Völkermord an den Aramäern

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.
Ablauf des Aramäischen Völkermordes:
In Rot Städte, in denen der Völkermord stattfand.
In Grün Städte, die Flüchtlinge aufnahmen
Karte aus dem Jahr 1896 mit der Darstellung der armenischen und sonstigen christlichen Bevölkerung in den östlichen osmanischen Provinzen. In Regionen, in denen die nichtarmenische christliche Bevölkerung zahlreicher als die armenische war, bestand sie vorwiegend aus Aramäern, ausgenommen der Schwarzmeerküste, deren nichtarmenische christliche Bevölkerung sich hauptsächlich aus Pontiern zusammensetzte. Aramäer lebten hauptsächlich in den südlichen und südöstlichen Provinzen

Der Völkermord an den Aramäern/Assyrer (aramäisch: ܩܛܠܥܡܐ ܐܪܡܝܐ; Seyfo Abkürzung von Schato d'Seyfo für „Jahr des Schwertes“) erfolgte in den Jahren 1915 bis 1917 im damaligen Osmanischen Reich zeitgleich mit dem wesentlich bekannteren Völkermord an den Armeniern und den Verfolgungen der Griechen. Es waren alle den Aramäern gleichgestellte Personenkreise gemeint, die als Assyrer, auch als Chaldo-Assyrer, einer aramäischsprachigen christlichen Volksgruppe in der Türkei angehörten und innerhalb des Territoriums des damaligen Osmanischen Reiches sowie im Iran lebten.

Erster Weltkrieg und Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Das Jahr 1915 ging bei den Suryoye, einem hauptsächlich in den Regionen Tur Abdin, Hakkâri und Urmia lebenden christlichen Volk, als „Jahr des Schwertes“ (aram.: Sayfo) in die Geschichte ein. Nach dem Scheitern ihres Angriffs auf Kaukasien und Nordpersien ermordeten Türken und Kurden damals Armenier, Aramäer/Assyrer und andere Christen, die sich der russischen Gegenoffensive angeschlossen hatten. In Urmia beispielsweise töteten sie 1915 mehrere tausend Gläubige. Im gesamten Gebiet fielen ihnen die meisten Nestorianer zum Opfer, insgesamt rund 47.000. Kurz vor Kriegsende töteten türkische Truppen in Baku und Umgebung noch bis zu 30.000 Armenier. Zusammengenommen haben die Jungtürken allein während der zwischen Mai und September 1918 laufenden Invasion in Kaukasien 50.000 bis 100.000 Armenier und andere orientalische Christen getötet. Insgesamt starben etwa zwei Millionen Christen, darunter 500.000 bis 750.000 Aramäer.[1]

Nicht unerwähnt sollten auch die Christen aus der damaligen türkischen Provinz Syrien und dem Libanon bleiben. Die Jungtürken zeigten sich unempfindlich gegenüber dem Leid der vermeintlich illoyalen christlichen Untertanen und leisteten einer Hungersnot, die den Tod von zuletzt 100.000 Menschen nach sich zog, vermutlich sogar Vorschub.[1]

Einige aramäische Christen in den großen Städten entkamen dem Tod nur durch die Hilfe US-amerikanischer Missionare und des Apostolischen Nuntius. Andere wurden in den Dörfern durch das mutige Eingreifen einiger türkischer Beamter gerettet oder konnten bei türkischen oder kurdischen Freunden versteckt werden. Gleichzeitig versuchten US-amerikanische anglikanische und lutherische Missionare, die alten Christengemeinden im Orient zum Protestantismus zu bekehren. Diese Bemühungen sind bis vor kurzem noch nicht eingestellt worden. Die vom Lausanner Vertrag (1923) garantierten Kollektivrechte, die Armeniern, Griechen und Juden die Ausübung ihrer Religion ermöglichen sollen, wurden den west- und ostsyrischen Christen nicht gewährt. Mittlerweile übt die EU in dieser Angelegenheit Druck aus.

Nachgeschichte[Bearbeiten]

Nach mehreren Berichten, so der Gesellschaft für bedrohte Völker durch Tessa Hofmann, wurden die west- und ostsyrischen Christen Opfer grausamer Verfolgung und Vertreibung. Die Aramäer verloren in den nördlichsten Gebieten Obermesopotamiens und im Iran über 50 Prozent ihrer Gesamtbevölkerung. Bis auf spärliche Reste wurden sie aus ihren alten Siedlungsgebieten vertrieben und mussten unter schwierigsten Bedingungen jahrelang in Lagern zubringen, die unter Aufsicht des Völkerbundes standen.

Heutige Situation[Bearbeiten]

Gedenktafel zum Völkermord in Paris, Frankreich

Das Nationalbewusstsein der Suryoye wurde vom Genozid geprägt, denn die Leiden, Massaker und Verschleppungen sind tief in der Erinnerung dieses Volkes gegenwärtig. Der Genozid und die ständigen Leiden gaben diesem Volk eine von diesen Erfahrungen bestimmte eigene Identität. Die ethnisch-demographischen Veränderungen durch den Genozid, die gleichzeitige und nachhaltig wirksame Islamisierung durch Araber, Türken und Kurden sowie die Auswanderung aus den Ursiedlungsgebieten, bedingt durch Verfolgung und Massaker, haben die Identität der späteren Bewohner der Region stark verändert.

Wenngleich sich die geflohenen und vertriebenen Christen aus dem Tur Abdin und Hakkâri in Europa und Übersee eine neue Existenz aufgebaut haben, bestehen viele Verbindungen in die alte Heimat. Da die Suryoye keinen eigenen Nationalstaat, wie die Armenier, besitzen, kämpfen sie in den Aufnahmeländern um ihre Anerkennung als ethnische Minderheit. Die historische Auseinandersetzung mit diesen Ereignissen ist schwierig, da Teilaspekte des Geschehens aufgrund der Unauffindbarkeit eines Teils der osmanischen Archive und weiterer wichtiger Quellen nicht restlos aufgeklärt sind. Eine differenzierte Bewertung wird durch die offizielle Leugnungspolitik der Türkei erschwert.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Deutschsprachig
  • Wilhelm Baum: Die Türkei und ihre christlichen Minderheiten: Geschichte – Völkermord – Gegenwart, Kitab Verlag, Klagenfurt-Wien 2005, ISBN 3-902005-56-4
  • Gabriele Yonan: Ein vergessener Holocaust. Die Vernichtung der christlichen Assyrer in der Türkei, Pogrom-Taschenbücher Bd. 1018, Reihe bedrohte Völker, Göttingen und Wien 1989, ISBN 3-922197-25-6
  • Tessa Hofmann (Hrsg.): Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung der Christen im Osmanischen Reich 1912-1922. Münster, LIT, 2004, ISBN 3-8258-7823-6.
  • Sleman Henno (Hrsg.): Die Verfolgung und Vernichtung der Syro-Aramäer im Tur Abdin 1915, Bar Hebräus Verlag, NL 7585 PK Glane/Losser 2005, ISBN 90-5047-025-4
  • Bat Ye’or: Der Niedergang des orientalischen Christentums unter dem Islam. 7.-20. Jahrhundert. Zwischen Dschihad und Dhimmitude. Resch, Gräfeling, 2002. ISBN 3-935197-19-5. Besonders Kapitel 6: Von der Emanzipation zum Nationalismus 1820-1876 (Seiten 183-201) und Kapitel 7: Die vom Nationalismus geprägten Bewegungen 1820-1918 (Seiten 203-238)
International
  • David Gaunt: Massacres, Resistance, Protectors: Muslim-Christian Relations in Eastern Anatolia during World War I, Gorgias Press LLC, 2006, ISBN 1-59333-301-3
  • Joseph Yacoub: La question assyro-chaldéenne, les Puissances européennes et la SDN (1908-1938), 4 vol., thèse Lyon, 1985, p. 156
  • Joseph Naayem: Les Assyro-Chaldéens et les Arméniens massacrés par les Turcs. Documents inédits recueillis par un témoin oculaire, Paris, Bloud et Gay, 1920
  • Jacques Rhétoré: Les chrétiens aux bêtes. Souvenirs de la guerre sainte proclamée par les Turcs contre les chrétiens en 1915, Les éditions du cerf, Paris 2005 ISBN 2-204-07243-5

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Asyrischer Völkermord – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b R.J. Rummel: Death by Government. Genocide and Mass Murder Since 1900, Transactions Publishers, New Brunswick, N.J. 1994, 1995 und 1996, ISBN 1-56000-145-3, S. 228-229.