U-Straßenbahn Wien

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
U-Straßenbahn Wien
Ustrab Haltestelle Kliebergasse.jpg
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Stromsystem: 650 V =
Höchstgeschwindigkeit: 60 km/h
BSicon .svgBSicon TRAM.svg
Gürtel-Ustrab
BSicon .svgBSicon uSTR.svg
6 18: von Westbahnhof
BSicon .svgBSicon uABZlg.svg
62 WLB: von Bahnhof Meidling
BSicon .svgBSicon utSTRa.svg
BSicon .svgBSicon utHST.svg
Eichenstraße
BSicon .svgBSicon utBHFrf.svg
Matzleinsdorfer Platz S-Bahn Wien
BSicon utSTRrg.svgBSicon utABZgr+r.svg
Abzw. Matzleinsdorfer Platz
BSicon utBHFrg.svgBSicon utBHFrg.svg
Matzleinsdorfer Platz S-Bahn Wien
BSicon utSTRe.svgBSicon utSTR.svg
BSicon uSTRrf.svgBSicon utSTR.svg
1 6: nach Knöllgasse
BSicon .svgBSicon utHST.svg
Kliebergasse
BSicon .svgBSicon utBS2rf.svgBSicon utBS2lf.svg
Abzw. Kliebergasse
BSicon .svgBSicon utSTR.svgBSicon utHST.svg
Laurenzgasse
BSicon .svgBSicon utSTR.svgBSicon utSTRe.svg
BSicon .svgBSicon utSTR.svgBSicon uSTRlf.svg
1 62 WLB: nach Kärntner Ring, Oper
BSicon .svgBSicon utHST.svgBSicon .svg
Blechturmgasse
BSicon uSTRlg.svgBSicon utSTR.svgBSicon .svg
O: von Quellenplatz
BSicon uBHF.svgBSicon utBHF.svgBSicon .svg
Hauptbahnhof S-Bahn Wien U-Bahn Wien
BSicon uSTR.svgBSicon utSTRe.svgBSicon .svg
BSicon uBS2l.svgBSicon uBS2r.svgBSicon .svg
BSicon uSTR.svgBSicon .svg
O 18: nach Quartier Belvedere
BSicon .svgBSicon .svg
   
   
Zweierlinie (bis 1980, seither U2)
   
E2 G2 H2: Praterstern, Radetzkystraße, Prater (Hauptallee)
   
Friedrich-Schmidt-Platz heute Rathaus
   
Lerchenfelder Straße 2003 geschlossen
   
Burggasse heute Volkstheater
   
Mariahilfer Straße heute Museumsquartier
   
E2 G2 H2: Gersthof (Herbeckstraße), Hohe Warte, Hernals

Als U-Straßenbahn (manchmal abgekürzt USTRAB oder USTRABA) werden bestehende oder ehemalige Abschnitte der Wiener Straßenbahn bezeichnet, die als Unterpflaster-Straßenbahn geführt wurden (Zweierlinie) bzw. werden (Gürtel).

Heute ist damit vor allem der Abschnitt im Bereich des südlichen Gürtels gemeint, der in den 1960er Jahren in den Untergrund verlegt und am 11. Jänner 1969 in Betrieb genommen wurde.

Streckenausrüstung[Bearbeiten]

Die Ustrab wurde im Gegensatz zu den sonst für Straßenbahnen üblichen Rillenschienen mit Vignolschienen ausgestattet. Die Weichen und engen Bögen an den Abzweigstellen sind dagegen mit Rillenschienen und Flachrillenherzstücken ausgerüstet. Auf jeder Seite sind, zueinander versetzt, alle 20 Meter Leuchtstoffröhren angebracht. Diese helfen den Fahrern bei der Abschätzung von Entfernungen, da sich alle 10 Meter eine Röhre befindet.

