Urserental

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen der Talschaft Urseren
Urserental mit Blick auf Realp
Blick von der Furka-Passhöhe ins Urserental
Blick vom Piz Badus am östlichen Rand des Tals mit Andermatt im Vordergrund

Das Urserental (auch Urseren genannt) ist der höchste Abschnitt des Reusstals im Schweizer Kanton Uri.

Geographie[Bearbeiten]

Die Talschaft liegt südlich der Schöllenenschlucht und ist dadurch vom Rest des Kantons abgetrennt. Es bestehen Übergänge zu den Nachbarkantonen über den Furkapass (Richtung Obergoms, Kanton Wallis), den Oberalppass (Richtung Surselva, Kanton Graubünden) und den Gotthardpass (Richtung Leventina, Kanton Tessin). Deshalb führt die Talschaft seit jeher ein eigenes Leben. Die drei Gemeinden des Urserentales bilden die eine der beiden Korporationen des Kantons Uri; der ganze Rest des Kantons gehört zur Korporation «Uri». Die Urseren besteht aus den Gemeinden Andermatt, Hospental und Realp. Geographisch zählt auch ein Teil der Tessiner Gemeinde Airolo nördlich des Gotthardpasses zum Urserental.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Das Urserental und seine Seitentäler gehören zu den weniger dicht besiedelten Tälern der Schweizer Alpen.

Gemeinde Einwohner Fläche Bevölkerungsdichte
Andermatt Andermatt-coat of arms.svg 1‘320 62.15 km² 21.2 Einwohner/km²
Hospental Wappen Hospental.svg 216 34.97 km² 6.2 Einwohner/km²
Realp Realp-coat of arms.svg 133 77.97 km² 1.7 Einwohner/km²
Airolo[Anm. 1] Airolo-coat of arms.svg 0 17.18 km² 0.0 Einwohner/km²
Urserental Wappen Urseren.svg 1‘669 192.27 km² 8.7 Einwohner/km²
  1. Berücksichtigt wird nur das Einzugsgebiet der Gotthardreuss.
Stand: 26. Juli 2014

Geschichte[Bearbeiten]

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

Der älteste urkundlich belegbare Namen der Talschaft ist Ursaria (1234). Der Name geht wahrscheinlich auf romanische Ursprünge zurück und bedeutet so viel wie Bärental. Dem entspricht das alte Wappen der Talschaft, ein in Grün steigender schwarzer Bär mit weissem Kreuz im Rücken. Das Kreuz steht für die ehemalige Zugehörigkeit zum Kloster Disentis.

Die Kolonisation des Urserentals durch die Walser erfolgte vor dem 12. Jahrhundert. Die ursprüngliche romanische Bevölkerung wurde assimiliert. Um das Jahr 800 gelangte die Talschaft in den Besitz des Klosters Disentis, die Bewohner hatten als Kolonisten aber besondere Rechte und Privilegien. So durften sie beispielsweise einen eigenen Ammann wählen, der vom Abt von Disentis mit der niederen Gerichtsbarkeit belehnt wurde. Die hohe Gerichtsbarkeit lag seit 1232 bei den Grafen von Rapperswil, den Kastvögten von Disentis. Das Verhältnis zwischen der Abtei und Urseren war jedoch oft stark gespannt. 1332 kam es zu einem Gefecht auf der Oberalp, das mit einer Niederlage des Abtes endete.

Nach dem Aussterben der Rapperswiler kam die Vogtei über Urseren 1283 an das Haus Habsburg, 1317 an einen niederen Adligen aus Uri. Uri versuchte verschiedentlich, die Talschaft Urseren in seine Gewalt zu bringen, um den Gotthardpass völlig unter seine Kontrolle bringen zu können. 1382 verlieh der deutsche König Wenzel Urseren mit einem Freiheitsbrief die Reichsfreiheit. Diese Freiheit wurde mehrfach bestätigt, zuletzt durch Kaiser Maximilian II. 1566.

