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Schleiereule

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Schleiereule
Schleiereulen
Schleiereulen
Schleiereule (Tyto alba)
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Die Schleiereule (Tyto alba) ist eine Vogelart aus der Ordnung der Eulen (Strigiformes) und der Familie der Schleiereulen (Tytonidae).

Aussehen

Die 33 bis 35 Zentimeter lange, hell gefärbte, langflügelige und langbeinige Eule erreicht eine Flügelspannweite von bis zu 76 Zentimeter und hat einen recht kurzen Schwanz. Männchen und Weibchen ähneln einander sehr, Weibchen sind im Allgemeinen jedoch etwas größer und etwas dunkler gefärbt. Das Gewicht reicht von etwa 200 Gramm bei den kleinsten Formen (etwa auf den Galapagos-Inseln) bis zu über 500 Gramm etwa bei der Nordamerikanischen Schleiereule, europäische Schleiereulen wiegen zwischen 300 Gramm (Männchen) bis etwa 400 Gramm (Weibchen).

Der namensgebende herzförmige Gesichtsschleier ist bei allen Unterarten hell von weiß bis hellgrau oder leicht rostrot, die Oberseite meist goldbraun gemustert und mehr oder weniger hell. Die Unterseite kann von einem sehr reinen weiß bis zu einem hellen braun variieren, außerdem unterscheiden sich die Zeichnungen und Fleckungen der einzelnen Unterarten sehr deutlich voneinander. Der Schnabel ist blassgelb, Augen und Klauen sind dunkel. Weltweit wurden (abhängig von der Quelle) bis zu 35 Unterarten beschrieben, die in den Maßen und der Färbung entsprechend stark variieren.

Verbreitung und Lebensraum

Verbreitung der Schleiereule
Verbreitung der Schleiereule
Verbreitung der Schleiereule

Die Schleiereule ist in zahlreichen Unterarten in Afrika, Europa, Südwest- und Südasien, Australien, Südamerika und den wärmeren Teilen Nordamerikas verbreitet. In Europa kommt die Schleiereule nordwärts bis Schottland und Dänemark, nach Osten bis in die Ukraine vor.

Sie besiedelt halboffenes Gelände mit einzelnen Bäumen, wie Savannen, Halbwüsten und Baumsteppen und ist vor allem in Niederungsgebieten anzutreffen, nur ganz selten dringt sie in Mittelgebirgslagen vor. Im ausschließlich kultivierten (hemeroben) Europa besiedelt sie ähnliche halboffene und strukturreiche Kulturlandschaften. Solche Landschaften sind reich an Gehölzbiotopen wie Hutewälder, überalterten Laubwälder, Hartholzauen, Streuobstwiesen, Hecken und Altbäumen, Gewässern und anderen Biotopen und bieten damit auch ausreichend Nahrung. In einigen Gebieten findet man die Schleiereule auch in waldreicheren Gegenden, etwa im Amazonasgebiet Südamerikas, doch auch hier bevorzugt sie offenere Zonen des Waldes. Während sie etwa auf Korsika felsige Gegenden meidet leben andere Formen beinahe ausschließlich in Felsregionen.

Die langen Flügel und der gleitender Flug sind Anpassungen an die Jagd in offenem Gelände. Im Siedlungsbereich ist sie vereinzelt auch in Dörfern (Altbäume, Scheunen, Kirchtürme) oder auf totholzreichen alten Friedhöfen anzutreffen.

Während ihrer Ruhezeit am Tage sitzt sie an versteckten Plätzen in Scheunen, Ruinen, in Baumhöhlen oder Felsspalten. Wird sie während des Tages von Kleinvögeln entdeckt, zeigen diese ihr gegenüber ein deutliches aggressives Verhalten (sogenanntes "hassen").

Schleiereulen sind ziemlich ortstreu und verharren auch in strengen Wintern mit hoher Schneedecke sehr lange in ihren angestammten Gebieten. Zusammen mit der vergleichsweise schlechten Nahrungsauswertung und der geringen Fettspeicherung führt diese wenig ausgeprägte Neigung zu Wetterfluchten oft zu katastrophalen Bestandseinbrüchen, die bis zum Erlöschen regionaler Vorkommen führen können.