Signalanlage 1, während einer Zählkettenkorrektur, am Matzleinsdorfer Platz

In der Ustrab wird nicht auf Sicht, sondern durch Signale gesichert gefahren. So werden Blocksignale mit zwei grünen und zwei gelben mit Leuchtdioden realisierten untereinander angeordneten Signallampen verwendet, die dem Fahrer den Zustand der nächsten beiden Blockabschnitte anzeigen. Kurz vor den Stationen ist der Abstand zwischen den einzelnen Blocksignalen geringer, um ein schnelleres Einfahren in die Station zu ermöglichen. Die Gleisfreimeldung erfolgt durch Gleisstromkreise. Wenn die beiden folgenden Abschnitte frei sind, leuchten beide grünen Laternen, der Fahrer darf mit der örtlich erlaubten Höchstgeschwindigkeit fahren. Ist der erste Abschnitt frei und der übernächste besetzt, leuchtet eine grüne und eine gelbe Lampe, die Geschwindigkeit muss auf 30 km/h gedrosselt werden. Wenn aber der erste Abschnitt besetzt ist, leuchten unabhängig vom Zustand des übernächsten Abschnittes beide gelbe Lampen, was maximal 15 km/h erlaubt. Zwischen den Stationen Kliebergasse und Laurenzgasse gibt es in Richtung Oper das einzige Vorsignal der Ustrab, da sich hier das Blocksignal in einem engen Rechtsbogen befindet und die Signalsicht nicht ausreichend ist.

Bei den Abzweigungen Matzleinsdorfer Platz und Kliebergasse findet ein erweitertes System Anwendung. Sobald ein Zug in die Station einfährt, wird an das System die gewünschte Richtung gesendet, zur Bestätigung erscheint am rot leuchtenden Signal ein weißer Pfeil in der entsprechenden Richtung. Nun wird automatisch überprüft, ob die zu befahrenden Gleisabschnitte frei sind. Wenn das der Fall ist, werden die Weichen gestellt und elektrisch gesichert, anschließend gelangt das Signal in Fahrtstellung und der Fahrer darf die Fahrt fortsetzen. Wegen der problematischen Isolierfähigkeit des Oberbaues in den Weichen und Kreuzungen aus Rillenschienenmaterial sind die Abzweigstellen mit Achszählern ausgerüstet. Wenn sich zwei Züge gleichzeitig in einer Abzweigstation befinden, wird der Zug bevorzugt, der schon länger in der Station steht. Da dieses System sehr störungsanfällig ist, wurden kurz nach der Eröffnung der Ustrab als Rückfallebene zusätzlich die für die Wiener Straßenbahn typischen Fahrsignale mit vier weißen Lampen angebracht, die vergleichbar mit einer Kreuzung an der Oberfläche, aber nicht so effizient und rasch arbeiten.

Zweierlinie[Bearbeiten]

Haltestelle Friedrich-Schmidt-Platz (heute U2 Rathaus), 1973
Umbau der Zweierlinie zur U2, 1980

Die erste längere USTRABA-Strecke entstand in den 1960er Jahren nach Abkehr der Stadtregierung von den Wiener Alwegbahnplänen, aber vor der Grundsatzentscheidung zum U-Bahn-Bau. Die Tieflegung der Straßenbahn entlang der so genannten Zweierlinie zwischen Secessionsgebäude und Landesgerichtsstraße nördlich des Friedrich-Schmidt-Platzes wurde am 8. Oktober 1966 in Betrieb genommen. Seit September 1980 wird diese Strecke von der U-Bahn-Linie U2 genutzt.

In der Zeit der Monarchie gab es in Wien neben den mit Buchstaben bezeichneten Linien über den Ring („Ringlinien“) der Straßenbahn ebenfalls mit Buchstaben, aber zusätzlich mit dem Index 2 bezeichnete Straßenbahnlinien auf der parallel zum Ring geführten „Lastenstraße“ (der Ausweichroute für den Lastwagenverkehr). Bis in die späten 1970er Jahre verkehrten auf diesem Streckenabschnitt die drei Straßenbahnlinien E2 (PratersternGersthof, Herbeckstraße), G2 (Radetzkystraße – Hohe Warte) und H2 (Prater Hauptallee – Hernals). Diese wurden wegen des stark überhandnehmenden motorisierten Individualverkehrs auf der „Zweierlinie“ in den Untergrund verlegt. Man versprach sich von der Verlegung der Straßenbahn knapp unter das Straßenniveau in den für den Verkehr neuralgischen Zonen eine raschere und billigere Lösung der Verkehrsprobleme als durch den Bau eines gesamten U-Bahn-Netzes. Die Straßenbahn konnte an den Endpunkten der USTRABA-Strecke wieder aus dem Tunnel auftauchen, sich auf die Strecken in die Außenbezirke verzweigen und dort die üblichen Umkehrschleifen benutzen. Die zwischen den Tunnelportalen querenden Linien, zu denen vorher Weichenverbindungen bestanden, hatten jedoch keine Verknüpfung mit der Zweierlinie mehr.

