Überseestadt

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Koordinaten: 53° 5′ 47″ N, 8° 46′ 9″ O

Speicher XI, im vordersten Teil das Hafenmuseum nebst Restaurant sowie das Bremer Zentrum für Baukultur, im hinteren Teil die Hochschule für Künste
Gebäudesanierung im Rahmen des Projekts „Speicherhafen“
Die Rolandmühle, mit 12 modernen Silos, ist nach wie vor eine wichtige Stütze der bremischen Hafenwirtschaft.
Alte Feuerwache und altes Zollamt Holzhafen nahe dem Überseetor

Die Überseestadt in Bremen ist seit 2009 ein Ortsteil des Stadtteils Walle. Zugleich ist „Überseestadt“ der Name für ein in der Umsetzung befindliches Stadtentwicklungsvorhaben der alten Hafengebiete in Bremen im Sinne der Gestaltung einer modernen Waterfront. Das Vorhaben sieht eine langfristige Entwicklung des alten Hafengebietes zu einem attraktiven Standort für möglichst wertschöpfungsintensive unternehmerische Aktivitäten vor. Dabei geht es um Bestandsentwicklung im gleichen Maße wie um die Ansiedlung neuer Dienstleistungen, Gewerbe und Wohnraum.[1]

Das Projekt stellt von der Fläche und der vorgesehenen Investitionssumme her auch im europäischen Rahmen eine Besonderheit dar, die es mit den Londoner Docklands und der Hamburger HafenCity vergleichbar macht.[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stadtentwicklungsvorhaben Überseestadt umfasst den Ortsteil Überseestadt (vormals Handelshäfen) und dem zum Ortsteil Steffensweg gehörenden Waller Wied. Es erstreckt sich zwischen den Ortsteilen Mitte und Gröpelingen entlang der Weser. Das Gebiet ist 4,5 Kilometer lang und einen Kilometer breit. Landseitig wird es von der Hans-Böckler-Straße / Nordstraße / Bremerhavener Straße begrenzt.

Das Gebiet wurde nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur Umsetzung des Stadtentwicklungsvorhabens überwiegend industriell genutzt. Nur in einem eng abgeschlossenen Gebiet zwischen Nordstraße und Bogenstraße, dem Waller Wied, wurde die im Krieg zerstörte Wohnbebauung in den 1950er Jahren wiederhergestellt. Das nördliche Drittel der Überseestadt und die Flächen direkt an der Weser sind nach wie vor industriell geprägt. Der Holz- und Fabrikhafen wird weiter herkömmlich als Hafen genutzt. Der Europahafen bleibt zwar als Hafenbecken bestehen, aber es wird keine hafentypische Nutzung mehr geben. Die Wasserfläche dient hauptsächlich der Freizeit-Schifffahrt, an der Nordseite entstand die Marina Europahafen. Die angrenzenden Landflächen sind Dienstleistungsbetrieben und Wohnzwecken vorbehalten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Holz- und Fabrikenhafen

Die Versandung erschwerte bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts den Schiffsverkehr auf der Weser. Hochseeschiffe steuerten nicht mehr die in der Stadtmitte gelegenen Häfen (Schlachte) an, sondern flussabwärts gelegene, zunächst Vegesack, später Brake (Unterweser) und ab 1827 Bremerhaven. Um den lukrativen Handel und Schiffsverkehr wieder in die Stadt zu holen, baute Bremen ab 1887 einen flussabwärts des Stadtkerns gelegenen Freihafen, den Europahafen. Das Projekt war erfolgreich, nach dem ersten Hafenbecken folgten flussabwärts weitere Hafenbecken, zuletzt 1906 der Überseehafen. Der Hafenbetrieb an der Schlachte wurde eingestellt.

Überseehafen und Europahafen waren klassische Stückgut-Häfen. 1964 begann in Bremen die Zeit des Containers: Erstmals erreichte ein Schiff mit Containern Bremen. Im Neustädter Hafen wurden 1968 die ersten Container-Brücken in Betrieb genommen. In der Folgezeit ging das Stückgutaufkommen zurück - die Stückgutfracht endete in den 1980er Jahren. Neue Schiffe wurden mit mehr Kapazität und Tiefgang gebaut, so dass die aus dem 19. Jahrhundert stammenden Häfen, die zugehörigen Lagerflächen und die Weser für die modernen Bedürfnisse zu eng wurden. Auch die Ausstattung der beiden Häfen mit RoRo-Terminals in den Jahren 1967 und 1972 konnten deren wirtschaftlichen Niedergang nicht aufhalten. Aufgrund erheblicher Baufälligkeit der Kaianlagen wurde der Überseehafen 1991 geschlossen. Da es für den Hafen keinen Bedarf mehr gab und auch seine Sicherung zu kostenträchtig erschien, wurde das Hafenbecken 1998 mit rund 3,5 Mio. Kubikmetern Sand, der bei Baggerarbeiten in der Außenweser anfiel, verfüllt. Damit entstand die Grundlage für das Stadtentwicklungsvorhaben „Überseestadt“.

Aufgrund der geänderten Nutzung des Überseehafengebietes wurden die stadtbremischen Verwaltungsbezirke durch das Ortsgesetz vom 24. März 2009 (BremGBl S. 93) neu geordnet. Dadurch wurde der frühere Ortsteil Handelshäfen aus dem Stadtteil Häfen ausgegliedert und als Ortsteil Überseestadt in den Stadtteil Walle eingegliedert.

Stadtentwicklungsvorhaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bremer Senat beschloss 2000 die „Entwicklungskonzeption zur Umstrukturierung der Alten Hafenreviere in Bremen“. 2003 wurde der „Masterplan Überseestadt“ verabschiedet.

Das südliche, stadtnächste Drittel der Überseestadt wurde über die Lloydstraße und die Eduard-Schopf-Allee erschlossen, die Überseestadt-Mitte über das Hansator und die Überseestadt-Nord über das Überseetor und die Emder Straße. Bei der Eduard-Schopf-Allee handelt es sich um eine neue Verbindungsstraße, die die in den 1960er Jahren errichtete Hochstraße B 6 unterquert und damit die Überseestadt via den Verkehrszug Am Wall an das Stadtzentrum anbindet - und somit einen neuen stadträumlichen Bezug herstellt. Auch innerhalb der Überseestadt wurden zahlreiche Straßen saniert, verlegt oder neu angelegt.

Durch die Überseestadt-Süd und die Überseestadt-Mitte ist parallel zum bisherigen Streckenverlauf eine Straßenbahnstrecke gebaut worden, die seit Dezember 2006 von der Straßenbahnlinie 3 bedient wird. Zuvor führte die Linie 3 am Rand der Überseestadt entlang. Die Linie 3 wird zwischen Europahafen und Eduard-Schopf-Allee über ein 4-Schienen-Gleis geführt; auf dem versetzten Gleis werden Übergabefahrten der Hafengüterbahn für Kelloggs durchgeführt.

Im April 2007 hat die Stadtbürgerschaft einen Bebauungsplan beschlossen, dem zufolge an der Wasserkante im Nordwesten der Überseestadt, im Quartier Überseepark, Wohn-, Geschäfts- und Bürogebäude entstehen sollen, die von den angrenzenden Gewerbegebieten durch einen schmalen Grünstreifen getrennt werden.[3]

Der erste im Rahmen der Stadtentwicklung neu angesiedelte Gewerbebetrieb war der Großmarkt in der Überseestadt-Nord im November 2002. In der Überseestadt-Nord sind weitere Flächen für Industriebetriebe vorgesehen.

Im Zuge der Stadtentwicklung siedeln sich zahlreiche Dienstleistungsunternehmen in den teils sanierten, teils neu gebauten Gebäuden in der Überseestadt an. Große Büroflächen werden im Speicher I (Umbau 2006) und im Speicher XI (Umbau 2001/03), zwei umgebauten Lagergebäuden mit beeindruckenden Abmessungen, angeboten. In den sanierten Speicher XI, einem ehemaligen Baumwollspeicher, sind u.a. das Hafenmuseum, die Speicherbühne sowie die Hochschule für Künste Bremen mit dem Fachbereich Freie Kunst und Design eingezogen.

Im so genannten Weser Quartier der Überseestadt rund um den früheren Weserbahnhof wurde mit dem von Helmut Jahn entworfenen 82 Meter hohen Weser Tower das höchste Bürogebäude der Stadt errichtet. Weitere Bürogebäude, Freizeit- und Gastronomiebetriebe, ein Hotel, ein Theater etc. befinden sich in Bau oder wurden wie der Hilde-Adolf-Park bereits fertiggestellt.[4]

Im Oktober 2017 wurde eine Übereinkunft zwischen der Stadt Bremen und Kellog's Deutschland erzielt, wonach das angrenzende Gelände der früheren Frühstücksflockenfabrik gemeinsam entwickelt werden solle. Mit dem Windkraftunternehmen wpd AG stehe ein Investor bereit, der das Gelände kaufen und in ein „grünes Areal“ verwandeln wolle, das von Windenergie versorgt werden soll.[5]

Sehenswürdigkeiten und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Molenfeuer Überseehafen Süd

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Holz- und Fabrikenhafen, Feuerwache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Restaurant Feuerwache
  • Hafencasino (Trucker Stop)

Speicher XI, Stauerei, Energieleitzentrale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schuppen 1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zentrum für Automobilkultur [6]
  • TeamEscape Bremen
  • Restaurant Al Dar Bremen

Europahafen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Golden City Hafenbar [7]

Schulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Hafenfachschule im Lande Bremen, Tilsiter Straße 8-10
  • Die CASA e. V. Internationale Sprachenschule im Speicher XI

Wirtschaft, Behörden und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

größere Unternehmen

Behörden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • GeoInformation Bremen, Landesamt für Kataster - Vermessung - Immobilienbewertung - Informationssysteme, Lloydstraße 4

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der bereits erwähnten Straßenbahnlinie 3 wird die Überseestadt von drei Buslinien bedient:

  • Buslinie 20 Hauptbahnhof – Überseestadt - Hohweg
  • Buslinie 26 Huckelriede – Hauptbahnhof – Findorff – Walle
  • Buslinie 28 Universität – Findorff – Walle

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Masterplan - Überseestadt Bremen. ueberseestadt-bremen.de, abgerufen am 17. Oktober 2010.
  2. Harald Czycholl: Bremens Überseestadt ist Europas größtes Bauprojekt; welt.de vom 22. Oktober 2011, abgerufen am 22. Oktober 2011
  3. http://www.bauleitplan.bremen.de/bplan.php?BP_NR=2335
  4. Überseestadt-Bauboom ungebrochen, Weser Kurier, 1. November 2012
  5. Maren Beneke: Eine bremische Lösung für das Kellogg-Areal. In: Weser Kurier, 2. November 2017.
  6. Zentrum für Automobilkultur, abgerufen am 22. Oktober 2014
  7. Golden City Hafenbar, abgerufen am 22. Oktober 2014

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Überseestadt (Bremen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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