Zweite Intifada

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Die Zweite Intifada, auch bekannt als „Al-Aksa-Intifada“ bzw. „Al-Aqsa-Intifada“, war ein gewaltsamer Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis, welcher sich von Jerusalem und Israel auf den Gazastreifen und das Westjordanland ausweitete. Sie begann Ende September 2000, nachdem der Oslo-Friedensprozess mit den ergebnislosen Verhandlungen in Camp David gescheitert war. Im Unterschied zur Ersten Intifada setzten radikale Palästinenser auf Terroranschläge in Israel.[1]

Mit dem Abschluss eines Waffenstillstands zwischen dem Präsidenten der palästinensischen Autonomiebehörde Mahmud Abbas und Israels Ministerpräsidenten Ariel Scharon im ägyptischen Scharm el-Scheich im Februar 2005 ist die Zweite Intifada offiziell beendet. Folgen waren der Bau der israelischen Sperranlage[2] die Umsetzung von Israels einseitigem Abkoppelungsplan, Armut unter den Palästinensern.[3] Zu Kampfhandlungen und Terrorakten kommt es in der Konfliktregion jedoch trotz Phasen wechselseitiger Ruhe weiterhin.

Politische Besetzungen des Namens

Die Zweite Intifada wird mehrheitlich von arabischen Kreisen auch Al-Aqsa-Intifada (arabisch انتفاضة الأقصى, DMG Intifāḍat al-Aqṣā), nach der Al-Aqsa-Moschee genannt, weil sie nach Darstellung der Palästinenser ihren Ausgangspunkt bei dieser Moschee auf dem Jerusalemer Tempelberg habe. „Intifada“ bedeutet übersetzt „abschütteln“ (gemeint ist die israelische "Besatzung").[4] Von der israelischen Armee wird die zweite Intifada als „אירועי גיאות ושפל“ („Flut-und-Ebbe-Ereignisse“) bezeichnet.Manche israelische Kreise bezeichnen die zweite Intifada auch als Oslokrieg, in Anspielung auf den gescheiterten Oslo-Friedensprozess. In den Medien wird auch der Ausdruck "Terror-Intifada" verwendet.[5]

Der Beginn der Zweiten Intifada

Wie angekündigt besuchte der Oppositionspolitiker Ariel Scharon am 28. September 2000 in Begleitung von bewaffnetem Personenschutz und mehr als 1000 Polizisten[6] den in der Jerusalemer Altstadt unter arabischer Verwaltung stehenden Tempelberg. Nach israelischen Protokollen hatte der palästinensische Sicherheitschef Dschibril ar-Radschub sein Einverständnis für Scharons öffentlich angekündigten Besuch gegeben, sofern dieser keine Moschee betrete.

Zuerst gab es am Besuchstag von Scharon auf dem Tempelberg kleine friedliche Demonstrationen, ansonsten verlief der Besuch ohne Probleme. Am nächsten Tag kam es jedoch zu gewalttätigen Demonstrationen, die in den Folgetagen durch die israelische Polizei unter Waffeneinsatz zurückgedrängt wurden. Dabei wurden vier Personen getötet und etwa zweihundert verletzt, darunter vierzehn Polizisten. Im Gazastreifen und dem Westjordanland begannen daraufhin gewaltsame und bewaffnete Ausschreitungen gegen israelisches Sicherheitspersonal, worauf palästinensische Organisationen und muslimische Kreise die zweite Intifada als allgemeinen, gewaltsamen Aufstand gegen Israel ausriefen. Israelnahe Quellen warfen dem palästinensischen Minister für Medien und Kommunikation vor, er habe eingestanden, die zweite Intifada in taktischem Stil vorher geplant zu haben.[7] Laut dem israelischen Historiker Benny Morris ist es unklar, ob der Aufstand spontan oder auf Befehl der palästinensischen Führung begonnen hat. Morris wirft den palästinensischen Autonomiebehörden vor, nichts zur Beruhigung der Lage beigetragen zu haben.[8]

Israel bezeichnete den Polizeieinsatz als notwendig, um einem Landfriedensbruch vorzubeugen und das staatliche Gewaltmonopol durchzusetzen. Das palästinensische Radio hatte dazu aufgerufen, die Moschee zu verteidigen und die kleine schlecht ausgerüstete palästinensische Polizei habe erklärt, nichts gegen gewaltsame Demonstrationen ohne israelische Intervention unternehmen zu können. War die erste Intifada eher ein Aufstand von Volksvertretern, so zeichnete sich bei der zweiten Intifada schnell ein verstärkter Einsatz der radikalen Untergrundgruppen, wie der Hamas, auf Seiten der Palästinenser, mit deutlich höherem Gewalteinsatz und Terror ab.

