Allgemeine Ortskrankenkasse

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AOK ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Weitere Bedeutungen sind unter AOK (Begriffsklärung) aufgeführt.
AOK-Logo
AOK-Geschäftsstelle in Wuppertal-Elberfeld
AOK-Gebäude in Leipzig, erbaut 1923–1925 von Otto Droge
AOK-Gebäude in Erfurt, erbaut 1930 von Theo Kellner
Sitz der AOK in Magdeburg

Unter dem Namen Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) bestehen derzeit in Deutschland elf rechtlich selbstständige Krankenkassen, bei denen insgesamt etwa 24 Millionen Menschen, d. h. rund ein Drittel der deutschen Bevölkerung, versichert sind.

Allgemeines[Bearbeiten]

Die AOKs treten unter der Marke „AOK – Die Gesundheitskasse.“ mit einheitlichem Erscheinungsbild auf. Jede AOK ist sowohl Krankenkasse als auch Landesverband im Sinne des SGB V. Aufgrund ihrer rechtlichen Struktur bezeichnet man eine AOK auch als eine landesunmittelbare Kasse, d. h. sie unterliegt der Aufsicht der für die Gesundheitspolitik zuständigen Landesgesundheitsministerien. Die AOKs sind rechtlich selbständige Körperschaften des öffentlichen Rechts. Sie haben eigene Selbstverwaltungen aus Vertretern von Arbeitgebern und Arbeitnehmern und eigene Vorstände.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Ortskrankenkassen wurden im Jahr 1884 unmittelbar nach der Einführung der gesetzlichen Krankenversicherung im Jahr 1883 durch Reichskanzler Otto von Bismarck gegründet.[1] Anfangs gab es 8.200 von ihnen, denen die Arbeiter zugewiesen wurden, wenn sie nicht anderweitig zu versichern waren. Ab 1892 konnten auch Angestellte und Heimarbeiter neben gewerblichen Arbeitern Mitglied werden. Im Lauf der Zeit wurden die AOKs auf Kreisebene organisiert und auch im Gefolge der Kreisverwaltungsreformen reduziert.

In vielen großen Orten wurden für die Verwaltung Gebäude errichtet, welche heute noch oft als AOK-Gebäude oder Krankenkassengebäude bezeichnet und manchmal auch noch als solche genutzt werden. Das Gesundheitsstrukturgesetz von 1992 hat mit der Einführung der freien Kassenwahl der Versicherten und des freien Wettbewerbs unter den Krankenkassen zu einer weiteren Fusionswelle unter den damals knapp 300 AOKs auf nunmehr elf geführt (siehe Abschnitt: Gliederung). Seit dem Ende der Primärzuständigkeit im Jahr 1996 ist auch die Schließung von Ortskrankenkassen bei mangelnder Leistungsfähigkeit durch die Aufsichtsbehörde möglich.

Aufgaben und Leistungen[Bearbeiten]

Gesundheitsvorsorge[Bearbeiten]

Wie alle Krankenkassen bieten auch die AOKs im Bereich der Gesundheitsvorsorge Pflichtleistungen (nach SGB-V) und Satzungsleistungen (über die Pflichtleistungen hinausgehende, in der Kassensatzung verankerte Leistungen) an.

Als Besonderheit unterhält die AOK als einzige deutsche gesetzliche Krankenkasse eine Auslands-Geschäftsstelle in Palma de Mallorca.

Beitragssätze[Bearbeiten]

Seit 1. Januar 2009 werden die Beiträge vom Gesetzgeber einheitlich vorgegeben.

Statistische Angaben[Bearbeiten]

Die AOKs haben zusammen etwa 53.900 Mitarbeiter und rund 1.250 Geschäftsstellen. 2008/2009 verzeichnete der Bundesverband für alle AOKs eine Gesamtzahl von 23.662.699 Versicherten, was 34 % der gesetzlich Krankenversicherten ausmachte, etwa ein Drittel der Bevölkerung Deutschlands. Die Gesamteinnahmen beliefen sich auf 62,0 Mrd. Euro. Dem gegenüber leisteten alle AOKs eine Gesamtsumme an 61,2 Mrd. Euro für Leistungsausgaben.[2] Das waren Ausgaben von 3.485 Euro je Mitglied. Die Behandlung im Krankenhaus war 2008 mit 34 % der größte Ausgabenposten.

