Verblendung (2009)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel Verblendung
Originaltitel Män som hatar kvinnor
Verblendung 2009 Logo.jpg
Produktionsland Schweden, Dänemark, Deutschland, Norwegen
Originalsprache Schwedisch
Erscheinungsjahr 2009
Länge Kinofassung: 146 Minuten,
Extended Cut: 178 Minuten
Altersfreigabe FSK 16[1]
JMK 16[2]
Stab
Regie Niels Arden Oplev
Drehbuch Nikolaj Arcel,
Rasmus Heisterberg,
Roman: Stieg Larsson
Produktion Søren Stærmose
Musik Jacob Groth
Kamera Eric Kress
Schnitt Anne Østerud
Besetzung

Verblendung (Originaltitel: Män som hatar kvinnor, wörtliche Übersetzung: Männer, die Frauen hassen) ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Stieg Larsson und der erste Teil der Millennium–Trilogie. Regie führte der Däne Niels Arden Oplev. Der Film kam am 27. Februar 2009 in die schwedischen Kinos. Der Kinostart in Deutschland war am 1. Oktober 2009.[3][4] Der zweite Kinofilm heißt Verdammnis, nach dem gleichnamigen Roman. Von David Fincher wurde 2011 eine Neuverfilmung gedreht, siehe unter Verblendung (2011).

Der Film wurde von der Produktionsfirma Yellow Bird in Zusammenarbeit mit dem Schwedischen Fernsehen und ZDF Enterprises produziert.[5]

Handlung[Bearbeiten]

Der Unternehmer Henrik Vanger bekommt jedes Jahr eine gepresste Blume anonym zu seinem Geburtstag geschickt. Ursprünglich erhielt er sie stets von seiner Nichte Harriet, bis sie im Sommer 1966 plötzlich spurlos verschwand. Im Alter von 82 Jahren möchte Vanger noch einmal versuchen, ihr Verschwinden aufzuklären. Er vermutet, nach dem Verschwinden seiner Nichte die Blumen von deren Mörder zu erhalten, und beauftragt den Enthüllungsjournalisten Mikael Blomkvist mit den Recherchen. Dieser ist bei Ermittlungen gegen den kriminellen Unternehmer Wennerström auf gefälschte Beweise hereingefallen und wegen Verleumdung zu drei Monaten Haft verurteilt worden. Bis zum Strafantritt verabschiedet er sich von der Redaktion seiner eigenen Zeitschrift Millennium und nimmt Vangers großzügig gestaltetes Angebot an, zumal er selbst noch Kindheitserinnerungen an Harriet hat.

Vangers Rechtsanwalt hat Blomkvist zuvor durch eine Detektei überprüfen lassen, die hierfür die junge Hackerin Lisbeth Salander eingesetzt hat. Diese steht wegen ihrer gewaltreichen Kindheit und eines psychiatrischen Gutachtens unter Vormundschaft. Ihr derzeitiger Vormund, der Rechtsanwalt Bjurman, benutzt seine Machtposition erpresserisch, um sie sexuell zu nötigen, bis hin zur sadistischen Vergewaltigung. Lisbeth versteht es jedoch, den Spieß umzudrehen: Sie nimmt eine der Misshandlungen auf Band auf und droht, diese zu veröffentlichen, wenn er sie nochmal behelligen sollte.

Mit Hilfe von Lisbeth gelingt es Blomkvist, neue Spuren zu verfolgen. Das Verschwinden Harriets steht mit einer Reihe von sexuell motivierten Frauenmorden in Verbindung. Es gelingt den beiden unter Lebensgefahr, die Serienmorde aufzuklären, wobei sie zunächst Harald Vanger (Henriks älteren Bruder) verdächtigen. Blomkvist dringt in Haralds Haus ein, wird von diesem gestellt und mit einem Gewehr bedroht. Martin, Haralds im Hause anwesender Neffe, beschwichtigt Harald. Er geht mit Blomkvist in sein eigenes nahegelegenes Haus, und dieser erzählt ihm, dass er Harald für den Täter hält. Als Martin erfährt, dass Salander alte Reisebelege aus den Akten des Unternehmens von Vanger mit den Tatorten der verübten Morde abgleicht, glaubt er, dass er in Kürze als Serienmörder überführt würde. Er überwältigt Blomkvist und beginnt, ihn in seinem Folterkeller zu misshandeln, in der Absicht, ihn letztendlich zu töten. In letzter Minute erscheint Lisbeth, die Vanger mit einem Golfschläger niederschlägt und Blomkvist vor dem sicheren Tod rettet. Martin Vanger flieht mit seinem Auto, wird von Lisbeth verfolgt und rast eine Böschung hinab, wobei er in dem Wrack eingeklemmt wird. Statt ihm zu helfen beobachtet Lisbeth mit Genugtuung, wie Martin in dem brennenden Autowrack stirbt.

