Wadi Draa

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Wadi Draa
Oued Draâ, Wadi Darha, Wadi Dara
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Draa River.jpg
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Lage Grenze Marokko/Algerien
Flusssystem Wadi Draa
Ursprung Talsperre El Mansour Eddahbi bei Ouarzazate (Marokko)
30° 54′ 45″ N, 6° 45′ 36″ W30.912387-6.759954
Mündung ca. 10 km südwestlich Kap Nun, 20 km nördlich Tan-Tan (Süd-Marokko) in den Atlantischen Ozean28.682222222222-11.123333333333Koordinaten: 28° 40′ 56″ N, 11° 7′ 24″ W
28° 40′ 56″ N, 11° 7′ 24″ W28.682222222222-11.123333333333
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Länge 1100 kmVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Mittelstädte Zagora
Kleinstädte Agdz, Mhamid

Das Wadi Draa (auch Darha oder Dara; arabisch ‏وادي درعة‎, DMG Wādī Darʿa) ist ein regelmäßig austrocknender Fluss, ein Wadi, in Nordafrika mit einer (theoretischen) Länge von etwa 1100 Kilometern. Als Fluss ist er nur bis Zagora erkennbar; dahinter trocknet er die meiste Zeit des Jahres hindurch aus, obwohl sein Bett noch durch vereinzelte Oasen bis Mhamid wahrnehmbar bleibt. Der Draa bildet im Südwesten des Landes etwa 390 Kilometer lang die − immer noch umstrittene − Grenze zu Algerien und ist − nach seltenen aber manchmal heftigen Regenfällen − der längste Fluss des Landes.

Geografie[Bearbeiten]

Der Oued Draa entspringt den zwei Nebenflüssen Dades und Imini im Westen des Atlasgebirges, die sich bei Ouarzazate in der Talsperre El Mansour Eddahbi vereinen. Er schlängelt sich zwischen dem Hohen Atlas, dem Antiatlas und der Djebel Sarhro-Gebirgskette Richtung Süden, um dann etwa bei der Stadt Tagounite Richtung Westen entlang der algerischen Grenze weiter zu fließen, bis er nach Ost-West-Durchquerung Marokkos durchschnittlich 100 bis 150 Kilometer nördlich der Grenze zur Westsahara als steinerner Fluss in den Atlantischen Ozean mündet.

Der im Periplus des karthagischen Admirals Hanno genannte Fluss Lixos ist aller Wahrscheinlichkeit nach mit dem Wadi Draa identisch.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Aus allen wichtigen Perioden der Vorgeschichte fanden sich Funde von Felszeichnungen und Petroglyphen, das Wadi Draa war offensichtlich bereits seit vielen Tausend Jahren besucht. Die berühmte aber unter Prähistorikern heftig umstrittene Venus von Tan-Tan wurde ebenfalls in diesem Wadi gefunden – sie wird von einigen auf ein Alter zwischen 300.000 und 500.000 Jahren geschätzt. Foum Chenna (Tinzouline), Aït Ouaazik (Asguine Tarna, Tazzarine) Tiouririne und Tisguinine (Zagora) sind die bekanntesten Fundstellen der Region Draa.

Diverse Felszeichnungen mit Tierdarstellungen (Elefanten, Nashörner, Strauße etc.) wurden ebenfalls im Draa-Tal entdeckt. Ihr Alter dürfte zwischen 4000 und 6000 Jahren liegen und einer Zeit entstammen als diese Tiere noch von Menschen (Jäger und Sammler) gejagt wurden. Später dominierte das Nomadentum, welches allmählich in die Sesshaftigkeit überging.

Die Oasen des Draa-Tals und anderer Oasentäler Marokkos forderten die Sesshaftwerdung der hier vorbeiziehenden Menschen geradezu heraus, denn Oasen bieten alles, was für ein dauerhaftes und nachhaltiges Überleben notwendig ist. Nur Weidetiere (Schafe, Ziegen) musste man aus den Oasen weitgehend verbannen, mindestens aber einsperren, was zu häufigen Konflikten und auch bewaffneten Auseinandersetzungen mit nomadisierenden Viehzüchtern führte. Wann dieser − sich mit Sicherheit über Jahrhunderte hinziehende − Prozess der Sesshaftwerdung im Draa-Tal begonnen hat, ist umstritten − einige Forscher vermuten um 3000 v. Chr., andere postulieren frühere, wieder andere befürworten spätere Datierungen.

Aus deutlich späterer Zeit (um 500 v. Chr. bis um 500 n. Chr.) stammen die Gravuren auf einigen Stelen und Felsplatten, die mit bislang nicht lesbaren geometrischen Zeichen in der sogenannten „libysch-berberischen Schrift“ bedeckt sind.

Tighremts und Ksour[Bearbeiten]

Zerfallende Lehmbauten im Draa-Tal

Möglicherweise seit weit über tausend Jahren unverändert geblieben ist die traditionelle Hausarchitektur (Tighremt) des Draa-Tals mit Wänden aus Stampflehm, Decken und Treppen aus Palmstämmen und Reisig mit Abdeckungen aus geflochtenen Palmwedeln oder Schilf − alles Materialien, die vor Ort vorkommen und auch ohne Geld kostengünstig zu beschaffen sind. Türme und Tore wurden mit Ornamenten versehen, die ursprünglich wohl eine Unheil abwehrende (apotropäische) Bedeutung hatten. Etliche Dörfer (Ksour) des Draa-Tals wurden − zum besseren Schutz der Bewohner − mit einer Stampflehmmauer umgeben.

Seit den 1960er und 1970er Jahren setzt sich auch in den Dörfern des Draa-Tals die mittlerweile in den Berbergebieten Marokkos allgemein üblich gewordene Steinarchitektur mit Hohlblocksteinen für die Wände und Beton für Decken und Treppen durch. Nach Fertigstellung des Rohbaus werden die Außenwände verputzt und anschließend in hellroten Farbtönen gestrichen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Paul G. Bahn: The Cambridge illustrated history of prehistoric art. Cambridge University Press, Cambridge 1998, ISBN 978-0-52145-473-5
  • J. Clottes: World Rock Art. The Getty Publications, Los Angeles 2002, ISBN 978-0-89236-682-8
  • Werner Huß: Die Karthager. Beck Verlag, München 1990, S. 40, ISBN 3-406-39825-1.
  • Alfred Pletsch: Strukturwandlungen in der Oase Dra. Untersuchungen zur Wirtschafts- und Bevölkerungsentwicklung im Oasengebiet Südmarokkos. (Marburger Geographische Schriften, Heft 46) Geographisches Institut der Universität Marburg, Marburg 1971
  • Werner Pichler: Origin and development of the Libyco-Berber Script. R. Köppe Verlag, Köln 2007, ISBN 978-3-89645-394-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Draa River – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien