Sand in Taufers

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Sand in Taufers
(ital.: Campo Tures)
Wappen
Wappen von Sand in Taufers
Karte
Location of Sand in Taufers (Italy).png
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Bozen – Südtirol
Bezirksgemeinschaft: Pustertal
Einwohner:
(VZ 2011/31.12.2015)
5.272/5.371
Sprachgruppen:
(laut Volkszählung 2011)
97,34 % deutsch
2,30 % italienisch
0,36 % ladinisch
Koordinaten 46° 55′ N, 11° 57′ OKoordinaten: 46° 55′ N, 11° 57′ O
Meereshöhe: 838–3436 m s.l.m. (Zentrum: 864 m s.l.m.)
Fläche: 164,47 km²
Dauersiedlungsraum: 10,8 km²
Fraktionen: Ahornach, Kematen, Mühlen in Taufers, Rein in Taufers
Nachbargemeinden: Ahrntal, Gais, Mühlwald, Percha, Prettau, Rasen-Antholz, Sankt Jakob in Defereggen (Osttirol, A)
Postleitzahl: 39032
Vorwahl: 0474
ISTAT-Nummer: 021017
Steuernummer: 81003390218
Bürgermeister (2015): Sigfried Steinmair (SVP)

Sand in Taufers (italienisch: Campo Tures) ist eine Marktgemeinde mit 5371 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2015) im Tauferer Ahrntal im Nordosten Südtirols (Italien). Hauptort der Gemeinde ist das Dorf Sand (der Name Sand deutet auf wiederholte Überschwemmungen durch die Ahr hin), das sich in der Weitung des Tauferer Bodens befindet.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 164,47 km² große Gemeindegebiet von Sand in Taufers setzt sich hauptsächlich aus zwei Teilen zusammen: zum einen aus dem durch mehrere Dörfer besiedelten Tauferer Boden, einer Weitung des Tauferer Tals, wie der untere Abschnitt des Tauferer Ahrntals genannt wird, zum anderen aus dem davon abzweigenden und spärlich besiedelten Reintal.

Das Tauferer Tal nimmt im Süden in der Gegend von Bruneck seinen Anfang und führt von dort nahezu eben und durch die Talstraße verkehrstechnisch erschlossen Richtung Norden. Der zu Sand in Taufers gehörende Anteil des Tals grenzt im Süden an Gais und im Norden bei der Klapf genannten Engstelle an die Gemeinde Ahrntal. Kurz vor der Engstelle befindet sich der Hauptort der Gemeinde, Sand in Taufers (860–900 m s.l.m.). Etwas südwestlich im Talboden liegen zunächst die Ortschaft Taufers und anschließend am Ausgang des Mühlwalder Tals und an der Grenze zu Mühlwald die Fraktion Mühlen in Taufers (850–870 m). Mühlen, wo auch der Mühlwalder Bach in die Ahr mündet, wird im Nordwesten vom zu den Zillertaler Alpen gezählten Speikboden-Massiv überragt. Auf der gegenüberliegenden östlichen Talseite befindet sich die Fraktion Kematen (850–860 m). Nordöstlich oberhalb des Talgrunds schließlich ist an dem Punkt, wo das Reintal vom Tauferer Ahrntal nach Osten abzweigt, die Fraktion Ahornach mit ihrem kleinen Ortskern (1300–1350 m) und verstreuten Höfen gelegen.

Das in West-Ost-Richtung verlaufende Reintal, vom Reinbach entwässert, nimmt den deutlich größten Anteil des Gemeindegebiets von Sand in Taufers ein. Der Hauptort des Tals, Rein in Taufers (1540–1590 m), ist auf drei Seiten von mächtigen Gebirgskämmen umgeben, die zu großen Teilen im Naturpark Rieserferner-Ahrn unter Schutz gestellt sind. Nördlich begrenzt wird das Hochtal von Bergen der Venedigergruppe, die westlich der Ochsenlenke der Durreckgruppe zugerechnet werden. Die höchsten Gipfel hier sind der Große Moosnock (3059 m), das Durreck (3135 m) und der Hirbernock (3010 m). Die Kämme auf der Ostseite (südlich des Klammljochs) und Südseite des Reintals gehören zur Rieserfernergruppe. Im Osten erheben sich an der Staatsgrenze zu Österreich unter anderem (von Norden nach Süden) Dreieckspitze (3031 m), Lenkstein (3236 m), Fenneregg (3123 m), Patscher Spitze (3082 m) und Barmer Spitze (3200 m). Im Südosten des Tals befindet sich mit dem Hochgall (3436 m) der höchste Punkt der Gemeinde. Der von dort Richtung Westen zum Tauferer Tal hin streichende Kamm trägt ebenfalls bedeutende Gipfel, darunter den das südseitige Antholzer Tal dominierenden Wildgall (3273 m), den sich über dem Westlichen Rieserferner aufbauenden Magerstein (3273 m), das Fernerköpfl (3248 m), den Schneebigen Nock (3358 m), die Gelttalspitze (3126 m), die Schwarze Wand (3105 m), den Morgenkofel (3073 m) und die Große Windschar (3041 m).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gesamtansicht von Sand in Taufers gegen den Hauptkamm der Zillertaler Alpen, ohne die Fraktionen Mühlen, Kematen, Ahornach und Rein; Burg Taufers im Mittelgrund

