Umar ibn al-Chattab

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ʿUmar ibn al-Chattāb (arabisch ‏عمر بن الخطاب‎, DMG ʿUmar b. al-Ḫaṭṭāb; * 592 in Mekka; † 3. November 644 ebenda) mit dem Beinamen al-Fārūq (der die Wahrheit von der Lüge unterscheidet), war der zweite Kalif des Islam (634–644). Die Sunniten betrachten ihn als einen der vier „rechtgeleiteten“ Kalifen. Die imamitischen Schiiten erkennen ihn dagegen nicht als Kalifen an.

Leben vor Erhebung zum Kalifen[Bearbeiten]

Umar wurde 592 in Mekka als Sohn al-Chattabs, eines einflussreichen Angehörigen der Quraisch, geboren. Seine Mutter hieß Hantama / ‏حنتمة‎. Er wurde im Kriegshandwerk ausgebildet und erlernte die Kunst der öffentlichen Rede. Sodann wurde er von seinem Vater mit Handelsgeschäften betraut, die ihn in verschiedene Länder führten.

Zunächst war er ein erbitterter Feind der Muslime und des Propheten Mohammed. Später wurde er jedoch von seiner Schwester zum Islam bekehrt und schloss sich Mohammed an. Nach der Übersiedlung nach Yathrib (später: Medina) erhielt Umar von dem dortigen jüdischen Clan der Yahūd Banī Ḥāritha das Landgut Thamgh, das er zur Sadaqa oder zum Waqf erklärte.[1]

Nach dem Sieg von Badr fiel er durch seine Härte gegenüber den mekkanischen Kriegsgefangenen auf. Während sich Abū Bakr in dieser Situation für die Freilassung der Gefangenen gegen eine Lösegeldzahlung einsetzte, forderte ʿUmar ihre Hinrichtung.[2] Wörtlich soll er zu Mohammed gesagt haben: "Sie haben Dich zum Lügner erklärt und vertrieben. Lass sie antreten und schlage ihnen den Kopf ab!"[3]

Kalifat[Bearbeiten]

Nach dem Tod Abu Bakrs 634 und Umars Ernennung zum Kalifen stieg das Kalifat in wenigen Jahren zur Großmacht im Nahen Osten auf. So wurden Palästina (634) und Ägypten (639–642) durch Amr ibn al-As, Syrien durch Chalid ibn al-Walid und der Irak durch Sa'd ibn Abi Waqqas (636) erobert. 636 gelangen den Muslimen am Yarmuk in Syrien und bei Qadisiyya im Irak entscheidende Siege über die Byzantiner beziehungsweise Perser.

Viele Moscheen wurden nach Umar benannt, so auch diese in Bethlehem

Im Februar 638 zog Kalif Umar in das eroberte Jerusalem ein. Auf der Tagung von al-Dschābiya legte Umar mit den Heerführern die Organisation des Reiches und die Verteilung der Kriegsbeute fest. Außerdem bestimmte er mit der Hidschra des Jahres 622 einen festen Ausgangspunkt für die islamische Zeitrechnung. Im gleichen Jahr fand in Mekka eine gewaltige Überschwemmung statt, bei der der Stein mit Abrahams Fußspuren, der sonst an einem festen Platz neben der Kaaba stand, aus der Stadt fortgerissen wurde. Da man die Stelle nicht wiederfand, wo er gestanden hatte, machte man einen Bericht an ʿUmar, der sich zu dieser Zeit wieder in Medina befand. Er reiste im Ramadan zur ʿUmra nach Mekka und sorgte mit Hilfe eines Mannes, der vor der Überschwemmung die Entfernung des Steins von anderen Gebäuden vermessen hatte, dafür, dass er wieder an seinen Platz kam.[4]

Nach 640 wurde mit Istachr die Residenz der Sassaniden von den Muslimen attackiert und im Jahr 649 schließlich erobert und zerstört. Mit dem Sieg über die Perser bei Nehawend in Medien 642 brach das neupersische Sassanidenreich endgültig zusammen. Byzanz konnte sich aber nach dem Verlust von Syrien und Ägypten in Anatolien gegen die weiteren Angriffe der Muslime behaupten.