Dieser Tunnel der USTRABA hatte eine Länge von 1,8 km und vier unterirdische Stationen:[1]

  • Mariahilfer Straße, heute als U-Bahn-Station Museumsquartier betrieben, von 1991 bis 2000 Babenbergerstraße genannt
  • Burggasse, heute U-Bahn-Station Volkstheater und Knotenpunkt mit der U-Bahn-Linie U3
  • Lerchenfelder Straße, später U-Bahn-Station Lerchenfelder Straße, am 27. September 2003 wegen des kurzen Abstandes zur Station Volkstheater aufgelassen
  • Friedrich-Schmidt-Platz, heute U-Bahn-Station Rathaus; nördlich dieser Station befand sich in der Landesgerichtsstraße die Ein- bzw. Ausfahrt des Tunnels, und die Straßenbahnlinien verzweigten sich an der Kreuzung mit Alser Straße und Universitätsstraße in die Außenbezirke.

1980 konnte die bestehende USTRABA nach entsprechenden Vorarbeiten innerhalb von zwei Sommermonaten, in denen der Straßenbahnverkehr bereits eingestellt war, zur U-Bahn-Strecke umgebaut werden.[2] Die Strecke wurde dazu im Süden von der Secession bis zum entstehenden U-Bahn-Knoten Karlsplatz (U1 seit 1978, U4 seit 1978 bzw. 1980) und im Norden von der Landesgerichtsstraße beim Friedrich-Schmidt-Platz über das Schottentor zum Schottenring (U4) verlängert. Die Bahnsteige wurden erhöht, die Architektur der USTRABA-Stationen wurde größtenteils beibehalten. Seit der Eröffnung der U2 am 30. August 1980 wird die Strecke von den „Silberpfeilen“ der U-Bahn befahren.

Gürtel[Bearbeiten]

Zug der Badner Bahn (WLB) in der Haltestelle Eichenstraße
Renovierte Station Laurenzgasse
Zug der Linie 18 in der Haltestelle Hauptbahnhof
Netz der Ustrab
Zug der Linie 18 in der Ustrab in der damaligen Haltestelle Südtiroler Platz, heute Hauptbahnhof
Ausfahrt aus dem Tunnel bei Eichenstraße bzw. Flurschützstraße

In den 1960er Jahren wurde das Verkehrskonzept der USTRABA auch auf der vom Pkw- und Lkw-Verkehr stark befahrenen Gürtelstraße verwirklicht. Die Tunnel und Stationen der Straßenbahn sind auf dieser Strecke bis heute in Betrieb. Sie haben den Vorteil, dass Abzweigungen und Kreuzungen der Linien unterirdisch auf gleichem Niveau durchgeführt werden können, was für die U-Bahn in Wien aus Sicherheitsgründen nicht üblich ist.

Das erste Teilstück, eine kurze Unterführung des Südtiroler Platzes im Zuge des Gürtels nahe dem bis 2009 in Betrieb gewesenen Südbahnhof, wurde am 7. Mai 1959 eröffnet. Die Haltestelle steht in Verbindung mit der ebenfalls unterirdischen S-Bahn-Station Hauptbahnhof.

Bis zur Eröffnung am 11. Jänner 1969 wurden in Erweiterung der Anlage die Gleise entlang des Gürtels vom Südtiroler Platz bis zur Eichenstraße sowie in der Wiedner Hauptstraße und in der Kliebergasse in den Untergrund verlegt, insgesamt auf 3,4 km Länge. Im Zuge dieser Bauarbeiten wurde ab August 1965 die Florianikirche abgetragen. Es wurde sogar überlegt, die USTRABA in diesem Bereich als Linie U5 von der Station Gumpendorfer Straße bis St. Marx zu führen, was aber nie ernsthaft verfolgt wurde. Dennoch fehlt die Linie U5 bis heute im Wiener U-Bahn-Netz (auf die U4 folgt die U6).

Im Zuge des Baus der Station auf dem Matzleinsdorfer Platz im 5. Bezirk, Margareten, wurde auch Wiens erster „rollender Teppich“, ein Fahrsteig zur Beschleunigung des unterirdischen Fußgängerverkehrs und zur Erleichterung der langen Fußwege für ältere Personen, eröffnet.

Die USTRABA-Strecke unter dem Gürtel umfasst insgesamt sechs unterirdische Stationen und wird von vier Straßenbahnlinien sowie der Lokalbahn Wien–Baden befahren. Die Linie 18 befährt den längsten Abschnitt des U-Straßenbahn-Tunnels, die Linie 6 den kürzesten.