Verhalten

Nahrung und Jagdverhalten

Die Schleiereule macht in der Dämmerung und nachts vor allem Jagd auf kleine Säugetiere. In Europa besteht die Jagdbeute vor allem aus Feldmäusen, Wühlmäusen, Ratten und kleinen Kaninchen oder auch aus Vögeln, Fröschen, Spitzmäusen, Fledermäusen und Insekten. Entsprechend umfangreich ist auch das Beutespektrum in anderen Teilen ihres Verbreitungsgebiets, wobei sich einzelne Tiere auch auf bestimmte Beutetiere spezialisieren können. So konnte bei Gewölleuntersuchungen in Südamerika festgestellt werden, dass sich die dort lebenden Tiere maßgeblich von Hamstern ernähren, ein Brutpaar sich jedoch offensichtlich auf die Froschjagd spezialisierte. In Zentralaustralien besteht die Beute der Schleiereule mittlerweile zu 97% aus Hausmäusen, die die dorthin auswandernden Europäer als Neozoen unfreiwillig mitgebracht haben.

Bei ungünstigen Wetterbedingungen sowie während der Jungenaufzucht dehnt sie ihre Jagdzeit auch auf den Tag aus. Zur Ortung der Beute verlässt sie sich hauptsächlich auf das Gehör. Der Gesichtsschleier verstärkt die Schallsammlung für das Gehör und schirmt andere Geräusche ab. Aufgrund dieser Eigenschaft nutzt sie praktisch alle nachtaktiven und Geräusche verursachenden Kleinsäuger in ihrem Revier als Nahrung.

Während der Jagd gleitet sie oft nur wenige Meter über dem Erdboden; ihr Flug ist dabei nahezu geräuschlos. Beobachtungen lassen darauf schließen, dass sie dabei regelmäßige Flugrouten einhält und dabei besonders Hecken, Zäunen und Gräben entlang fliegt. Hier findet sie mehr Beute als über sonstigem Kulturland. Entdeckt sie während des Jagdflugs Beute, lässt sie sich aus dem Flug plötzlich herabfallen und ergreift mit den Klauen die Beute. Seltener sitzt sie auf Pfosten oder Baumstümpfen an und lässt sich beim Auftauchen von Jagdbeute lautlos herabgleiten.

Schleiereule (Tyto alba)

Ruhe- und Komfortverhalten

Den Tag verbringt die Schleiereule vor allem reglos sitzend und dösend auf ihrem Ruheplatz, der häufig geschützt vor Störungen und versteckt ist. Neben der Störungsfreiheit muss dieser Tagesruheplatz auch Schutz vor der Witterung und Abdunklung bieten. Er kann dabei abhängig vom Lebensraum in einer alten Scheune, einem hohlen Baum, überdachten Böschungen oder einer Felshöhle liegen. Die Eulen stehen dabei aufrecht auf auf Balken, dickeren Ästen oder Steinflächen, häufig mit einer Möglichkeit zum Anlehnen. Während der Balz- und Brutzeit liegt der Übertagungsort in der Nähe des Nistplatzes, wobei die beiden Elterntiere meistens dicht beieinander sitzen. Nach der Eiablage sucht sich das Männchen wiederum einen Platz mit etwas Distanz zum Nest.

Vor dem Aktivitätsbeginn in der Dämmerung strecken und schütteln sich die Eulen. Danach putzen sie sich ausgiebig mit Hilfe der als "Putzkralle" ausgebildeten und gezähnten Mittelzehe sowie mit dem Schnabel, wobei das Gefieder durch ein Sekret der Bürzeldrüse am Schnabel eingefettet wird. Während der Balzzeit kommt es auch zu gegenseitiger Gefiederpflege, bei der mit dem Schnabel der Schleier, Kopf und Nackenbereich gekrault wird. Regelmäßig ergänzen Wasserbäder oder Regenduschen die Körperpflege, auch morgendliches Sonnenbaden wurde beobachtet.

Sozial- und Feindverhalten

Ausgewachsene Schleiereulen sind überwiegend Einzelgänger, die sich mit Ausnahme der Balz- und Paarungszeit selten in die Nähe anderer Schleiereulen begeben. Paare stehen oft beieinander und führen auch gegenseitige Körperpflege durch wie oben beschrieben. Jungvögel bleiben dagegen immer in der Nähe ihrer Geschwister und suchen intensiven Körperkontakt mit ihnen. Das Revierverhalten der Schleiereule ist nicht sehr ausgeprägt, so kann man häufig mehrere Tiere oder Brutpaare in relativ dichter Nachbarschaft auffinden. Zur Überwinterung dulden die Männchen sogar Geschlechtsgenossen im eigenen Einstand. Besonders zur Brutzeit kommt es allerdings zu einer vermehrten Verteidigung des Brutbereiches, bei dem die Männchen Eindringlinge verfolgen und sogar angreifen können. Trotzdem überlappen sich die Jagdgebiete benachbarter Brutpaare häufig großflächig.