Entgegen allen Vermutungen war Harriet jedoch keines der Opfer Martins. Sie war jahrelang durch den eigenen Vater und Martin sexuell missbraucht worden, bis sie schließlich den betrunkenen Vater in einem See so lange unter Wasser hielt, bis dieser ertrank. Vor diesem Hintergrund, den weiter drohenden sexuellen Missbrauchshandlungen durch Martin und der Lebensgefahr, der sie als Zeugin ausgesetzt war, entzog sie sich durch eine gewagte Flucht und lebte fortan unter einer falschen Identität als Farmerin in Australien. Dort spürt Blomkvist sie auf und führt sie und Henrik Vanger wieder zusammen.

Nachdem Blomkvist seine dreimonatige Haft angetreten hat, sieht er im Fernsehen einen Bericht über eine unbekannte junge Frau, die sich durch Zugang zu Wennerströms Konten enorm bereichert hat. Auf den durch eine Überwachungskamera aufgenommenen Bildern erkennt er, dass dies Lisbeth war. Als Nebenergebnis hatte sie weiteres belastendes Material gegen Wennerström gefunden, mit dem Blomkvist ein Enthüllungsbuch schreiben und seinen guten Ruf wieder herstellen kann. Eines Tages wird die Leiche des durch Selbstmord umgekommenen Wennerström gefunden.

Bibel[Bearbeiten]

Im Film spielen die Ritual- und Opfergesetze in 3. Mose (Levitikus) eine wichtige Rolle: Die von Harriet notierten Frauenmorde verliefen nach der Beschreibung in den Bibelstellen. Zitiert werden dabei in der Reihenfolge des Films die Verse 1.12, 20.16, 20.27, 12.8 und 20.18.

Fassungen[Bearbeiten]

Ursprünglich sollte der Film fast drei Stunden dauern und war nicht fürs Kino vorgesehen. Schließlich entschied man sich aber, den Film doch im Kino zu zeigen, straffte allerdings die Handlung, um ihn zu kürzen. Die Originalversion wurde in Schweden und den Niederlanden auf DVD veröffentlicht, sowie als Zweiteiler durch das ZDF im Fernsehen ausgestrahlt. In dieser längeren Fassung, die als Extended Version veröffentlicht wurde, ist die Affäre zwischen Mikael Blomkvist und Erika Berger wieder integriert und auch einige andere Elemente aus der Buchvorlage, die der Kinofassung fehlten.

Abweichungen von der Buch-Vorlage[Bearbeiten]

Die Drehbuchautoren haben mehrere Verkürzungen und Straffungen des Inhalts der Buchvorlage vorgenommen. Die Ereignisse in Martin Vangers Folterkeller werden im Film durch die Polizei untersucht. Im Buch ist dies nicht der Fall, was Mikael Blomkvist in schwere Zweifel an seiner Rolle als Journalist stürzt. Mikael Blomkvist wird im Buch als Frauenschwarm beschrieben. Sein Liebesverhältnis mit Erika Berger, die verheiratet ist und deren Mann um das Verhältnis weiß und es akzeptiert, wird im Film nur in der Langfassung gezeigt, genauso wie der Zusammenhang der Untersuchungen auf dem Gelände der Vangers. Im Film hat Henrik Vanger statt vier Brüdern nur drei, zudem wird Gottfried Vanger als sein Bruder dargestellt, wogegen er im Roman sein Neffe ist. Die Ermittlungen Blomkvists zum Verschwinden von Harriet Vanger werden im Buch streng geheim gehalten. Im Film ist es die Hauptgeschichte. Zudem lebt Anita noch und ist nicht – wie im Film – gestorben. Außerdem stirbt Martin Vanger im Buch, nachdem er in einen Lastwagen rast. In der Verfilmung wird er von der Straße geschleudert und liegt unter seinem Auto begraben, welches sich selbst entzündet. Auch in der chronologischen Abfolge der Ereignisse gibt es große Abweichungen vom Buch. Wirtschaftliche Zusammenhänge, die im Roman umfangreichen Raum einnehmen, werden im Film nur kurz angerissen.

Kritik[Bearbeiten]

