William de Braose, 4. Baron of Bramber

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen des 4. Lord Bramber[1]

William de Braose, 4. Baron of Bramber (auch William de Briouze; * 1144/53; † 9. August 1211) war ein cambro-normannischer Adliger aus dem Haus Braose. Er war zu Beginn des 13. Jahrhunderts der bedeutendste Baron der Welsh Marches,[2] starb aber als Rebell gegen den König im Exil.

Herkunft und Familie[Bearbeiten]

William de Braose war der Sohn von William de Braose, 3. Baron of Bramber und dessen Frau Bertha of Hereford. Vermutlich bereits zu Lebzeiten seines Vaters war er mit der Verwaltung der walisischen Besitzungen der Familie betraut. Er heiratete um 1166 Maud de St Valery, nach der Beschreibung von Giraldus Cambrensis eine kluge und tugendhafte Frau. Das Paar soll 16 Kinder gehabt haben, darunter:

Nach dem Tod seines Vaters (nach 1179) wurde William Baron of Bramber sowie Seigneur de Briouze und erbte die Herrschaften Rape of Bramber, Builth und Radnor. Durch seine Großmutter Aenor de Totnes, eine Tochter von Judhael de Totnes, war er Baron von Barnstaple und Totnes und hatte Ansprüche auf eines dieser Lehen, durch seine Mutter Bertha, zweitälteste Tochter von Miles of Gloucester erbte er nach dem kinderlosen Tod ihrer vier Brüder 1176 mit Brecon und Abergavenny ausgedehnte Besitzungen seines Großvaters Bernard de Neufmarché in Wales. 1196 konnte er durch eine Übereinkunft mit seinen Miterben Barnstaple erwerben.

Herrschaft als Marcher Lord in Wales[Bearbeiten]

Zu Beginn seiner Herrschaft in Wales zog er sich den Hass und die Feindschaft der Waliser zu, als er zu Weihnachten 1175 Seisyll ap Dyfnwal und zwei andere Waliser Fürsten auf seine Burg Abergavenny einlud und sie und ihr Gefolge aus Rache für den Mord an seinem Onkel Henry FitzMiles, einem Sohn von Miles of Gloucester heimtückisch ermordete. 1192 bis 1199 war William High Sheriff von Herefordshire. 1195 begleitete er Richard I. in die Normandie. 1197 ließ er einen weiteren walisischen Häuptling ermorden, als er Trahaern Fychan, einen walisischen Häuptling von Brycheiniog auf dem Weg zu Verhandlungen in Llancors in Brecon misshandeln und hinrichten ließ.[3] Diesen Mord nahm Trahaern Cousin Gwenwynwyn von Powys Wenwynwyn zum Anlass, 1198 in Elfael einzufallen und Colwyn Castle und Painscastle zu belagern. Die beiden Burgen wurden durch den Sieg des Justiciars Geoffrey FitzPeter über die Belagerer bei Painscastle entsetzt. 1199 soll William an der Belagerung der Burg Châlus-Chabrol im französischen Limousin, bei der König Richard tödlich verwundet wurde, teilgenommen haben.

Die Ruine der Halle von Abergavenny Castle, der vermutete Schauplatz des Massakers von Abergavenny

Aufstieg unter Johann I.[Bearbeiten]

Nach Richards Tod am 6. April 1199 war er ein führender Befürworter der Thronfolge Johanns Ohneland und ermöglichte ihm in seinem Hafen Shoreham-by-Sea die Landung in England, weshalb er bei Johann bald in hoher Gunst stand und 1200 die Erlaubnis erhielt, weitere in Wales eroberte Gebiete seinen Herrschaften hinzuzufügen. Gegen eine Zahlung von 5000 Mark an den König, zahlbar in Raten von 500 Mark jährlich, erhielt er 1200 die Herrschaft Limerick, die bereits sein Onkel Philip 1172 von Heinrich II. erhalten hatte. Im Oktober 1202 erhielt er die Burg Glamorgan Castle, im Februar 1203 übertrug ihm der König die Herrschaft Gower. Während des Verschwindens von Arthur I. im April 1203 war er bei Johann in Rouen, wahrscheinlich war er an der Ermordung des Neffen des Königs beteiligt. Im Juli des Jahres erhielt er vom König auch die Stadt Limerick. 1206 übergab ihm der König noch die Three Castles Skenfrith, Grosmont und White Castle an der Grenze zwischen England und Wales,.

