Achim Mentzel

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Achim Mentzel bei Markus Lanz 2011

Achim Mentzel (* 15. Juli 1946 in Berlin; † 4. Januar 2016 in Cottbus) war ein deutscher Musiker und Fernsehmoderator.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Achim Mentzel war der Sohn einer aus dem Saarland stammenden Deutschen und eines französischen Besatzungssoldaten.[1] Er wuchs im Ost-Berliner Bezirk Prenzlauer Berg auf und machte nach seiner Schulausbildung eine Lehre als Polsterer und Dekorateur.[2] In seiner Jugend spielte er Fußball bei Vorwärts Berlin und schaffte es eigenen Angaben zufolge in die Berliner Juniorenauswahl.[3][4]

Er gründete 1963 das Diana Show Quartett, das überwiegend westliche Beat-Titel spielte. 1965 erhielt die Band DDR-weites Auftrittsverbot; Mentzel wurde zur NVA eingezogen, wo er nach kurzer Zeit in eine Militärband aufgenommen wurde.[5][6][7] Nach dem Ende seines Wehrdienstes arbeitete er wieder in seinem erlernten Beruf als Polsterer. Der Bandleader Manfred Lindenberg warb ihn schließlich für sein Manfred-Lindenberg-Sextett an und sorgte für die Aufhebung des noch immer gültigen Auftrittsverbots für Mentzel.[6][7] Später kam er ins Alfons-Wonneberg-Orchester.

Am 1. Juni 1973 nutzte Mentzel einen Auftritt des Alfons-Wonneberg-Orchesters in West-Berlin spontan zur Übersiedlung nach Westdeutschland. Er ließ sich im Saarland nieder, wo ein Cousin lebte, und verdiente seinen Lebensunterhalt tagsüber als Schweißer, nachts als Musiker in Kneipen.[5][6][7] Nach wenigen Monaten kehrte er wieder in die DDR zurück. Wegen Republikflucht wurde er zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt, die für zwei Jahre auf Bewährung ausgesetzt wurden. Nach seiner Rückkehr in die DDR spielte er wieder im Alfons-Wonneberg-Orchester, wechselte jedoch nach einem halben Jahr ins Tanz- und Schauorchester Rostock.[7]

Ab 1975 spielte er zusammen mit Nina Hagen in Fritzens Dampferband und erzielte 1979 seine ersten Erfolge als Solist. So nahm er unter anderem die von Harry Jeske von den Puhdys komponierte Vereinshymne Stimmung in der Alten Försterei für den 1. FC Union Berlin auf, die 1985 auf einer Amiga-Quartett-Single veröffentlicht wurde.[3][4] Im selben Jahr konnte er seine erste Solo-Langspielplatte Stimmung, Jux und Mentzel veröffentlichen. 1988 moderierte er eine Ausgabe der bekannten Samstagabendshow Ein Kessel Buntes im DDR-Fernsehen. Von 1989 an moderierte er dort die Sendung Achims Hitparade, in der überwiegend volkstümliches Liedgut dargeboten wurde. Nach der Wende setzte er die Sendung beim MDR fort, bis sie Ende 2006 eingestellt wurde.

Achim Mentzel und diverse Interpreten in Achims Hitparade wurden in den 1990er Jahren regelmäßig von Oliver Kalkofe in dessen Sendung Kalkofes Mattscheibe persifliert. Mentzel war jedoch der erste Künstler, der Kalkofes Kritik mit Humor nahm und sich mit ähnlichen Aktionen – kleinen in seiner Show platzierten Angriffen gegen Kalkofe – revanchierte. Daraus entwickelte sich eine Zusammenarbeit. Im Laufe der Zeit trat Mentzel in diversen Specials von Kalkofes Mattscheibe auf und war seitdem mit Kalkofe auch privat befreundet. Im November 2011 gingen die beiden mit der Show Großes Gernsehen gemeinsam auf Tour durch die neuen Bundesländer. Außerdem stand Mentzel zusammen mit Kalkofe für eine Folge der Fernsehserie Chili TV vor der Kamera.

Ab 1997 moderierte er die Castingshow Herzklopfen kostenlos.

In den Spielfilmen Die Legende von Paul und Paula, Feuer unter Deck, Helden wie wir, Der Wixxer und Neues vom Wixxer hatte er jeweils einen kurzen Auftritt. Im Juni 2011 spielte er in einem Viral eines privaten Bahnanbieters sich selbst, wie er „an der Scheibe klebt und pennt“.[8]

Vom 9. April 2010 bis zum 23. April 2010 nahm Mentzel an der Tanzshow Let’s Dance auf RTL teil. In der dritten Show wurde er mit seiner Tanzpartnerin Sarah Latton herausgewählt.

