Alte Saline

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Alte Saline, Hauptgebäude (Quellenbau)
Wasserrad im Pumpenhaus
Solepumpe im Untergeschoss

Die Alte Saline ist eine ehemalige Saline in Bad Reichenhall die nach Plänen von Joseph Daniel Ohlmüller errichtet wurde. In ihr wurde von 1840 bis 1929 aus Sole das „Reichenhaller Salz“ hergestellt. Die Alte Saline ist ein Industriedenkmal und steht unter Ensembleschutz, welcher die gesamte Anlage samt Innenhöfe umfasst.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die in der Saline geförderte Sole erhitzte man in den Sudhäusern so lange, bis das Wasser verdunstet war und ein Salzbrei übrig blieb, der dann getrocknet wurde (Siedesalz). Diese Saline steht im Zentrum von Bad Reichenhall am Fuße des Gruttensteins, direkt an den Solequellen. Nach dem großen Stadtbrand von 1834 wurde die Anlage auf dem Boden prähistorischer, römischer, mittelalterlicher und neuzeitlicher Salzgewinnung errichtet.

Neubau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etwa drei Viertel der Stadt Reichenhall samt der Saline fielen 1834 einer Brandkatastrophe zum Opfer. Die Salinenanlagen wurden schnellstens provisorisch in Stand gesetzt. Bereits wenige Tage nach dem Brand floss wieder Sole durch die Leitungen zu den Salinen in Traunstein und Rosenheim. Im Gegensatz zur abgebrannten Saline sollte der Neubau nach dem Willen von König Ludwig I. einem großzügigen geometrischen Plan entsprechen. Dazu mussten 51 „Brandstätten“ (Hausgrundstücke) erworben werden. Im Frühjahr 1836 begann man mit der Errichtung des Verwaltungsgebäudes, des so genannten Beamtenstocks, unter der Leitung des Hofarchitekten Friedrich von Gärtner. Der Beamtenstock lehnt sich stilistisch an das Gebäude der Staatsbibliothek in München an.

Dem Verwaltungsgebäude gegenüber wurden ab 1840 die technischen Anlagen der Saline errichtet. Um die Produktion auf keinen Fall zu unterbrechen, wurde zunächst auf den provisorisch instandgesetzten Sudpfannen weitergearbeitet. Die Pläne für die Saline stammen von Joseph Daniel Ohlmüller. Alle Bauten sind in Backstein mit Rahmungen und Gesimsen in Nagelfluh ausgeführt und gruppieren sich geometrisch um drei Höfe. In der Mitte der beiden seitlichen Höfe steht je ein großer, von Bäumen umsäumter Brunnen. In Richtung Beamtenstock, an der Straße, stehen vier Sudhäuser, an die jeweils ein Magazin (Lager für fertiges Salz) anschließt. Direkt am Berghang befinden sich die Bauten der Solereserven und das Werkstattgebäude. Im Werkstattgebäude, das heute die Reichenhaller Akademie beherbergt, befindet sich auch der historische ehemalige Betsaal der Reichenhaller Protestanten. Beim Neubau der Saline wurde darauf geachtet, dass durch großzügige Abstandsflächen zwischen den Gebäuden ein Übergreifen eines Feuers auf das nächstgelegene Wirtschaftsgebäude erschwert wird.

Mittelpunkt der gesamten Anlage ist das Hauptbrunnhaus, unter dem die Solequellen entspringen. Die beiden oberschlächtigen Wasserräder aus Metall in der großen Halle haben einen Durchmesser von 13 Metern. Sie treiben die Druckpumpen an, welche die Sole aus dem 14 Meter tiefen Hauptschacht fördern. Der Untergrund des Hauptbrunnhauses ist durchzogen von einem System von Stollen und Schächten, in denen mehrere Salzwasserquellen entspringen. Pumptechnik aus der Erbauungszeit der Saline befördert die Sole in den Hauptschacht zu den o.g. Druckpumpen. Die technische Ausstattung (Pumpen und Wasserräder) konstruierte Friedrich von Schenk. Lediglich die Pumpanlage der Karl-Theodor-Quelle stammt noch aus dem ausgehenden 18. Jahrhundert. Das in die Stollen eindringende Süßwasser wird im Grabenbach, einem knapp zwei Kilometer langen unterirdischen Kanal, zur Saalach abgeleitet. Dieser wurde um 1500 unter der Mitwirkung des (als Bildhauer bekannten) Erasmus Grasser erbaut.

Im Obergeschoss des Hauptbrunnhauses befindet sich die „Salinen-“ oder auch „Brunnhauskapelle“. Sie ist dem Heiligen Rupert von Salzburg geweiht, der aufs engste mit der Reichenhaller Saline verbunden ist. Er gilt als Organisator der mittelalterlichen Salzgewinnung in Reichenhall und ist daher einer der Stadtpatrone. Das Innere der Kapelle ist im romanisch-byzantinischen Stil gestaltet und ornamental ausgemalt von Joseph Anton Schwarzmann. In der Apsis des Mittelschiffs zeigen drei Glasfenster den auferstandenen Christus, den Hl. Rupert (mit Salzfass) und den Hl. Virgil (mit Modell des Salzburger Doms). Eine vermutete Mitwirkung von Moritz von Schwind bei der Ausgestaltung der Kapelle ist bisher nicht belegt.

Zur Alten Saline im weiteren Sinne zählen auch ihre (ehemaligen) technischen Anlagen, wie das Gradierwerk, die Soleleitung Berchtesgaden–Reichenhall–Traunstein–Rosenheim, die ehemaligen Triftanlagen an der Saalach und die Triftgründe. Die Straßennamen „Im Hammergrund“, „Im Spitzgrund“, „Im Großen Grund“ und der „Fürschlachtweg“ erinnern noch heute an die Triftwege und Holzlagerplätze. Dort finden sich auch noch zahlreiche Bauwerke aus dieser Zeit, wie z.B. viele Ufermauern aus Marmorquadern und mehrere Schleusen, wie z.B. am Leitererweg .

Heutige Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1929 verlegte man die Produktion in die Neue Saline am Stadtrand von Bad Reichenhall. Dort wird bis heute Sole aus Bad Reichenhall zu „Bad Reichenhaller Markensalz“ weiterverarbeitet. Das in der „Alten Saline“ geförderte Salzwasser findet zudem Verwendung bei der Kur. Die Saline befindet sich heute im Privatbesitz eines Reichenhaller Bauträgers. Die ehemaligen Sudhäuser und Magazine dienen heute gewerblichen und kulturellen Zwecken. Neben einem Ärztezentrum findet sich eine Apotheke, mehrere Einzelhandelsbetriebe, eine Gaststätte sowie die Kunstakademie Bad Reichenhall und das Magazin 4, welches für unterschiedlichste kulturelle Vorstellungen genutzt wird. Die komplett erhaltene Anlage der „Alten Saline“ mit der funktionierenden Technik des 19. Jahrhunderts im Hauptbrunnhaus gilt heute als Industriedenkmal von europäischem Rang. Das gesamte Areal mit Hauptbrunnhaus, Sudhäusern, Magazinen, Werkstattgebäuden und den umschlossenen Höfen und Abstandsflächen steht heute unter Ensembleschutz. Die Alte Saline und die Technik im Untergeschoss kann im Rahmen von Führungen besichtigt werden, die auch den Besuch des Salzmuseums beinhalten.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkriegs waren die Elefanten des Circus Krone aus München in der Alten Saline untergebracht. Während die Bauten des Zirkus in München zerstört wurden, überstanden die Elefanten auch die Bombardierung von Bad Reichenhall im April 1945 unbeschadet.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Salz Macht Geschichte. Ausstellungskatalog, Haus der Bayerischen Geschichte 1995.
  • Herbert Pfisterer: Bad Reichenhall in seiner bayerischen Geschichte. 1988.
  • Fritz Hofmann: Reichenhaller Salzbibliothek. 1997.
  • Walter Brugger: Die Kirchen der Pfarrei St. Nikolaus Bad Reichenhall. 1994, ISBN 3-7954-5781-5.
  • Thomas Döring: Die Arbeits- und Lebensbedingungen von Fabrikarbeitern im südostbayerischen Raum im 19. Jahrhundert - dargestellt am Beispiel der Königlichen Saline Reichenhall und der Privat-Eisengewerkschaft Achthal-Hammerau . 2005, ISBN 3-86573-117-1.
  • Salz. Katalog Salzburger Landesausstellung, Hallein 1994.
  • Johannes Lang: Geschichte von Bad Reichenhall, 2009, S. 35–567
  • Heinrich Wanderwitz: Studien zum mittelalterlichen Salzwesen in Bayern, München 1984.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Alte Saline – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 47° 43′ 16″ N, 12° 52′ 38″ O