Während das Weibchen brütet versucht das Männchen sehr häufig, weitere Partnerinnen anzulocken und zur Paarung zu bringen (Polygynie). Dadurch kommt es manchmal zur Ausbildung von Bruten mehrerer Weibchen am gleichen Nistplatz (Schachtelbruten) oder an verschiedenen Nistplätzen im Revier des Männchens. Verpaarungen eines Weibchens mit mehreren Männchen (Polyandrie) sind ebenfalls möglich, aber seltener. Dabei kann es zu mehreren Bruten eines Weibchens kommen, wobei die erste Brut vom Männchen betreut wird, oder zu Einzelbruten mit mehreren Männchen an einem Nest.

Das Feindverhalten der Schleiereulen besteht in erster Linie aus einer ausgeprägten Feinvermeidung. Auf ihrem Ansitzplatz sind die Eulen meistens gut versteckt und getarnt, noch verstärkt durch ihre aufrechte Ruhestellung. Bei Störungen laufen die meisten Schleiereulen in ein Versteck oder drücken sich näher an bestehende Strukturen des Ansitzes. Im Extremfall fliehen die Eulen und bespritzen dabei ihren Feind mit ihrem dünnflüssigen Kot. Jungvögel und bedrängten Altvögel, die nicht fliehen können, drohen ihrem Gegner in einer Drohstellung mit ausgestreckten und präsentierten Flügeln und vorgebeugtem Körper. Dabei stossen sie laute Schreie aus und starten Scheinangriffe. Flugunfähige Jungvögel und ergriffene Schleiereulen wehren sich vor allem durch Zuschlagen mit den Krallen, seltener durch Bisse. Liegen sie auf dem Rücken verharren sie häufig bewegungslos mit geschlossenen Augen (Akinese).

Fortpflanzung

Brut

Natürliche Brutplätze in Höhlen sind in Mitteleuropa die Ausnahme. Meist brütet die Schleiereule in Gebäuden, zum Beispiel Kirchtürmen, Schlössern, Ruinen oder Scheunen. Die drei bis zwölf Eier werden etwa 30 Tage lang vom Weibchen bebrütet. Es beginnt bereits vom ersten Ei an zu brüten, sodass die Jungvögel nach und nach in Abständen von zwei bis drei Tagen schlüpfen. Die ungleich großen Jungvögel werden dann von beiden Elternteilen mit Nahrung versorgt und sind nach etwa zwei Monaten flügge. Die Jungvögel wechseln aus ihrem Dunenkleid direkt in das Gefieder der erwachsenen Tiere.

Die Schleiereule brütet nur bei ausreichendem Nahrungsangebot, sodass Bruten regional über mehrere Jahre ausfallen können. In guten Mäusejahren kommt es jedoch zu bis drei oft verschachtelten Bruten pro Saison.

"Training" der Jungvögel

Junge Schleiereulen beginnen ab dem 31. Lebenstag ihre Jagdtechniken zu üben. In einer morgendlichen und abendlichen Aktivitätsphase laufen sie - sofern der Brutort dafür ausreichend Platz bietet - bis zu zwei Meter umher und trainieren "Mäuselsprünge". Ab dem 39. Lebenstag nimmt der Aktivitätsdrang noch weiter zu.

Bei optimalen Brutorten wie beispielsweise einer Scheune oder dem Dachboden eines Kirchturms verlassen sie über Stunden den engeren Brutraum und erkunden ihrem unmittelbaren Lebensraum. Ab dem 44. Lebenstag trainieren sie rund zwei Meter weite Flattersprünge.

Wanderungsbewegungen der Jungvögel

Im Herbst wandern die Jungvögel ab; Ringfundauswertungen zeigen, dass etwa 2/3 aller Wanderungsbewegungen innerhalb eines Radius von 50 km um den Geburtsort enden. Die Wanderungen können jedoch auch erheblich weiter führen. In Baden-Württemberg beringte Vögel wurden noch im ersten Lebensjahr beispielsweise an der holländischen Küste, in Südfrankreich oder in Spanien wieder aufgefunden. Zu sehr starken Wanderungsbewegungen kommt es immer dann, wenn sehr hohe Schleiereulen-Bestände mit einem Zusammenbruch der Feldmaus-Population zusammentrifft. In Jahren, in denen sich Feldmäuse sehr stark vermehren, siedeln sich die Jungvögel in nächster Nähe zu den Elterntieren an. (Gradation)

Unterarten

Derzeit sind über 30 Unterarten der Schleiereule beschrieben worden, die sich im Aussehen und im Verhalten unterscheiden. Die Anzahl der Unterarten variiert dabei in den unterschiedlichen Literaturangaben, so geben Schneider und Eck (1995) 34 Unterarten, Mebs und Scherzinger unverbindlich über 30 an. Dabei sind die Schleiereulen in den verschiedensten Klimazonen und Vegetationstypen zu finden, Ausnahmen bilden dabei nur hohe Gebirgszonen und Tundragebiete. Der Verbreitungsschwerpunkt liegt allerdings im Bereich der Tropen und Subtropen, in den gemäßigten Breiten in Europa und Nordamerika liegt die nördliche Verbreitungsgrenze in Gebieten mit einer Jahresdurchschnittstemperatur zwischen sechs und acht Grad Celsius.

