Xie Jin

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Xie Jin (vereinfachtes Chinesisch: 谢晋; * 21. November 1923 in Shaoxing, Provinz Zhejiang; † 18. Oktober 2008 in Shangyu, Zhejiang) war ein chinesischer Filmregisseur und Drehbuchautor.

Leben[Bearbeiten]

Xie Jin wurde als Sohn eines vermögenden Bankiers geboren und wuchs größtenteils in Shanghai auf.[1] Er besuchte die Jiang-an-Schule für dramatische Künste in Sichuan.[2] Xie war mit den Werken von Henrik Ibsen, William Shakespeare und Anton Tschechow vertraut und widmete sich ab 1938 als Schauspieler dem Theater. Später studierte er am staatlichen Theaterinstitut bei Cao Yu und Hon Shen.[3] 1949 kam er durch einen Posten als Regieassistent bei den Dataong-Filmstudios in Shanghai zum Film.[2]

Ersten Erfolg brachte ihm sein Spielfilm Nu lan wu hao (1957, englischer Titel: Woman Basketball Player No. 5) über das Leben von verschiedenen Sportlern und Sportlerinnen in China ein, mit dem er sich einen Ruf als führender Frauenregisseur machen sollte.[2] 1961 folgte Hong se niang zi jun (1961, The Red Detachment of Women), der die Geschichte von Bauern erzählt, die in den 1930er Jahren zu Soldaten ausgebildet wurden. Drei Jahre später führte Xie Regie bei Wutai jiemei (1964, im englischsprachigen Raum als Stage Sisters oder Two Stage Sisters bekannt) über zwei befreundete Opernschauspielerinnen. Während die eine in die Kriminalität abdriftet, beginnt die andere mit der Revolutionsbewegung in den 1950er Jahren zu sympathisieren.

Nach der Veröffentlichung von Wutai jiemei wurde Xie ein Opfer der wenig später einsetzenden chinesischen Kulturrevolution in den 1960er Jahren. Er fand keine Anstellung mehr als Filmregisseur, wurde von seiner Familie getrennt und unter Hausarrest gestellt.[4] Seine Eltern hielten dem politischen Druck nicht stand und begingen Selbstmord. Beide hatten ihrem Sohn Ende der 1940er Jahre noch geraten, in die Vereinigten Staaten auszuwandern und dort zu studieren, was Xie aber verweigert hatte.[5] Später arbeitete Xie in Filmstudios als Putzkraft.[1] Nach der Kulturrevolution wurde er rehabilitiert und als Assistent von Mao Zedongs vierter Ehefrau Jiang Qing berufen, mit der er „Modell-Opern“ auf die Bühne oder Leinwand brachte.[2]

Seine früheren Werke, die sozialistischen Realismus mit der Ästhetik von Hollywood-Melodramen im Stile eines Douglas Sirk verbanden,[1][2] wurden Anfang der 1980er Jahre wiederentdeckt. Wutai jiemei erhielt 1980 die renommierte Sutherland Trophy des British Film Institutes. Der Kulturrevolution widmete Xie in den 1980er Jahren mit Erfolg drei Filme, vermied es jedoch politisch sensible Themen aufzugreifen oder die chinesische Regierung in Misskredit zu bringen: Die Legende vom Tianyun-Gebirge (1980), Mu Ma Ren (1982, The Herdsman), der ein Publikum von 150 Mio. Menschen in China erreichte, sowie Fu rong zhen mit Jiang Wen und Liu Xiaoqing (1986, Hibiscus Town). Erstgenannter Film brachte Xie 1981 den Regiepreis bei den erstmals vergebenen Golden Rooster Awards ein, Chinas nationalem Filmpreis. International gelang es Xie aber nicht an den Erfolg junger Landsleute wie Chen Kaige oder Zhang Yimou heranzureichen. Einer von Xies letzten Filmen war 1997 Der Opiumkrieg, der den ersten Opiumkrieg zum Thema hatte. Mit einem Budget von 15 Mio. US-Dollar ausgestattet, war es zu diesem Zeitpunkt einer der teuersten Filme, die je von einem chinesischen Filmstudio produziert wurden.[2]

Xie Jin war verheiratet und Vater eines Sohnes. 2008, zwei Monate nachdem sein Sohn ums Leben gekommen war, wurde der 84-jährige Regisseur tot in einem Hotel im Südosten Chinas aufgefunden, wo er an den 100-Jahr-Feierlichkeiten seiner ehemaligen Schule hatte teilnehmen wollen.[5] Die näheren Todesumstände sind nicht bekannt. Xie war der erste chinesische Filmemacher, der Mitglied der Academy of Motion Picture Arts and Sciences und der Directors Guild of America wurde.[2] 1987 war Xie unter anderem neben Néstor Almendros und Klaus Maria Brandauer in der Wettbewerbsjury der Filmfestspiele von Venedig vertreten, die Hou Hsiao-Hsiens Drama Eine Stadt der Traurigkeit mit dem Goldenen Löwen auszeichnete.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1957: Nu lan wu hao
  • 1961: Hong se niang zi jun
  • 1962: Da Li, Xiao Li he Hao Li
  • 1965: Wutai jiemei
  • 1975: Chunmiao
  • 1977: Qingchun
  • 1979: A, yao lan
  • 1980: Die Legende vom Tianyun-Gebirge (Tian yun shan chuan qi)
  • 1982: Der Pferdehirt (Mu ma ren)
  • 1984: Qiu Jin
  • 1985: Gao shan xia de hua huan
  • 1986: Die Stadt Hibiskus (Fu rong zhen)
  • 1989: Zui hou de gui zu
  • 1992: Qing liang si zhong sheng
  • 1993: Lao ren he gou
  • 1994: Bai lu yuan
  • 1995: Nü er gu
  • 1997: Der Opiumkrieg (Yapian zhanzheng)
  • 2000: Nuzu jiuhao

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c vgl. Xie Jin. In: The Times, 24. Oktober 2008, S. 82
  2. a b c d e f g vgl. Bergan, Ronald: Xie Jin: Chinese film director who survived the cultural revolution. In: The Guardian, 20. Oktober 2008, S. 33
  3. vgl. Biografie im All Movie Guide (englisch; aufgerufen am 20. August 2009)
  4. vgl. Obituary of Xie Jin Chinese film director who survived the Cultural Revolution to create several box-office triumphs. In: The Daily Telegraph, 24. Oktober 2008, S. 35
  5. a b vgl. Lee, Min: Chinese movie director Xie Jin dead at age 84. Associated Press Worldstream, 19. Oktober 2008 8:41 AM GMT, Hongkong