Alstonit

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Alstonit
Alstonite-Witherite-oldeuro-107a.jpg
Alstonit (farblose, pyramidale Kristalle) und Witherit (graues, kugeliges Aggregat) aus der „Brownley Hill Mine“, Distrikt Alston Moor, nördliche Pennines, England (Größe: 9,7 × 4,1 × 3,7 cm)
Allgemeines und Klassifikation
Andere Namen

Bariumaragonit[1]

Chemische Formel BaCa[CO3]2[2]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Carbonate und Nitrate (ehemals Carbonate, Nitrate und Borate)
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
5.AB.35 (8. Auflage: V/B.04)
14.02.05.01
Ähnliche Minerale Aragonit, Witherit
Kristallographische Daten
Kristallsystem triklin
Kristallklasse; Symbol triklin-pedial 1 oder -pinakoidal 1
Raumgruppe (Nr.) C1 oder C1[2] (Nr. 1 oder 2)
Gitterparameter a = 30,14 Å; b = 17,40 Å; c = 6,12 Å
α = 90°; β = 90°; γ = 90°[2]
Formeleinheiten Z = 24[2]
Zwillingsbildung nach {110} und {310}[3]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 4 bis 4,5
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,707; berechnet: 3,69[3]
Spaltbarkeit unvollkommen nach {110}
Bruch; Tenazität muschelig bis uneben
Farbe farblos, weiß, grau, cremefarben, hellrosa
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,526
nβ = 1,671
nγ = 1,672[4]
Doppelbrechung δ = 0,146[4]
Optischer Charakter zweiachsig negativ
Achsenwinkel 2V = gemessen: 6°; berechnet: 8°[4]
Weitere Eigenschaften
Besondere Merkmale gelbe Fluoreszenz

Alstonit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Carbonate und Nitrate“. Es kristallisiert im triklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung BaCa[CO3]2[2], ist also ein Barium-Calcium-Carbonat.

Alstonit kommt überwiegend in Form pseudo-orthorhombischer und pseudohexagonaler, dipyramidaler Kristallzwillinge vor. Erkennbar sind diese meist durch gestreifte Kristallflächen rechtwinklig der pseudohexagonalen c-Achse aufgrund der Bildung von medialen Wiederholungszwillingen in dieser Richtung. In reiner Form ist Alstonit farblos und durchsichtig mit glasähnlichem Glasglanz auf den Kristallflächen. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen eine graue, beige (cremefarben) oder hellrosa Farbe annehmen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt.

Mit einer Mohshärte von 4 bis 4,5 entspricht Alstonit in etwa dem Referenzmineral Fluorit, lässt sich allerdings nicht ganz so leicht mit dem Taschenmesser ritzen.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pseudohexagonal-dipyramidaler Alstonit auf Baryt aus der Typlokalität „Brownley Hill Mine“, Alston Moor, England (Gesamtgröße: 4,3 × 3,4 × 3,0 cm)

Erstmals entdeckt wurde Alstonit in der „Brownley Hill Mine“ bei Nenthead (Kreis Alston Moor) in der Grafschaft Cumbria sowie in der „Fallowfield Mine“ bei Acomb in der Grafschaft Northumberland im Landesteil England des Vereinigten Königreichs (UK). Beschrieben wurde das Mineral 1841 durch August Breithaupt, der es nach seiner ersten Typlokalität Alston Moor benannte.

Alstonit war bereits vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) überwiegend als eigenständiges Mineral anerkannt, was ohne Prüfung durch deren Kommission CNMNC übernommen wurde (G = grandfathered).[5] Aufgrund seiner chemischen Zusammensetzung wird Alstonit je nach Quelle jedoch gelegentlich auch als Mischkristall zwischen Aragonit (Ca[CO3]) und Witherit (Ba[CO3])[6] oder als Aragonit-Varietät (Bariumaragonit mit bis zu 50 % BaCO3)[1]

Typmaterial des Minerals wird unter anderem in der Bergakademie Freiberg in Sachsen, Deutschland aufbewahrt (Register-Nr. 15818).[3]

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der veralteten, aber teilweise noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Alstonit zur gemeinsamen Mineralklasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort zur Abteilung der „Wasserfreien Carbonate [CO3]2− ohne fremde Anionen“, wo er zusammen mit Aragonit, Barytocalcit, Cerussit, Olekminskit, Paralstonit, Strontianit und Witherit die „Aragonit-Gruppe“ mit der System-Nr. V/B.04 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Alstonit in die neu definierte Klasse der „Carbonate und Nitrate“ und dort ebenfalls in die Abteilung der „Carbonate ohne zusätzliche Anionen; ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der Zugehörigkeit der Kationen zu bestimmten Elementfamilien, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Erdalkali- (und andere M2+) Carbonate“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 5.AB.35 bildet.

Die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Alstonit wie die veraltete, Strunz’sche Systematik in die gemeinsame Klasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort in die Abteilung der „Wasserfreie Carbonate“ ein. Hier ist er als einziges Mitglied in der unbenannten Gruppe 14.02.05 innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Carbonate mit der Formel A+B2+(CO3)2“ zu finden.

Kristallstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alstonit kristallisiert triklin in der Raumgruppe C1 oder C1 (Raumgruppen-Nr. 1 oder 2) mit den Gitterparametern a = 30,14 Å; b = 17,40 Å; c = 6,12 Å; α = 90°; β = 90° und γ = 90° sowie 24 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[2]

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter UV-Licht zeigen manche Alstonite eine gelbe Fluoreszenz[3], ähnlich der von neonfarbenen Textmarkern.

Modifikationen und Varietäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verbindung BaCa[CO3]2 ist trimorph und kommt in der Natur neben dem triklin kristallisierenden Alstonit noch als monoklin kristallisierender Barytocalcit und als trigonal kristallisierender Paralstonit vor.[3]

Bildung und Fundorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alstonit aus Cumberland, Cumbria, England (Größe: 5,1 × 4,1 × 2,7 cm)

Alstonit bildet sich hydrothermal bei eher niedrigen Temperaturen in Blei-Zink-Lagerstätten, selten auch in Karbonatiten. Als Begleitminerale können unter anderem Ankerit, Baryt, Benstonit, Calcit, Galenit, Pyrit, Quarz, Siderit und Sphalerit auftreten.

Als seltene Mineralbildung konnte Alstonit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher (Stand 2013) rund 20 Fundorte als bekannt gelten.[7] Neben seinen Typlokalitäten „Brownley Hill Mine“ im Kreis Alston Moor (Cumbria) und „Fallowfield Mine“ bei Acomb (Durham) trat das Mineral im Vereinigten Königreich noch in der Zeche „New Brancepeth“ im Deerness-Tal in der englischen Grafschaft County Durham sowie im Steinbruch „Dolyhir“ bei Wethel im Gebiet Powys und bei Llantrisant im Gebiet Rhondda Cynon Taf in Wales auf.

In Deutschland kennt man Alstonit bisher nur aus dem Bergbaugebiet Neubulach (Schwarzwald) in Baden-Württemberg und der bisher einzige bekannte Fundort in Österreich ist Arzberg in der Steiermark.

Weitere bekannte Fundorte sind unter anderem[8]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • J. F. A. Breithaupt: Holoëdrites syntheticus oder Alstonit. In: Vollständige Charakteristik des Mineral-Systems. 2. Auflage, Arnoldische Buchhandlung, Dresden und Leipzig 1841, S. 255–256 (PDF 145,2 kB)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Alstonite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S. 706.
  2. a b c d e Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 289.
  3. a b c d e Alstonite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 65,3 kB)
  4. a b c Mindat - Alstonite
  5. IMA/CNMNC List of Mineral Names; August 2013 (PDF 1,3 MB)
  6. Friedrich Klockmann: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. Hrsg.: Paul Ramdohr, Hugo Strunz. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 575 (Erstausgabe: 1891).
  7. Mindat - Anzahl der Fundorte für Alstonite
  8. Fundortliste für Alstonit beim Mineralienatlas und bei Mindat