Entwicklung

An der zweiten Intifada beteiligen sich sowohl die religiös-politischen Organisationen (Hamas und Islamischer Dschihad) als auch die linken PFLP und DFLP. Seit 2001 verübten auch Arafats al-Aqsa-Brigaden und andere zur eher konservativen Fatah gehörenden Gruppen Selbstmordanschläge. Die Hälfte aller Anschläge geht auf das Konto der Hamas, etwa ein Fünftel auf das des Islamischen Dschihad, rund ein Drittel auf das der al-Aqsa-Brigaden.

Kennzeichnend für den palästinensischen Kampf war der Einsatz von Selbstmordattentätern, vorzugsweise in Bussen und Restaurants. Israel antwortete mit militärischen Operationen gegen die Infrastruktur des Terrors und der gezielten Tötung von Anführern militanter Organisationen und von für die Attentate Verantwortlichen.

Chronologie

2000

  • An der etwa zwei Kilometer südöstlich von Netzarim gelegenen Kreuzung wird bereits am 27. September 2000, also einen Tag vor dem Besuch von Ariel Scharon auf dem Tempelberg, eine israelische Militärpatrouille von palästinensischen Scharfschützen angegriffen und dabei ein israelischer Soldat getötet.[9]
  • Der angebliche Tod eines zwölfjährigen palästinensischen Jungen während einer Schießerei bei Netzarim an derselben Kreuzung vor laufenden Kameras am 30. September 2000. Jedoch ist umstritten, ob wie zuerst vermutet, der Junge durch israelische Kugeln ums Leben kam. Nachfolgende Untersuchungen vermuten, dass der Junge entweder durch Kugeln palästinensischer Schützen getötet wurde, oder die vom palästinensischen Kameramann Talal Abu Rahme des französischen staatlichen Fernsehens France 2 gefilmte Szene möglicherweise gestellt war.[10][11][12][13][14] (Siehe auch Pallywood).
  • Der Lynchmord von Ramallah an zwei israelischen Soldaten am 12. Oktober 2000, ebenfalls vor laufenden Kameras.
  • Der Beschuss von israelischem Gebiet außerhalb des Gazastreifens mit Mörsergranaten und Raketen, vor allem von der Stadt Sderot.
  • Seit Anfang Oktober 2000 führte die israelische Armee zahlreiche Militäraktionen durch, bei denen sie kurzfristig in Autonomiegebiete eindrang und gesuchte Terroristen festnahmen und die Infrastruktur des Terrors zerstörte.[15]
  • Nach mehreren Anschlägen mit Autobomben, begann am 22. Dezember 2000 eine neue Serie palästinensischer Selbstmordattentate. Zuvor gab es laut Angaben der israelischen Regierung 2 Jahre lang keine Selbstmordattentate.[16]

