Andechser Molkerei Scheitz

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Andechser Molkerei Scheitz GmbH

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Rechtsform GmbH
Gründung 1908 (ohne Beleg)
Sitz Andechs-Erling, Deutschland
Leitung Barbara Scheitz, Geschäftsführerin
Mitarbeiterzahl 190 (2018)[1]
Umsatz 151 Mio. Euro (2017)
Branche Lebensmittelindustrie
Website www.andechser-natur.de

Die Andechser Molkerei Scheitz GmbH mit Sitz im bayerischen Andechs ist mit rund 190[2] Mitarbeitern und 630 Zulieferern die größte deutsche Biomolkerei.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Urgroßeltern der heutigen Familie Scheitz gründeten 1908 eine Käserei in Erling bei Andechs. Diese wurde 1976 von Georg M. Scheitz[3], Landwirt und Molkereimeister, zu einer Molkerei ausgebaut. Vier Jahre später wurde hier erstmals „ökologisch erzeugte Milch“ verarbeitet. Wegen der gestiegenen Nachfrage wurde 1987 ein neues Molkereigebäude am Ortsrand gebaut, in das man ein Jahr später einzog. Um das Sortiment zu erweitern, begann man 1994, neben Kuhmilch auch Ziegenmilch zu verarbeiten. Das Unternehmen ist in der Biomilchstraße 1 in Andechs ansässig.

Zwischen dem Kloster Andechs und der Andechser Molkerei gab es diverse Gerichtsverfahren.[4][5][6][7]

Seit 1999 war der französische Molkereikonzern Bongrain (heute als Savencia firmierend) mit einem Minderheitsanteil an der Andechser Molkerei beteiligt (zunächst zu einem Drittel, seit 2007 mit noch 24,8 %).[6] Auf Anordnung des Bundeskartellamts gingen aus Wettbewerbsgründen am 1. Oktober 2015 alle Anteile wieder in den Besitz der Familie Scheitz über.[8]

2008 wurde im Rahmen einer Transparenz-Initiative die Rückverfolgbarkeit[9] der Produkte auf der Website eingeführt. Konsumenten können mit der Eingabe des Mindesthaltbarkeitsdatums auf der Website nachvollziehen, aus welcher Region und stellvertretend von welchen Bio-Bauernhof die Milch des Produktes stammt. Zudem stellt die Molkerei online eine interaktive Karte zur Lokalisierung seiner Biobauern zur Verfügung und umfassende Möglichkeiten sich über die Bio-Landwirtschaft zu informieren. So sind zum Beispiel Steckbriefe mit Bildern der Biobauern hinterlegt.

2009 verlor die Andechser Molkerei einen Rechtsstreit gegen die Stiftung Warentest vor dem Oberlandesgericht Karlsruhe.[10] Die Stiftung Warentest hatte bei einem im Oktober 2008 veröffentlichten Test über 35 Buttermarken die Bio-Sauerrahmbutter Andechser Natur (Bioland) mit der Note „mangelhaft“ bewertet, da diese eine zu geringe Anzahl an Milchsäurebakterien aufwies, die bei der Herstellung von Sauerrahmbutter aber zwingend notwendig ist.[11]

Seit 2009 verarbeitet die Molkerei 100 % Biomilch. Der Milchpreis wird mit den Biobauern alle acht Wochen persönlich verhandelt. Die Bio-Molkerei honoriert zudem die Weidehaltung der Biokühe mit einer in Deutschland einzigartigen Weideprämie auf den Milchpreis.

2015 wurde die Verwaltung und das Hochregallager im Sinne der Philosophie[12] des Künstlers Friedensreich Hundertwasser gebaut.

Qualitätssicherung und Umweltschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Einsatz für Bio-Qualität und Umweltschutz begann 1981, als die Molkerei trotz starkem Widerstand von Seiten des Handels als erstes Unternehmen in Deutschland die pfandfreie, braune Flasche für Milch durchsetzte. Während der Atomkatastrophe von Tschernobyl von 1986 sicherte Georg Scheitz für seine Zulieferbetriebe Futter frei von radioaktivem Fall-Out. 2004 wurde eine moderne PET-Anlage installiert. Seit 2008 ermöglicht das Unternehmen Endverbrauchern, den Weg ihrer Produkte im Internet zu verfolgen.