Organisation[Bearbeiten]

Gliederung[Bearbeiten]

Bis zum 30. Juni 2006 gab es in jedem Bundesland eine selbständige AOK. Seitdem haben einige Kassen fusioniert, weitere Fusionen sind geplant. Derzeit gibt es in Deutschland folgende AOKs:

Krankenkasse Sitz Versicherte ca. Vertragspartner Anmerkungen
AOK Baden-Württemberg Stuttgart 3.702.206
AOK Bayern München 4.298.527 24.300 Ärzte, 8.514 Zahnärzte & Kieferorthopäden, 3.425 Apotheken, 395 Krankenhäuser, 395 Kureinrichtungen
AOK Bremen/Bremerhaven Bremen 220.000
AOK Hessen Bad Homburg v. d. H. 1.556.043 zum 1. Januar 2011 geplante Fusion mit der AOK PLUS gescheitert[3]
AOK Niedersachsen Hannover 2.450.000 zum 1. April 2010 Eingliederung der IKK Niedersachsen[4]
AOK Nordost Potsdam 1.825.000 seit 1. Januar 2011, hervorgegangen aus AOK Berlin-Brandenburg und AOK Mecklenburg-Vorpommern
AOK Nordwest Dortmund 2.800.000 seit 1. Januar 2010, hervorgegangen aus AOK Westfalen-Lippe und AOK Schleswig-Holstein
AOK Plus Dresden 2.700.000 seit 1. Januar 2008, hervorgegangen aus AOK Sachsen und AOK Thüringen, geplante Fusion mit AOK Hessen gescheitert[3]
AOK Rheinland/Hamburg Düsseldorf 2.900.000 seit 1. Juli 2006, hervorgegangen aus AOK Rheinland und AOK Hamburg
AOK Rheinland-Pfalz/Saarland Eisenberg 1.200.000 seit 1. März 2012, hervorgegangen aus AOK Rheinland-Pfalz und AOK Saarland
AOK Sachsen-Anhalt Magdeburg 750.000

Der AOK-Bundesverband[Bearbeiten]

Sitz des AOK-BV in Berlin-Mitte
AOK-Buddy Bär in der Rosenthaler Straße 31 in Berlin-Mitte

Die AOKs werden vom AOK-Bundesverband als eine Arbeitsgemeinschaft im Sinne des Sozialgesetzbuches (SGB X) in Form einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts vertreten.

Kernaufgaben des AOK-Bundesverbandes sind die Interessenvertretung gegenüber der Bundespolitik, dem GKV-Spitzenverband und den Vertragspartnern der AOKs auf Bundesebene. Hinzu kommen die Entwicklung neuer Produkte, die Markenpflege und das Finanzmanagement im Haftungsverbund der AOK-Gemeinschaft.

Der Bundesverband hat seinen Sitz in Berlin in der Rosenthaler Str. 31. Bis Oktober 2008 war der Bundesverband in Bonn angesiedelt. Vorsitzender des Geschäftsführenden Vorstandes ist seit 1. Oktober 2011 Jürgen Graalmann, sein Stellvertreter ist Uwe Deh. Alternierende Vorsitzende des Aufsichtsrates des AOK-Bundesverbandes sind Dr. Volker Hansen (Arbeitgebervertreter) und Fritz Schösser (Versichertenvertreter).

Der AOK-Bundesverband gibt unter anderem monatlich das Magazin „G+G“ (Gesundheit und Gesellschaft) heraus.

Der AOK-Bundesverband war vor dem 1. Januar 2009 eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und wurde durch das GKV-WSG zum 1. Januar 2009 in eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) umgewandelt. Die hoheitlichen Aufgaben, die der AOK-Bundesverband bislang wahrgenommen hat, werden seit dem 1. Juli 2008 vom neu gegründeten GKV-Spitzenverband wahrgenommen.

Das Wissenschaftliche Institut der AOK[Bearbeiten]

Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO), 1976 gegründet, ist eine selbständige Einheit mit ca. 75 Mitarbeitern innerhalb des AOK-Bundesverbandes ohne eigene Rechtspersönlichkeit. Es ist in die Forschungsbereiche Ambulante Analysen und Versorgung, Arzneimittel, Arzneimittelinformationssysteme und Analysen, Ärztliche Versorgung, Betriebliche Gesundheitsförderung, Heilmittel und Pflege, Gesundheitspolitik und Systemanalysen, Integrierte Analysen und Krankenhaus gegliedert.

Zusammenarbeit bei EDV und IT[Bearbeiten]

In Kooperation mit der SAP entwickelt die AOK eine Branchensoftware, die den gesamten Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung abdecken soll. Hierfür wurde die AOK Systems GmbH gegründet, die das Programm entwickelt und bei den Kassen implementiert. Das Programm oscare wird seit 2005 vermarktet.[5] Es wurde auch bereits an andere gesetzliche Krankenkassen wie z. B. die Barmer GEK und die Knappschaft verkauft. Die Auftraggeber verfolgen damit das Ziel eine Standardsoftware im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung zu entwickeln, in der sich die ständig wechselnden gesetzlichen Anforderungen realisieren lassen.

Zur weiteren Entwicklung der IT und zur Nutzung von Synergie-Effekten haben sich in der gesetzlichen Krankenversicherung mehrere Kassen zu einer Arbeitsgemeinschaft, namens gkv informatik GbR (gkvi) zusammengeschlossen. Dazu zählen die AOKs aus Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland/Hamburg, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Westfalen-Lippe sowie die Barmer GEK. Zusammen decken sie rund 23 % der in Deutschland gesetzlich versicherten Personen ab. Seit Oktober 2006 betreibt die gkv Informatik ein gemeinsames Rechenzentrum in Wuppertal-Lichtscheid.[6]

Zum 1. Januar 2008 hat die AOK Plus zusammen mit der AOK Bayern die gesamte IT in das Unternehmen kubus IT[7] ausgelagert und ein weiteres, gemeinsam genutztes Rechenzentrum in Bayreuth errichtet.[8]

Die AOKs Hessen, Thüringen, Rheinland-Pfalz und Saarland haben bereits im letzten Jahrtausend eine Zusammenarbeit ihrer IT-Bereiche beschlossen und daraufhin die ARGE mit Sitz im hessischen Ziegenhain gegründet. Die ARGE wurde 2007 zur IT|S|Care – IT-Dienstleistungen für den Gesundheitsmarkt umgestaltet. Nachdem die AOK Thüringen 2008 durch die Fusion zur AOK PLUS zur kubus IT wechselte, trat die AOK Baden-Württemberg der IT|S|Care bei. Die Sozialdaten von insgesamt 6,7 Millionen Versicherten der beteiligten AOKs werden durch die IT|S|Care verarbeitet und verwaltet.[9] Sitz des Unternehmens ist Frankfurt, das zentrale Rechenzentrum wird in Stuttgart betrieben.[10]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Allgemeine Ortskrankenkasse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Krankenversicherung

Pflegeversicherung

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zur Frühgeschichte der Ortskrankenkassen vgl. Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1867 bis 1914, II. Abteilung: Von der kaiserlichen Sozialbotschaft bis zu den Februarerlassen Wilhelms II. (1881–1890), 5. Band: Die gesetzliche Krankenversicherung und die eingeschriebenen Hilfskassen, bearbeitet von Andreas Hänlein, Florian Tennstedt und Heidi Winter, Darmstadt 2009; Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1867 bis 1914, III. Abteilung: Ausbau und Differenzierung der Sozialpolitik seit Beginn des Neuen Kurses (1890–1904), 5. Band, Die gesetzliche Krankenversicherung, bearbeitet von Wolfgang Ayaß, Florian Tennstedt und Heidi Winter, Darmstadt 2012.
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatZahlen und Fakten. Abgerufen am 8. Januar 2010 (PDF; 801 kB).
  3. a b AOK Hessen bleibt eigenständig vom 24. November 2010 auf aok.de, abgerufen am 29. November 2010
  4. http://www.aok.de/niedersachsen/nachrichten/index_138948.php
  5. http://www.aok-systems.de/produkte-loesungen/gkv-branchenloesung-oscarer.html
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-Formatgkv-informatik, bei barmer.de. Abgerufen am 25. Februar 2009.
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-Formatkubus IT - Gesellschafter. Abgerufen am 3. Februar 2014.
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-Formatkubus IT - Standorte. Abgerufen am 3. Februar 2014.
  9. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatÜber ITSCare - Gesellschafter. Abgerufen am 8. Januar 2010.
  10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatÜber ITSCare - Standorte. Abgerufen am 8. Januar 2010.