2001

  • Am 4. Februar 2001 steuert ein Palästinenser einen Bus in Asur nahe Holon südlich von Tel Aviv absichtlich in eine Sammelstelle für Anhalter. Acht Israelis sterben.[17]
  • Am 4. März 2001 sprengt sich ein Hamas-Terrorist nahe dem Marktplatz von Netanja in die Luft. Zwei Frauen und einen alten Mann reißt er mit in den Tod.[17]
  • Am 18. Mai 2001 zündet ein Hamas-Terrorist am Eingang des Einkaufszentrums „Hascharon“ in Netanja eine unter dem Mantel verborgene Sprengladung. Fünf Israelis und der Attentäter werden zerfetzt.[17]
  • Die teilweisen und kurzzeitigen Besetzungen von Autonomiegebieten durch die israelische Armee zur Beruhigung der Lage. Diese begannen am 17. April 2001 mit der teilweisen Besetzung des Gazastreifens, nachdem am Vortag fünf Mörsergranaten auf dem Stadtgebiet von Sderot einschlugen.
  • Ein Selbstmordattentat in einer Warteschlange vor einer Disko in Tel Aviv im Juni 2001 mit 20 Toten.
  • Am 9. August 2001 starben bei einem Selbstmordanschlag in der Jerusalemer Pizzeria Sbarro 16 Menschen, darunter sieben Kinder und eine Schwangere, 130 weitere wurden verletzt.[18][19]
  • Die gezielte Tötung des PFLP-Führers Abu Ali Mustafa am 27. August 2001.
  • Ein palästinensischer Selbstmord- Attentäter tötet am 9. September 2001 in Naharija an der Eisenbahnstation drei Israelis, mindestens 46 werden zum Teil schwer verletzt.[20]
  • In Elei Sinai werden bei einem Anschlag am 2. Oktober 2001 zwei junge Israelis erschossen und weitere 15 zum Teil schwer verletzten. Die Täter benutzen Schusswaffen und werfen auch mehrere Handgranaten.[21] Am 2. Dezember 2001 wird im gleichen Ort ein Israeli erschossen und vier weitere zum Teil schwer verletzt.[22]
  • Am 17. Oktober 2001 wird der israelische Minister für Tourismus, Rechaw’am Ze’ewi in einem Hotel in Jerusalem ermordet.
  • Am 28. Oktober 2001 verüben zum ersten Mal von der Palästinensischen Autonomiebehörde angestellte Sicherheitskräfte ein Attentat auf Israelis. Die beiden Attentäter fahren mit ihrem Fahrzeug durch Chadera und schießen mit M-16 Schnellfeuergewehren wahllos auf Passanten. Die Attentäter töten vier Frauen, Lidia Marco 63 Jahre, Ayala Levy 39 Jahre, Sima Menachem 30 Jahre, Smadar Levy 23 Jahre und verletzten 44 Menschen zum Teil schwer, bevor sie von der israelischen Polizei getötet werden.[23]
  • Ein palästinensischer Terrorist erschießt am 10. November 2001 vor Kfar Hess den israelischen Sicherheitsbeamten des Moshaw, Aharon Ussishkin, 50 Jahre, zwei weitere Personen werden schwer verletzt.[24]
  • Bei einem Granaten-Angriff am 24. November 2001 auf Kefar Darom im Gazastreifen wird ein Israeli getötet und zwei weitere verletzt.[25]
  • Am 27. November 2001 töten in Afula zwei palästinensische Attentäter aus Dschenin zwei Israelis und verletzen mehr als 50 zum Teil schwer als sie auf dem Marktplatz der Stadt mit Maschinengewehren wahllos um sich schießen.[26]
  • In einem Linienbus, als dieser ein Ausbildungscamp der israelischen Armee nahe Chadera passierte, zündet am 29. November 2001 ein palästinensischer Selbstmordattentäter eine Bombe. Dabei werden drei Israelis getötet, darunter Inbal Weiss, (22) und Ichiav Alshayd (28) und mindestens neun teils schwer verletzt.[27]
  • Am 1. Dezember 2001 sterben bei drei Attentaten in Jerusalem, davon zwei in der Ben-Jehuda-Straße zehn Menschen, mehr als 180 wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt.[28]
  • Bei einem neuen Selbstmordattentat in einem vollbesetzten Linienbus in Haifa werden am 2. Dezember 2001 16 Menschen getötet und mehr als 60 verletzt.[29]
  • Bei einem palästinensischen Überfall auf einen Bus am 12. Dezember 2001 in Immanuel wurden elf Israelis getötet und etwa 30 verletzt. Der israelische Bus wurde bei seiner Einfahrt in die Kleinstadt durch zwei Bombenexplosionen gestoppt, die nach Polizeiangaben vier Insassen in den Tod rissen. Anschließend beschoss mindestens ein Palästinenser den Bus und andere Fahrzeuge und tötete sechs weitere Israelis, bevor er selbst erschossen werden konnte.[30] Eine weitere Person erlag am 25. März 2002 seinen Verletzungen.[31]