Die erste Erwähnung von Taufers als „Tvfres“ findet sich im Brixner Traditionsbuch für den Zeitraum 10501065[1], die Namen „Sand Maurizien“ (für Moritzen) und „Sant“ (für den Hauptort Sand = Gries bzw. Flussgeschiebe, das die Verebnung des Tauferer Bodens bildet) tauchen erst 1296 bzw. 1410 auf. Der Tauferer Boden bzw. das Tauferer Feld sind 1334 als „Touvererfeld“ und 1360 als „Taufferser feld“ bezeugt.[2]

Die Gemeinde in ihrem heutigen Umfang wurde 1926 in der Zeit des Faschismus unter der offiziellen Bezeichnung „Campo Tures“ aus den acht Kleingemeinden Sand, Drittelsand, Ahornach, Rein, Kematen, Mühlen, Mühlwald und Lappach gebildet. Die beiden letztgenannten wurden aber schon bald abgetrennt und bilden seitdem die Gemeinde Mühlwald.

Der Ort war bis 1957 Endbahnhof für die Tauferer Bahn.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister seit 1952:[3]

  • Josef Oberhollenzer: 1952–1956
  • Josef Eppacher: 1956–1969
  • Josef Beikircher: 1969–1980
  • Toni Innerhofer: 1980–2005
  • Helmuth Innerbichler: 2005–2015
  • Sigfried Steinmair: 2015–

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dank der Bergbautätigkeit des 15. und 16. Jahrhunderts in Ahrntal und Prettau rückte Sand in Taufers kurzzeitig als Sitz der Berggerichts Taufers und eines eigenen Bergrichters zu einer der innertirolischen Schaltzentralen der frühmodernen Urproduktion auf.[4] Nach deren raschem Abebben hatte Taufers allerdings bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein nur eine untergeordnete wirtschaftliche Bedeutung. Dies änderte sich wiederum mit dem Aufkommen des Fremdenverkehrs und Alpinismus seit dem späten 19. Jahrhundert. Insbesondere die Eröffnung des Skigebietes auf dem Speikboden im Jahre 1973 brachte einen großen Aufschwung. Heute zählt die Gemeinde über 180 Beherbungsbetriebe mit 3.500 Gästebetten und 390.000 Nächtigungen pro Jahr.

Im September 2011 eröffnete die Cascade ihre Pforten, eine Kombination aus Schwimmbad, Sauna und Wellnesslandschaft. Von dem Großprojekt erhofft sich die Gemeinde neue Impulse für den Tourismus.

Eine wichtige Rolle spielen auch Gewerbe und Industrie, vor allem im Talboden, dagegen kommt der Landwirtschaft heute nur noch eine nachgeordnete Bedeutung zu.

Soziales[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Soziale Wohnungsbau in Südtirol wurde erst 1972 als Folge der Autonomiebestimmungen aus der staatlichen Fürsorge ausgegliedert; im Jahr 1974 ließ das Südtiroler Wohnbauinstitut die ersten Wohneinheiten des regionalen geförderten Wohnbaus in Sand in Taufers (Daimerstraße) errichten.[5]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sand in Taufers ist Sitz eines deutschsprachigen Schulsprengels. Dieser umfasst die drei Grundschulen in Sand, Ahornach und Rein sowie die Mittelschule in Sand. Dem Schulsprengel angeschlossen sind auch die zwei Grundschulen der Nachbargemeinde Mühlwald.[6]

In Sand sind zudem die einzigen weiterführenden Schulen des Tauferer Ahrntals im Oberschulzentrum Sand in Taufers angesiedelt, das eine Fachoberschule für Wirtschaft und Tourismus, ein Sozialwissenschaftliches Gymnasium sowie eine Berufsfachschule für Pflege und Soziales anbietet.[7]

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der SSV Taufers organisiert jährlich seit 30 Jahren ein dreitägiges internationales Handballturnier im Jugendbereich.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sand in Taufers – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Oswald Redlich: Die Traditionsbücher des Hochstifts Brixen: vom zehnten bis in das vierzehnte Jahrhundert (Acta Tirolensia 1). Innsbruck: Wagner 1899, S. 50 Nr. 130.
  2. Emil von Ottenthal, Oswald Redlich: Archiv-Berichte aus Tirol. Band III. Wien-Leipzig 1910, S. 365 Nr. 1802 u. 1806.
  3. Die Bürgermeister der Gemeinden Südtirols seit 1952. In: Festschrift 50 Jahre Südtiroler Gemeindeverband 1954–2004. Südtiroler Gemeindenverband, S. 139–159, abgerufen am 16. November 2015 (PDF; 15 MB).
  4. Georg Schreiber: Der Bergbau in Geschichte, Ethos und Sakralkultur. Wiesbaden: Springer 1962, S. 639ff.
  5. Hannes Obermair: Das WOBI-IPES – ein historischer Aufriss. Festvortrag vom 3. Mai 2017, abgerufen am 7. Juni 2017.
  6. Schulsprengel Sand in Taufers. Südtiroler Bürgernetz, abgerufen am 25. Oktober 2014.
  7. Oberschulzentrum Sand in Taufers. Südtiroler Bürgernetz, abgerufen am 25. Oktober 2014.