ARD 2

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ARD 2
Senderlogo
ARD Logo 1954.png
Allgemeine Informationen
Empfang: analog terrestrisch
Sendeanstalt: ARD
Sendebeginn: 1. Mai 1961[1]
Sendeschluss: 31. März 1963
Rechtsform: Öffentlich-rechtlich
Programmtyp: Vollprogramm
Liste von Fernsehsendern

Die ARD betrieb vom 1. Juni 1961 bis zum 31. März 1963 nahezu bundesweit ein zweites Fernsehprogramm, das rückwirkend als ARD 2 bezeichnet wird. Im Bereich des Hessischen Rundfunks ging ARD 2 bereits am 1. Mai 1961 als Hessisches Kontrastprogramm oder auch Zweites Programm auf Sendung.[2][3]

Beschluss der Ministerpräsidenten[Bearbeiten]

In ihrer Konferenz vom 17. März 1961 sprachen sich die Ministerpräsidenten dafür aus, dass die ARD ein zweites Fernsehprogramm einrichten solle. Es handelte sich dabei um eine Empfehlung, nicht um einen Auftrag, der aber bereits auf der ARD-Hauptversammlung am 23. März in München umgesetzt wurde. Sendebeginn sollte am 1. Juni 1961 sein, wobei die einzelnen Anstalten früher starten durften. Davon machte der Hessische Rundfunk Gebrauch, der bereits ab dem 1. Mai 1961 ein zweites Programm anbot.[4]

Umstritten war in der Konferenz die Schaffung eines bundesweiten Programms, insbesondere Bayern setzte sich dafür ein, ein Regionalprogramm zu schaffen. Der beschlossene Kompromiss sah deswegen vor, dass die einzelnen Landesrundfunkanstalten sich aus dem Gemeinschaftsprogramm ausklinken durften, um ein Regionalprogramm zu senden.

Ausstrahlung[Bearbeiten]

Das zweite Programm der ARD wurde im Wesentlichen auf den Frequenzen ausgestrahlt, die später an das ZDF fallen sollten. Jedoch hatte das Sendernetz noch bei weitem nicht den späteren Ausbaustand erreicht, so dass das Programm vor allem in ländlichen Regionen gar nicht, nur mit erhöhtem Aufwand oder erst mit Verzögerung empfangen werden konnte. Da es sich ausnahmslos um Frequenzen im UHF-Bereich handelte, verlangte der Empfang zudem nach einer zweiten Antenne sowie einem Fernsehapparat mit UHF-Empfangsteil oder einem separaten UHF-Konverter. Beide Aspekte zusammen hatten zur Folge, dass zu Sendebeginn nur etwa 10 % aller Fernsehteilnehmer ARD 2 empfangen konnten.

Sendungen[Bearbeiten]

Das Programm von ARD 2 begann täglich um 20 Uhr mit der Übernahme der Tagesschau aus dem ersten Programm und endete in der Regel zwischen 22 Uhr und Mitternacht. Es bestand aus Wiederholungen von Magazinsendungen des ersten Programms, wie z.B. Panorama, und Dokumentationen und Spielfilmen. Auch fungierte ARD 2 als Ersatzplattform für Sendungen wie die Sportschau, wenn diese aufgrund von Sondersendungen nicht im ersten Programm ausgestrahlt werden konnte.

Anders als im ersten Programm der damaligen Zeit strahlten auf ARD 2 nur der Westdeutsche Rundfunk ein Regionalprogramm in seinem Sendegebiet aus. Es handelte sich um das Prisma des Westens, welches werktäglich um 19:30 Uhr vor Beginn des regulären ARD-2-Programms lief - im ersten Programm zeigte der WDR von 18:40 Uhr bis 19:30 Uhr sein Regionalmagazin Hier und Heute und von 19:30 Uhr bis 20 Uhr Serien. Der Bayerische Rundfunk machte von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch, obwohl man sich auf der Ministerpräsidentenkonferenz dafür eingesetzt hatte.