Die bekannten Unterarten sind (nach Schneider/Eck 1995):

  • Die Mediterrane Schleiereule (T. a. alba) ist verbreitet in Süd- und Westeuropa inklusive Großbritannien sowie in Nordafrika. Die Brust der Tiere ist weiß, manchmal mit kleinen Sprenkeln bestückt.
  • Die Mitteleuropäische Schleiereule (T. a. guttata) stellt die Form mit dem nördlichsten Verbreitungsgebiet in Europa dar. Sie lebt in Südost- und Mitteleuropa und ist hier vom Süden Skandinaviens verbreitet bis in die Türkei verbreitet. Die Bauchseite ist gelblich-braun, auch der Schleier ist etwas dunkler.
  • Die Sardinisch-Korsische Schleiereule (T. a. ernesti) ist eine Form aus Sardinien und Korsika mit weißer Unterseite. Bei dieser Form ist außerdem das Obergefieder sehr hell und auch die Flügelunterseiten sowie der Gesichtsschleier sind reinweiß. Auffällig ist ein rostroter Fleck vor den Augen.
  • Die Arabische Schleiereule (T. a. erlangeri) ist bekannt aus Südwestasien (Zypern, Arabische Halbinsel inklusive Iran und Irak und hat ebenfalls eine weiße Unterseite, manchmal durchsetzt mit schwarzbraunen Punkten. Die Flügel sind hell und die Schwanzfedern durch aschgraue Binden sowie einem graumarmorierten Ende gezeichnet.
  • Die Afrikanische Schleiereule (T. a. affinis) ist auf dem gesamten afrikanischen Kontinent mit Ausnahme der Sahara sowie den zentralafrikanischen Urwald verbreitet. Sie hat im Vergleich mit den europäischen Formen relativ lange und wenig befiederte Zehen bzw. Läufe. Die Unterseite dieser Form ist rostgelb gefärbt, ansonsten sind die Männchen in der Grundfarbe weiß, die Weibchen ockergelb. Das Obergefieder soewie die Seiten tragen eine Zeichnung aus Pfeil- bis tropfenförmigen dunkelbraunen Punkten und Linien. Als Maximalflügellänge sind etwa 300 Millimeter angegeben.
  • Die Madagaskar-Schleiereule (T. a. hypermetra) findet sich nur auf Madagaskar, den Komoren und den Aldabra-Inseln. Mit einer Flügellänge von 300 bis 320 Millimetern ist sie deutlich größer als die afrikanische Festlandform, gleicht dieser jedoch in ihrer Färbung.
  • Die Madeira-Schleiereule (T. a. schmitzi) ist endemisch auf Madeira. Bei dieser Form ist die Unterseite rahmfarben bis gelblich-weiß und grob gefleckt. Der Kopf ist leicht dunkler und leicht rostrot eingefärbt, dre Schleier ist weiß. Das Obergefieder ist sehr hell und ähnelt dem der mediterranen Form mit groben schwarzen und weißen Flecken.
  • Die Kanaren-Schleiereule (T. a. gracilirostris) von den Kanarischen Inseln ist relativ klein und besitzt einen sehr schlanken Schnabel. Die Unterseite ist rostgelb und grob gefleckt, die Oberseite ist hell mit pfeilspitzenartiger Zeichnung.
  • Die Kapverden-Schleiereule (T. a. dedorta) lebt auf den Kapverdischen Inseln Santiago und Sao Vincente. Der Schleier und die Bauchseite sind relativ dunkel gelb gefärbt, die Oberseite ist ebenfalls dunkel mit sehr großen schwarzen und weißen Flecken. Die Schwanzfedern sind scharf gebändert, als Flügellänge werden 280 bnis 300 Millimeter angegeben.
  • Die Sao-Tomé-Schleiereule (T. a. thomensis) ist auf der Insel Sao Tomé im Golf von Guinea heimisch. Die Oberseite dieser Form ist sehr dunkel und reicht von grau bis fast schwarz mit schwarzen und weißen Flecken. Der Gesichtsschleire ist braun und die Unterseite goldbraun und kann mit groben oder feinen Flecken gezeichnet sein. Die Flügellänge beträgt 250 bis 260 Millimeter.
  • Die Indische Schleiereule (T. a. stertens) findet sich in Vorderindien, auf Sri Lanka, in Assam und Nordburma. Die Oberseite ist blass grau und braungelb gefärbt mit feinen shcwarzen und weißen Punkten, die Unterseite ist weiß bis leicht bräunlich-gelb mit vielen kleinen Punkten.
  • Das Verbreitungsgebiet der Javanischen Schleiereule (T. a. javanica) schließt sich an das der vorhergehenden Unterart an, die Grenzen sind überlappend. Sie ist im gesamten Gebiet Südostasiens und Indonesiens zu finden. Die Färbung gleicht der der Indischen Schleiereule, allerdings ist diese Form etwas dunkler und stärker gefleckt.
  • Die Andamanen-Schleiereule (T. a. deroepstorffi) lebt ausschließlich auf den Andamanen. Sie besitzt sehr ausgeprägte und kräftige Zehen und ist durch die großen rostbraunen Flecken auf der grauen Oberseite auffällig gefärbt. Dadurch ist sie von allen Inselformen die dunkelste. Unterseits ist sie hell-ockerfarben mit dunklen braunen Punkten.
  • Die Kisar-Schleiereule (T. a. kuehni) kommt nur auf der Insel Kisar im Sunda-Archipel vor. Sie ähnelt der Indischen Schleiereule in der Färbung, ist allerdings oberseits ockergelb und hat breitere schwarze Punkte. Die Unterseite ist bräunlich getönt und quergebändert.
  • Die Sawu-Schleiereule (T. a. everetti) ist endemisch auf der kleinen Insel Sawuwestlich von Timor. Sie gleicht der Form von Kisar, ist nur etwas kleiner und besitzt weniger ausgeprägte Zehen und einen schlankeren Schnabel.