Diese gewaltigen Eroberungen (siehe auch Islamische Expansion), die oft durch den Abschluss von Verträgen mit der unterworfenen Bevölkerung erleichtert wurden, machten bald Regelungen über die Organisation und Verwaltung des Reiches notwendig. Die Kernbestimmungen der Verträge sind auch als Pakt von Umar bekannt. Den Christen Syriens wurde Religionsausübung zugesichert, allerdings wurden ebenso verschiedene Restriktionen erlassen, welche ihre Unterwerfung unter die neuen muslimischen Herren verdeutlichten.[5]

Tod[Bearbeiten]

Umar wurde 644 von Piruz Nahavandi, einem von dem Prophetengenossen al-Mughīra b. Schuʿba versklavten persischen Armeeangehörigen, der unter General Rostam Farrokhzād gedient hatte, in Mekka ermordet.[6] Zum neuen Kalifen wurde Uthman ibn Affan gewählt.

Die 1997 in Kolumbien erbaute Moschee Omar Ibn Al-Jattab ist ihm gewidmet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Heribert Busse: 'Omar's image as the concueror of Jerusalem. In: Jerusalem Studies in Arabic and Islam. 8 (1986), S. 149-168.
  • Claude Cahen (Hrsg.): Der Islam 1: Vom Ursprung bis zu den Anfängen des Osmanenreiches. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt 1991 (Fischer Weltgeschichte, Band 14), ISBN 3-596-60014-6.
  • Mark R. Cohen: What was the pact of 'Umar? A literary-historical study. In: Jerusalem Studies in Arabic and Islam. 23 (1999), S. 100-157.
  • Giorgio Levi Della Vida / M. Bonner: Art. in: The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Brill, Leiden. Bd.10 (2000), S. 818–821.
  • Daniel C. Dennett: Conversion and the Poll Tax in Early Islam. Cambridge, Ma. 1950.
  • A. Fattal: Le status légal des non-musulmans en paye d'Islam. Beirut 1958.
  • Ulrich Haarmann (Hrsg.): Geschichte der arabischen Welt. 4. Auflage. C.H. Beck, München 2001, ISBN 3-406-47486-1.
  • Albrecht Noth: Abgrenzungsprobleme zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen. Die 'Bedingungen 'Umars (al-šurūṭ al-ʿumariyya)' unter einem anderen Aspekt gelesen. In: Jerusalem Studies in Arabic and Islam 9 (1987), S. 290-315.
  • Arthur Stanley Tritton: The Caliphs and Their Non-Muslim Subjects. London 1930.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Michael Lecker: The 'Constitution of Medina'. Muḥammad's First Legal Document. Princeton, New Jersey 2004. S. 71f.
  2. Vgl. al-Wāqidī 69.
  3. Kaḏḏabū-ka wa-aḫraǧū-ka qaddim-hum wa-aḍrib aʿnāqa-hum, so in einer Überlieferung nach ʿUmars Sohn ʿAbdallāh, die at-Tabarī in seinem Korankommentar Ǧāmiʿ al-bayān ʿan taʾwīl āy al-qurʾān zu Koranvers 8:67 zitiert.
  4. Vgl. Ferdinand Wüstenfeld: Geschichte der Stadt Mekka, nach den arabischen Chroniken bearbeitet. Leipzig 1861. § 119. Hier online einsehbar: https://archive.org/stream/diechronikender04wsgoog#page/n141/mode/2up
  5. Siehe: englische Übersetzung des „Pakts von Umar“
  6. Gordon, Matthew: The rise of Islam (Illustrated ed.), Greenwood Publishing Group, 2005, S. 30, ISBN 0-313-32522-7, 9780313325229

Siehe auch[Bearbeiten]

Vorgänger Amt Nachfolger
Abū Bakr Rechtgeleitete Kalifen
634–644
ʿUthmān ibn ʿAffān