2002

  • Am 3. Januar 2002 beschlagnahmt Israel das mit illegalen Waffen für die PA beladene Schiff Karine A.[32][33]
  • Am 6. Februar 2002 werden in Chamra im Westjordanland Miri Ohana und ihre 11-jährige Tochter Yael in ihrem Haus von einem als israelischen Soldaten verkleideten bewaffneten Terroristen ermordet. Bei dem Angriff wird auch der Reservist Hauptfeldwebel Moshe Mejos Mekonan aus Beit Shean getötet. Fatah und Hamas bekennen sich beide zu dem Anschlag.
  • Am 27. März 2002 werden bei einem Selbstmordanschlag 22 Menschen im Park Hotel in Netanja während des Sederabends, an dem 250 Gäste teilnahmen, getötet und weitere 140 verletzt.[34][35] Die Hamas übernahm die Verantwortung für den Anschlag. Der Terrorist war ein von Israel gesuchtes Hamas-Mitglied aus Tulkarem.
  • Am Donnerstag, dem 28. März 2002 erschießt ein Palästinenser eine vierköpfige jüdische Familie im Westjordanland, am Freitag Morgen werden im Gazastreifen zwei Israelis erstochen und am Nachmittag des gleichen Tages sprengt sich eine Palästinenserin in West-Jerusalem in die Luft und reißt zwei Menschen mit in den Tod[36].
  • Als Reaktion darauf besetzt die israelische Armee am 29. März 2002 den Amtssitz von Jassir Arafat zwischen Bir Zait und Ramallah. Zuvor hatte der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon erklärt, Jassir Arafat sei ein Feind Israels, weil er sich weigere den Terrorismus zu bekämpfen. Deshalb solle er isoliert, aber nicht verletzt oder getötet werden. Die Muqataa wird dabei teilweise zerstört[37]. Dies bildete den Auftakt der Operation Schutzschild.
  • Im April 2002 marschieren israelische Truppen in das palästinensische Flüchtlingslager Dschenin ein, dabei gab es eine unbekannte Zahl von Opfern unter den Einwohnern des Lagers und auch 23 unter den israelischen Soldaten. Eine von der UNO durchgeführte Untersuchung der Ereignisse stellte fest, dass es (anders als zuvor in der Weltpresse dargestellt) zu keinem Massaker unter der Zivilbevölkerung gekommen ist.
  • Die 39-tägige israelische Belagerung der Geburtskirche in Bethlehem im April/Mai 2002, nachdem sich dort rund 200 gesuchte Palästinenser verschanzt hatten.
  • Am 16. Juni 2002 beginnt der Bau der israelischen Sperranlage zum Westjordanland, die das Einsickern von Attentätern verhindern soll. Der israelische „Intelligence and Terrorism Center“ verzeichnet ab Baubeginn eine signifikante Reduzierung von tödlichen Selbstmordanschlägen.
  • In der Nacht vom 28. zum 29. Juni 2002 erfolgt nach viertägiger Belagerung die Sprengung der Muqataa (Gefängnis und Polizeizentrale) von Hebron, in der sich 15 Militante verschanzt hatten.
  • Die Wiedereröffnung des Internierungslagers im Militärlager Ofer bei Baituniya südwestlich von Ramallah (seit 2006 von der zivilen Gefängnisverwaltung betreut).

2003

  • Am 19. August 2003 verübt die Hamas einen Selbstmordanschlag auf einen Bus im Jerusalemer Stadtteil Shmuel Hanavi. Dabei sterben 23 Personen, darunter 5 Kinder und 2 Säuglinge, 130 weitere wurden zum Teil schwer verletzt.
  • Am 4. Oktober 2003 sprengt sich eine 29-jährige palästinensische Selbstmordattentäterin im Restaurant Maxim in Haifa in die Luft und 19 Menschen werden mit in den Tod gerissen. Weitere 60 Menschen werden verletzt, von denen 2 später ihren Verletzungen erlagen.
  • Am 18. Oktober 2003 werden drei israelische Soldaten in der Nähe der Siedlung Ofra aus einem Hinterhalt erschossen.

