BMW F 800 GS

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BMW
BMW-F800GS 0-km 2013-04-26.jpg
BMW F 800 GS Ausführung 2013
F 800 GS
Hersteller: BMW
Verkaufsbezeichnung F 800 GS
Produktionszeitraum ab 2008
Klasse Motorrad
Bauart Reiseenduro
Motordaten
2-Zylinder-Viertakt-Reihenmotor
Hubraum (cm³) 798
Leistung (kW/PS) 63/85 bei 7500 min-1
Drehmoment (N m) 83 bei 5750 min-1
Höchstgeschwin-
digkeit
 (km/h)
204
Getriebe 6
Antrieb Kette
Bremsen vorn Ø 300-mm Doppelbremsscheiben
hinten Ø 265-mm Bremsscheibe, Antiblockiersystem
Radstand (mm) 1578
Maße (L × B × H, mm): 2320 × 945 × 1350
Sitzhöhe (cm) 88
Leergewicht (kg) 185 / 207 (BJ 2008–2012)
191 / 213 (ab BJ 2013)
[trocken / fahrfertig]
Vorgängermodell BMW F 650 GS
BMW F 800 GS Ausführung 2008

Die BMW F 800 GS ist ein geländegängiges Motorrad des deutschen Fahrzeugherstellers BMW. Die Reiseenduro wird seit 2008 im BMW-Werk Berlin in Spandau produziert und basiert auf der F-Reihe. Sie ist unterhalb der Boxer-Reihe BMW R 1200 GS angesiedelt und weitgehend baugleich mit der ab 2008 hergestellten BMW F 650 GS.

Die Modellbezeichnung GS bedeutet Gelände/Straße, die interne Bezeichnung lautet E8 GS, der Werkscode K72.

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits bei der Vorstellung der BMW F 800 S und F 800 ST 2006 wurde bekannt, dass auch eine Reiseenduro-Version mit dem Zweizylindermotor der neuen F-Serie geplant war.[1] Die BMW F 800 GS wurde am 6. November 2007 auf der 65. Internationalen Motorradmesse EICMA in Mailand erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.[2] Der Verkaufsstart war im März 2008. Beim International Design Excellence Award 2008 kam die BMW F 800 GS in die Finalauswahl.[3]

Modellpflege[Bearbeiten]

Für die Saison 2009 wird das Motorrad alternativ mit LED-Blinker statt weißen Blinkleuchten angeboten. Die amerikanische Zeitschrift Rider Magazine kürte die F 800 GS zum Motorrad des Jahres 2009.[4]

Ab dem Modelljahr 2011 wurde die Restreichweitenanzeige im optionalen Bordcomputer durch eine separate Kilometerzählung ab Erreichen der Reservekraftstoffmenge (4 Liter) ersetzt.[5]

In den ersten beiden Produktionsjahren gab es mehrfach Rückruf- und technische Aktionen seitens des Herstellers. So wurden unter anderem der Geber für die Tankanzeige gewechselt, die Befestigung des Kühlwasserschlauches überarbeitet, die vordere Steckachse und der Kettensatz erneuert sowie eine neue Bordsoftware aufgespielt.[6]

Ab den Baujahr 2013 erfolgte ein erste Modellpflege. Diese umfasste vor allem ein geändertes Design der Kühlerverkleidung. Im gleichen Jahr wurde zudem die Modellpalette um die BMW F 800 GS Adventure mit gleichem Motor und Fahrwerk, aber größerem Kraftstofftank, Windschild und Ausstattung erweitert.

Verkaufszahlen
weltweit Deutschland Österreich
2008 10.261[7] 1852[8] 180[9]
2009 10.974[10] 1460[11] 122[12]
2010 9.669 [13] 1468 [14] 155 [15]
2011 9.829 [16] 1489 [17] 104 [18]
2012 11.487 [19] 1791 [20] 136 [21]
2013 10.166 [22] 1571 [23]

Konstruktive Merkmale[Bearbeiten]

Rotax 804 als mittragendes Element des Fahrwerks

Der bei Rotax gefertigte Zweizylinder-Reihenmotor Rotax 804 ist flüssigkeitsgekühlt und verfügt über vier Ventile je Zylinder. Die Ventilsteuerung des Viertaktmotors erfolgt über zwei oben liegenden Nockenwellen (dohc). Das Motorrad verfügt über einen Elektrostarter und eine elektronische Benzineinspritzung. Der Hubzapfenversatz beträgt 360°. Die Kraftübertragung aufs Hinterrad erfolgt mittels einer Dichtringkette. Das klauengeschaltete Sechsganggetriebe besitzt kurze Schaltwege. Die Mehrscheiben-Ölbad-Kupplung ist seilzugbetrieben. Gegenüber den Modellen S/ST besitzt der Motor einen Zylinderwinkel von 8,5° und steht damit fast senkrecht. Der Motor ist rund ein Kilogramm leichter als die S/ST-Variante. Die Auspuffanlage ist aus Edelstahl und verfügt über einen geregelten Katalysator.