  • Die Sumba-Schleiereule (T. a. sumbaensis) von der Insel Sumba ist unterseits weiß und besitzt charakteristische blasse, fast weiße Schwanzfedern.
  • Die Neuguinea-Schleiereule (T. a. meeki) bevölkert vor allem den nördlichen und westlichen Teil von Neuguinea. Sie ist unterseits weiß bis silberweiß, das Obergefieder und der Schwanz sind ebenfalls sehr hell.
  • Die Australische Schleiereule (T. a. delicatula) ist auf den gesamten australischen Kontinent anzutreffen, außerdem auf Tasmanien und einigen vorgelagerten Inseln. Sie ist unterseits weiß und auf der Oberseite grau mit einem bräunlichen Ton.
  • Die Boang-Schleiereule (T. a. crassirostris) auf der Insel Boang im Bismarck-Archipel ähnelt der australischen Form, hat aber einen kräftigeren Schnabel und stärkere Fänge. Die Färbung ist etwas dunkler.
  • Die Santa-Cruz-Schleiereule (T. a. interposita) lebt auf den Santa-Cruz-Inseln, den Banks-Inseln und den nördlichen Neuen Hebriden. Das Gefieder wird bei dieser Form durch orangeockere Farbtöne dominiert.
  • Die Samoa-Schleiereule (T. a. lulu) findet sich außer auf Samoa auch auf den Gesellschaftsinseln, Tonga, den Fidschi-Inseln, Neukaledonien, den südlichen Neuen Hebriden und den Layauté-Inseln. Sie ähnelt der australischen Form, ist jedoch etwas kleiner und jede einzelne Rückenfeder hat eine schwarze Spitze mit weißem Zentrum.
  • Die Nordamerikanische Schleiereule (T. a. pratincola) lebt vor allem in den südlichen USA sowie im nördlichen Mexiko. Mit einer Flügellänge von bis zu 370 Millimetern und einer Gesamtlänge von fast 430 Millimetern handelt es sich um eine sehr große Schleiereule. Die Oberseite der Tiere ist hell- bis dunkelorange, manchmal mit grauen Beimischungen, die Unterseite ist schwachorange bis weiß und mit markanten braunen Spitzen gezeichnet.
  • Die Guatemala-Schleiereule (T. a. guatemalae) lebt im Mittelamerika im Gebiet von Westguatemala, San Salvador, Westnicaragua und Panama. Sie ist dunkler als die nordamerikanische Form, ähnelt ihr jedoch in der Zeichnung.
  • Die Kuba-Schleiereule (T. a. furcata) findet sich auf der Inselwelt der Karibik. Sie ist fast gänzlich weiß mit einer blaßorangenen Oberseite. Der weiße Schwanz ist manchmal quergebändert und die reinweiße Unterseite kann kleine Flecken aufweisen.
  • Die Westindische Insel-Schleiereule (T. a. glaucops) lebt auf Tortue und dem Ostteil von Haiti in den Großen Antillen. Auch sie ist weiß, besitzt jedoch eine Zeichnung aus Zickzacklinien an der Unterseite und ein charakteristisches graues Gesicht.
  • Die Bahama-Schleierele (T. a. lucyana) der Bahamas gleicht der nordamerikanischen Festlandsform. Die Federspitzen sind allerdings mit grauschwarzen Punkten versehen.
  • Die Antillen-Schleiereule (T. a. insularis) lebt ausschließlich auf den Kleinen Antillen. Sie ist relativ klein und dunkel gefärbt und weist augenförmige Flecken auf der Unterseite und eine weiße "Kritzelung" auf der Oberseite auf.
  • Die Dominika-Schleiereule (T. a. nigrescens) der Insel Dominika (ebenfalls Kleine Antillen) ist äaußerlich ähnlich wie die vorbeschriebene Form, allerdings ohne die Augenflecke.
  • Die Curacao-Schleiereule (T. a. barbei) von der Insel Curacao (ebenfalls Kleine Antillen) ist unterseits reinweiß mit grober Fleckung. Sie ähnelt eher den europäischen Formen als denen der anderen benachbarten Inseln und brütet in Felsen und Mauerlöchern.
  • Die Galapagos-Schleiereule (T. a. punctatissima) gleicht in der Färbung der Form von Dominka. Sie gehört mit einer Flügellänge von etwa 230 Millimetern zu den kleinsten Schleiereulen. Die Färbung ist sehr dunkel mattbraun mit weißen Flecken. Auf der Galapagos-Insel Santa Cruz brütet sie in unterirdischen Lavatunneln.
  • Die Peruanische Schleiereule (T. a. contempta) lebt in Peru, Ecuador, Venezuela und Kolumbien. Die Oberseite dieser Form ist dunkelgrau bis -braun mit blaßgrauen Flecken. Die Unterseite ist schwach rostbraun mit einer Zeichnung aus unregelmäßigen braunen kreuzförmigen Flecken. Auch der Schleier ist blaßbraun.
  • Die Kolumbianische Schleiereule (T. a. subandeana) lebt in einigen Gebieten von Kolumbien und Ecuador. Sie ähnelt der vorgenannten Art, hat aber eine weniger auffällige Zeichnung der Bauchseite.
  • Die Brasilianische Schleiereule (T. a. tuidara) ist in Brasilien und Argentinien vom Amazonasgebiet bis zur Südspitze Patagoniens verbreitet. Sie ähnelt in ihrem Aussehen der Mitteleuropäischen Schleiereule, hat allerdings längere Beine.
  • Die Guayana-Schleiereule (T. a. hellmayri) lebt in den Gebieten von Suriname, Französisch- und Britisch-Guyana sowie im Norden Brasiliens. Sie ist hell gefärbt und unterseits weiß mit schwarzen Sprenkeln, manche Individuen sind allerdings auch rostgelb auf der Bauchseite. Ansonsten ähnelt sie der Brasilianischen Schleiereule in der Zeichnung.
  • Die Chilenische Schleiereule (T. a. hauchecornei) lebt in Chile und ist äußerlich ähnlich wie die andreen südamerikanischen Formen.

