Heinrich Graf von Lehndorff-Steinort

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Heinrich Ahasverus Graf von Lehndorff-Steinort (* 22. Juni 1909 in Hannover; † 4. September 1944 in Berlin-Plötzensee) war einer der Beteiligten an der Verschwörung des 20. Juli 1944 gegen Adolf Hitler. Er war ein Enkel von Heinrich von Lehndorff.

Leben[Bearbeiten]

Das ehemalige Lehndorffsche Schloss in Steinort, Foto aus dem Jahr 2004
Das verfallene Lehndorffsche Schloss
Gedenkstein im Park von Schloss Steinort

Lehndorff, von dem ostpreußischen Grafengeschlecht Lehndorff abstammend, studierte nach seinem Abitur an der Klosterschule Roßleben in Frankfurt am Main Volks- und Betriebswirtschaft und übernahm 1936 die Leitung des Familienguts Steinort am Mauersee (Kreis Angerburg, Masuren) in Ostpreußen. Er kümmerte sich intensiv um den Gutsbetrieb und ließ voller Energie das vernachlässigte Schloss mit Hilfe von Berliner Restauratoren grundhaft sanieren. Lehndorff teilte sich das Schloss ab 1941 mit dem Reichsaußenminister von Ribbentrop, der in einem Flügel residierte.

Lehndorff und seine Schwester Sissi waren mit ihrer Cousine Marion Gräfin Dönhoff eng befreundet.

Während des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg wurde für Lehndorff -Ordonnanzoffizier bei der Heeresgruppe Mitte- im Oktober 1941 ein Massaker an 7000 Juden in Borissow zum entscheidenden Grund, sich dem militärischen Widerstand gegen das NS-Regime anzuschließen.[1] Als Oberleutnant der Reserve war Lehndorff Verbindungsoffizier der „Operation Walküre“ zum Wehrkreis I in Königsberg. Er hatte Urlaub von der Wehrmacht zur Führung seines sehr großen Gutsbetriebes. Einen Tag nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 wurde Lehndorff verhaftet. Zweimal hat er fliehen können, in Steinort und in Berlin. Lehndorff wurde am 3. September durch den Volksgerichtshof zum Tod verurteilt und am darauf folgenden Tag erhängt. An ihn und weitere Opfer des Nationalsozialismus erinnert die Gedenkstätte Plötzensee.

Am 22. Juni 2009 wurde zum 100. Geburtstag von Heinrich Graf von Lehndorff am Schloss Steinort in Masuren ein Gedenkstein eingeweiht.

Nachkommen[Bearbeiten]

Heinrich von Lehndorff hinterließ seine Ehefrau Gottliebe, geb. Gräfin von Kalnein (1913–1993), die ein Internierungslager überlebte, und vier Töchter

  • Maria-Eleonore 'Nona', lebt als Inneneinrichterin auf Mallorca, war von 1957–1974 mit Jan von Haeften verheiratet, einem Sohn des Widerstandskämpfers Hans Bernd von Haeften, und lebt nun zusammen mit Wolf Siegfried Wagner (Sohn von Wieland Wagner)
  • Vera Gottliebe Anna, wurde und ist als Fotomodell und Schauspielerin Veruschka von Lehndorff bekannt
  • Gabriele Pauline Agnes heiratete 1968 Armin Edler Herr und Freiherr von Plotho, arbeitete auch als Homöopathin
  • Catharina, war mit Hendrik Kappelhoff-Wulff verheiratet, sie ist Gürteldesignerin und lebt im Stadtteil Harvestehude in Hamburg, die wie ihre Mutter in Sippenhaft genommen wurde. Die drei älteren Kinder wurden in ein Kinderheim im Borntal bei Bad Sachsa eingewiesen. Von dort gelangten sie auf Intervention von Lehndorff-Steinorts Cousine Marion Gräfin Dönhoff (deren Großmutter und Schwägerin aus der Familie von Lehndorff stammten) nach dem Krieg wieder in die Obhut ihrer Familie.

Seine Frau Gottliebe erbte und verkaufte später Gut Conow von ihrer Mutter und zog in den Alten Pfarrhof nach Peterskirchen, nahe Wasserburg/Bayern, wo sie zusammen mit dem Aktionskünstler und Philosophen Fritz Schranz Kurse für Kunst und Philosophie veranstaltete.

Ein Vetter von Heinrich von Lehndorff war Hans Graf von Lehndorff, der Autor des "Ostpreußischen Tagebuchs" (1945-1947).

Straßenname[Bearbeiten]

Graf-Lehndorff-Straße in München - Riem

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Antje Vollmer: Doppelleben. Heinrich und Gottliebe von Lehndorff im Widerstand gegen Hitler und von Ribbentrop. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-8218-6232-3.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Antje Vollmer: Doppelleben. Heinrich und Gottliebe von Lehndorff im Widerstand gegen Hitler und von Ribbentrop. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-8218-6232-3, S. 151-153.