Amelie rennt

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Film
Originaltitel Amelie rennt
Produktionsland Deutschland, Italien
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2017
Länge 97 Minuten
Altersfreigabe FSK 6[1]
JMK 6[2]
Stab
Regie Tobias Wiemann
Drehbuch Natja Brunckhorst,
Jytte-Merle Böhrnsen (Mitarbeit)
Produktion Tom Blieninger,
Philipp Budweg,
Martin Rattini
Musik Tobias Kuhn,
Markus Perner
Kamera Martin Schlecht
Schnitt Andreas Radtke
Besetzung

Amelie rennt (Arbeits- bzw. Alternativtitel Alpenbrennen) ist ein deutsch-italienischer Jugendfilm von Tobias Wiemann, der am 14. Februar 2017 im Rahmen der 67. Berlinale seine Premiere feierte. Im Film unternimmt die kranke Amelie, ein Teenager aus Berlin, eine Reise in die Südtiroler Alpen. Der Kinostart in Deutschland erfolgte am 21. September 2017.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 13-jährige Amelie lebt in Berlin und lässt sich von niemandem etwas sagen, vor allem nicht von ihren getrennt lebenden Eltern, die ihr klarzumachen versuchen, dass sie ihr Asthma behandeln lassen muss. Obwohl sie ihre Krankheit hasst, weigert sie sich, etwas dagegen zu unternehmen; sie hat sich in ihrer Opferrolle eingerichtet, die ihr Macht über ihre Eltern und andere Menschen gibt. Auch als ihre Eltern sie nach einem besonders gefährlichen Anfall in eine Südtiroler Spezialklinik bringen, verweigert sie dort jegliche Mitarbeit und schottet sich ab. Eines Nachts klettert sie aus dem Fenster ihres Schlafraumes und beschließt am nächsten Morgen, in die hinter dem Haus liegenden Berge zu gehen, wo man sie nicht suchen wird.

Unterwegs trifft die Großstadtgöre den 15-jährigen Bauernjungen Bart, den sie vorher schon einmal kurz beim Melken in einem Kuhstall gesehen hat. Zwar wartet seine Arbeit auf ihn, doch erkennt er auch, dass Amelie jetzt nicht allein gelassen werden darf, organisiert eine Vertretung und schließt sich ihr an. Sie begegnet auch ihm zunächst sehr schroff und ignoriert trotzig seine Ratschläge, was den Weg angeht. Dadurch gerät sie mehrmals in große Gefahr. Doch als sie in einem persönlichen Gedankenaustausch erkennt, dass Bart auch ohne Asthma kein einfaches Leben hat, beginnt sie ihre Einstellung zu hinterfragen, wegen ihrer Krankheit die ganze Welt zu hassen.

Während im Tal die Suche nach der vermissten Amelie in vollem Gange ist, besteigen Bart und Amelie gemeinsam einen nahen Gipfel. Der Aufstieg strengt Amelie sehr an, zumal sie unterwegs ihr Asthmaspray verliert, aber sie lernt auch, ihren Stolz zu bezwingen und Hilfe anzunehmen. Das letzte Stück zum Gipfel steigt sie mit großer Mühe allein auf und genießt diesen Erfolg. Von da gehen sie weiter zum örtlichen Herz-Jesu-Feuer, dem wundertätige Kräfte nachgesagt werden. Die dort Anwesenden übermitteln die Nachricht, dass Amelie wohlauf ist, per Funk ins Tal.

Zum Schluss werden Amelie und Bart mit dem Hubschrauber ins Tal gebracht, wo Amelies Eltern schon auf sie warten. Amelie ist nun dazu bereit, ihr Asthma therapieren zu lassen. Auch ihre Mutter hat ihre bevormundende Einstellung überdacht und verspricht Amelie, dass sie von jetzt an ihr Leben allein gestalten kann.

