Christa Ludwig

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Christa Ludwig (* 16. März 1928 in Berlin) ist eine deutsche Opern- und Konzertsängerin (Mezzosopran).

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Christa Ludwig wurde in eine musikalische Familie hineingeboren. Ihr Vater Anton Ludwig (1888–1957) war Sänger und Opernintendant (unter anderem in Aachen, Hanau, Gießen), ihre Mutter Eugenie Besalla-Ludwig (1899–1993) war Altistin und Gesangspädagogin. Die Mutter war die einzige Gesangslehrerin ihrer Tochter; bis weit hinein in den Verlauf der Karriere ihrer Tochter beobachtete und förderte sie deren stimmliche Entwicklung.

Im Alter von 17 Jahren hatte Christa Ludwig ihren ersten öffentlichen Auftritt in Gießen. Ein Jahr später wechselte sie an die Oper Frankfurt und debütierte als Prinz Orlowsky (Die Fledermaus). Bis 1952 blieb sie in Frankfurt am Main. Es folgten Engagements an die Landestheater Darmstadt (1952 bis 1954) und Hannover (1954 bis 1955). Während der Jahre in Frankfurt und Darmstadt wirkte Christa Ludwig regelmäßig bei den Donaueschinger Musiktagen für zeitgenössische Tonkunst mit und sang Werke von Luigi Dallapiccola, Pierre Boulez und Luigi Nono.

Christa Ludwig mit ihrer Kollegin Maria Callas und dem italienischen Dirigenten Tullio Serafin

1955 verpflichtete Karl Böhm sie an die Wiener Staatsoper. Sie wurde dort eine der wichtigsten Sängerinnen und 1962 zur Kammersängerin ernannt. Fast 40 Jahre war sie Mitglied des Ensembles. In dieser Zeit sang sie in 769 Aufführungen 42 verschiedene Partien. Ebenfalls 1955 debütierte sie bei den Salzburger Festspielen und sang dort bis 1993 (Liederabend am 9. August). Ab den 1960er Jahren sang sie bei den Bayreuther Festspielen (Brangäne und Kundry) sowie an der Mailänder Scala (mit Maria Callas) und am Royal Opera House in Covent Garden, London.

Auch im außereuropäischen Ausland hatte Christa Ludwig Erfolg. Nach ihren Auftritten an der Lyric Opera in Chicago wurde sie von Rudolf Bing an die Metropolitan Opera New York geholt, wo sie 1959 als Cherubino (Le Nozze di Figaro) debütierte. Bis 1993 sang sie dort wichtige Rollen wie Leonore (Fidelio), Dido (Les Troyens), Ortrud, Kundry, Marschallin, Waltraute, Fricka. Zu ihrem weiteren Repertoire zählten auch folgende Partien: Eboli (Don Carlos), Amneris (Aida), Lady (Macbeth), Carmen, Brangäne (Tristan und Isolde), Venus (Tannhäuser), Octavian (Der Rosenkavalier), Komponist (Ariadne auf Naxos), Färberin (Die Frau ohne Schatten), Klytämnestra (Elektra), Marie (Wozzeck) und Judith (Herzog Blaubarts Burg).

Neben ihrer Operntätigkeit gab Christa Ludwig Liederabende in aller Welt und wirkte als Solistin bei Chor- und Orchesterkonzerten mit. Ihre bevorzugten Liederkomponisten waren Schubert, Schumann, Brahms, Wolf, Mahler, Pfitzner und Strauss. Klavierpartner bei ihren Liederabenden und Plattenaufnahmen waren unter anderen Sebastian Peschko, Erik Werba, Gerald Moore, Geoffrey Parsons, Irwin Gage und Charles Spencer. Bei einzelnen Projekten arbeitete sie auch mit folgenden Musikern in ihrer Eigenschaft als Klavierpartner zusammen: Daniel Barenboim, Tzimon Barto, Leonard Bernstein und James Levine.

Mit der Fricka (Die Walküre) hatte Christa Ludwig 1993 ihren letzten Auftritt an der Metropolitan Opera in New York. 1993 und 1994 gab sie weltweit ihre Abschiedstournee mit einem Liedprogramm. Am 14. Dezember 1994 verabschiedete sie sich nach einer fast fünfzigjährigen Bühnenkarriere in der Wiener Staatsoper als Klytämnestra von ihrem Bühnenpublikum.

Die wichtigsten Dirigenten, die ihre Karriere begleiteten, waren Karl Böhm, Herbert von Karajan und Leonard Bernstein.

In ihrer Karriere hat Christa Ludwig mit den wichtigsten Persönlichkeiten der Opernwelt mitgearbeitet, u. a. mit Elisabeth Schwarzkopf, Marilyn Horne, Maria Callas, Anna Moffo, Franco Corelli, Ileana Cotrubas, Frederica von Stade, Edita Gruberova, Placido Domingo, Dietrich Fischer-Dieskau, Montserrat Caballe etc.

Von 1957 bis 1970 war sie mit dem Sänger Walter Berry (1929–2000) verheiratet, mit dem sie einen gemeinsamen Sohn hat. 1972 heiratete sie den französischen Schauspieler und Regisseur Paul-Émile Deiber (1925 - 2011). Sie lebt in der Nähe von Wien.

[Bearbeiten] Auszeichnungen

[Bearbeiten] Diskographie

Oper
  • Béla Bartók: Herzog Blaubarts Burg (Judith, 1965, Decca)
  • Ludwig van Beethoven: Fidelio (Leonore, 1962, EMI; 1962, DG)
  • Vincenzo Bellini: Norma (Adalgisa, 1960, EMI)
  • Leonard Bernstein: Candide (Old Lady, 1989, DG, auch als DVD)
  • Georges Bizet: Carmen (Carmen, 1961, EMI; 1966, Orfeo)
  • Highlights 1955–1974. Auszüge aus Aufführungen der Salzburger Festspiele von R. Strauss, Mozart, Gluck, Beethoven. (Orfeo)
  • Engelbert Humperdinck: Hänsel und Gretel (Hexe, 1971, RCA)
  • Live Recordings 1955–1994. Auszüge aus Aufführungen der Wiener Staatsoper. (Orfeo)
  • Wolfgang Amadeus Mozart: Cosi fan tutte (Dorabella, 1955, Decca; 1962, EMI)
  • Wolfgang Amadeus Mozart: Don Giovanni (Donna Elvira, 1967, EMI)
  • Wolfgang Amadeus Mozart: Le Nozze di Figaro (Cherubino, 1956, Philips; 1957, Orfeo)
  • Camille Saint-Saens: Samson et Dalila (Dalila, 1973, RCA)
  • Richard Strauss: Capriccio (Clairon, 1958, EMI)
  • Richard Strauss: Elektra (Klytämnestra, 1988, Philips)
  • Richard Strauss: Die Frau ohne Schatten (Färberin, 1964, Nuova Era; 1974, Opera)
  • Richard Strauss: Der Rosenkavalier (Octavian, 1957, EMI; Feldmarschallin, 1969, DG; 1971, Sony)
  • Giuseppe Verdi: Un ballo in maschera (Ulrica, 1983, Decca)
  • Giuseppe Verdi: Falstaff (Mrs. Quickly, 1980, DG, auch als DVD)
  • Giuseppe Verdi: Macbeth (Lady Macbeth, 1970, Foyer)
  • Richard Wagner: Götterdämmerung (Waltraute, 1964, Decca; 1970, DG; 1989, DG, auch als DVD)
  • Richard Wagner: Lohengrin (Ortrud, 1964, EMI)
  • Richard Wagner: Parsifal (Kundry, 1961, RCA; 1971, Decca)
  • Richard Wagner: Das Rheingold (Fricka, 1988, DG, auch als DVD)
  • Richard Wagner: Tannhäuser (Venus, 1963, DG; 1971, Decca)
  • Richard Wagner: Tristan und Isolde (Brangäne, 1966, DG; 1972, DG)
  • Richard Wagner: Die Walküre (Fricka, 1965, Decca; DG, auch als DVD)
Konzert, Oratorium
  • Johann Sebastian Bach: Matthäus-Passion. BWV 244 (1960, EMI; 1972, DG)
  • Johann Sebastian Bach: Messe h-moll. BWV 232 (1973, DG)
  • Johann Sebastian Bach: Weihnachtsoratorium. BWV 248 (1965, DG)
  • Ludwig van Beethoven: Missa solemnis D-dur op. 123 (1958, EMI)
  • Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 9 d-moll op. 125 (1957, EMI; 1968, Concerto)
  • Leonard Bernstein: Symphony No. 1. „Jeremiah“ (1977, DG)
  • Anton Bruckner: Messe Nr. 3 f-moll (EMI)
  • Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 2 c-moll (1975, Decca; 1987, DG, auch als DVD)
  • Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 3 d-moll (1981, Supraphon; 1987, DG, auch als DVD)
  • Wolfgang Amadeus Mozart: Messe c-moll. KV 427 (1956, Preiser)
  • Wolfgang Amadeus Mozart: Requiem d-moll. KV 626 (1979, EMI)
  • Giuseppe Verdi: Messa da Requiem (1958, EMI; 1963, EMI; 1972, DG)
Lied
  • Ausgewählte Lieder. Brahms, Mahler, R. Strauss, Pfitzner, Berg. (1963/1968, Orfeo)
  • Farewell to Salzburg. Schumann, Mahler, Brahms, Strauss. (1993, RCA)
  • Les Introuvables de Christa Ludwig. (1957–1969; EMI)
  • Gustav Mahler: Kindertotenlieder, Sinfonie Nr. 9, fünf Rückert-Lieder. (1974/1979, DG)
  • Gustav Mahler: Das Lied von der Erde (1965, EMI; 1972, Sony, auch als DVD; 1973, DG)
  • Gustav Mahler: Das Lied von der Erde, Schumann: Frauenliebe und Leben (1983/1966, Praga)
  • Gustav Mahler: Des Knaben Wunderhorn (1969, Sony)
  • Gustav Mahler: Lieder eines fahrenden Gesellen , Kindertotenlieder, vier Lieder (1958/1964, EMI)
  • Franz Schubert: Lieder. Auswahl (1974/1975, DG)
  • Franz Schubert: Die Winterreise (1986, DG)
  • Tribute to Vienna. Beethoven, Schubert, Mahler, Wolf, Bernstein, R. Strauss, Brahms. (1994, RCA, auch als DVD)
  • Hugo Wolf: Italienisches Liederbuch (1975, DG)