1410 schloss die Talschaft Urseren mit dem Kanton Uri ein ewiges Landrecht und gelangte so zur Alten Eidgenossenschaft. Uri übernahm als Schirmort die Vertretung gegen aussen, Urseren blieben im Inneren jedoch weitgehende Freiheiten. Das Landrecht wurde immer wieder erneuert, zuletzt 1779. 1649 wurden die letzten Verpflichtungen gegenüber dem Kloster Disentis losgekauft.

Die letzte Talgemeinde fand am 22. Mai 1798 statt, dann wurde Urseren zuerst Teil des helvetischen Kantons Waldstätte, 1803 Teil des Kantons Uri. Während der Koalitionskriege wurde die Talschaft schwer verwüstet, zeitweise mussten bis zu 10'000 Soldaten unterhalten werden. Russische, französische und österreichische Truppen besetzten die Talschaft abwechslungsweise.

1946 kam es zu bewaffneten Konflikten zwischen der Bevölkerung und der Schweizer Armee aufgrund eines Staudammprojekts, welches vorsah, das ganze Tal zu überfluten (siehe Aktivdienst).

Wirtschaft[Bearbeiten]

Peter Birmann: Teufelsbrücke mit Säumern, 1824

Ein Haupterwerb im Urserental war die Herstellung von Käse. Der «Urseler» oder «Urserer» Käse war im 18. Jahrhundert weithin bekannt und wurde an verschiedene Residenzen geliefert. Der relativ fette Käse wurde in hohe Blöcke geformt und zum Transport in Baumrinde eingewickelt. Zum Verzehr bohrte man ein Loch in den Käselaib und höhlte ihn nach und nach aus. Er galt als Spezialität für Liebhaber, denn man aß ihn erst, wenn er sehr reif war, wodurch er einen starken Geruch entwickelte.

Durch die Lage an mehreren strategisch wichtigen Alpenpässen war während Jahrhunderten das Säumerwesen eine wichtige Einnahmequelle. Durch den zunehmenden Ausbau der Gotthard-Passstrasse und den Bau der Eisenbahn- und Strassentunnels verschwand diese Branche im Laufe des 20. Jahrhunderts gänzlich.[1]

Bedeutendster Wirtschaftszweig ist heute der Tourismus. Der Ferienort Andermatt profiliert sich als Wander- und Wintersportort. Unter der Ägide des Investors Samih Sawiris werden seit 2010 verschiedene Projekte zur Steigerung der touristischen Konkurrenzfähigkeit Andermatts realisiert, darunter Luxushotels, Skigebiete und ein Golfplatz.[2] Das Urserental liegt am Fusse mehrerer bekannter Alpenpässe, und verzeichnet daher viele Logiernächte von Motorrad-Touristen.

Kultur[Bearbeiten]

Die bekannteste Schriftstellerin des Tals ist die Mundart-Lyrikerin Marie Meyer-Bollschweiler (1872-1957). Ihr Gedichtband "Us yysem Urschnertall" behandelt Themen aus Alltag und Brauchtum und ist ein wichtiges Dokument der lokalen Mundart.[3]

Museen[Bearbeiten]

Andermatt:Talmuseum Ursern
Andermatt: St. Kolumban
Andermatt: Teufelsbrücke über der Schöllenschlucht
Hospental: Ortskern mit Pfarrkirche und Turm
  • Talmuseum Ursern, Andermatt (Ausstellung über Natur, Brauchtum, Wirtschafts-, Alltags- und Militärgeschichte im Suworow-Haus von 1786)
  • Nationales Gotthard Museum, Gotthard-Passhöhe (Zeigt die Mythologie und Geschichte des Gotthardpasses und der Region)
  • Festungsmuseum Hospiz Gotthard, Gotthard-Passhöhe (In der ehemaligen Artilleriefestung werden neben Militärgeschichte auch landschaftliche und ökologische Aspekte beleuchtet)[4]

Sakralbauten[Bearbeiten]