2004

  • Am 29. Januar 2004 werden elf Menschen in Jerusalem bei einem palästinensischen Selbstmordanschlag in einem Bus getötet.
  • Die beiden großen Militäraktionen „Operation Regenbogen“ und „Tage der Buße“ im Frühjahr bzw. Herbst 2004.
  • Am 22. März 2004 tötet die israelische Armee den spirituellen Führer der Hamas, Scheich Ahmad Yasin.
  • Am 17. April wird auch sein Nachfolger Abd al-Aziz ar-Rantisi durch einen gezielten israelischen Raketenangriff getötet.

2005

Erste Gespräche zur Beendigung der Gewalt begannen nach der Wahl zum Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde am 26. Januar 2005 zwischen dem israelischen Berater von Ministerpräsidenten Dov Weissglas und dem palästinensischen Verhandlungsminister Saeb Erekat statt. Es wurde ein Rückzug aus Ramallah, Tulkarem, Kalkilya und Jericho und ein Aussetzen der Politik der gezielten Tötung von militanten Führern von Palästinenserorganisationen vereinbart. Auch Einsätze der palästinensischen Polizei zur Verbesserung der Sicherheitslage wurden vereinbart.

Am 8. Februar 2005 hatten sich Abbas und Scharon in Scharm El-Scheich zum ersten Gipfel seit Beginn der Intifada getroffen, auf dem ein Waffenstillstand vereinbart wurde. Dieser Tag gilt als Ende der zweiten Intifada. Die besonders kritisierte Praxis der Zerstörung der Wohnhäuser von Terrorverdächtigen wurde ebenso wie die gezielten Tötungen seit Mitte Februar 2005 mit Ende der 2. Intifada eingestellt. Als Gastgeber dieses Treffen waren der ägyptische Präsident Husni Mubarak und Jordaniens König Abdullah II. anwesend. Die Hamas erklärte allerdings am Nachmittag, dass sie sich an die Vereinbarung nicht gebunden fühle. Man werde die Ruhe nur dann einhalten, wenn sich Israel zur Freilassung aller etwa 8.000 palästinensischen Häftlinge verpflichte.[38]

Bericht

Human Rights Watch veröffentlichte am 30. November 2001 einen Bericht in dem Vorwürfe gegen der Palästinensische Autonomiebehörde und Jassir Arafat schwere Vorwürfe gemacht werden. So würden in palästinensischen Gefängnissen Gefangene gefoltert und erhalten nur selten einen fairen Prozess. Es befänden sich derzeit mindestens 450 Palästinenser ohne Anklage in Haft. Seit Beginn der sogenannten Intifada im September vergangenen Jahres seien bereits fünf Personen gestorben, drei davon an den Folgen der Folter. Die meisten der Inhaftierten seien mutmaßliche Kollaborateure Israels oder hätten Land an Israelis verkauft. Auch wird Jassir Arafat und der Palästinensischen Autonomiebehörde vorgeworfen, nichts zur Aufklärung der rund 30 Morde an angeblichen Kollaborateuren unternommen zu haben. Human Rights Watch verurteilte zudem, dass Arafat die Festnahme von palästinensischen Terroristen verweigere, die Anschläge auf Israelis verübt haben oder Terroristen bereits nach kurzer Zeit ohne Gerichtsverhandlung wieder aus der Haft entlasse.[39]

Opferzahlen

Die Israelis zählten in den 1558 Tagen der Al-Aqsa-Intifada 460 Angriffe mit Kassam-Raketen und 20.406 Anschläge, darunter 138 Selbstmordanschläge und 13.730 Schussüberfälle. Nach Angaben der Zeitung Jedi’ot Acharonot wurden 1.036 Israelis getötet, davon 715 Zivilisten, und 7.054 verletzt. Nur für die Selbstmordanschläge gilt: „Seit Beginn der Intifada (September 2000) wurden bei 143 Selbstmordanschlägen 513 Israelis getötet und 3.380 verletzt. Die Anschläge wurden von 160 Selbstmordattentätern und -täterinnen durchgeführt.“[40]

Auf palästinensischer Seite gab es 3.592 (nach palästinensischen Quellen 3.336) Tote, davon 985 Zivilisten. Israel bezeichnet 959 von ihnen als Terroristen. 208 Palästinenser wurden gezielt getötet. Über 600 palästinensische Tote waren Mitglieder der Sicherheitsdienste der Autonomiebehörde (Geheimdienste oder Polizei).

