William de Lamberton

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Siegel von Bischof William de Lamberton.

William de Lamberton (manchmal modernisiert auch: William Lamberton) († 20. Mai 1328) war von 1297 bis zu seinem Tod Bischof von St Andrews. Lamberton spielte eine einflussreiche Rolle im Schottischen Unabhängigkeitskrieg und trat zunächst entschieden für William Wallace, später dann für Robert the Bruce ein. 1306 krönte er diesen als Robert I. zum schottischen König. Er war maßgeblich an der Formulierung der Declaration of the Clergy 1310 und der Declaration of Arbroath 1320 beteiligt. Wegen seines engagierten Einsatzes für die schottische Unabhängigkeit wurde William de Lamberton zeitweise vom Papst exkommuniziert.

Die frühen Lebensjahre[Bearbeiten]

Über den Geburtsort von William de Lamberton existieren zwei Theorien. Die eine geht davon aus, dass er aus Kilmaurs im Ayrshire stammte und sein ursprünglicher Name tatsächlich Cunninghame lautete. Die Familie Cunninghame hatte eine lange und enge Verbindung zum Gebiet um Lambroughton (oder: Lamberton) im Südwesten Schottlands.[1] Die andere Theorie geht davon aus, dass er aus Lamberton in der Nähe von Berwick, also dem östlichen schottisch-englischen Grenzgebiet, stammte.[2] Letztere Theorie scheint heute wahrscheinlicher, einen eindeutigen Beleg für seine Abstammung gibt es aber letztlich nicht.

Über seine frühen Lebensjahre und Ausbildung ist fast nichts bekannt. Sicher ist nur, dass er an einer Universität studierte und spätestens im Jahre 1293 Kanoniker in Glasgow wurde. Im Februar 1293 war er als Kanzler der Kathedrale von Glasgow Mitglied in John Balliols erstem Parlament. 1293 oder 1294 wurde er von Bischof Robert Wishart für weitere Studien ins Ausland entsandt.

Die Ernennung zum Bischof von St Andrews[Bearbeiten]

Im Jahre 1298 wurde er als Nachfolger von William Fraser zum Bischof von St Andrews ernannt. Seine Wahl erscheint seiner Jugend wegen zunächst recht ungewöhnlich. Der schottische Historiker Geoffrey Barrow sieht den Grund für seine Ernennung vor allem darin, dass sich William Wallace für ihn aussprach. Wallace wiederum tat das, weil Lamberton enge Beziehungen zu Robert Wishart unterhielt, der ein bedingungsloser Unterstützer des schottischen Unabhängigkeitskampfes war.[3] St Andrews war damals der wohlhabendste und einflussreichste schottische Bischofssitz, wodurch Lamberton zu einem der wichtigsten Kirchenmänner Schottlands aufstieg. England klagte William Wallace später an, er habe das Kapitel von St Andrews gezwungen, William de Lamberton zu wählen. Dies erscheint insofern wenig plausibel, als er tatsächlich ein beliebter Kandidat gewesen zu sein scheint, der auch die Unterstützung von Nicholas Balmyle (der nach dem Tod von Wishart den Bischofssitz kommissarisch führte) und den Comyns genossen zu haben scheint. Am 1. Juni 1298 erhielt William de Lamberton die Bestätigung seiner Wahl durch den Papst und schloss sich danach einer diplomatischen schottischen Mission nach Frankreich an.

Lamberton verdankte seine Stellung ganz wesentlich der Unterstützung von William Wallace, der vom Winter 1297 bis 1298 als erster Guardian of Scotland alleine die Regentschaft ausübte. Lamberton unterstützte Wallace' Feldzüge im Gegenzug großzügig mit Geld und wies die Kirchenvertreter seiner Diözese ebenfalls zu Hilfe an. Am entschiedenen Eintreten für die schottische Unabhängigkeit hielt er aber auch nach Wallace' Niederlage in der Schlacht von Falkirk fest.

