Aladin El-Mafaalani

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Aladin El-Mafaalani

Aladin El-Mafaalani (* 1978 in Datteln) ist ein deutscher Soziologe und Hochschullehrer. Von 2013 bis 2018 war er Professor für Politikwissenschaft und Politische Soziologie an der Fachhochschule Münster. Seit 2019 ist er Ordinarius für Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Erziehung und Bildung in der Migrationsgesellschaft an der Universität Osnabrück. Seine Bücher zu Migration und Bildung erreichen auch eine breite Leserschaft außerhalb des wissenschaftlichen Publikums. Einige von ihnen waren oder sind Bestseller.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

El-Mafaalani wurde als Kind syrischer Eltern in Deutschland geboren und wuchs dort auf. Er studierte Wirtschaftswissenschaft, Politikwissenschaft und Erziehungswissenschaft sowie Arbeitswissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum. Dort wurde er auch im Hauptfach Soziologie promoviert. Von 2007 bis 2013 war er Lehrer im Schuldienst sowie Dozent und Wissenschaftler an mehreren Hochschulen, u. a. an der Fachhochschule Dortmund, der Ruhr-Universität Bochum und der Hochschule Osnabrück. Von 2013 bis 2018 lehrte er als Professor für Politikwissenschaft und Politische Soziologie an der Fachhochschule Münster und war Gründungs- und Vorstandsmitglied des Instituts für Gesellschaft und Digitales (GUD).[1] Von 2018 bis 2019 war Aladin El-Mafaalani Abteilungsleiter im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration in Düsseldorf und koordinierte die Integrationspolitik in Nordrhein-Westfalen.[2][3] Seit Juli 2019 ist er Professor und Inhaber des Lehrstuhls für „Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Erziehung und Bildung in der Migrationsgesellschaft“ an der Universität Osnabrück.[4] Zugleich ist er ehrenamtlich Beauftragter des NRW-Integrationsministeriums in Fragen des muslimischen Engagements.[5]

Er ist Mitglied im Rat für Migration, im Netzwerk Flüchtlingsforschung, im Vorstand der Sektion „Bildung und Erziehung“ sowie im Konzil der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. El-Mafaalanis Arbeiten im Bereich der Bildungs-, Migrations- und Stadtforschung wurden mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Augsburger Wissenschaftspreis für Interkulturelle Studien, dem Deutschen Studienpreis der Körber-Stiftung, dem Dissertationspreis des Kulturwissenschaftlichen Instituts in Essen sowie dem Lissabon-Preis.

Aladin El-Mafaalani und Annette Treibel während des Soziologie-Kongresses 2016 in Bamberg

El-Mafaalani tritt bei Großveranstaltungen auf, z. B. von Arsch hu, Zäng usseinander,[6] Birlikte[7], dem Deutschen Evangelischen Kirchentag[8] oder dem Haldern Pop Festival. Häufig äußert er sich öffentlich zu gesellschaftlichen und politischen Themen, u. a. zu Bildungspolitik,[9] Einwanderung,[10] Flüchtlingspolitik,[11][12] Radikalisierung[13] und Diskriminierung[14]. Seine Thesen werden auch in Nordamerika öffentlich diskutiert.[15][16]

Sein 2018 erschienenes Buch Das Integrationsparadox – Warum gelungene Integration zu mehr Konflikten führt war mehrere Wochen in den Bestseller- und Bestenlisten.[17][18] El-Mafaalani stellt darin dar, dass sich Offene Gesellschaften diversen Gegenbewegungen ausgesetzt sehen, die er sowohl in fremdenfeindlichen und nationalistischen als auch in religiös-fundamentalistischen Bewegungen verortet. Diese Schließungstendenzen versteht er als unerwartete Nebenfolgen von grundsätzlich positiv zu bewertenden Entwicklungen der sozialen Öffnung und einer zunehmend zusammenwachsenden und integrativen Gesellschaft. Die gesellschaftliche Teilhabe nehme heute auf verschiedenen Ebenen und für verschiedene Gruppen zu, wodurch Verteilungs-, Interessen- und Zugehörigkeitskonflikte wahrscheinlicher werden und es in der Folge zu Neuaushandlungen und einer Beschleunigung sozialen Wandels komme. Entsprechend fordert er, eine konstruktive Streitkultur als Leitkultur zu begreifen. 2020 erschien das Buch Mythos Bildung, in dem El-Mafaalani die Probleme und paradoxen Effekte des Bildungssystems und dessen Dynamik und Trägheit aus unterschiedlichen Perspektiven analysiert.[19]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ohne Schulabschluss und Ausbildungsplatz. Konzeptentwicklung und Prozesssteuerung in der beruflichen Benachteiligtenförderung. Tectum, Marburg 2010, ISBN 978-3-8288-2391-4.
  • BildungsaufsteigerInnen aus benachteiligten Milieus. Habitustransformation und soziale Mobilität bei Einheimischen und Türkeistämmigen. Springer, Wiesbaden 2012, ISBN 978-3-531-19319-9, zugl. Diss. Univ. Bochum, 2011.
  • Vom Arbeiterkind zum Akademiker. Über die Mühen des Aufstiegs durch Bildung. Konrad-Adenauer-Stiftung, Sankt Augustin 2014, ISBN 978-394-40159-8-9, online.
  • zus. mit Sebastian Kurtenbach und Klaus Peter Strohmeier (Hrsg.): Auf die Adresse kommt es an. Segregierte Stadtteile als Problem- und Möglichkeitsräume begreifen. Beltz, Weinheim 2015, ISBN 978-3-7799-3293-2.
  • zus. mit Alma Fathi u. a.: Ansätze und Erfahrungen der Präventions- und Deradikalisierungsarbeit. Leibniz-Institut HSFK, Frankfurt am Main 2016, ISBN 978-3-946459-02-6.
  • zus. mit Ahmet Toprak: Muslimische Kinder und Jugendliche in Deutschland. Lebenswelten, Denkmuster, Herausforderungen. Konrad-Adenauer-Stiftung, Sankt Augustin 2017, 3. Auflage, ISBN 978-3-95721-270-2.
  • zus. mit Albert Scherr und Gökcen Yüksel (Hrsg.): Handbuch Diskriminierung. Springer, Wiesbaden 2017, ISBN 978-3-658-10976-9.
  • Das Integrationsparadox: Warum gelungene Integration zu mehr Konflikten führt. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2018, ISBN 978-3-462-05164-3.
  • Mythos Bildung: Die ungerechte Gesellschaft, ihr Bildungssystem und seine Zukunft. Kiepenheuer & Witsch. 2020, ISBN 978-3-462-05368-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Aladin El-Mafaalani – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pressemitteilung der FH Münster. 1. April 2013, abgerufen am 13. April 2018.
  2. Christopher Onkelbach: Integrationsexperte wechselt in die Landesregierung. (nrz.de [abgerufen am 13. April 2018]).
  3. Kristian Frigelj: „Seehofers Aussage ist ein Riesenfortschritt“. In: DIE WELT. 31. März 2018 (welt.de [abgerufen am 14. April 2018]).
  4. Neu am Institut für Erziehungswissenschaft. Abgerufen am 8. Juli 2019.
  5. Ekkehard Rüger: Wie NRW dem Hass auf den Islam begegnen will. In: Westdeutsche Zeitung. 1. Juli 2019, abgerufen am 8. Juli 2019.
  6. Love Music: Köln gamescom festival 2017/ARSCH HUH – Aladin El-Mafaalani. 28. August 2017, abgerufen am 14. April 2018.
  7. Aladin El-Mafaalani bei Birlikte Köln 09.06.2014. 11. Juni 2014, abgerufen am 14. April 2018.
  8. Soziologe El-Mafaalani - "Migranten wollen mitspielen". Abgerufen am 8. Juli 2019 (deutsch).
  9. Johanna Bruckner: "Manche kappen ihre Wurzeln komplett". In: sueddeutsche.de. 2014, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 14. April 2018]).
  10. Aladin El-Mafaalani: Integration: Das Einwanderungsland wird erwachsen. In: Die Zeit. 25. Dezember 2013, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 13. April 2018]).
  11. Benjamin Knaack: Unterbringung von Flüchtlingen: "Integration klappt am besten in Großstädten". In: Spiegel Online. 5. September 2015 (spiegel.de [abgerufen am 14. April 2018]).
  12. Aladin El-Mafaalani, Mark Terkessidis: Genug gefrickelt. In: sueddeutsche.de. 2015, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 14. April 2018]).
  13. Jannis Brühl: Burka ist der neue Punk. In: sueddeutsche.de. 2015, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 14. April 2018]).
  14. Parvin Sadigh: Diskriminierung: Wer sich benachteiligt fühlt, will dazugehören. In: Die Zeit. 14. August 2013, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 13. April 2018]).
  15. John Vinocur: Resolving Europe's Other Existential Problem. In: The New York Times. 17. Oktober 2011, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 14. April 2018]).
  16. Fighting at the table: Conflict as successful integration | CBC Radio. In: CBC. (cbc.ca [abgerufen am 14. April 2018]).
  17. Bestseller: Das Integrationsparadox. In: www.buchreport.de. SPIEGEL, abgerufen am 14. Januar 2019.
  18. Bestenliste Oktober 2018. In: www.welt.de. Abgerufen am 14. Januar 2019.
  19. SWR1 BW, SWR1 BW: Prof. Aladin El-Mafaalani. Abgerufen am 13. Mai 2020.