  • Kirche St. Kolumban, Altkirch bei Andermatt (Spätromanische Kirche aus dem 13. Jahrhundert, ehemalige Talkirche)
  • Pfarrkirche St. Peter und Paul, Andermatt (1748-1750 errichtete grosszügige Barockkirche mit markantem Turmhelm und reicher Innenausstattung)
  • Friedhofskapelle St. Michael, Andermatt (1640-41 erstellt)
  • Wallfahrtskirche Maria Hilf, Andermatt (1735-1736 oberhalb des Dorfes erbaute barocke Kirche zum Schutz gegen Lawinen, Altarbilder von Melchior Paul von Deschwanden)
  • Kapelle St. Wendelin, Andermatt (1708 an der Oberalp-Passstrasse errichtet)
  • Pfarrkirche Mariae Himmelfahrt, Hospental (1706-1710 erbaute barocke Saalkirche)
  • Kapelle St. Karl, Hospental (1721 geweihte Kapelle mit neubarocker Innenausstattung, angebaut an das ehemalige Pfrundhaus)
  • Kapelle St. Nikolaus, Zumdorf bei Hospental (1719-1720 erbaut)
  • Kapelle St. Josef, Steinbergen bei Hospental (1683 erbaut)
  • Pfarrkirche Heilig Kreuz, Realp (1879-80 errichtete Kirche mit wertvoller neugotischer Ausstattung und Altarbildern von Melchior Paul von Deschwanden)
  • Kapelle Maria Hilf, Tiefenbach bei Realp (1927 erbaut)
  • Hospizkapelle San Gottardo, Gotthard Passhöhe (Auf frühmittelalterlichen Fundamenten errichtete Passkapelle im ehemaligen Kapuzinerhospiz)
  • Totenkapelle, Gotthard Passhöhe (1577 erwähnter, mehrfach erneuerte Kapelle unterhalb der Passhöhe)[5]

Profanbauten[Bearbeiten]

In allen drei Gemeinden der Talschaft befinden sich historische Bauernhäuser aus verschiedenen Epochen. Besonders gut erhalten ist der Ortskern des 1669 abgebrannten und wieder erbauten Hospental.

  • Teufelsbrücke (über die Schöllenenschlucht, erhalten sind die Brücken von 1830 und 1956)
  • Suworow-Denkmal (Monumentaldenkmal im Fels unweit der Teufelsbrücke, 1895-1898 zum Gedenken an die gefallenen Russen beim Durchzug General Suworows 1799 errichtet)
  • Turm, Hospental (1226 erstellt, weithin sichtbares Wahrzeichen des Urserentals)
  • Hotel St. Gotthard, Hospental (1723 errichtetes, prunkvolles Gasthaus vor der alten Brücke von 1681)
  • Gotthard-Hospiz, Gotthard Passhöhe (Diverse historische Gebäude und Denkmäler aus dem 17. bis 20. Jahrhundert)[8]

Wissenschaft[Bearbeiten]

Die Universitäten Bern und Basel unterhalten im Urserental seit April 2009 das Forschungsprojekt VALUrsern. Untersucht wird der Einfluss einer veränderten Landnutzung auf die Hydrologie der Region.[9]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ursern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Arthur Wyss: Verkehr am St. Gotthard, in: Carlo Bonetti (Hg.): Nationales Gotthard Museum, Airolo 1989, S. 92-117.
  2. Projektbeschreibung von Orascom (26. Juli 2014)
  3. Marie Meyer-Bollschweiler: Us yysem Urschnertall, Andermatt 1982.
  4. Andermatt Andermatt Tourismus (26. Juli 2014)
  5. Kunstführer durch die Schweiz. Band 2, Bern, 2005, S. 570 und 902-906
  6. 100 Jahre Evangelisch Reformierte Kirche in Uri. 1885-1985, Schattdorf 1985, S. 13-15.
  7. Website der Chilä Altkirch (26. Juli 2014)
  8. Kunstführer durch die Schweiz. Band 2, Bern, 2005, S. 570 und 902-906
  9. Forschungsbericht der Universität Bern (22. März 2011)

46.6125998.543898Koordinaten: 46° 36′ 45″ N, 8° 32′ 38″ O; CH1903: 684667 / 162967