Der Gitterrohrrahmen aus Stahl umschließt den mittragenden Motor. Das Heckteil ist angeschraubt. Die Upside-Down-Telegabel von Marzocchi hat einen Innenrohrdurchmesser von 45 mm und einen Federweg von 230 mm. Die Zweiarmschwinge aus Leichtmetall verfügt über ein einstellbares Federbein von ZF Sachs mit 215 mm Federweg. Das hintere direkt angelenkte Federbein besitzt eine wegeabhängige Dämpfung. Federvorspannung und Zugstufendämpfung sind verstellbar.

Das Motorrad ist vorn mit Doppelbremsscheiben mit einem Durchmesser von 300 mm und Zweikolbensattel und hinten mit einer einfachen Bremsscheibe mit 265 mm und einem Einkolbensattel ausgerüstet. Die Bremsanlagen sind von Brembo. Das Antiblockiersystem ist abschaltbar. Die Drahtspeichenräder besitzen Aluminiumfelgen mit einer Größe von 21 Zoll (vorn) und 17 Zoll (hinten).

Der 16 Liter fassende Tank ist wie bei allen Motorräder der F-Reihe unter der Sitzbank untergebracht, wodurch der Schwerpunkt niedrig gehalten wird. Die Tanköffnung befindet sich auf der rechten Seite in Höhe des Soziussitzes. Über dem Motor wurde die Starterbatterie sowie die Airbox angeordnet. Die Sitzhöhe beträgt 880 mm. Eine alternative Sitzbank mit weniger Polsterung reduziert die Sitzhöhe auf 830 mm. Als Windschutz dient eine transparente Plastikscheibe.

Farbkombinationen[Bearbeiten]

Angeboten wurde das Motorrad 2008 und 2009 in den Farbkombinationen sunsetgelb/schwarz seidenglänzend und darkmagnesium/metallic. Ab 2010 ist es in den Farbkombinationen lavaorange metallic/schwarz seidenglänzend und alpinweiß uni erhältlich. Außerdem wurde ein Sondermodell 30 Jahre GS angeboten.

Im Jahr 2011 gibt es Sondermodelle in desert blue uni/alpinweiß uni (Trophy) und tiefschwarz/granitgrau-metallic matt/nürburgsilber-metallic (Triple Black). Als Farbkombination wird 2012 ausschließlich graphitan metallic schwarz angeboten. Die Modelle 2013 sind in kalamata metallic, cordobablau uni und alpinweiss uni verfügbar.

Reifenfreigabe[Bearbeiten]

Serienmäßig verfügt die F 800 GS über Reifenfreigaben für Bridgestone Battle Wing BW 501 G/BW 502 G, Continental TKC 80, Metzeler MCE Karoo 2 (T)/MCE Karoo (T), Metzeler Tourance EXP, Metzeler Tourance NEXT, Michelin Anakee/Anakee C, Pirelli Scorpion Trail Front/Scorpion Trail G, Heidenau K60 Scout.

Kritiken[Bearbeiten]

„Mit der 800 GS belebt BMW ein früher starkes Segment neu. Nämlich das kerniger Enduro-Allrounder vom Schlage einer Africa Twin oder R 80 GS. Robuste, unverwüstliche Maschinen, die in jedem Umfeld eine gute Figur abgeben.“

Gert Thöle: Motorrad[24]

„Die F 800 GS vereint echte Offroadtugenden mit einer hervorragenden Straßeneignung. Eine Reiseenduro im besten Sinne also. Es schließt die Lücke zwischen den mittlerweile runde 100 PS starken Großenduros vom Schlage einer R 1200 GS oder der KTM 990 Adventure und den viel leichteren Einzylindern.“

Andreas Reimar: mototraveller[25]

„Zu schmall und zu hart ist das Sitzpolster, zu flach die Verkleidungsscheibe und zu klein der Tank, der im Heck untergebracht ist.“

Till Kohlmey: Motorradfahrer[26]

„Die 85 PS reichen immerhin auch für ein Autobahntempo von rund 200 km/h. Der aufrecht im neu konstruierten Rahmen stehende 800er-Twin gibt seine Leistung sehr gleichmäßig über das gesamte Drehzahlband ab, schiebt schon aus niedrigen Drehzahlen ruckelfrei an, zeigt sich elastisch und vibrationsarm.“

– 2Räder[27]

„Während sich die große 1200er-GS sowohl preislich als auch gewichtsmäßig vom waschechten Abenteuer-Motorrad weit entfernt hat und eine Africa Twin seit Jahren nicht mehr erhältlich ist, drängt sich die F800GS als Alternative fast von selbst auf. Einziges Handicap: Diese GS ist mit einer Sitzhöhe von minimal 850 mm nicht gerade niedrig, und mit vollgetankten 221 Kilo ist sie zudem die Schwerste im F-Programm.“

Till Kohlmey: Tourenfahrer[28]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: BMW F800GS – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

  •  Phil Mather (Übertragen und bearbeitet von Udo Stünkel): Wartung und Reparatur - BMW F 800 und F 650 Zweizylinder. Delius Klasing Verlag, Bielefeld 2011, ISBN 978-3-7688-5314-9.
  •  Andreas Reimar: Fahrbericht BMW F 800 GS. In: mototraveller. Nr. 1/2008, Moto Media GmbH, Bergenhusen 2008, S. 10–16.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. MOTORRAD Jahrbuch 2008. MO Medien Verlag GmbH, Stuttgart 2008, S. 36.
  2. Peter Müller: BMW Motorrad Pressekonferenz. 6. November 2007, abgerufen am 29. August 2013.
  3. Transportation Category Finalists: BMW F 800 GS (Version vom 3. August 2008 im Internet Archive)
  4. BMW Group PressClub USA: BMW F 800 GS named 2009 motorcycle of the year by Rider. In: bmwgroup.com.
  5. BMW GS Motorradforum: Keine Restreichweitenanzeige im Bordcomputer?
  6. RAPEX-Datenbank
  7. BMW Group Press Release 21. Januar 2009: BMW Motorrad Sales Results 2009
  8. Motorrad Magazin MO: Motorrad-Neuzulassungen 2008: die Top 50 (Version im Webarchiv WebCite)
  9. Tourenbike.at: Neuzulassungen 2008: Marken und Modelle
  10. BMW Group Press Release 2. Februar 2010: BMW Motorrad erreicht Absatzziele 2009
  11. Motorrad Magazin MO: Motorrad-Neuzulassungen 2009: die Top 50 (Version vom 8. Februar 2010 im Internet Archive)
  12. Tourenbike.at: Neuzulassungen 2009: Modelle im Detail
  13. BMW Group Press Release 18. Januar 2011: BMW Motorrad steigert Absatz...
  14. IVMPerformance 01/11: Neuzulassungen Krafträder - Top 50 - Hitliste der Modelle
  15. Tourenbike.at: Motorrad Neuzulassungen Jänner-Dezember 2010: Modelle im Detail
  16. BMW Group Press Release 16. Januar 2012: BMW Motorrad erzielt bestes Absatzergebnis...
  17. IVMPerformance 01/12: Neuzulassungen Krafträder - Top 50 - Hitliste der Modelle
  18. www.wirtschaftsverlag.at: Zulassungsstatistik PKW & Zweirad
  19. BMW Group Press Release 9. Januar 2013: BMW Motorrad erzielt 2012 neuen Absatzrekord....
  20. IVMPerformance 01/13: Neuzulassungen Krafträder - Top 50 - Hitliste der Modelle
  21. www.wirtschaftsverlag.at: Zulassungsstatistik PKW & Zweirad
  22. BMW Group Press Release 10. Januar 2014: BMW Motorrad erzielt 2013 dritten Absatzrekord in Folge....
  23. IVMPerformance 01/14: Neuzulassungen Krafträder - Top 50 - Hitliste der Modelle
  24. Gert Thöle: Fahrbericht BMW F 800 GS. In: Motorrad, Ausgabe 06/2008. 28. Februar 2008, abgerufen am 18. Mai 2013.
  25.  Andreas Reimar: In: Mototraveller. Nr. 1, 2008, ISSN 9723-0939X.
  26.  Till Kohlmey: Die kleine Große. In: Motorradfahrer. Nr. 7, 2013, ISSN 0935-7645, S. 13.
  27. 2Räder, Ausgabe 4/2008
  28.  Till Kohlmey: In: Tourenfahrer. Nr. 7, 2009, ISSN 0933-4440, S. 37.