Während dieser Zeit nahm Lamberton James, Lord of Douglas als Knappen bei sich auf, dessen Vater William eine wichtige Rolle im Ersten Schottischen Unabhängigkeitskrieg gespielt hatte und schließlich 1298 im Tower of London in englischer Gefangenschaft gestorben war. Lamberton protegierte den jungen James Douglas und bat am Hof erfolglos um die Wiederherstellung seiner Güter. Nach seiner Einsetzung als Bischof konnte Lamberton über die reichhaltigen Pfründe der Diözese von St Andrews verfügen und verwendete die Gelder zur Finanzierung der Kriegsbemühungen gegen England.

Als Bischof ließ William de Lamberton sowohl die Kathedrale als auch die Burg von St Andrews wieder aufbauen. Daneben sorgte er für die Befestigung einer ganzen Reihe von Anwesen in der Diözese.

Während des Zweiten Interregnums bis zur Krönung Robert I.[Bearbeiten]

Bereits kurz nach seiner Bestätigung als Bischof reiste Lamberton nach Frankreich an den Königshof und nach Rom zur Kurie, um die Interessen Schottlands dort zu vertreten. Bereits im Juni 1298 zeigten seine Bemühungen Erfolg. Sowohl der französische König Philipp IV. als auch Papst Bonifatius VIII. übten Druck auf Edward I. aus, seine Angriffe auf Schottland einzustellen. Dies führte nicht zuletzt dazu, dass John Balliol 1299 aus englischer Gefangenschaft in den päpstlichen Gewahrsam übergeben wurde.

In einem Brief vom 6. April 1299 versicherte Philipp IV., dass er Schottland zu unterstützen gedenke, auch wenn er Lambertons Forderung, Truppen nach Schottland zu entsenden, nicht nachkam. 1301 und erneut 1302 reiste Lamberton nach Frankreich, um die französische Unterstützung für Schottland weiter zu festigen. In dieser Zeit scheint er einen sehr engen Kontakt zu Philipp IV. aufgebaut zu haben. In der Folgezeit intervenierte Frankreich mehrmals auf diplomatischen Weg für Schottland.

Neben seinen diplomatischen Missionen nahm Lambertons Bedeutung auch in der innerschottischen Politik stetig zu. 1299 bis 1301 bekleidete er neben John III. Comyn und Robert the Bruce bzw. Ingram de Umfraville das Amt des Guardian of Scotland. Bei seiner Ernennung sollte er vor allem ausgleichend auf Comyn und Bruce wirken, die in Opposition zueinander standen. Dieser Rolle wurde er allerdings nicht gerecht, da er schon bald eine enge Verbundenheit zu Robert the Bruce aufbaute, die bis zu seinem Lebensende halten sollte. Dieser sprach sich nicht nur für eine Fortsetzung des Krieges gegen England aus, stellte sich also gegen die von John III. Comyn betriebene Politik des Ausgleichs, sondern verfolgte auch eigene Ambitionen auf den schottischen Thron. Nachdem Robert the Bruce am 10. Februar 1306 John III. Comyn in der Kirche von Dumfries ermordet hatte, nahmen Lamberton, Robert Wishart und David de Moravia (dem Bischof von Moray), die drei höchsten Geistlichen Schottlands, am 25. März an der Krönung von Robert the Bruce in Scone teil. Angeblich soll es Lamberton gewesen sein, der Robert die Krone dabei auf das Haupt setzte. Lamberton und Wishart wurden später für ihre Rolle bei der Krönung in London eingekerkert und des Hochverrats angeklagt. Der Hinrichtung entgingen beide wohl nur aufgrund ihrer herausragenden kirchlichen Position.[4]

Die Zeit nach der Gefangenschaft[Bearbeiten]

Nach dem Tod von Edward I. leistete William de Lamberton – wie viele andere schottische Adlige und Kirchenmänner auch – seinem Sohn Edward II. den Treueid und gelobte, sich nur im Umkreis des Sees von Durham aufzuhalten. Obendrein zahlte er ein Lösegeld von 6000£ für seine Freilassung. Lamberton selbst betrachtete seinen Eid als unter Zwang geleistet und damit ungültig. Nach seiner Rückkehr hielt er sich vornehmlich in der schottisch-englischen Grenzregion nahe dem Tweed auf, so dass er engen Kontakt zu den unter englischer Herrschaft stehenden Teilen seiner Diözese halten konnte. Er trat in Schriftverkehr mit dem französischen König, um für weitere Unterstützung für die schottische Unabhängigkeit zu werben.

Um 1309 wurde Robert I., der in den Jahren zuvor vor allem seine innerschottischen Rivalen bekämpft hatte, trotz seiner Exkommunikation nach dem Mord in der Kirche von Dumfries vom schottischen Klerus als König bestätigt, eine Entscheidung, die mutmaßlich nicht zuletzt auf den erheblichen Einfluss von William de Lamberton zurückging. Interessanterweise nahm Lamberton im gleichen Jahr als "englischer" Gesandter an diplomatischen Verhandlungen teil. Offenbar hielt er in dieser Zeit mit beiden Seiten engen Kontakt. Nachdem Robert I. 1312 seine Kontrolle über Schottland weitestgehend gefestigt hatte, spielte Lamberton eine bedeutende Rolle am schottischen Hof und brach mit England. Robert I. scheint dessen engen Kontakt zu England in den Jahren zuvor aber nicht als Verrat gewertet zu haben, zumindest sind heute keine Vorwürfe dieser Art am schottischen Hof bekannt.

Exkommunikation und Versöhnung[Bearbeiten]

Edward II. versuchte 1318 erfolglos bei Papst Johannes XXII. zugunsten einer Absetzung William de Lambertons als Bischof von St Andrews zu intervenieren. Auch wenn er der Forderung des englischen Königs nicht unmittelbar nachkam, rief er Lamberton und die beiden anderen schottischen Bischöfe doch im November 1319 an seinen Sitz nach Avignon. Als alle drei der Aufforderung nicht nachkamen, wurden sie am 16. Juni 1320 exkommuniziert. Der König, Lamberton und der schottische Adel verfassten daraufhin jeweils einen eigenen Brief an den Papst, in dem sie zu den Entwicklungen Stellung nahmen. Der Brief des Adels – heute bekannt als Declaration of Arbroath – war hierbei der wichtigste, da er letztlich zu einer Aussöhnung mit dem Papst führte, so dass sowohl die Exkommunikation von Lamberton als auch die von Robert I. (noch wegen des Mordes im Jahre 1306) zurückgenommen wurden.

Spätes Leben[Bearbeiten]

Lamberton hielt den Bischofssitz von St Andrews bis zu seinem Tod im Jahre 1328 und blieb ein enger Berater und treuer Unterstützer von Robert I. Er starb am 20. Mai 1328, 18 Tage nachdem England die ewige Unabhängigkeit Schottlands formell anerkannt hatte. Seine sterblichen Überreste wurden am 7. Juni in der Nordseite des Hochaltars der Kathedrale von St Andrews zu Grabe gelegt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vgl. McNaught
  2. vgl. Dictionary of national biography, Volume 32 (1882), Eintrag: Lamberton, William de
  3. vgl. Barrow, S. 94.
  4. vgl. Barrow, S. 153.

Literatur[Bearbeiten]

  • G. W. S. Barrow: Robert Bruce and the Community of the Realm of Scotland. 4. Auflage. Edinburgh University Press, Edinburgh 2005, ISBN 0-7486-2022-2.
  • Duncan McNaught: Kilmaurs Parish and Burgh. Alexander Gardner, Paisley 1912.

Quellen[Bearbeiten]

  • Francis Palgrave (Hrsg.): Scotland: Documents and records illustrating the history of Scotland, and the transactions between the crowns of Scotland and England, preserved in the treasury of Her Majesty's Exchequer. Volume 1. London 1837, S. 331-340. (online-Ausgabe)

Weblinks[Bearbeiten]

  • Geschichte der Familie Lamberton auf ancestryuk.com
  • Kurzbiographie von William de Lamberton auf der Internetpräsenz des future museum South West Scotland.
Vorgänger Amt Nachfolger
William Fraser,
Nicholas de Balmyle (1297; kommis.)
Bischof von St Andrews
1297 – 1328
Alexander de Kininmund (1328; kommis.),
Jakob Báne
William Wallace Guardian of Scotland
1299 – 1301
Mitregenten:
John III. Comyn,
Robert the Bruce (bis 1300),
Ingram de Umfraville (ab 1300)
John de Soules