Gemäß einer Statistik des „Anti-Terror-Instituts“ beim Herzlia Interdisciplinary Center starben 126 palästinensische Frauen und mehr als doppelt so viele israelische Frauen (285). 365 Palästinenser wurden von ihren eigenen Landsleuten getötet, in der Regel im Rahmen von Lynchjustiz, Blutrache und Ehrenmorden, an tatsächlichen oder vermeintlichen Kollaborateuren.

Weitere Entwicklung

Der auf dem Gipfeltreffen von Scharm-El-Scheich vereinbarte Friedensdialog wurde von Anschlägen überschattet. Am 26. Februar 2005 hat sich ein palästinensischer Selbstmordattentäter in Tel Aviv in die Luft gesprengt. Bei der Explosion wurden 5 Israelis getötet und rund 50 Menschen verletzt. Der Islamische Dschihad übernahm die Verantwortung für das Attentat.

Am 18. März 2005 begann Israel mit der Räumung der besetzten palästinensischen Städte. Gleichzeitig konnte Mahmud Abbas mit der Hamas und dem Islamischen Dschihad eine bis Ende des Jahres gültige Waffenruhe mit Israel aushandeln.

Als Ende der Waffenruhe gelten die Raketen- und Mörserangriffe auf jüdische Ortschaften im und in der Nähe des Gazastreifens vom 15. Juli 2005. Die israelische Armee reagierte mit gezielten Tötungen auf vier Mitglieder der Hamas in Gaza und drei weiteren in Salit im Westjordanland. Trotzdem setzte Israel seinen Plan der einseitigen Abkoppelung im August um.