Die Anteile, mit denen die einzelnen Landesrundfunkanstalten zum Programm beitrugen, unterschieden sich von denen des Ersten Programms. Ab dem 1. Januar 1962 galt folgende Aufteilung:[5]

Anstalt ARD ARD 2
WDR 22,5 % 30 %
NDR 22,5 % 22 %
BR 17 % 15 %
SWF 8 % 6 %
HR 8 % 9 %
SDR 8 % 6 %
SFB 8 % 7 %
SR 3 % 2 %
RB 3 % 3 %

Als Koordinator für ARD 2 wurde der Programmdirektor des WDR Fernsehens Hans Joachim Lange gewählt. Für das Programmschema galten folgende Vereinbarungen:[5]

1. Juni bis 31. Dezember 1961 1. Januar bis 30. Juni 1962
Sonntag Aktuelles Magazin Das Panorama
Unterhaltungsfilm
Sportschau
Aktuelles Magazin Das Panorama
Sport
Montag Spielfilm
Politisches Magazin Die Zone hat das Wort
Spielfilm
Quizsendungen
Dienstag Auslandsberichte
Unterhaltung
Auslandsberichte
„Gehobene“ Unterhaltung
Mittwoch Kulturmagazin
Experimentelle Programme
Kulturmagazin
Filmclub
Studiobühne (Bühnenaufführungen)
Donnerstag Unterhaltung
Kriminalfilm
Freie Gestaltung durch eine ARD-Anstalt
Freitag Unterhaltung
Spiele
Aktuelle Sendungen und Dokumentationen
Unterhaltung
Samstag Film
Bühnenaufführungen
Fernsehspiele

Für ARD 2 bekamen die Landesrundfunkanstalten 50 % des ZDF-Anteils der Fernsehgebühren.

Ende[Bearbeiten]

ARD 2 war von vornherein als Provisorium gedacht. Die Ausstrahlung sollte am 30. Juni 1962 enden, bei einem früheren Sendebeginn des ZDF auch eher. Da sich die Vorbereitungen beim ZDF aber verzögerten, verlängerte man den Zeitraum bis zum 31. März 1963. Am 1. April 1963 übernahm das ZDF dann die Senderkette und startete seinen Sendebetrieb.

Die ARD hatte damit wieder nur ein Fernsehprogramm zur Verfügung. Die Hoffnungen einiger Rundfunkanstalten, sofort mit einem weiteren Programm fortsetzen zu können, ließen sich nämlich nicht realisieren. Jedoch begann die ARD rasch mit dem Aufbau der Dritten Fernsehprogramme. Das Bayerische Fernsehen startete damit schon am 22. September 1964 und damit weniger als anderthalb Jahre nach dem Ende von ARD 2.

Bis zum 30. September 1963 wurde im Sendegebiet des WDR noch das Prisma des Westens auf den Frequenzen des ZDF ausgestrahlt. Es lief werktäglich von 18:45 Uhr bis 19:08 Uhr und damit in der Hauptwerbezeit, was einen erheblichen Einnahmeausfall für das ZDF bedeutete. Dabei handelte es sich um eine Initiative des Ministerpräsidenten Franz Meyers, die der WDR nur widerwillig umsetzte. Die Idee dabei war es, ein ununterbrochenes Ausstrahlen des Regionalprogramms zu ermöglichen, in der Erwartung, mit Ablauf der Frist bereits ein Drittes Fernsehprogramm starten zu können.[6]

Literatur[Bearbeiten]

  • Heiko Flottau: Hörfunk und Fernsehen heute. Günter Olzog Verlag, München 1972. ISBN 3-7892-7048-2
  • Klaus Wehmeier: Die Geschichte des ZDF. Hase & Koehler Verlag, Mainz 1979. ISBN 3-7758-0978-3

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43364440.html
  2. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43364440.html
  3. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43161002.html
  4. Conny auf Kanal 17. Der Spiegel, abgerufen am 6. Dezember 2013.
  5. a b Die Geschichte des ZDF, Kapitel 2.4 Provisorisches zweites ARD-Fernsehprogramm
  6. Die Geschichte des ZDF, Kapitel 5.5 Fensterprogramm des WDR auf der ZDF-Senderkette