Fall, Rebellion und Tod[Bearbeiten]

1207 verlor er plötzlich die Gunst des Königs, vermutlich, weil er anstatt der vereinbarten 5000 Mark für Limerick nach den Aufzeichnungen der Pipe Rolls bislang nur 700 Mark bezahlt hatte. 1207 verlangte Johann von ihm, dass er seine Ländereien in Glamorgan und Wentloog an Falkes de Breauté übergab. Durch Bitten von Williams Freunden erlaubte der König ihm, ihn Ende 1207 in Hereford zu treffen, und William übergab dem König die Burgen Hay, Brecon und Radnor als Pfand für seine Schulden. Die Rückzahlung der Schulden blieb jedoch weiter aus, und als Williams Sohn Giles, seit 1200 Bischof von Hereford wegen des Interdikts des Papstes gegen England zu Stephen Langton, dem Erzbischof von Canterbury nach Frankreich ins Exil ging, vermutete Johann einen Verrat der Familie. Williams Besitzungen sollten beschlagnahmt werden und die Familie Geiseln stellen. Seine Frau Maud weigerte sich, ihren ältesten Sohn William als Geisel zu stellen, angeblich mit dem Hinweis auf das Schicksal von Arthur, dem Neffen von Johann. Daraufhin versuchte Johann William selbst zu ergreifen. Dieser versuchte jedoch in Überraschungsangriffen seine verpfändeten Burgen zurückzuerobern, und als dies misslang, eroberte und plünderte er die königliche Stadt Leominster. Bei der Annäherung von königlichen Truppen floh er mit seiner Familie nach Irland, worauf seine Besitzungen in England und Wales von den königlichen Truppen besetzt wurden. In Irland wurde er von seinem Schwager Hugh de Lacy aufgenommen. Die Aufnahme Williams durch die dortigen hiberno-normannischen Barone veranlasste Johann, 1210 mit einem Heer in Irland zu landen, um seiner Herrschaft Nachdruck zu verleihen.[4] William flüchtete wieder nach Wales und kämpfte dort zusammen mit Llywelyn ab Iorwerth gegen den König. Williams Frau Maud wurde derzeit in Meath in Irland belagert, konnte aber mit ihrem ältesten Sohn William und dessen Kindern nach Schottland flüchten. Dort wurde sie jedoch von Donnchadh, Earl of Carrick ergriffen und an Johann ausgeliefert. Johann konnte sich auch in Wales gegen die Aufständischen durchsetzen, William wurde geächtet und floh im Herbst 1210 von Shoreham zu seinem Sohn Giles nach Frankreich. Dort starb er am 9. August 1211 in Corbeil und wurde von dem weiter im Exil lebenden Erzbischof von Canterbury in der Abtei St-Victor bei Paris beigesetzt.

Seine Frau und sein ältester Sohn William sollen noch 1210 im Kerker von Windsor oder Corfe Castle verhungert sein, die vier Enkelsöhne Williams, John, Giles, Philip und Walter blieben bis 1218 in Gefangenschaft. Erst 1215 erhielt Williams Sohn Giles die Ländereien seines Vaters zurück, da er kurz darauf verstarb, fielen sie wieder an die Krone. Erst im Mai 1216 gab Johann die Besitzungen an den jüngeren Sohn Reginald zurück, der einen Teil von ihnen später an Williams Enkel John, dem älteste Sohn des im Kerker gestorbenen William weitergab.

Bedeutung des Falls Braoses für die Magna Charta[Bearbeiten]

Die harte Behandlung seines einstigen Günstlings durch den König und das grausame Schicksal seiner Familie zeigt dem anglonormannischen Adel, das niemand vor der Tyrannei eines Königs sicher sein konnte. Der Adel verlor vollends das Vertrauen in den König und rang ihm schließlich 1215 die Anerkennung der Magna Charta ab.[5] [6]. Das Schicksal des William de Braose beeinflusste vermutlich den § 46 der Magna Charta:[7] Kein freier Mann soll verhaftet, gefangen gesetzt, seiner Güter beraubt, geächtet, verbannt oder sonst angegriffen werden; noch werden wir ihm anders etwas zufügen, oder ihn in's Gefängnis werfen lassen, als durch das gesetzliche Urtheil von Seinesgleichen, oder durch das Landesgesetz.[8]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Matthäus Paris, Historia Anglorum, Chronica Maiora, Teil III (1250-59), British Library MS Royal 14 C VII f. 29v
  2. William de Braose, 4th Lord of Bramber. Abgerufen am 4. Juli 2013.
  3. Robert R. Davies: The age of conquest. Wales, 1063 - 1415. Oxford Univ. Press, Oxford 2000. ISBN 9780198208785, S. 100f
  4. Oxford DNB: Briouze [Braose], William (III) de
  5. Rebecca Gable: Von Ratlosen und Löwenherzen. Lübbe, Bergisch Gladbach 2008, ISBN 978-3-431-03755-5, S. 114
  6. Alona Gordeew: Die Magna Carta - Wer rebellierte 1215?. GRIN, München 2011, ISBN 978-3-640-82661-2, S. 8
  7. The Barons de Braose: Magna Charta. Abgerufen am 4. Juli 2013.
  8. Der Große Freibrief (Magna Carta Libertatum) vom 15. Juli 1215. Abgerufen am 4. Juli 2013.