Gefährdung in Mitteleuropa

Schleiereulen

In Mitteleuropa ist die Schleiereule in den letzten Jahrzehnten deutlich seltener geworden. Zum Bestandsrückgang haben dabei einige sehr kalte und schneereiche Winter beigetragen. Der Rückgang ist aber auch auf eine Reihe von anderen Faktoren zurückzuführen, die den Lebensraum und die Brutorte der Schleiereule negativ beeinflusst haben:

Moderne landwirtschaftliche Produktionsmethoden

Insbesondere die moderne Ackerbewirtschaftung hat über die Einschränkung der Lebensräume für Feld- und Wühlmäuse auch indirekt die Lebensräume für Schleiereulen eingeschränkt:

Noch in den 1950er bzw. 1960er Jahren blieben nach der Getreideernte die Strohbüschel - oft wochenlang - auf den Feldern in Gruppen zusammengestellt stehen. Von den angrenzenden Wiesenflächen, Ödländern und Feldrainen war eine rasche Besiedelung der Stoppeläcker durch die Feldmäuse möglich. Häufig hielten sich die Feldmäuse gerade unter den aufgestellten Strohbüscheln auf und hatten dort die beim Mähdrusch ausgefallenen Getreidekörner zu großen Lagern zusammengetragen. Das ansonsten deckungsarme Stoppelfeld bot mit den aufgestellten Strohbüscheln als Ansitzwarten optimale Jagdmöglichkeiten für die Schleiereulen gerade in der Hoch- und Spätsommerzeit, in der durch die Jungenaufzucht ein hoher Nahrungsbedarf besteht und in der Zweitbruten vorbereitet bzw. ausgelöst werden. (Hölzinger, S. 1059f)

Bei den heute verwendeten Anbaumethoden wird das Stroh sehr kurz nach der Ernte von den Feldern geräumt und das Stoppelfeld umgepflügt. Größere Feldmauspopulationen können unter diesen Bedingungen nicht mehr überleben.

