Abu Bakr

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Namen siehe Abu Bakr (Name).
Altpersische Miniatur: Die Anwesenden in Saqīfa schwören Abu Bakr den Treueid. Rechts neben ihm sitzt Umar, der seine Wahl ermöglicht hatte

Abu Bakr Abdallah ibn Abi Quhafa as-Siddiq (arabisch ‏أبو بكر عبد الله بن أبي قحافة الصديق‎, DMG Abū Bakr ʿAbd Allāh b. Abī Quḥāfa aṣ-Ṣiddīq; (* um 573[1] in Mekka; † 23. August 634 in Medina) war der erste der vier „rechtgeleitetenKalifen (632–634), der Nachfolger Mohammeds. Er war einer der ersten Anhänger Mohammeds und als Vater von Aischa bint Abi Bakr sein Schwiegervater.

Inhaltsverzeichnis

Leben bis zum Tode des Propheten [Bearbeiten]

Abū Bakr gehörte zu den Taym, einem eher unbedeutenden Clan des Stammes Quraisch und kam in Mekka als Stoffhändler zu Reichtum. Mit seinem Kapital von ca. 40.000 Dirham verfügte er in seinem Clan über einigen Einfluss. Während viele andere Prophetengefährten um 615 nach Äthiopien emigrierten, blieb er mit Mohammed in Mekka. Er war der einzige Begleiter Mohammeds bei dessen Auswanderung (Hidschra) nach Yathrib (später Medina), ein Ereignis, auf das Sure 9:40 anspielen soll. Bei allen wichtigen Kämpfen gegen die heidnischen Quraisch von Mekka war er dabei und unterstützte mit seinen finanziellen Mitteln die Feldzüge. Als Mohammed im Sterben lag, führte Abū Bakr das Gebet der Gemeinde an. Daraus ergab sich für ihn ein gewisser Nimbus.

Die Ereignisse der Saqīfa [Bearbeiten]

Nach dem Tod des Propheten traten schwere Meinungsverschiedenheiten zwischen den mekkanischen Muhadschirun und den medinischen Anṣār hervor. Die Anṣār zogen zu Saʿd ibn ʿUbāda, dem Chef des medinischen Clans Banū Sāʿida, und versammelten sich in seiner Saqīfa, einem offenen Versammlungsplatz. Dort erhoben sie die Forderung nach einem eigenen Befehlshaber. Die Quraisch sollten in gleicher Weise handeln. Damit drohte die islamische Gemeinschaft, auseinanderzubrechen. Die Diskussion spitzte sich zu, als zu den Versammelten die drei Muhādchirūn Abū Bakr, Umar ibn al-Chattab und Abu Ubaida hinzutraten. Vor allem ʿUmar trat strikt gegen jede Teilung der Gemeinschaft ein. Abū Bakr betonte den Vorranganspruch des Stammes Quraisch. In dieser Situation überraschte ʿUmar die Anwesenden, indem er plötzlich Abū Bakr huldigte. Entscheidend für den weiteren Verlauf der Versammlung war die überraschende Ankunft der Banū Aslam, eines Clans aus der Umgebung von Medina, der für seine besondere Loyalität gegenüber dem Propheten bekannt war. Sie stießen in großen Zahlen zu der Versammlung und huldigten Abū Bakr.[2]

Viele Anṣār weigerten sich jedoch zunächst, Abū Bakr zu huldigen. Auch die Banū Hāschim, der Clan des Propheten, protestierten dagegen, dass sie bei der Regelung der Nachfolge übergangen worden waren. Einige Anṣār brachten in dieser Situation ʿAlī ibn Abī Tālib, der der nächste Verwandte des Propheten war, als Alternative für Abū Bakr ins Spiel. ʿAlī hatte offensichtlich auch die Unterstützung des Clans Umayyaden. Sie pochten in dieser Situation auf die politischen Vorrechte der Nachkommen ʿAbd Manāfs, zu denen sowohl die Umayyaden sie auch die Banū Hāschim gehörten.[3] Abū Sufyān, das damalige Oberhaupt der Umayyaden, soll die Herrschaft Abū Bakrs mit den Worten in Frage gestellt haben: "Ihr Nachkommen von ʿAbd Manāf, könnt ihr damit zufrieden sein, dass ein Mann von dem Clan Taym Eure Angelegenheiten übernimmt?".[4] Ein weiterer scharfer Gegner Abū Bakrs war Chālid ibn Saʿīd, wie Abū Sufyān Umayyade, im Gegensatz zu ihm aber einer der frühesten Anhänger Mohammeds.[5] Es war Umar, der mit Unterstützung der Banū Aslam schließlich dafür sorgte, dass alle Bewohner Medinas Abū Bakr den Treueid leisteten.[6]

Als erster Kalif [Bearbeiten]

Abū Bakr nannte sich „Nachfolger des Gesandten Gottes“ (ḫalīfatu rasūli llāh), kurz Kalif. Seine ersten Aufgaben bestanden in den Ridda-Kriegen, der Bekämpfung der aufständischen Araberstämme, die die Zakat-Zahlungen eingestellt und teilweise ihre eigenen Stammesführer gewählt hatten. Ridda bedeutet „Abfall vom Islam“, und nach der Meinung arabischer Historiker, die diesen Ausdruck verwenden, handelt es sich hierbei um ein rein religiöses Phänomen. Nach der Meinung von europäischen Gelehrten, insbesondere Julius Wellhausen, ist dies jedoch eine im Wesentlichen politische Auseinandersetzung. In Tat und Wahrheit sind beide Ansichten zutreffend. Medina war zum Zentrum eines politisch-sozialen Systems geworden, in dem die Religion eine wesentliche Rolle spielte, so dass jegliche Reaktion gegen dieses System mit religiösen Aspekten verbunden sein musste. Nach dem Sieg über die Rebellen, die Abu Bakr von Bahrain über Oman bis in den Jemen als Apostaten bekämpfen ließ, folgte die Eroberung von Hira in Mesopotamien (633) und al-Adschnadain in Palästina (634).

Tod [Bearbeiten]

Abu Bakr starb 634 in Medina und wurde anschließend neben dem Propheten Mohammed beerdigt. Beide Gräber und das Grab des nachfolgenden zweiten Kalifen Umar ibn al-Chattab sind heute in der Hauptmoschee von Medina, der Prophetenmoschee, integriert.

Siehe auch [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Die Datierung des Geburtsjahrs legt die Überlieferung zugrunde, er sei drei Jahre jünger als Mohammed gewesen, so dass von einer Geburt kurz nach 570 ausgegangen wird, vgl. Watt 1986, 109.
  2. Vgl. Madelung 28-34.
  3. Vgl. Madelung 40f.
  4. Vgl. al-Ǧāḥiẓ: al-ʿUṯmānīya. Ed. A.M. Hārūn. Kairo 1955. S. 60: Raḍītum maʿšara Banī ʿAbd Manāf an yalā umūra-kum raǧulun min Banī Taim?
  5. Vgl. Madelung 40f.
  6. Vgl. Madelung 43.

Literatur [Bearbeiten]

Vorgänger Amt Nachfolger
- Rechtgeleitete Kalifen
632-634
Umar ibn al-Chattab