Cizre

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Cizre
Wappen fehlt
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Cizre (Türkei)
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Basisdaten
Provinz (il): Şırnak
Koordinaten: 37° 20′ N, 42° 12′ O37.32542.195833333333377Koordinaten: 37° 19′ 30″ N, 42° 11′ 45″ O
Höhe: 377 m
Einwohner: 104.844[1] (2011)
Telefonvorwahl: (+90) 486
Postleitzahl: 73200
Kfz-Kennzeichen: 73
Struktur und Verwaltung (Stand: 2014)
Bürgermeister: Leyla İmret (BDP)
Webpräsenz:
Landkreis Cizre
Einwohner: 122.967[1] (2011)
Fläche: 468 km²
Bevölkerungsdichte: 263 Einwohner je km²
Kaymakam: Mehmet Ali Sağlam
Webpräsenz (Kaymakam):

Cizre (kurdisch Cizîr, auch Cizîra Botan; aramäisch ܓܙܝܼܪܵܐ Gziro) ist eine türkische Kreisstadt in der Provinz Şırnak in Südostanatolien mit 104.844 Einwohnern (Stand Ende Dezember 2011), überwiegend kurdischer Abstammung.

Lage[Bearbeiten]

Die Stadt Cizre liegt 45 km von der Provinzhauptstadt Şırnak entfernt an der türkisch-syrischen Grenze am Fluss Tigris. Unmittelbar nördlich der Stadt wurde der Cizre-Staudamm des Tigris errichtet. Cizre markiert den Punkt, an dem der Tigris am entferntesten vom Euphrat ist. Der Tigris ist ab Cizre schiffbar, was der Stadt eine Bedeutung als Hafen gab. In Cizre endet die wichtigste Fernstraße (Fernbusverkehr) in den Südosten der Türkei mit dem Grenzübergang in den äußersten Nordostzipfel Syriens und dem nahegelegenem Grenzübergang (Silopi) in den nordwestlichen Irak (Dreiländereck).

Östlich der Stadt ist der Cudi Dağı (2.114 m), an dem nach islamischer Tradition Noach mit seiner Arche Noah gestrandet ist. Die Stadt liegt am nördlichen Ende der Al-Dschazira-Ebene. Mit 104.844 Einwohner leben in Cizre mehr Menschen als in der Provinzhauptstadt Şırnak.

Name[Bearbeiten]

Der antike aramäische Name der Stadt war Gazarta d' Kardū. Unter den Persern hieß sie Gazarta. Auch die Festung Bāzabdā, bekannt aus den Feldzügen Schapurs II., wird mit Cizre oder Eski Hendek[2] gleichgesetzt. Die Abbasiden benannten die Stadt nach ihrem Statthalter Omar in Djasirat-ibn ʿUmar um. Unter den kurdischen Fürsten hieß die Stadt Cizîra Botan. Die Aq Qoyunlu nannten sie Ceziretuşşeref (Ehrenwertes Cizre). Der osmanische Name der Stadt lautete Cezire-i İbn-i Ömer. Nach der Gründung der Türkei 1923 wurde der Name zum heutigen Cizre verkürzt.

Cizre leitet sich vom arabischen Wort für Dschazira (arabisch ‏جزيرة‎ ‚Insel‘) ab, da hier der Tigris bei Hochwasser die Stadt wie eine Insel umspült.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Die Bevölkerung der Stadt nahm mit ihrer Bedeutung vom 19. bis zum 20. Jahrhundert ab. 1890 betrug sie 9.560 und fiel bis 1940 auf 5.575. 1960 stieg sie auf 6.473 und ist heute bei 104.844 Einwohnern. Der gesamte Landkreis Cizre hat 122.967 Einwohner. Der überwiegende Teil der Einwohner sind Kurden. In der Vergangenheit gab es auch arabische und aramäische Einwohner.

Geschichte[Bearbeiten]

Cizre war möglicherweise das Zentrum des eisenzeitlichen Königreiches von Kumme. Im 10. Jahrhundert war die Stadt, zusammen mit Mosul, das Zentrum der ʿUquail.[3] Die Stadt wird mit dem Ort Bāzabdā gleichgesetzt. Hier überquerte Alexander der Große auf seinem Zug gegen die Perser den Tigris. Im Mittelalter gehörte Cizre zu verschiedenen Reichen wie den Marwaniden, den Zengiden und Ayyubiden. Ab dem 16. Jahrhundert war Cizre Teil des Osmanischen Reiches.

Die Stadt war vom 15. bis zum 19. Jahrhundert Sitz des kurdischen Fürstentums von Botan, das zeitweise ein Vasall verschiedener Reiche war. Hier herrschte die kurdische Familie der Azizan, deren letzter Herrscher Bedirxan Beg war.

Verwaltung[Bearbeiten]

Cizre ist die einzige Stadt im Landkreis mit einem Bürgermeisteramt. Die Stadt besteht aus zehn Mahallen. Im Landkreis gibt es 27 Dörfer und 19 Weiler.

Klima[Bearbeiten]

Im Sommer können die Temperaturen bis auf 50 °C steigen.

Politik[Bearbeiten]

Bei den Kommunalwahlen 2014 wurde mit Leyla İmret (BDP) eine 26-jährige Friseurin aus Bremen zur Bürgermeisterin gewählt. Sie erhielt 81,6 Prozent der Stimmen. [4] Imret wurde in Cizre geboren und wuchs seit ihrem siebten Lebensjahr in Deutschland auf. 2013 ging sie in ihren Geburtsort zurück.[5]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

In Cizre befindet sich ein Grabmal, in dem angeblich Noah begraben ist. Des Weiteren gibt es hier die angeblichen Gräber von Mem und Zin, den Helden des Buches Mem u Zin. Die Große Moschee (Ulu Cami) ist eine der bedeutendsten Moscheen in Südostanatolien. Sie stammt aus dem 13. Jahrhundert [6]

Bekannte Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Cizre – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Türkisches Institut für Statistik, abgerufen 26. Mai 2012
  2. Nigel Pollard, Soldiers, cities, and civilians in Roman Syria, Ann Arbour, University of Michigan Press 2000, 288
  3. M. B. Rowton, Urban Autonomy in a Nomadic Environment. Journal of Near Eastern Studies 32/1/2, 1973,201-215
  4. http://secim.haberler.com/cizre-onceki-secimler/
  5. http://www.fr-online.de/tuerkei/tuerkei-friseurin-aus-bremen-wird-buergermeisterin,23356680,26784292.html
  6. A. Beril Tuğrul, A Radiographic Study of the Door of the Great Mosque (Ulucami) at Cizre. Journal of Near Eastern Studies 55/33, 1996, 187-194