[Bearbeiten] Literatur

  • Paul Lorenz: Christa Ludwig, Walter Berry. Bergland, Wien 1968.
  • Christa Ludwig oder Wer singt am schönsten im ganzen Land. In: Joachim Kaiser: Erlebte Musik von Bach bis Strawinsky. Hoffmann und Campe, Hamburg 1977, ISBN 3-455-08942-9, S. 642 f.
  • Wer schweigt, singt besser. In: Berliner Lektionen 1994. Bertelsmann, Gütersloh 1995, ISBN 3-570-12193-3, S. 31–58.
  • Christa Ludwig unter Mitarbeit von Peter Csobádi: „… und ich wäre so gern Primadonna gewesen“ – Erinnerungen. Henschel-Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-89487-337-X.
  • Sinnenzauber. In: Jürgen Kesting: Die großen Sänger des 20. Jahrhunderts. Cormoran, München 1998, ISBN 3-517-07987-1, S. 526–530.
  • Platten hören mit Christa Ludwig. In: Fono-Forum. Nr. 8/1998, S. 34–37.
  • Christa Ludwig: Opfern für den Schönklang. In: Dieter David Scholz: Mythos Primadonna. Parthas, Berlin 1999, ISBN 3-932529-60-X, S. 139–157.

[Bearbeiten] Weblinks

Meine Werkzeuge
Namensräume
Varianten
Aktionen
Navigation
Mitmachen
Drucken/exportieren
Werkzeuge
In anderen Sprachen