Der Titel entstammt einem Gespräch zwischen Amelie und Bart, in dem er ihr vorhält, sie habe solche Angst, dass sie gar nicht anders könne als den ganzen Tag zu rennen. Sie entgegnet schnippisch, sie renne nie, worauf er antwortet, in ihrem Inneren renne sie die ganze Zeit.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stab und Besetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regie führte Tobias Wiemann, der für die Filmaufnahmen mit dem Kameramann Martin Schlecht zusammenarbeitete. Das Drehbuch schrieb Natja Brunckhorst. Brunckhorst arbeitete in der Vergangenheit selbst als Schauspielerin und hatte in dem Jugendfilm Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo die Hauptrolle gespielt. Brunckhorst erklärte, ihre Tochter sei im Alter von 13 Jahren genauso trotzig, frech, rotzig und störrisch gewesen wie Amelie im Film, und habe daher irgendwie als Vorlage für die Hauptfigur gedient.[3]

Die Nachwuchsschauspielerin Mia Kasalo übernahm im Film die Rolle der Titelfigur Amelie. Der aus Südtirol stammende Nachwuchsdarsteller Samuel Girardi ist in der Rolle von Bart zu sehen, mit dem Amelie auf ihrer Reise in Südtirol Bekanntschaft macht.[4] Amelies Eltern Sarah und Lukas werden von Susanne Bormann und Denis Moschitto gespielt. Jasmin Tabatabai ist im Film in der Rolle der Lungenärztin Dr. Murtsakis zu sehen. Weitere Rollen wurden mit Jerry Hoffmann, Shenia Pitschmann, Lene Oderich, Leo Seppi, David Bredin und Christian Lerch besetzt.

Finanzierung und Dreharbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dreharbeiten in Südtirol fanden unter anderem an den Reinbach-Wasserfällen bei Sand in Taufers statt

Innovation Development Marketing Südtirol und Alto Adige förderten die Produktion mit insgesamt 480.000 Euro, das Medienboard Berlin-Brandenburg mit 150.000 Euro[5] und das Kuratorium junger deutscher Film gewährte eine Produktionsförderung in Höhe von 250.000 Euro.[6] Von der Filmförderungsanstalt erhielt der Film eine Verleihförderung von 70.000 Euro.[7]

Der Film wurde zwischen 24. Mai und 6. Juli 2016 in Deutschland und Italien gedreht und die Dreharbeiten haben in Berlin-Kreuzberg begonnen. Am Berliner Wannsee fanden später Innenaufnahmen statt.[8] Ein Großteil der Aufnahmen erfolgte an 24 Drehtagen in Südtirol, wo Aufnahmen an Schauplätzen wie den Reinbach-Wasserfällen bei Sand in Taufers und an der Burgruine Rafenstein in Jenesien oberhalb von Bozen am Eingang zum Sarntal entstanden,[9] wo am 6. Juli 2016 auch der letzte Drehtag stattfand[10] und die Dreharbeiten nach insgesamt 30 Tagen abgeschlossen wurden.[11]

Filmmusik und Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Filmmusik wurde von Tobias Kuhn und Markus Perner komponiert.

Der Film wurde im Rahmen der 67. Berlinale (Sektion Generation Kplus) vorgestellt, wo er auch am 14. Februar 2017 seine Weltpremiere feierte[12] und eine lobende Erwähnung erhielt. In der Jury-Begründung heißt es „Scharfsinnig und mit schnellen Dialogen beschreibt dieser Film die Entwicklung einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen zwei fesselnden Charakteren.“[13]

In Südtirol wurde der Film im April 2017 im Rahmen des Filmfestivals Bozen vorgestellt.[14] Im Mai 2017 wurde der Film beim FiSH Filmfestival gezeigt.[15] Im Juni 2017 wurde der Film im Rahmen des Deutschen Kinder-Medien-Festivals Goldener Spatz im Wettbewerb Kino-TV gezeigt, aus dem er als Sieger hervorging.[16] Am 21. September 2017 kam der Film offiziell in die deutschen Kinos.[17] Ende September und Anfang Oktober 2017 wurde der Film im Rahmen Kindersektion des Zurich Film Festivals gezeigt.[18]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Britta Schmeis von epd Film sagt, allzu Überraschendes halte das Wander-Road-Movie nicht bereit, dafür jedoch zwei großartige Hauptdarsteller, die atemberaubende Kulisse der Dolomiten und die fein arrangierte Musik von Tobias Kuhn. Regisseur Tobias Wiemann inszeniere dazu derart witzig und zugleich einfühlsam, dass der ein oder andere Bruch schnell verziehen sei, so Schmeis.[19]