Die noch aus den 1960er Jahren stammenden Ustrab-Stationen wurden ab Herbst 2009 aus Mitteln des Konjunkturpaketes um insgesamt 11 Millionen Euro einer umfassenden Sanierung unterzogen,[3] wobei das Stationsdesign so weit wie möglich dem der Wiener U-Bahn-Stationen angeglichen werden sollte.[4]

Mit 9. Dezember 2012 wurde die Haltestelle Südtiroler Platz in Hauptbahnhof umbenannt. Bei der Renovierung dieser Station wurden, abweichend von den anderen Stationen der Gürtel-Ustrab, weiße Wandverkleidungen montiert, außerdem (in veränderter Position) ein großes Wandbild (eine Schrägsicht auf Wien) aus der Originalausstattung 1959.

Folgende Linien befahren den USTRABA-Tunnel am Gürtel:

Linie Verlauf Strecke im Tunnel
1 Stefan-Fadinger-Platz – Prater Hauptallee Matzleinsdorfer Platz S – Laurenzgasse
6 Burggasse UKaiserebersdorf Eichenstraße – Matzleinsdorfer Platz S
18 Burggasse USchlachthausgasse U Eichenstraße – Hauptbahnhof S U
62 Kärntner Ring, OperLainz, Wolkersbergenstraße Laurenzgasse – Eichenstraße
WLB Kärntner Ring, OperBaden, Josefsplatz Laurenzgasse – Eichenstraße


Abstand zwischen den einzelnen Stationen:

Von Bis Länge
Eichenstraße Matzleinsdorfer Platz 653 Meter
Matzleinsdorfer Platz Kliebergasse 458 Meter
Kliebergasse Blechturmgasse 384 Meter
Blechturmgasse Hauptbahnhof 445 Meter
Kliebergasse Laurenzgasse 433 Meter

Weitere unterirdische Streckenabschnitte[Bearbeiten]

1961 entstand am Schottentor eine unterirdische Schleifenanlage für die Linien 37, 38, 39 (bis August 1970), 40 (ab Sommer 1980), 41 und 42; darüber befindet sich auf Straßenniveau die Schleife der Linien 43 und 44. Seit 1980 ist diese Endstation von sieben Straßenbahnlinien mit der neu gebauten U-Bahn-Station Schottentor (U2) verbunden.

Die unterirdische Straßenbahnstation wird wegen ihrer kreisrunden, eingetieften, aber in der Mitte offenen Form im Volksmund Jonas-Reindl genannt, nach dem österreichischen Ausdruck „Reindl“ für Kasserolle[5] sowie dem Wiener Bürgermeister Franz Jonas, in dessen Amtszeit (1951–1965) die meisten USTRABA-Projekte geplant und errichtet wurden. Bei der Errichtung der unterirdischen Wendeschleife wurden die Säulen so angeordnet, dass sie einem eventuellen Weiterbau in Richtung Innenstadt nicht im Weg stehen. Durch die Errichtung der U-Bahn-Linien U1 und U3 wurde diese Verlängerung aber nicht weiter verfolgt.[6]

Die Station Erzherzog-Karl-Straße in Donaustadt an der Linie 25 liegt in einer Unterführung, die unter der Haltestelle Wien Erzherzog-Karl-Straße der Ostbahn (Laaer Ostbahn und Marchegger Ast) mit S-Bahn-Verkehr und der Autobahn Südosttangente Wien hindurchführt. Diese unterirdische Haltestelle, die auch von Bussen eingehalten wird, wurde 1971 im Zuge der Verlängerung der Linie 26 eröffnet.[7] Aufgrund der Tatsache, dass sich beiderseits neben der Straßenbahn-Station die Straße befindet, konnten keine direkten Stufen auf die ÖBB-Bahnsteige errichtet werden. Als Ersatz gibt es je einen Lift, der direkt auf den Mittelbahnsteig 1/2 und einen, der direkt auf den Mittelbahnsteig 3/4 führt, und Stiegen, die zu den westlich und östlich der Unterführung gelegenen Zugänge zu den Bahnsteigen führen.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: USTRAB Wien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stadtplan mit historischen Stationen (Text ungarisch)
  2. Linie U2 Schottenring–Karlsplatz
  3. Brauner: 11 Millionen Euro für die Unterpflasterstraßenbahn
  4. Unterirdische Bim-Stationen werden saniert (ORF Wien, 17. April 2009)
  5. Dt.-österr. Küchenlexikon
  6. http://www.public-transport.at/u-strab-wien.htm#Jonas-Reindl
  7. http://www.strassenbahnjournal.at/wiki/index.php/Linie_26