„Stimmungsvoll-düsterer Film, der hinter einer an aktuellen US-Serien und -Thrillern geschulten Ästhetik einen klassischen Kriminalplot zwar etwas überraschungsarm, aber durchaus solide entwickelt und seine konventionellen Stilmittel bis auf wenige Schwächen effektiv einsetzt.“

film-dienst 20/2009

„Regisseur Niels Arden Oplev, der zuvor Serien für das schwedische Fernsehen drehte, gelingt mit "Verblendung" ein hochklassiger Thriller auf internationalem Niveau. Grau, trüb und regennass – so präsentiert sich der Schauplatz Schweden in der zweieinhalbstündigen Krimi-Tour-de-Force. Oplevs Film wirft einen ungeschminkten Blick in grausamste menschliche Abgründe. Die Folterszenen sind schwer zu ertragen, und auch was die rein psychische Brutalität angeht, kann es der Schocker durchaus mit dem großen Genrevorbild "Das Schweigen der Lämmer" aufnehmen – obwohl "Verblendung" ohne eine charismatische Figur wie Hannibal Lecter auskommen muss. Der am Ende präsentierte Bösewicht verfügt nicht annähernd über die perfide Ausstrahlung eines Anthony Hopkins. […] Fazit: Kraftvolle, hochgradig spannende Verfilmung des Bestsellers von Stieg Larsson: Endlich ein europäischer Thriller auf bestem Hollywood-Niveau!“

Cinema[6]

„‘Männer, die Frauen hassen’ heißt Larssons Buch im Original, und dieser Hass ist der bürgerlichen, autoritären Gesellschaft eingeboren, das Unbehagen an ihrer Kultur, wie es schon Bergmans Kino Jahrzehnte heimgesucht hat. Der Film kann in diesem Punkt die Essenz der Bücher bewahren, die bestürzend und grandios beides zusammenbringen, die politische mit der sexuellen Perversion, den Faschismus mit dem Sadismus. […] Den großen epischen Atem, den der Roman entfaltet, kann der Film nicht durchhalten, dem horizontalen Drive, der Action, überlagert sich ein Sog in die Tiefe. Die weitläufigen Familiengeschichten sind nur rudimentär bewahrt, aber der Film beschwört die poetische Kraft der Erinnerung und ihres Hilfsmittels, der Fotografie.“

Fritz Göttler: sueddeutsche.de[7]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Der Film gewann mehrere internationale Film- und Festivalpreise sowie Fernsehpreise, da Verblendung sowohl als Kinofilm ausgewertet als auch als Fernsehmehrteiler ausgestrahlt wurde.

Jahr Veranstaltung Kategorie(n)
2009 Amanda nominiert in der Kategorie Bester ausländischer Film
2009 Europäischer Filmpreis nominiert in den Kategorien Beste Darstellerin (Noomi Rapace), Beste Filmmusik und Publikumspreis
2010 Palm Springs International Film Festival Publikumspreis („Best Narrative Feature“)
2010 Guldbagge Bester Film, Beste Hauptdarstellerin (Noomi Rapace) und Publikumspreis, nominiert in den Kategorien Bester Nebendarsteller (Sven-Bertil Taube) und Beste Kamera
2010 Festival de Télévision de Monte-Carlo Goldene Nymphe in der Kategorie Beste Darstellerin – Fernsehmehrteiler (Noomi Rapace)
2010 Satellite Awards Beste Hauptdarstellerin – Drama (Noomi Rapace) und Bester fremdsprachiger Film, nominiert in der Kategorie Bestes adaptiertes Drehbuch
2010 Washington DC Area Film Critics Association Awards nominiert in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film
2010 New York Film Critics Online Awards Beste Nachwuchsdarstellerin („Breakthrough Performer“)
2010 Las Vegas Film Critics Society Awards Bester fremdsprachiger Film, nominiert in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin (Noomi Rapace)
2010 Houston Film Critics Awards Bester fremdsprachiger Film, nominiert in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin (Noomi Rapace)
2010 London Film Critics Circle Awards nominiert in der Kategorie Beste Darstellerin des Jahres (Noomi Rapace)
2010 St. Louis Gateway Film Critics Association Awards nominiert in den Kategorien Beste Hauptdarstellerin (Noomi Rapace) und Bester fremdsprachiger Film
2011 Broadcast Film Critics Association Awards Bester fremdsprachiger Film, nominiert in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin (Noomi Rapace)
2011 British Academy Film Award Bester nicht-englischsprachiger Film, nominiert in den Kategorien Beste Hauptdarstellerin (Noomi Rapace) und Bestes adaptiertes Drehbuch

Roman zum Film[Bearbeiten]

Gleichzeitig mit dem Film erschien vom Heyne Verlag eine Sonderedition des Romans Verblendung mit dem Titel Verblendung – Der Roman zum Film.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Freigabekarte der FSK (PDF; 82 kB)
  2. Freigabekarte der JMK
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatJoachim Kurz: Verblendung. Kino Zeit, abgerufen am 17. September 2009.
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatStieg Larssons Bestseller "Verblendung" - Thriller auf Hollywood-Niveau. Cinema.de, abgerufen am 17. September 2009.
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatStieg Larsson’s Men Who Hate Women to premiere in Scandinavia. 13. Februar 2009, abgerufen am 19. September 2009 (englisch).
  6. Cinema.de: Filmkritik
  7. Fritz Göttler: Männer, die Frauen hassen. In: Süddeutsche Zeitung. 30. September 2009, abgerufen am 23. Februar 2014.