Von der Deutschen Film- und Medienbewertung wurde Amelie rennt mit dem Prädikat Besonders wertvoll versehen. In der Begründung heißt es: „Der Film trifft genau den Ton, in dem die Jugendlichen untereinander und mit Erwachsenen (großer Unterschied) reden und mit dem gleichen Einfühlungsvermögen wird auch das widersprüchliche, provokante und radikale Verhalten von Amelie dargestellt. […] Der Film ist bis in die Nebenrollen (Jasmin Tabatabai als Klinikärztin) glänzend besetzt und Mia Kasalo gelingt es in der Titelrolle, eine subtile Balance zwischen Aggressivität und Schwermut, Trotz und Verletzlichkeit, Todesverachtung und Lebenshunger zu halten.“[20]

Das Lexikon des internationalen Films vergibt vier von fünf möglichen Sternen und resümiert, dass die „kantigen Figuren und die Interaktion der beiden Hauptdarsteller […] anfängliche dramaturgische Unebenheiten souverän aus[gleichen].“[21]

Einsatz im Schulunterricht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September 2017 wurde Amelie rennt von kinofenster.de als „Film des Monats“ präsentiert. Zudem bietet das Onlineportal Materialien zum Film für den Unterricht.[22][23] Dort schreibt der Medienpädagoge Stefan Stiletto, vor allem in den ersten Szenen mache Amelie rennt sichtbar, was das Leben mit einer chronischen Krankheit wie Asthma bedeutet: „Überaus dramatisch wird der plötzliche Atemstillstand von Amelie inszeniert, der beinahe zu ihrem Tod führt und mit dem auch ihre beiden Klassenkameradinnen nicht umgehen können. Als Freundinnen will Amelie diese lieber nicht bezeichnen, ist sie doch fest davon überzeugt, dass sie sich nur aus Mitleid mit ihr abgeben.“ Zugleich schildere der Film so die soziale Auswirkung der Erkrankung und beleuchte auch die Scham, die für Amelie damit verbunden ist, so Stiletto, da sie um jeden Preis verhindern wolle, dass Bart sieht, wie sie beim Aufstieg unter Atemnot leidet: „Ihre Erkrankung ist ein Makel, den sie – erst recht in der Lebensphase Pubertät – überhaupt nicht gebrauchen kann.“[24]

Im Frühjahr 2019 wurde der Film im Rahmen der SchulKinoWochen in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Bayern vorgestellt.[25][26]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutscher Filmpreis 2018

Internationale Filmfestspiele Berlin 2017

  • Special Mention in der Sektion Generation Kplus[28]

Tiff Kids International Film Festival 2017

  • Honourable mention in der Sektion Young People’s Jury Award (Alter 11 bis 13)[29]

Zlín Film Festival 2017

  • Auszeichnung mit dem Golden Slipper – Hauptpreis für den besten internationalen Langfilm für Kinder

Internationales Filmfest Emden-Norderney 2017

  • Auszeichnung mit dem NDR-Filmpreis[30]

Goldener Spatz 2017

Cinema in Sneakers 2017

  • Golden Wanderer – Hauptpreis für den besten internationalen Langfilm und Publikumspreis
  • ECFA Award der European Children’s Film Association-Jury

Isfahan International Festival of Films for Children & Young Adults 2017

  • Auszeichnung für das Beste Drehbuch durch die internationale Jury (Natja Brunckhorst)
  • Auszeichnung als Bester Internationaler Film durch die Kinder- und Jugendjury

Gilde-Filmpreis 2017

  • Auszeichnung als Bester Kinderfilm[32]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Amelie rennt. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüf­nummer: 165831/K).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. Alterskennzeichnung für Amelie rennt. Jugendmedien­kommission.
  3. Martin Hanni: Natja B. – Ich schreibe gerne Drehbücher In: salto.bz, 9. April 2017.
  4. Im Gespräch mit... Bibiane Oldenburg In: salto.bz, 3. April 2017.
  5. Medienboard Förderzusagen Mai 2016 In: medienboard.de. Abgerufen am 9. Februar 2017. (PDF; 30 KB)
  6. http://www.kuratorium-junger-film.de/files/media/Presse/Foerdermeldungen/F%C3%B6rdermeldung_3.%20Dezember%202015.pdf
  7. FFA bewilligt 2,37 Mio für Filmmarketing. In: professional-production.de, 13. Juli 2017.
  8. Drehstart für „Alpenbrennen“ in Berlin. In: medienboard.de, 30. Mai 2016.
  9. https://www.idm-suedtirol.com/de/pressemitteilungen/34-von-juni-bis-september-12-filmproduktionen-in-suedtirol.html
  10. Letzte Klappe für Kinofilm „Alpenbrennen“. In: mediabiz.de, 7. Juli 2016.
  11. Drehschluss bei Amelie rennt In: lieblingsfilm.biz. Abgerufen am 9. Februar 2017.
  12. 40. Generation Kplus (Memento vom 11. Februar 2017 im Internet Archive) In: berlinale.de. Abgerufen am 9. Februar 2017. (PDF; 6,6 MB)
  13. Berlinale: Südtiroler Koproduktion „Amelie rennt“ erfolgreich (Memento vom 23. Februar 2017 im Internet Archive) In: stol.it, 20. Februar 2017.
  14. Bolzano Film Festival Bozen 2017 ist erfolgreich zu Ende gegangen In: salto.bz, 12. April 2017.
  15. FiSH. Programm In: fish-festival.de. Abgerufen am 20. Juni 2017.
  16. Programm A-Z (Memento vom 11. August 2017 im Internet Archive) In: goldenerspatz.de. Abgerufen am 2. Mai 2017.
  17. Starttermine Deutschland In: insidekino.com. Abgerufen am 11. August 2017.
  18. Programme 2017 In: zff.com. Abgerufen am 14. September 2017.
  19. Britta Schmeis: Kritik zu Amelie rennt In: epd Film, 28. August 2017.
  20. Amelie rennt In: fbw-filmbewertung.com. Deutsche Film- und Medienbewertung. Abgerufen am 6. April 2017.
  21. Amelie rennt. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 7. Januar 2022. 
  22. Amelie rennt. In: kinofenster.de.
  23. http://www.kinofenster.de/download/kf1709-amelie-rennt.pdf
  24. Stefan Stiletto: Amelie rennt. In: kinofenster.de.
  25. Filmauswahl. In: schulkinowoche-bw.de. Abgerufen am 20. Januar 2019.
  26. Filmübersicht. In: schulkinowochen.nrw.de. Abgerufen am 20. Januar 2019.
  27. Nominierungen zum Deutschen Filmpreis 2018 In: bundesregierung.de, 14. März 2018.
  28. Andreas Wiseman und Martin Blaney: Berlin Film Festival 2017: winners revealed In: screendaily.com, 18. Februar 2017.
  29. The 20th Annual Tiff Kids International Film Festival Awards @The TIFF Bell Lightbox – Sun., April 23rd, 2017. In: bkonthescene.com, 27. April 2017.
  30. Filmfest Emden: Preise für „Murmeln“ und Tukur In: ndr.de, 12. Juni 2017.
  31. Festival kürt 'Amelie rennt' zum besten Kinderfilm (Memento vom 19. Juni 2017 im Internet Archive) In: Stern Online, 17. Juni 2017.
  32. Filmkunstmesse Leipzig: Verleihung der Gilde Filmpreise 2017. Artikel vom 29. September 2017, abgerufen am 30. September 2017.