Begleitet wurden diese Veränderungen in der landwirtschaftlichen Produktionsmethode durch die Flurbereinigung. Hecken wurden entfernt und Feldraine, Ödländer und Feuchtgebiete umgewandelt. Damit fehlen den Beutetieren der Schleiereule, den Feldmäusen und anderen Kleinsäugern Lebensraum beziehungsweise Überwinterungsmöglichkeiten. Und parallel dazu verlor die Schleiereule damit auch ihre typischen Winterjagdgebiete.

Gleichzeitig wirkt sich durch den hohen Anteil von Wühlmäusen in der Nahrung auch der Einsatz von Pestiziden negativ auf die Schleiereule aus.

Straßenbau

Zusammenhängende Ödlandstreifen, die Kleinsäugern ausreichend Lebensraum bieten, finden sich aufgrund der Flurbereinigungsmaßnahmen in vielen Gebieten heute nur noch entlang von Straßen. Schleiereulen nutzen diese deswegen bevorzugt als Jagdgebiet mit der Folge, dass Schleiereulen vermehrt zu Verkehrsopfern werden. Das Schleiereulen häufig ein Opfer des Straßenverkehrs werden, ist aber auch darauf zurückzuführen, dass Feldwege immer mehr asphaltiert wurden und damit von Autos verstärkt genutzt wurden.

Zersiedelung und Verstädterung

Die Baupolitik mit Neubausiedlungen im Umland der Städte hat ebenfalls dazu geführt, dass den Schleiereulen Lebensraum verloren gegangen ist. Ortsnahe Habitate mit Streuobstwiesen, Bauerngärten und Hecken, die einen fließenden Übergang von Städten zur Feldflur darstellten, sind heute nur noch selten zu finden. Neubausiedlungen grenzen heute meist unmittelbar an landwirtschaftlich intensiv genutzte Feldfluren an. Schleiereulen besiedeln diese Gebiete nicht mehr, selbst wenn sie ausreichend Brutplätze bieten. In einer Untersuchung des Instituts für Ökologie und Naturschutz wurde 1987 für Baden-Württemberg festgehalten, dass Gebiete wie das mittlere Neckartal, der Bereich von Esslingen/Plochingen/Stuttgart, der Großraum rund um die Stadt Ludwigsburg, die Filderhochfläche und der Bereich Böblingen/Sindelfingen/Herrenberg nicht mehr als schleiereulentauglich einzustufen seien.

Nistplatzmangel

Schleiereulen brüten bevorzugt in menschlicher Nähe und nutzen dabei unter anderem Scheunen, Ställe und Kirchtürme. In modernen Stallungsgebäuden wird auf die traditionellen "Uhlenlöcher" verzichtet; Ortskernsanierungen führten zum Abbruch alter Gebäude mit Schleiereulen-Brutplätzen und Kirchtürme - früher ein häufiger Brutplatz von Schleiereulen - wurden zunehmend vergittert und sind damit Schleiereulen nicht mehr zugänglich. Eine Untersuchung für 390 Gemeinden in Baden-Württemberg zeigt, dass im Zeitraum von 1947 bis 1982 72% der Gemeinden ihre Kirchtürme so umbauten, dass diese für Schleiereulen nicht mehr zugänglich waren. Diese Entwicklung hat sich vor allem seit den 1960er Jahren verstärkt; moderne Glockenläutanlagen sollten vor Eulenkot geschützt werden und verwilderten Haustauben soll keine Brutgelegenheit geboten werden.

Schutzmaßnahmen

In vielen Gebieten haben Schutzmaßnahmen, Bruthilfen und erfolgreiche Wiederansiedlungen zu einer Erholung der Bestände geführt, so dass optimale Schleiereulenhabitate zur Zeit wieder gut besiedelt sind. Die Bestandszahlen der 1950er Jahre sind jedoch bis jetzt nicht wieder erreicht.

