Šilheřovice

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Šilheřovice
Wappen von Šilheřovice
Šilheřovice (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Moravskoslezský kraj
Bezirk: Opava
Fläche: 2165 ha
Geographische Lage: 49° 55′ N, 18° 17′ OKoordinaten: 49° 55′ 14″ N, 18° 16′ 35″ O
Höhe: 221 m n.m.
Einwohner: 1.580 (1. Jan. 2019)[1]
Postleitzahl: 747 15
Verkehr
Straße: Hlučín- Šilheřovice
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Mgr. Radek Kaňa
Adresse: Střední 305
74715 Šilheřovice
Gemeindenummer: 510432
Website: www.silherovice.cz

Šilheřovice (deutsch Schillersdorf; polnisch Szylerzowice) ist eine Gemeinde im Okres Opava in der Region Mährisch-Schlesien in Tschechien.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Šilheřovice liegt acht Kilometer nordöstlich von Hlučín. Nachbarorte sind Hať (Haatsch) im Norden, Bohumín und Vrbice (Wirbitz) im Südosten, Markvartovice (Markersdorf) und Petřkovice (Petrzkowitz/Petershofen), im Süden, Ludgeřovice und Hlučín im Südwesten und Darkovičky (Kleindarkowitz) im Westen. Nordöstlich verläuft die Grenze zu Polen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schillersdorf gehörte zum Herzogtum Troppau. Zusammen mit den benachbarten, deutsch besiedelten Orten Ludgersthal und Markersdorf lag es im Osten des Hultschiner Ländchens. Im 15. Jahrhundert war es im Besitz der Ritter von Schillersdorf, um 1530 gehörte es den Herren Birka von Nassiedel (Bírka z Násile). 1560 erwarben die Herren von Würben die Herrschaft Schillersdorf, denen damals das gesamte Hultschiner Ländchen untertan war. Sie ließen vermutlich ein Renaissance-Kastell errichten, das erstmals 1609 urkundlich erwähnt wurde, als Schillersdorf von Bohunka Stosch von Kaunitz erworben wurde, der Gemahlin des Johann Saszowski von Geraltowitz alias Geraltowsky (polnisch Gierałtowski) aus dem schlesischen Uradelsgeschlecht Haus Saszowski (Szaszowski, Schassowsky).[2][3] Nach mehreren Besitzerwechseln gelangte es an Gräfin Barbara Perpetua von Ursenberg, die Schillersdorf 1674 dem Troppauer Jesuitenkolleg verkaufte. Die Jesuiten errichteten Anfang des 18. Jahrhunderts die barocke Kirche Mariä Himmelfahrt. Da sie von ihren Untertanen überzogene Abgaben forderten, brach 1734 ein Bauernaufstand aus.

Nach dem Ersten Schlesischen Krieg fiel Schillersdorf 1742 wie fast ganz Schlesien an Preußen. Es blieb zunächst weiterhin im Besitz der Jesuiten, wurde jedoch unter die Verwaltung des nun ebenfalls in Preußen liegenden Neisser Jesuitenkollegs gestellt. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 wurde Schillersdorf von der königlich-preußischen Kammer verwaltet. Sie verkaufte es 1787 an den Freiherrn Karl von Larisch, der es im gleichen Jahr dem Freiherrn Friedrich von Eichendorff veräußerte. Während seiner Herrschaft wurde an der Stelle des im Dreißigjährigen Krieg verwahrlosten alten Kastells ein Schloss im klassizistischen Stil errichtet. Hier verlebte Joseph von Eichendorff, ein Neffe des damaligen Besitzers, einige Jugendjahre. 1817 erfolgte in der Grundherrschaft Schillersdorf die Aufhebung der Leibeigenschaft. 1835 wurde Schillersdorf von Franz Hubert Stücker von Weyershof erworben, der es 1846 dem Freiherrn Salomon Meyer von Rothschild verkaufte. Bei dessen Nachkommen blieben das Gut und Schloss Schillersdorf bis zur Enteignung 1945. Unter den Rothschild wurde der Schlosspark erweitert und Treibhäuser sowie Orangerien errichtet.

Aufgrund des Versailler Vertrages von 1919 wurde Schillersdorf zusammen mit dem Hultschiner Ländchen 1920 ohne Volksabstimmung der Tschechoslowakei zugeschlagen. Nach dem Münchener Abkommen vom 29. September 1938 wurde Schillersdorf zusammen mit dem Hultschiner Ländchen reichsdeutsch besetzt. Es gehörte nunmehr zum Landkreis Hultschin, der 1939 dem Landkreis Ratibor in der preußischen Provinz Schlesien eingegliedert wurde. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs fiel Schillersdorf erneut an die Tschechoslowakei zurück.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1869: 1197 Einwohner
  • 1900: 1482.
  • 1930: 1564 (davon 74 Deutsche)
  • 1950: 1547.
  • 1991: 1554.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Gemeinde Šilheřovice sind keine Ortsteile ausgewiesen. Zu Šilheřovice gehört die Ansiedlung Paseky.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Šilheřovice
  • Das Schloss Šilheřovice wurde Ende des 17. Jahrhunderts von Friedrich Freiherr von Eichendorf errichtet. Nach 1820 wurde der Landschaftspark angelegt, in dem sich ein Jagdschloss befindet.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2019 (PDF; 0,8 MiB)
  2. Johannes Sinapius: Schlesische Curiositäten, darinnen die ansehnlichen Geschlechter des Schlesischen Adels mit Erzehlung des Ursprungs, der Wappen, Genealogien (etc.). Band I. Verlag des Autoris, Leipzig 1720, S. 389–390 (books.google.co.uk).
  3. Szymon Okolski: Orbis Polonus splendoribus coeli, triumphis mundi, pulchritudine animantium condecoratus, in quo antiqua Sarmatorum gentiliata pervetusta nobilitatis insignia etc. specificantur et relucent. Band III. In Officina Typographica Francisci Cæsarii, Kraków, S. 94–98 (Latein, pbi.edu.pl – 1641–1645).