Im Juni und Juli 2012 übernahm er in Kein Pardon – Das Musical für einige Shows die Rolle des selbstverliebten Showmasters Heinz Wäscher.

Mentzel war viermal verheiratet. Er hatte acht Kinder, darunter vier aus früheren Beziehungen und einen Sohn mit seiner vierten Frau, mit der er seit 1980 verheiratet war und die drei Kinder mit in die Ehe gebracht hatte. Zuletzt lebte er im Cottbuser Stadtteil Gallinchen.

Achim Mentzel starb am 4. Januar 2016 im Alter von 69 Jahren im Carl-Thiem-Klinikum Cottbus.[9] Die Todesursache war ein schwerer Herzinfarkt. Die Obduktion ergab, dass er an einem nicht erkannten Herzfehler gelitten hatte.[10]

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Singles[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1978: Außerdem macht es Spaß/Bleib doch mal stehn
  • 1979: Liebling, schnall die Hose fest/Gott sei dank ist sie schlank
  • 1981: Achim Mentzel (Amiga-Quartett)
  • 1985: 1. FC Union (Amiga-Quartett)
  • 1991: Wenn die Wirklichkeit so wäre (Sabine Bruhns & Achim Mentzel)
  • 1991: Kuck mal wer da kommt (Sabine Bruhns & Achim Mentzel)
  • 1994: Komm nach Cottbus zur Bundesgartenschau (BUGA-Song 95) (offizieller Song der Bundesgartenschau 1995 in Cottbus)
  • 1997: Mensch, hab ich ein Schwein
  • 1997: Rot sind die Rosen
  • 1998: Im Arsenal ist Damenwahl
  • 2001: Ich steh auf Grün
  • 2002: Forever Rock ’n’ Roll (Achim Mentzel meets Wildecker Herzbuben)
  • 2002: Stimmung in der Alten Försterei (Neuaufnahme)
  • 2002: He Amanda
  • 2002: In dieser Nacht
  • 2003: Gott sei Dank ist sie schlank
  • 2004: Wir sind alle keine Engel
  • 2004: Hab keine Angst
  • 2005: Im Cafe Venedig
  • 2008: Hinter Deinem Schleier lockt ein Abenteuer (Fatimah)

Alben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1985: Stimmung, Jux und Mentzel (LP)
  • 1993: Hier fliegt heut die Kuh
  • 1998: Alles Achim oder was Vol. 1
  • 1999: Alles Achim oder was Vol. 2
  • 1999: Der Mond von Wanne Eickel (mit seiner Begleitband „Die Rachenputzer“)
  • 2002: Mal ist man oben und dann unten
  • 2010: Meine Lieblingsworte heißen Sahnetorte

Sampler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1979: Schlagersterne 2 /79 (AMIGA)

  • 1990: Das Beste aus Achims Hitparade
  • 1996: Achims Hitparade
  • 1997: Das Beste aus Achims Hitparade 2
  • 1998: Das Beste aus Achims Hitparade 3
  • 2007: Achim Mentzel präsentiert „Die Stimmungshitparade der Volksmusik“

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Achim Mentzel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Burkhard Weitz: Ihr Vater stammt aus Ghana, seiner ist Franzose: Zwei typische Deutsche erkunden: Was ist eigentlich deutsch an uns?, chrismon, Mai 2004
  2. http://www.welt.de/kultur/musik/article150612521/Das-zottelige-Zonenmonster-singt-nie-wieder.html
  3. a b Gunnar Leue: Union-Fan Achim Mentzel: „In Köpenick ging schon was ab“. Spiegel Online, 8. Oktober 2010, abgerufen am 5. Januar 2016.
  4. a b Mentzel: Bei Union-Sieg breche ich zusammen. B.Z. Berlin, 10. Februar 2013, abgerufen am 5. Januar 2016.
  5. a b Philipp Cassier: „Mix aus überfahrenem Hamster und Tony Marshall“. Welt Online, 15. Juli 2011, abgerufen am 6. Januar 2016.
  6. a b c Jürn Kruse: „Ich bin auch eine Speckbulette“. die tageszeitung, 2. Oktober 2009, abgerufen am 6. Januar 2016.
  7. a b c d Susann de Luca, Christian Köhler: „Leben und leben lassen“ – Ein Besuch in der Lausitz. www.60plusminus.de, abgerufen am 6. Januar 2016.
  8. So der Titel des scheinbaren Amateur-Videos, siehe Fassung auf YouTube.
  9. Hartmut Kascha: Entertainer und Sänger Achim Mentzel (69) ist tot. In: B.Z. 4. Januar 2016, abgerufen am 4. Januar 2016.
  10. Horst Galuschka: Todesursache. In: T-Online. 14. Januar 2016, abgerufen am 14. Januar 2016.