Aleppo-Seife

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Aleppo-Seife

Aleppo-Seife, auch syrische Lorbeerseife, französisch Savon d’Alep, arabisch Sapun Ghar (صابون حلبي), ist eine in und um Aleppo, mittlerweile auch außerhalb Syriens hergestellte Seife aus Olivenöl und aus einem variablen Anteil des fetten Öls von Beeren (und eventuell Blättern) des Echten Lorbeers. Da das Produkt im Übrigen ohne Farbstoffe, künstliche Aromen, Parfüme, Stabilisatoren oder andere synthetische Stoffe hergestellt wird, gehört die Aleppo-Seife zu den Naturseifen.

Herstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bodenkessel zur Herstellung von Aleppo-Seife
Schneiden von Seifenstücken in einem Raum, auf dessen Boden die Seife ausgehärtet ist
Geschnittene Aleppo Seife vor der Prägung und Lagerung
Seifenlagerung

Ursprünglich handelt es sich bei der vergleichsweise milden, aromatisch-würzig duftenden sowie feinporig und schwach schäumenden Aleppo-Seife um eine einfache Kernseife. Hergestellt wird sie seit vielen Jahrhunderten (möglicherweise seit dem 8. Jahrhundert nach Christus) von Seifensiedern in und um Aleppo (Syrien) während der „kalten“ Monate von November bis März. Heute wird der Großteil nach Europa und Ostasien als Naturkosmetikum exportiert, wobei sich das Geschäft als Folge des Bürgerkriegs in Syrien deutlich verringert hat.[1]

Die traditionelle handwerkliche Herstellung läuft wie folgt ab: Über Bodenkesseln auf offenem Feuer wird Olivenöl bis zu drei Tage unter häufigem Rühren auf etwa 200 ° Celsius gesiedet. Zur Verseifung werden schrittweise Wasser und Soda-Asche zugeführt. Dabei wird das Olivenöl in Glyzerin und Natriumsalz aufgespalten. Kurz vor dem völligen Aussalzen wird das Lorbeeröl hinzugegeben, dessen Anteil üblicherweise zwischen zwei und 40 Prozent, selten bis 60 Prozent der Ölmenge variiert; dies erhöht die Festigkeit der Seife bei der späteren Trocknung, das feinporige Schäumen beim Kontakt und Verreiben mit Wasser sowie die rückfettende und antibiotische Wirkung beim Einsatz auf Haut und Haaren. Bei der Produktion werden je nach Rezeptur außerdem Heil- und Duftkräuter sowie Duftöle (z. B. Rosenöl) beigegeben. Nach dem Sieden wird die Sodalauge abgelassen. Anschließend wird die Seife solange mit frischem Wasser „gewaschen“, bis sie laugenfrei ist. Nachdem auch dieses Wasser abgelassen worden ist, bleibt die Seife zum Abkühlen und Entwässern über Nacht stehen. Die grüne Seifenpaste wird sodann dem Kessel entnommen und auf einer glatten, mit Folien ausgelegten Bodenfläche ausgekippt und geglättet. Mindestens 24 und bis zu 40 Stunden härtet und trocknet die Seife dort aus. Die ausgehärtete Masse wird danach in rechteckige Seifenstücke geschnitten. Nach dem Schneiden werden die Stücke mit einem traditionellen Prägestempel gesiegelt. Mit Zwischenräumen auf Holzpaletten gestapelt folgt eine sechs- bis neunmonatige luftige, trockene Lagerung, die neben weiterer Trocknung und Aushärtung bewirkt, dass die Seifenstücke außen oxidieren und so eine Patina mit einem hellen, honig- bis sandfarbenen Ton annehmen, während ihr Kern die ursprünglich grünliche Farbe im Wesentlichen beibehält.

Wirkungen und Einsatzmöglichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Körperreinigung, Hautpflege und Wundheilung verwendeten schon die alten Griechen und Römer die Lorbeerseife, die hohe Anteile an Linolsäure aufweist und reich ist an den Vitaminen A und E sowie an Mineralien wie Kalium, Magnesium und Kalzium. Vor allem durch das Lorbeeröl wirkt die Seife neben der Reinigung als Adstringens, antibiotisch und antifungal auf die Haut, außerdem stimulierend und rückfettend. Medizinisch wurde sie insbesondere gegen Krätze, Läusebefall, Schuppenflechte, Nagelbettentzündung, Akne und Ekzeme (Neurodermitis) eingesetzt. Auch bei gewöhnlichen Insektenstichen und Schürfwunden sowie bei Prellungen, Verstauchungen und rheumatischen Beschwerden soll sie Linderung verschaffen. Des Weiteren wird sie zur Haarwäsche (auch Bartwäsche) und gegen Kopfschuppen angewandt. Einige Menschen reagieren auf das Lorbeeröl, das insbesondere das Kontaktallergen Costunolid enthält,[2] allerdings allergisch. Auch die potenziell allergen wirkenden Sesquiterpenlactone Dehydrocostuslacton, Eremanthin,[3] Laurenobiolid[4] und Zaluzanin D[5] können in dem Öl und damit in der Seife in unterschiedlichen Graden enthalten sein. Der pH-Wert der Seife, deren Fettsäuren ungesättigt sind und von der Haut an- und aufgenommen werden, liegt bei 8 und 9. Damit gehört die Seife zu den Produkten einer basischen Haut- und Haarpflege. Mitunter wird die Aleppo-Seife auch zur Wäsche von Kleidung, zur Reinigung von Fell, Leder und Haushaltstextilien, zur Zahnreinigung oder als Rasierseife eingesetzt, ferner als Repellent gegen Insekten (etwa in Kleiderschränken). Bei trockener Lagerung zwischen 0 und 40 ° Celsius behält die Seife ihre Qualität über mehrere Jahre.

Europa- und deutsches Bundesrecht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur „Erhaltung der Volksgesundheit“ untersagte die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft durch Richtlinie 76/768/EWG ihren Mitgliedstaaten 1976, Kosmetika in Verkehr zu bringen, die Lorbeeröl enthalten (Anhang II, Nr. 359).[6] Dem folgte 2009 die EG-Verordnung Nr. 1223 (Lorbeeröl dort ebenfalls in Anhang II, „Liste der Stoffe, die in kosmetischen Mitteln verboten sind“, Nr. 359).[7] Insoweit könnten Herstellung, Vertrieb und Handel der lorbeerölhaltigen Aleppo-Seife als kosmetisches Mittel innerhalb der Europäischen Union offiziell untersagt sein. Herstellung, Vertrieb und Handel des Produkts zu anderen Zwecken, etwa als Putzmittel und Repellent, bleiben davon jedenfalls unberührt. Die deutsche Kosmetik-Verordnung (Anlage 1, Nr. 359) verbietet indessen nur die Verwendung des „Öls der Samen“ des Lorbeers in Kosmetik-Produkten. Nicht geklärt ist, ob bei der Umsetzung in nationales Recht ein Übersetzungsfehler unterlaufen ist. Aufgrund der nicht eindeutigen Definition des Öl-Gemisches und der ungeklärten Rechtslage wird die Aleppo-Seife immer noch als Kosmetikum angeboten,[8] ohne dass hinsichtlich des fraglichen Lorbeeröl-Verbots in Kosmetika ein behördliches Eingreifen bekannt wurde.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sandra Cramm: Seifenklassiker. Von Aleppo- bis Zahnseife mit 100 Rezepten aus 200 Jahren Seifentradition. ISBN 978-3-8391-1916-7, Norderstedt 2012, S. 41
  • Alessandra Giuliani: The Laurel tree in Syria. International Plant Genetic Resources Institute (IPGRI), Washington, DC (USA) 2004 (PDF)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Aleppo soap – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bio-Seife aus dem Kriegsgebiet. In: spiegel.de, 13. Februar 2016, abgerufen am 11. Juni 2017.
  2. Costunolid. In: chemikalienlexikon.de, abgerufen am 11. Juni 2017.
  3. Lorbeerblätteröl. In: chemikalienlexikon.de, abgerufen am 13. Juni 2017.
  4. Lorbeer, echter. In: enzyklopaedie-dermatologie.de, abgerufen am 13. Juni 2017.
  5. Laurus nobilis. In: spektrum.de, abgerufen am 13. Juni 2017.
  6. Richtlinie 76/768/EWG des Rates vom 27. Juli 1976 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über kosmetische Mittel In: eur-lex.europa.eu, abgerufen am 12. Juni 2017.
  7. Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 des Europäischen Parlamentes und des Rates vom 30. November 2009 über kosmetische Mittel. In: eur-lex.europa.de, abgerufen am 12. Juni 2017.
  8. Bundesinstitut für Risikobewertung: 73., 74. und 75. Sitzung der vorläufigen Kommission für kosmetische Mittel: Tagungsbericht vom 20. November 2008. S. 5 f. (PDF).