Einzelnachweise

  1. Die Geschichte Palästinas in Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, abgerufen 5.August 2018
  2. Martin Schäuble, Noah Flug:Die Zweite Intifada und der Bau der Barriere in Bundeszentrale für politische Bildung, 28. März 2008
  3. Welche Folgen die Intifada für Palästina hat in Die Welt, 14.11.2004
  4. Innenministerium Nordrhein-Westfalen - Glossar:"Intifada" Erste Intifada
  5. [1];[2];[3];[4];[5]
  6. Noah Flug, Martin Schäuble: Die Geschichte der Israelis und Palästinenser. 2. Aufl., Hanser, München/ Wien 2007, ISBN 978-3446209077, S. 123
  7. vgl.Ezequiel Finkelberg: The Palestinian leadership confesses: The El Aqsa Intifadah: Everything Was Planned.@1@2Vorlage:Toter Link/www.resources.en.wzo.org.il (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. von Website der World Zionist Organization, Weblink abgerufen 1. Januar 2012
  8. Benny Morris: One State, Two States. Yale 2009, S. 140f
  9. Am 19. Januar 2009 war Dr. Juliane Wetzel vom Zentrum für Antisemitismus an der TU Berlin zu Gast im Centrum Judaicum und sprach über "Israel in den Medien" (Memento des Originals vom 16. September 2011 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.digberlin.de Dr. Juliane Wetzel: Israel in den Medien.
  10. James Fallows: Wer erschoss Mohammed al-Dura?. In: Die Weltwoche, Ausgabe 29/03. Abgerufen am 21. Juli 2009. 
  11. Esther Schapira: Propaganda gegen Israel: Der Fall Mohammed Al Durah und die mediale Inszenierung der Wirklichkeit. (Memento des Originals vom 26. Juli 2011 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.european-forum-on-antisemitism.org Redakteurin des Hessischen Rundfunks stellt die Mord-These in Frage. ARD deckt Fälschung im Fall Mohammed Al-DurahMohammed Al-Durah auf (Memento des Originals vom 8. Dezember 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.radioplanet24.de
  12. ARD-Dokumentation: Das Kind, der Tod und die Wahrheit. hr-fernsehen am 12. Juli 2010 01:40 - 02:30 (50 Min.)
  13. J.A./hie.: Lebt Mohammed al-Dura?. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Ausgabe 3. März 2009. Abgerufen im 3. März 2009. 
  14. Jürg Altwegg: Frankreichs Journalisten stützen eine Fälschung. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Ausgabe 3. März 2009. Abgerufen im 3. März 2009. 
  15. Israelische Panzer dringen in Westjordanland ein In: Kölner Stadt-Anzeiger.de, 25. Dezember 2001, abgerufen am 4. August 2018.
  16. Statistik Israelisches Außenministerium
  17. a b c Die folgenschwersten Palästinenser-Attentate der neuen Intifada in Handelsblatt, 9. September 2001
  18. Israel schließt das Orient-Haus In: Kölner Stadt-Anzeiger.de, 10. Juli 2001, abgerufen am 2. August 2018.
  19. Chronology of Terrorist Attacks in Israel, Part VII: 2001 In: Johnstonsarchive.net, Englisch, abgerufen am 2. August 2018.
  20. Vier Tote und 46 Verletzte bei Selbstmordanschlag in Israel In: Kölner Stadt-Anzeiger.de, 9. September 2001, abgerufen am 2. August 2018.
  21. Waffenruhe in Israel in Gefahr In: Kölner Stadt-Anzeiger.de, 3. Oktober 2001, abgerufen am 4. August 2018.
  22. Attentat im Gazastreifen - Ein Israeli getötet, vier verletzt In: Israelnetz.de, 2. Dezember 2001, abgerufen am 4. August 2018.
  23. Trotz Attentaten, Armee schliesst Rückzug aus Bethlehem und Beit Jala ab In: Israelnetz.de, 29. Oktober 2001, abgerufen am 27. Juli 2018.
  24. Israeli von palästinensischen Terroristen erschossen In: Israelnetz.de, 12. November 2001, abgerufen am 27. Juli 2018.
  25. Selbstmordattentat im Gazastreifen - Zwei Grenzsoldaten verwundet In: Israelnetz.de, 26. November 2001, abgerufen am 30. Juli 2018.
  26. Zinni: Sharon muß sich auch mit Siedlungsbau auseinandersetzen In: Israelnetz.de, 28. November 2001, abgerufen am 30. Juli 2018.
  27. Drei Tote bei Selbstmordanschlag - Tausende Palästinenser feiern In: Israelnetz.de, 30. November 2001, abgerufen am 31. Juli 2018.
  28. Drei Attentate erschüttern Jerusalem - Zehn Tote, 180 Verletzte In: Israelnetz.de, 2. Dezember 2001, abgerufen am 31. Juli 2018.
  29. 16 Tote bei Terroranschlag in Haifa - 60 Menschen verletzt In: Israelnetz.de, 2. Dezember 2001, abgerufen am 31. Juli 2018.
  30. 17 Tote bei neuer Gewaltwelle im Nahen Osten In: Kölner Stadt-Anzeiger.de, 12. Dezember 2001, abgerufen am 4. August 2018.
  31. Chronology of Terrorist Attacks in Israel Part VII: 2001 In: johnstonsarchive.net, englisch, abgerufen am 4. August 2018.
  32. Waffenschmuggel aufgedeckt - Israel beschlagnahmt Schiff im Roten Meer In: Israelnetz.de, 4. Januar 2002, abgerufen am 11. August 2018
  33. IDF Seizes PA Weapons Ship: The Karine A Affair in Jewish Virtual Library, 3.Januar 2002
  34. [6]
  35. Archivlink (Memento des Originals vom 10. November 2008 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/nlarchiv.israel.de
  36. Kölner Stadt-Anzeiger vom 30/31. März 2002 Seite 1 und 3
  37. Kölner Stadt-Anzeiger vom 30./31. März 2002 Seite 1 und 3
  38. Ha-Aretz, Israelische Botschaft, New York Times Israel Halts Decades-Old Practice Of Demolishing Militants' Homes
  39. Menschenrechtsorganisation: PA foltert Häftlinge In: Israelnetz.de, 30. November 2001, abgerufen am 31. Juli 2018.
  40. Angaben der israelischen Botschaft, Juli 2005 (Memento des Originals vom 11. August 2011 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/nlarchiv.israel.de