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2009 stellt die Andechser Molkerei ausschließlich Bio-Produkte her. Diese werden unter der Bezeichnung „Andechser Natur“ vermarktet. Für die Produktion wird ausschließlich Bio-Milch (Bioland, Naturland, Biokreis und Demeter) von Kühen und Ziegen verwendet, die von 530 Bio-Kuhmilchbauern und 100 Bio-Ziegenmilchbauern bezogen wird. Ihre rund 27.000 Kühe und 14.500 Ziegen liefern pro Jahr ca. 115 Mio. kg Kuhmilch und etwa 9,4 Mio. kg Ziegenmilch. Die von den Bauern ökologisch bewirtschaftete Gesamtfläche beträgt 35.000 ha, das entspricht 15 % der gesamten ökologisch bewirtschafteten Fläche in Bayern (2017).

Das Sortiment der Andechser Molkerei umfasst ca. 150 Bio-Molkereiprodukte[13],zu denen neben Milch, Jogurts und Desserts auch Butter, Rahm, Schlagsahne und Quark sowie Käse zählen.

Ihre Rohmilch bezieht die Molkerei vorwiegend aus dem Voralpenland.

Preise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2006 erhielt die Andechser Molkerei den Preis „Renner des Jahres“ für den Andechser Natur Trinkjogurt Himbeer-Lemon in der PET-Verpackung als erfolgreichste Einführung eines Neuproduktes am Bio-Markt.[14]

2017 gewann die Andechser Molkerei Scheitz mit ihrer Marke ANDECHSER NATUR den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2018.[15] Die Jury des Nachhaltigkeitspreises würdigte zum einen die professionelle Markenführung und stabile Markenstärke im Nachhaltigkeitsbereich, zum anderen die kreativen Ansätze der Kommunikation. 2018 wurde Andechser im YouGov BrandIndex von YouGov und Handelsblatt für das beste Preis-Leistungs-Verhältnis aus Verbrauchersicht in der Kategorie Molkereiprodukte ausgezeichnet.[16]

Zertifizierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Zertifikat
Seit 1995 Erstmalige Zertifizierung nach dem Qualitätsmanagementsystem DIN EN ISO 9001
Seit 1997 Validierung nach EG-Öko-Audit-Verordnung (EMAS)
Seit 2000 DIN EN ISO 14001
Seit 2004 IFS
Seit 2009 Occupational Health- and Risk-Managementsystem

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Wir wachsen mit“. In: https://www.merkur.de. 19. Februar 2018 (merkur.de [abgerufen am 24. März 2018]).
  2. a b „Wir wachsen mit“. In: https://www.merkur.de. 19. Februar 2018 (merkur.de [abgerufen am 24. März 2018]).
  3. Alles Bio, schon beim Opa. In: https://www.merkur.de. 2. Februar 2018 (merkur.de [abgerufen am 9. März 2018]).
  4. Zwangspause im Käsestreit. In: sueddeutsche.de. 9. Dezember 2011, abgerufen am 18. November 2012.
  5. Christine Setzwein: Kein Frieden in Andechs. In: sueddeutsche.de. 14. Februar 2012, abgerufen am 18. November 2012.
  6. a b Alfons Kifmann: Bizarrer Markenstreit spaltet Andechs. In: Wirtschaftswoche. 9. Juni 2012, abgerufen am 18. November 2012.
  7. Bauernaufstand gegen Kloster Andechs. quer, 15. November 2012, archiviert vom Original am 29. Juni 2013; abgerufen am 18. November 2012.
  8. Blanche Mamer: Wieder in Familienbesitz. In: Süddeutsche Zeitung. 5. Oktober 2015, abgerufen am 13. Dezember 2015.
  9. Rückverfolgbarkeit | ANDECHSER NATUR. Abgerufen am 9. März 2018.
  10. OLG Karlsruhe, Beschluss vom 26. März 2009, Az. 6 U 151/08, unveröffentlicht.
  11. Stiftung Warentest gewinnt gegen Andechser Molkerei. 26. März 2009, abgerufen am 20. Oktober 2013 (Pressemitteilung).
  12. Bio-Pioniere auf gutem Weg. In: https://www.merkur.de. 7. Juli 2017 (merkur.de [abgerufen am 9. März 2018]).
  13. Stiftung Warentest: Naturjoghurt im Test - Nicht immer ist drin, was draufsteht - Test - Stiftung Warentest. Abgerufen am 9. März 2018.
  14. Gudrun Ambros: Biofach 2006: Renner des Jahres. In: Schrot und Korn. 2006, abgerufen am 13. Dezember 2015.
  15. Andechser Molkerei Scheitz GmbH | Deutscher Nachhaltigkeitspreis. Abgerufen am 9. März 2018.
  16. YouGov BrandIndex | yougov.de. Abgerufen am 5. Mai 2018.

Koordinaten: 47° 57′ 49,9″ N, 11° 11′ 18,4″ O