Allgemeine Ortskrankenkasse

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AOK ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Weitere Bedeutungen sind unter AOK (Begriffsklärung) aufgeführt.
AOK-Logo
AOK-Geschäftsstelle in Wuppertal-Elberfeld
Regionalniederlassung Recklinghausen
AOK-Gebäude in Leipzig, erbaut 1923–1925 von Otto Droge
AOK-Gebäude in Erfurt, erbaut 1930 von Theo Kellner
Sitz der AOK in Magdeburg

Unter dem Namen Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) bestehen derzeit in Deutschland elf rechtlich selbständige Krankenkassen, bei denen insgesamt mehr als 24,7 Millionen Menschen[1], also rund ein Drittel der deutschen Bevölkerung, versichert sind.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die AOKs treten unter der Marke „AOK – Die Gesundheitskasse“ mit einheitlichem Erscheinungsbild auf. Jede AOK ist sowohl Krankenkasse als auch Landesverband im Sinne des SGB V. Aufgrund ihrer rechtlichen Struktur bezeichnet man eine AOK auch als eine landesunmittelbare Kasse, d. h., sie unterliegt der Aufsicht der für die Gesundheitspolitik zuständigen Landesgesundheitsministerien. Die AOKs sind rechtlich selbständige Körperschaften des öffentlichen Rechts. Sie haben eigene Selbstverwaltungen aus Vertretern von Arbeitgebern und Arbeitnehmern und eigene Vorstände. Die AOKs haben zusammen etwa 61.500 Mitarbeiter und rund 1.380 Geschäftsstellen (Stand: 31. Dezember 2015). Im Jahresschnitt 2014 hatten die elf AOKs nach Angaben des AOK-Bundesverbandes 18.347.194 Mitglieder. Das entspricht einem Marktanteil von 34,7 Prozent und etwa einem Drittel der Bevölkerung Deutschlands. Die Gesamteinnahmen der AOK-Gemeinschaft betrugen 2014 rund 77 Milliarden Euro. Demgegenüber leisteten alle AOKs eine Gesamtsumme an 76,5 Milliarden Euro für Leistungsausgaben.[2] Das waren Ausgaben von 3.144 Euro je Mitglied. Die Behandlung im Krankenhaus war 2014 mit 35,5 Prozent (26,6 Milliarden Euro) der größte Ausgabenposten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortskrankenkassen wurden im Jahr 1884 unmittelbar nach der Einführung der gesetzlichen Krankenversicherung im Jahr 1883 durch Reichskanzler Otto von Bismarck gegründet.[3] Anfangs gab es 8.200 von ihnen, denen die Arbeiter zugewiesen wurden, wenn sie nicht anderweitig zu versichern waren. Ab 1892 konnten auch Angestellte und Heimarbeiter neben gewerblichen Arbeitern Mitglied werden. Im Lauf der Zeit wurden die AOKs auf Kreisebene organisiert und auch im Gefolge der Kreisverwaltungsreformen reduziert.

In vielen großen Orten wurden für die Verwaltung Gebäude errichtet, die heute noch oft als AOK-Gebäude oder Krankenkassengebäude bezeichnet und manchmal auch noch als solche genutzt werden. Das Gesundheitsstrukturgesetz von 1992 hat mit der Einführung der freien Krankenkassenwahl der Versicherten und des freien Wettbewerbs unter den Krankenkassen zu einer weiteren Fusionswelle unter den damals knapp 300 AOKs auf nunmehr elf geführt (siehe Abschnitt: Gliederung). Seit dem Ende der Primärzuständigkeit im Jahr 1996 ist auch die Schließung von Ortskrankenkassen bei mangelnder Leistungsfähigkeit durch die Aufsichtsbehörde möglich. Dies ist bisher allerdings noch nie geschehen.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den Fusionswellen, ausgelöst durch das Gesundheitsstrukturgesetz von 1992, erreichten die AOKs eine Reduzierung von 300 auf 17 Kassen, die sich meist genau auf ein Bundesland erstreckten. Da die Strukturen der Kassen teilweise historisch gewachsen sind, war eine Abdeckung auf Landesebene vor allem in den alten Bundesländern jedoch nicht immer möglich (Beispiel: ehem. AOK Rheinland, ehem. AOK Westfalen-Lippe). Seit dem 30. Juni 2006 haben einige Kassen nun auch länderübergreifend fusioniert. Derzeit gibt es in Deutschland folgende AOKs:

Krankenkasse Sitz Versicherte (Ende 2015)[4] Vertragspartner Anmerkungen
AOK Baden-Württemberg Stuttgart 4.050.191
AOK Bayern München 4.358.583 24.300 Ärzte, 8.514 Zahnärzte & Kieferorthopäden, 3.425 Apotheken, 395 Krankenhäuser, 395 Kureinrichtungen
AOK Bremen/Bremerhaven Bremen 232.000
AOK Hessen Bad Homburg v. d. H. 1.536.709 zum 1. Januar 2011 geplante Fusion mit der AOK PLUS gescheitert[5]
AOK Niedersachsen Hannover 2.438.180 zum 1. April 2010 Eingliederung der IKK Niedersachsen[6]
AOK Nordost Potsdam 1.750.000 seit 1. Januar 2011, hervorgegangen aus AOK Berlin-Brandenburg und AOK Mecklenburg-Vorpommern
AOK Nordwest Dortmund 2.745.000 sei 1. Oktober 2010, hervorgegangen aus AOK Westfalen-Lippe und AOK Schleswig-Holstein
AOK Plus Dresden 2.836.203 seit 1. Januar 2008, hervorgegangen aus AOK Sachsen und AOK Thüringen, geplante Fusion mit AOK Hessen gescheitert[5]
AOK Rheinland/Hamburg Düsseldorf 2.905.771 seit 1. Juli 2006, hervorgegangen aus AOK Rheinland und AOK Hamburg
AOK Rheinland-Pfalz/Saarland Eisenberg 1.170.000 seit 1. März 2012, hervorgegangen aus AOK Rheinland-Pfalz und AOK Saarland
AOK Sachsen-Anhalt Magdeburg 700.000

Als Besonderheit unterhalten die AOKs Geschäftsstellen in Spanien, Frankreich, Tschechien und in den Niederlanden [7]

AOK-Bundesverband[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sitz des AOK-BV in Berlin-Mitte
AOK-Buddy Bär in der Rosenthaler Straße 31 in Berlin-Mitte

Die AOKs werden vom AOK-Bundesverband als Arbeitsgemeinschaft im Sinne des Sozialgesetzbuches (SGB X) in Form einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts vertreten. Kernaufgaben des AOK-Bundesverbandes sind die Interessenvertretung gegenüber der Bundespolitik und auf Europaebene, gegenüber dem GKV-Spitzenverband und den Vertragspartnern der AOKs auf Bundesebene. Hinzu kommen die Entwicklung neuer Produkte, die Markenpflege und das Finanzmanagement im Haftungsverbund der AOK-Gemeinschaft. Der Bundesverband hat seinen Sitz in Berlin in der Rosenthaler Str. 31. Bis Oktober 2008 war der Bundesverband in Bonn angesiedelt. Seit 1. Januar 2016 ist Martin Litsch Vorstandsvorsitzender. Jährlich wechselnde (alternierende) Vorsitzende des Aufsichtsrates des AOK-Bundesverbandes sind Volker Hansen (Arbeitgeberseite) und Fritz Schösser (Versichertenseite). Der AOK-Bundesverband gibt unter anderem monatlich das Magazin "G+G" (Gesundheit und Gesellschaft) heraus.

Der AOK-Bundesverband war vor dem 1. Januar 2009 eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Nach Gründung des GKV-Spitzenverbandes durch das GKV-Wirtschaftlichkeitsstärkungsgesetz wurde der Bundesverband zum 1. Januar 2009 in eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts umgewandelt. Hoheitliche Aufgaben, die der AOK-Bundesverband und die anderen Krankenkassen-Spitzenverbände bis dahin wahrgenommen hatten, wurden durch das GKV-WSG zum 1. Juli 2008 auf den GKV-Spitzenverband übertragen.

Wissenschaftliches Institut der AOK[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO), 1976 gegründet, ist eine selbstständige Einheit mit ca. 75 Mitarbeitern innerhalb des AOK-Bundesverbandes ohne eigene Rechtspersönlichkeit. Es ist in die Forschungsbereiche Ambulante Analysen und Versorgung, Arzneimittel, Arzneimittelinformationssysteme und Analysen, Ärztliche Versorgung, Betriebliche Gesundheitsförderung, Heilmittel und Pflege, Gesundheitspolitik und Systemanalysen, Integrierte Analysen und Krankenhaus gegliedert.

Zusammenarbeit bei EDV und IT[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Kooperation mit der SAP entwickelt die AOK eine Branchensoftware, die den gesamten Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung abdecken soll. Hierfür wurde die AOK Systems GmbH gegründet, die das Programm entwickelt und bei den Kassen implementiert. Das Programm oscare wird seit 2005 vermarktet.[8] Es wurde auch bereits an andere gesetzliche Krankenkassen wie z. B. die Barmer GEK und die Knappschaft verkauft. Die Auftraggeber verfolgen damit das Ziel eine Standardsoftware im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung zu entwickeln, in der sich die ständig wechselnden gesetzlichen Anforderungen realisieren lassen.

Zur weiteren Entwicklung der IT und zur Nutzung von Synergie-Effekten haben sich in der gesetzlichen Krankenversicherung mehrere Kassen zu einer Arbeitsgemeinschaft, namens gkv informatik zusammengeschlossen. Dazu zählen die AOKn aus Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland/Hamburg, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Westfalen-Lippe sowie die Barmer GEK. Zusammen decken sie rund 23 % der in Deutschland gesetzlich versicherten Personen ab. Seit Oktober 2006 betreibt die gkv Informatik ein gemeinsames Rechenzentrum in Wuppertal-Lichtscheid.[9]

Zum 1. Januar 2008 hat die AOK Plus zusammen mit der AOK Bayern die gesamte IT in das Unternehmen kubus IT[10] ausgelagert und ein weiteres, gemeinsam genutztes Rechenzentrum in Bayreuth errichtet.[11]

Die AOKs Hessen, Thüringen, Rheinland-Pfalz und Saarland haben bereits im letzten Jahrtausend eine Zusammenarbeit ihrer IT-Bereiche beschlossen und daraufhin die ARGE mit Sitz im hessischen Ziegenhain gegründet. Die ARGE wurde 2007 zur IT|S|Care – IT-Dienstleistungen für den Gesundheitsmarkt umgestaltet. Nachdem die AOK Thüringen 2008 durch die Fusion zur AOK PLUS zur kubus IT wechselte, trat die AOK Baden-Württemberg der IT|S|Care bei. Die Sozialdaten von insgesamt 6,7 Millionen Versicherten der beteiligten AOKn werden durch die IT|S|Care verarbeitet und verwaltet.[12] Sitz des Unternehmens ist Frankfurt, das zentrale Rechenzentrum wird in Stuttgart betrieben.[13]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Allgemeine Ortskrankenkasse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Krankenversicherung

Pflegeversicherung

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Magazin Focus Nr. 4 / 2016, S. 68
  2. Zahlen und Fakten. Abgerufen am 6. Januar 2015 (PDF; 801 kB).
  3. Zur Frühgeschichte der Ortskrankenkassen vgl. Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1867 bis 1914, II. Abteilung: Von der Kaiserlichen Sozialbotschaft bis zu den Februarerlassen Wilhelms II. (1881–1890), 5. Band: Die gesetzliche Krankenversicherung und die eingeschriebenen Hilfskassen, bearbeitet von Andreas Hänlein, Florian Tennstedt und Heidi Winter, Darmstadt 2009; Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1867 bis 1914, III. Abteilung: Ausbau und Differenzierung der Sozialpolitik seit Beginn des Neuen Kurses (1890–1904), 5. Band, Die gesetzliche Krankenversicherung, bearbeitet von Wolfgang Ayaß, Florian Tennstedt und Heidi Winter, Darmstadt 2012.
  4. Magazin Focus Nr. 4 / 2016, S. 68
  5. a b AOK Hessen bleibt eigenständig vom 24. November 2010 auf aok.de, abgerufen am 29. November 2010
  6. http://www.aok.de/niedersachsen/nachrichten/index_138948.php
  7. AOK-Geschäftsstellen im Ausland. gemeinsame Webseite der AOKs. Abgerufen am 8. Januar 2015.
  8. GKV-Branchenlösung oscare® Eine einheitliche IT-Plattform für die Prozesse der GKV (Memento vom 1. Mai 2010 im Internet Archive)
  9. gkv-informatik, bei barmer.de. Abgerufen am 25. Februar 2009.
  10. kubus IT - Gesellschafter. Abgerufen am 3. Februar 2014.
  11. kubus IT – Standorte. Abgerufen am 3. Februar 2014.
  12. Über ITSCare – Gesellschafter. Abgerufen am 8. Januar 2010.
  13. Über ITSCare – Standorte. Abgerufen am 8. Januar 2010.