Für erfolgreiche Schutzmaßnahmen war vor allem ein besseres Verständnis der Brutbiologie der Schleiereule notwendig. Aufgrund von Infrarot-Aufnahmen und von Beobachtungen an gefangenen Schleiereulen weiß man, dass in zu engen Nistkästen der Kot sehr schnell das Gefieder der Jungvögel verklebt. Den Jungvögeln fehlt dort darüber hinaus der Raum, in dem sie ihre Jagdtechniken eintrainieren können, so dass diese Vögel weit weniger in der Lage sind, die erste Zeit ihrer Selbständigkeit zu überleben. Wichtig ist außerdem, dass den Jungvögeln in der Nähe des Brutortes weitere Unterschlupfmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Schleiereulen beginnen bei ausreichendem Nahrungsangebot frühzeitig mit einer zweiten Brut und die Altvögel vertreiben sehr schnell die Jungvögel. Diese benötigen in den ersten Tagen in der Nähe des Brutortes geschützte Ruheplätze.

Seit den 1970er Jahren wurden Maßnahmen unternommen, vor allem die Kirchtürme wieder Schleiereulentauglich rückzubauen. Dabei wurden Bauweisen entwickelt, die zum einen wertvolle Bauanlagen vor Eulenkot schützen und gleichzeitig verhindern, dass sich wilde Haustauben ansiedeln. Vorteilhaft dabei ist, dass Schleiereulen bereits sehr enge Einflugöffnungen von nur 15 x 20 cm annehmen. Ein anschließender Brutraum in einer Größe von mindestens 2m x 2m gewährleistet, dass den Jungvögeln ausreichend Raum zur Verfügung steht.

Trotz dieser Fortschritte bei den Schutzmaßnahmen fehlt die Schleiereule gebietsweise nach den Kältewintern der 1960er und 1970er Jahre noch immer. Dies gilt zum Beispiel für weite Teile Österreichs. Die Eingriffe in die Lebensräume der Schleiereule läßt sich nicht durch die Schaffung geeigneter Nisthilfen kompensieren. Die Schleiereule profitiert jedoch von Neuanlagen von Hecken, vom verstärkten Schutz der verbliebenen Streuobstwiesen. Stilllegungsprogramme auf landwirtschaftlichen Flächen wirken sich durch Verminderung negativer Randzoneneinflüsse wie Abdrift von Dünger und Pflanzenschutzmitteln und damit durch Verbesserung der Lebensraumstrukturen wie Hecken, Gräben, Einzelbäume positiv aus.

Mensch und Schleiereule

Als Jäger von Mäusen und Ratten wird die Schleiereule vielerorts in Mitteleuropa von Landwirten geschätzt. Traditionell gebaute Scheunen und Ställe haben deshalb in vielen Regionen sogenannte Eulentüren oder Eulenlöcher, die den Vögeln Zugang zu geeigneten Brutplätzen bieten.

Mit dem jahrtausendelangen Kulturfolger verbindet sich jedoch auch viel Aberglaube. Eine an die Scheunentür genagelte Eule soll Unheil vom Hof abwenden und ihn vor Blitzeinschlag und Feuer schützen. Ihr Ruf kündigt in manchen Regionen den Tod an, in anderen Regionen weist Eulengeschrei auch auf eine bevorstehende Geburt.

Der Aberglaube differenziert dabei meistens nicht zwischen den einzelnen Eulenarten. Da die Schleiereule mit ihrem bevorzugten Brutplatz in Scheunen, Ställen, Ruinen und Kirchtürmen als Art jedoch in der größten Nähe zum Menschen lebt, war bzw. ist sie in abergläubische Rituale am ehesten involviert.

Sonstiges

Die Schleiereule ist Vogel des Jahres 1977.

Literatur

  • John A. Burton (Hrsg); Eulen der Welt - Entwicklung - Körperbau - Lebensweise, Neumann-Neudamm Verlag Melsungen, 1986, ISBN 3-7888-0495-5
  • Jochen Hölzinger Hrsg); Die Vögel Baden-Württembergs, Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg, Institut für Ökologie und Naturschutz, Ulmer Verlag Stuttgart, 1987, ISBN 3-8001-3440-3, S. 1054 - 1069
  • Hanns Bächtold-Stäubli, Eduard Hoffmann-Krayer (Hrsg): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Walter de Gruyter Verlag 1987, ISBN 3-11-011194-2 (Unveränderter photomechanischer Nachdruck der Ausgabe von 1927), Band 2, Stichwort Eule
  • Mebs: Eulen und Käuze. Alle europäischen Eulen und Käuze, Franckh-Stuttgart 1987, Seiten 68-73, ISBN 3-440-05708-9
  • Mebs/Scherzinger: Die Eulen Europas, Franckh-Stuttgart 2000, ISBN 3-440-07069-7
  • Schneider/Eck: Schleiereulen, Neue Brehm-Bücherei Band 340, Spektrum Verlag Hedelberg (Reprint Westarp Wissenschaften) 1995, ISBN 3-89432-468-6

Weblinks

Commons: Tyto alba – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien