modelle sind optional mit abschaltbarem Antiblockiersystem (ABS) und umfangreichem Zubehör erhältlich.

Zur Entstehung[Bearbeiten]

Die Idee zur „kleinen Tiger“ unter der 1050er stammt von 2007.[2] Der charakteristische Entenschnabel, die Doppelscheinwerfer, die Silhouette und das Farbschema ähneln der BMW F 800 GS.[3] Es wird auch nicht bestritten, dass unter anderen die „kleine“ GS bei der Entwicklung Pate stand. Viele der stilbildenden Elemente der GS wurden nicht von BMW eingeführt, so entstammt der Entenschnabel der Suzuki DR Big 750 S. Auch blickt Triumph auf eine lange Historie im Offroad-Sektor zurück und hat nach dem zwischenzeitigen Aus für die ganze Firma, seit Anfang der 1990er wieder Tiger Modelle in Portfolio.

Konstruktion[Bearbeiten]

Der flüssigkeitsgekühlte Dreizylindermotor erzeugt aus 799 cm³ Hubraum eine Nennleistung von 70 kW (95 PS) und ein maximales Drehmoment von 79 Nm bei einer Drehzahl von 7850 min-1. Die drei Zylinder haben eine Bohrung von Ø 74 mm Durchmesser, die Kolben einen Hub von 61,9 mm bei einem Verdichtungsverhältnis von 11,1:1. Im Zylinderkopf des quer eingebauten Reihenmotor rotieren zwei kettengetriebene, obenliegende Nockenwellen, welche über Kipphebel zwei Einlass- und zwei Auslassventile ansteuern.

Das Motorrad beschleunigt in 4,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h.[4] Die Zeitschrift Motorrad hat in einem Langstreckentest über 50.000 km einen durchschnittlichen Kraftstoffverbrauch von 5,8 Liter gemessen.[3]

Technische Daten[Bearbeiten]

Angaben des Herstellers Stand Oktober 2011:

Tiger 800 Tiger 800XC
Motor und Kraftübertragung
Typ Flüssigkeitsgekühlter Reihendreizylinder mit zwei obenliegenden Nockenwellen
Hubraum 799 cm³
Bohrung/Hub 74,0 × 61,9 mm
Einspritzung Sequentielle Multipoint-Einspritzung
Auspuff 3-in-1-Edelstahlanlage mit seitlich montiertem Edelstahl-Schalldämpfer
Sekundärantrieb X-Ring-Kette
Kupplung Mehrscheiben-Ölbad
Getriebe 6-Gang
Ölfüllmenge 3,7 Liter
Chassis, Fahrwerk und Instrumente
Rahmen Stahl-Gitterrohrrahmen
Schwinge Leichtmetall-Zweiarmschwinge
Rad Front Leichtmetallrad, 10-Speichen, 19 × 2,5 Zoll Speichenrad, 36-Speichen, 21 × 2,5 Zoll, Aluminiumfelge
Heck Leichtmetallrad, 10-Speichen, 17 × 4,25 Zoll Speichenrad, 32-Speichen, 17 × 4,25 Zoll, Aluminiumfelge
Reifen Front 100/90 ZR 19 90/90 ZR 21
Heck 150/70 ZR 17 150/70 ZR 17
Aufhängung Front 43 mm Showa-Upside-Down-Gabel, 180 mm Federweg 45 mm Showa-Upside-Down-Gabel, 220 mm Federweg
Heck Showa-Monoshock-Federbein, hydraulisch einstellbare Federbasis, 170 mm Federweg Showa-Monoshock-Federbein mit Ausgleichsbehälter, hydraulisch einstellbare Federbasis, einstellbare Zugstufendämpfung, 215 mm Federweg
Bremsen Front 2 × 308 mm schwimmende Bremsscheiben, Nissin-2-Kolben-Schwimmsättel (ABS optional)
Heck 255 mm Bremsscheibe, Nissin-1-Kolben Schwimmsattel (ABS optional)
Instrumente/Funktionen Multifunktionales LCD-Instrument mit digitalem Tacho, analogem Drehzahlmesser, Tageskilometeranzeige, Ganganzeige, ABS-Deaktivierung und Uhr
Abmessungen und Kapazitäten
Länge 2.215 mm
Breite (Lenker) 795 mm 865 mm
Höhe ohne Spiegel 1.350 mm 1.390 mm
Sitzhöhe 810–830 mm 845–865 mm
Radstand 1.530 mm 1.545 mm
Lenkkopfwinkel 23,9° 24,3°
Nachlauf 92,4 mm 95,3 mm
Tankinhalt 19,0 Liter
Gewicht (fahrfertig) 210 kg 215 kg
Leistung (gemessen an der Kurbelwelle nach 95/1/EC)
Maximale Leistung 70 kW (95 PS) bei 9.300/min
Maximales Drehmoment 79 Nm bei 7.850/min

Zubehör (aus dem 2011er Zubehörkatalog des Herstellers)[Bearbeiten]

Triumph Tiger 800 XC, Phantom black

Triumph folgt bei den Tiger-Modellen dem Trend zu immer umfangreicherem Zubehör:

  • Antiblockiersystem (ABS)
  • Hauptständer
  • Alarmanlage (Wegfahrsperre in Deutschland Serie)
  • Seitenkoffer
  • Topcase
  • Schalldämpfer-Kit
  • Zusatz-Nebelscheinwerfer
  • Motorsturzbügel
  • Heizgriffe
  • CNC-Hebel in verschieden Längen oder verstellbar
  • niedrige Sitzbank
  • Gel-Sitzbank / Gel-Beifahrersitz
  • Ölwannenschutz
  • verschiedene Sozius-Sitztaschen
  • Reifendruckkontrolle
  • Hohe, verstellbare Frontscheibe
  • Gepäckbrücke
  • verschiedene Tankrucksäcke
  • Front-Paddockständer
  • Bügelschloss (für Aufbewahrung unter dem Sitz)
  • Koffertaschen
  • hochgezogenes Front-Schutzblech
  • Oversize-Lenker in schwarz
  • Handschützer
  • Gepäckrolle
  • GPS-Halter
  • Aluminium-Kühlerset
  • Bremsflüssigkeitsbehälter hinten
  • Topcase-Rückenpolster
  • Hauptscheinwerfer-Schutz
  • Schnellverstellung für Frontscheibe
  • Gummi-Tankpad
  • 12V-Steckdose
  • Schwingenabdeckung

Kritiken[Bearbeiten]

„Der neue Dreizylinder agiert nicht so gierig wie sein kleiner Bruder. Das lüsterne Hochdrehen und die Drehzahlsucht des 675ers sind dem 800er-Aggregat fremd. Es mag daran liegen, dass er langhubiger ausgelegt ist, 85 Prozent aller Bauteile neu gezeichnet wurden und die Schwungmasse wahrscheinlich auch größer ist. […] Zwischen 2000/min und 9500/min sollen immer über 70 Newtonmeter zur Verfügung stehen, die Maximalleistung von 95 PS liefert der Dreizylinder bei 9300 Umdrehungen. Das wirkt durchaus glaubwürdig. Es liest sich vielleicht merkwürdig, aber durch seine vorbildliche Elastizität lässt sich die Tiger fast wie ein Elektromobil fahren.“

Rolf Henniges: Motorrad[5]

„Egal wie der Untergrund auch aussieht, der Motor der Tiger lässt sich präzise dosieren, hängt seidenweich am Gas und kann in einem überaus breitem Drehzahlband gefahren werden. Schlechte Nachrichten übrigens für Motorradfreaks die "charakterstark" mit Motorvibrationen verbinden. Für sie wird die Tiger 800 auch in der XC Variante ein seelenloses Wesen sein. […] Doch stehend in den Rasten offenbarte sich mir der einzige konzeptionelle Nachteil des Motors. Zum einen ist der Schwerpunkt des Fahrzeuges höher als bei Boxern oder Einzylindern. Andererseits ist das Motorrad im Bereich der Sitzbank zwar schmal, vorne im Bereich des Zylinderkopfes jedoch breiter als man es von solchen Motorrädern gewohnt ist.“

Nils Müller: 1000ps.de[6]

„Die erste echte Reise-Enduro von der Insel ist ein gutes Motorrad. Sie orientiert sich deutlich an der – in Summe – noch etwas besseren BMW. Beide Maschinen bieten alles für den großen Fahrspaß. Die Triumph ist günstiger beim Kauf, die BMW fährt dafür billiger.“

ADAC Motorwelt[7]

„Die Triumph Tiger 800 XC ABS liefert einen insgesamt bulligen und markanten Auftritt. Sie zeigt unmissverständlich, dass sie ohne Sorge dort eingesetzt werden kann, wo die eigentliche Bestimmung von Fahrzeugen des Enduro-Segments liegt. Dennoch mangelt es der Engländerin nicht an Eleganz, was sie überdies auch im ganz normalen städtischen Umfeld nutzbar macht.“

Ingo Koecher: auto.de[8]

„Im Fahrbetrieb überzeugen aber noch mehr die 79 Nm Drehmoment, die der Motor geschmeidig und bereits ab 1500 Umdrehungen Vortrieb vermehrend einsetzt. Der Dreizylinder geht sehr weich ans Gas, setzt Befehle spontan und exakt um und erfreut dabei mit erstaunlicher Gleichförmigkeit der Leistungsabgabe bis hoch an 9000 Touren. Damit ergibt sich ein unheimlich breites nutzbares Drehzahlband, mit dem der Triple auch noch im sechsten Gang ohne zu murren gemütlich durch verwinkelte Dörfer rollt.“

Thilo Kozik: motor-informations-dienst (mid)[9]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Triumph Tiger 800 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mike Schümann: Wo und wie entstehen die Zwei- und Dreizylinder? In: Motorrad, Ausgabe 01/2012. 22. Dezember 2011, abgerufen am 28. August 2013.
  2. Die Triumph Tiger 800 – Idee, Entwicklung, Preise. In: Tourenbike.at. 13. November 2010, abgerufen am 6. August 2013.
  3. a b  Peter Mayer: Auf sanften Pfoten. In: Motorrad Spezial Triumph. Nr. 01, 2013, ISSN 0027237X, S. 54–60.
  4. Wulf Weis: Mittelgewichtler. In: Motorrad News. Ausgabe 11/2014. ISSN 2193-1631. S.36.
  5. Rolf Henniges: Dreizylinder-Enduro aus England. In: Motorrad. Ausgabe 25/2010, 25. November 2010.
  6. Nils Müller: Triumph Tiger 800XC. In: 1000ps.de. 22. November 2010.
  7. Vergleich BMW F 800 GS vs. Triumph Tiger 800 XC. In: ADAC Motorwelt. Ausgabe 6/2011.
  8. Ingo Koecher: An der Engländerin ist alles echt. In: auto.de. 2. November 2011, abgerufen am 6. August 2013.
  9. Thilo Kozik: Dreifach gut. In: auto-xxl.de. 12. November 2010, abgerufen am 6. August 2013.